Energieverbrauch weltweit: Energiemix & Trends

Wie viel Energie verbrauchen wir weltweit? Welche Trends im Energiemix gibt es?

Der weltweite Energieverbrauch steigt seit Jahren fast gleichförmig. Auch der vorübergehende Verbrauchs-Einbruch durch Corona ist längst wieder aufgeholt.

2024 verbrauchte die gesamte Welt rund 187 Billionen kWh Energie.12 Im Vorjahr waren es noch 183 Billionen kWh.

Das ist das 20-Milliarden-fache des direkten Pro-Kopf-Verbrauchs von 8.800 kWh pro Haushalt in Deutschland. 3

Den globalen Energieverbrauch dominieren die fossilen Energieträger Erdöl, Kohle und Erdgas mit gut drei Vierteln Anteil bei den Primärenergieträgern.

Es werden sogar weiterhin mehr fossile als klimafreundliche Energiequellen zugebaut. Von einer Dekarbonisierung kann international gesehen noch keine Rede sein.

Am ehesten zeigt sich die Energiewende noch im Stromsektor. Elektrizität ist am einfachsten zu dekarbonisieren und stammt weltweit „nur“ noch zu zwei Dritteln aus klimaschädlichen Quellen.

Primärenergie: Anteile am Energieverbrauch weltweit 2023

Erdöl war mit fast 30% Anteil der am meisten genutzte Primärenergieträger. Benzin, Diesel und Kerosin im Transportsektor sind Erdölprodukte, genauso wie Heizöl im Wärmesektor. Die materielle Verwendung von Öl in Kunststoffen ist hier nicht berücksichtigt.

Kohle mit fast 25% Anteil an der Primärenergie ist nach wie vor der zweitwichtigste Brennstoff. Kohle wird vor allem in Kraftwerken verstromt oder für Fernwärme und Prozesswärme verbrannt.

Erdgas ist mit 22% Anteil am Energieverbrauch kurz davor die Kohle zu überholen. Anders als Kohle ist Erdgas ein sehr beliebter Brennstoff zum Heizen. Aber auch Strom und Prozesswärme stammen aus Gaskraftwerken.

Biomasse ist der älteste und mit 7% Anteil mittlerweile unbedeutendste Brennstoff. Besonders in armen Ländern wird ein Großteil des Heizbedarfs aber nach wie vor mit Holz, Dung und landwirtschaftlichen Abfällen gedeckt.

Wasserkraft ist mit 6% Anteil am Energieverbrauch der erste klimafreundliche Energieträger. Sie dient in Form von Staudämmen und Laufwasserkraftwerken der Stromerzeugung.

Kernkraft ist mit 4% Anteil die zweitwichtigste klimafreundliche Energiequelle. Atomkraftwerke werden vor allem zur Stromerzeugung genutzt und nur selten zur Auskopplung von Fernwärme oder Prozesswärme.

Windkraft mit gut 3% Anteil und Photovoltaik mit knapp 3% Anteil am Gesamtenergieverbrauch sind die Newcomer auf dem Energiemarkt. Die beiden klimafreundlichen Energiequellen erzeugen ausschließlich Strom.

Sonstige Energiequellen spielen mit gut 1% fast keine Rolle. Hierunter fallen vor allem Abfallverbrennung und Geothermie.

Primärenergie: Energieverbrauch weltweit von 2000 bis 2024

Im zeitlichen Verlauf mit absoluten Zahlen seit dem Jahr 2000 zeigen sich mehrere Trends:

  • Der globale Energieverbrauch steigt ungebrochen und fast gleichförmig.
  • Wirtschaftskrisen wie 2008 und 2020 senken den Verbrauch nur temporär.
  • Kohle und Erdgas sind die am stärksten zugebauten Energien, gefolgt von Erdöl.
  • Erdgas läuft Kohle und Erdöl im zweiten Jahrzehnt langsam den Rang ab.
  • Wasserkraft, Biomasse und Kernkraft stagnieren relativ gesehen seit Jahren.
  • Wind und Solar wurden seit etwa 2015 verstärkt zugebaut.

Trotz dem starken Zubau von Wind und Solar, zeigt sich global kein schneller Übergang zu klimafreundlicher Energie.

Klimafreundliche Energie: Anteil Kernkraft & Erneuerbare

In den letzten 10 Jahren wurde trotz aller Klimaschutzbemühungen der Anteil klimaschädlicher Energien um nur 3 Prozentpunkte reduziert:

  • 88% klimaschädliche Energie im Jahr 2014
  • 85% klimaschädliche Energie im Jahr 2024

Fast alle diese Einsparungen wurden bei der Kohleverbrennung erreicht. Erdöl, Erdgas und Biomasse haben ihren Anteil hingegen um maximal einen Prozentpunkt verändert.

Der Anteil der klimafreundlichen Erzeuger Wasserkraft und Kernkraft ist prozentual gleichgeblieben, obwohl beide in absoluten Zahlen leicht ausgebaut wurden.

Wind und Solar konnten ausgehend von einem niedrigen Niveau ihre relativen Anteile im letzten Jahrzehnt verbessern. Sie decken nun 5% des Energieverbrauchs von vorher 1%.

Es ist eigentlich egal, ob man hier 10 Jahre zurückgeht, 20 Jahre oder 30. Klimaschädliche Energieträger dominierten viele Jahrzehnte unsere Energieversorgung und tun es bis heute.

10 Jahre Zubau: Welche Energien wurden verstärkt ausgebaut?

Weltweit steigt der Energieverbrauch nach wie vor stark. Aber nicht alle Energieträger profitierten davon im letzten Jahrzehnt von 2014 bis 2024 gleichermaßen.

In absoluten Zahlen stieg die Erdgas-Nachfrage im letzten Jahrzehnt mit Abstand am meisten, gefolgt von Erdöl. Deutlich weniger ausgebaut wurden die nächstwichtigen Energiequellen Wind und Solar.

Selbst Kohle wurde weiter ausgebaut. In der deutschen Klimadebatte vergessen wir oft, dass vor allem in China, Indien und Indonesien nach wie vor Kohlekraftwerke gebaut werden.

Im reichen Westen wurden hingegen viele Kohlekraftwerke durch Gaskraftwerke ersetzt. Man spricht von einem Fuel Switch. Deutschland ist eines der letzten Industrieländer, welches den Kohleausstieg immer noch um mehr als ein Jahrzehnt hinauszögert.

Insgesamt überwiegt global der Zubau der klimaschädlichen Energien, auch weil Wasserkraft und Kernkraft seit Jahrzehnten nur noch wenig ausgebaut werden.

Net Zero: Wann kommt der Durchbruch klimafreundlicher Energie?

Bisher kamen neue Formen der Energieerzeugung immer kumulativ zum bestehenden Energieverbrauch hinzu. Ziel globaler Klimaschutzmaßnahmen ist es aus dieser „Energy Addition“ eine „Energy Transition“ zu machen.

Der erste Schritt in diese Richtung, ist ein Stopp des Zubaus fossiler Energieerzeugung. Im Moment reicht der Zubau klimafreundlicher Energiequellen leider noch nicht aus, um allein den wachsenden Energiehunger zu befriedigen.

Wenn das Wachstum klimafreundlicher Energiequellen in Zukunft exponentiell steigen würde, könnten sie Mitte der Dreißiger Jahre den kompletten Neubedarf decken – bei gleichbleibendem Wachstum des Energieverbrauchs.

Erst danach wäre global gesehen ein Rückgang fossiler Energie möglich. Selbst mit dieser sehr optimistischen Annahme eines exponentiellen Wachstums, dürfte es noch viele Jahrzehnte dauern, bis die globale Energiewende zu klimafreundlichen Erzeugern 100% abgeschlossen ist.

Globale Energiewenden der Vergangenheit dauerten bis zu einem Jahrhundert. Der Experte für Energiewenden Vaclav Smil erwartet, dass wir noch viele Generationen mit der Dekarbonisierung beschäftigt sein werden.4

Zukunft des Energieverbrauchs: Welche Energiequellen legen künftig zu?

Ab spätestens 2040 wird mit einem dauerhaften Rückgang der Kohleverbrennung gerechnet. Das wäre das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass eine Energiequelle zumindest teilweise durch eine andere ersetzt wird. Allein diese Tatsache zeigt uns die Größe der Herausforderung der globalen Dekarbonisierung.

Laut Vorhersagen des Energiemixes von IEA, Equinor und BP, soll sich in Zukunft der Ausbau der Energieerzeugung von Wind und Solar beschleunigen. 567

Weil es Unmengen klimafreundlicher Energie braucht um allein die Kohleverbrennung zu verdrängen, werden Erdgas und Erdöl den Prognosen nach in absehbarer Zukunft auf ihrem hohem Niveau stagnieren.

Peak CO2: Wie lange steigen die Treibhausgas-Emissionen noch?

Ein globales Net Zero ist also noch in sehr weiter Ferne. Aber das Maximum der jährlichen CO2-Emissionen könnte bereits sehr bald erreicht sein. Bis heute sind die CO2-Emissionen kontinuierlich gestiegen, aber der jährliche Anstieg ist bereits zurückgegangen.

Die maximalen CO2-Emissionen können sogar erreicht werden, während wir weiter fossile Energien ausbauen. Das ist zum Beispiel möglich, wenn dreckige Kohlekraftwerke durch deutlich klimafreundlichere Erdgaskraftwerke ersetzt werden.

Und der maximale Zubau von Kohlekraftwerken scheint bereits hinter uns zu liegen.8 Und selbst wenn weiter Kohlekraftwerke zugebaut werden, kann ihre Auslastung durch die „Fuel Saver“ Wind und Solar gesenkt werden.

Es gibt Modellierungen, die „Peak CO2“ bereits 2025 erwarten.9 Danach dürften die jährlichen Treibhausgasemissionen kontinuierlich fallen, bis in vielen Jahrzehnten Net Zero erreicht ist.

Energiehunger: Wachstum des Energiebedarfs vor allem in Asien

Der Energieverbrauch wächst global stetig, aber sehr ungleich verteilt über die Weltregionen. Fast das gesamte Wachstum geschah in den letzten Jahrzehnten in China sowie in Südasien und Südostasien.

Einerseits wurde ein großer Teil der Industrie aus dem Westen in Länder wie China, Indien oder Vietnam ausgelagert. Andererseits sind die Menschen in diesen Regionen wohlhabender geworden und verbrauchen selbst mehr Energie.

In den reichen Industrieländern der OECD bleibt der Energieverbrauch hingegen seit Jahrzehnten quasi unverändert. Die Weltwirtschaftskrise 2008 und der Corona-Lockdown 2020 sind gut in den Zahlen erkennbar, aber führten nur zu einem vorübergehenden Rückgang. Auch der Rückgang durch die europäische Energiekrise könnte bald wieder vorbei sein.

Energiearmut: Welche Länder brauchen zukünftig mehr Energie?

3 Milliarden Menschen leben heute in Energiearmut. Unsere Mitmenschen im globalen Süden wollen heute und in Zukunft ebenfalls Zugang zu Wohlstand und Energie.

Zugang zu bezahlbarer und sauberer Energie ist auch eins der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele, zusammen mit der Beendung von Armut und der Garantie von dauerhaftem Wirtschaftswachstum.

Das dafür nötige Energiewachstum macht den Klimaschutz, ebenfalls eines der 17 Ziele, natürlich schwieriger als bei gleichbleibendem Energieverbrauch. Deshalb ist nachhaltiger Klimaschutz immer mit Abwägungen verbunden.

Die Länder, die in Zukunft zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele am meisten ihren Energieverbrauch steigern müssen liegen in Afrika. Aber auch in Südasien, Südostasien und Lateinamerika müssen einige Länder noch ordentlich zu uns aufholen.

Strommix: Stromerzeugung weltweit 2024

Etwas positiver als beim Energiemix insgesamt sieht es im am einfachsten zu dekarbonisierenden Energiesektor aus, dem Stromsektor. Noch zwei Drittel der Stromquellen weltweit sind klimaschädlich.

Es wird aber nach wie vor ein gutes Drittel der Elektrizität aus Kohleverstromung gewonnen. Der verbleibende klimaschädliche Anteil stammt größtenteils aus der deutlich saubereren Erdgasverstromung.

Unter dem einen Drittel klimafreundlichen Energiequellen dominiert die Wasserkraft. Kernkraft und Windkraft spielen eine kleinere Rolle und die Photovoltaik ist noch abgeschlagen auf Rang 4.

Die Stromerzeugung macht weltweit rund 40% der Primärenergie aus. Mit steigender Sektorkopplung wird auch die Bedeutung des Stromsektors steigen. Immer mehr Anwendungen werden elektrifiziert, z.B. durch Wärmepumpen oder E-Autos.

Exkurs: BP Statistical Report und das Substitutionsprinzip

Die wichtigsten Zahlen zum globalen Energieverbrauch werden jeden Juli im Statistical Report vom Energy Institute (früher BP) veröffentlicht.

Die Auskopplung der Statistiken aus der Ölfirma im Jahr 2024 war vom Marketing ein smarter Move. Zahlen von BP ließen sich viel zu leicht als „Lobbyzahlen“ diskreditieren.

BP und Energy Institute haben lange Zeit das Substitutionsprinzip zur Berechnung verwendet. Damit werden Wind, Solar und Wasserkraft nicht schlecht gerechnet, anders als beim Wirkungsgradprinzip.

Im Jahr 2025 hat das Energy Institute die Berechnungsmethode leider umgestellt. Windkraft, Photovoltaik und Wasserkraft werden seitdem um etwa den Faktor 2,5 niedriger ausgewiesen.

Als Grund wurde angegeben, dass durch das Substitutionsprinzip Energiemengen berechnet werden, die keine Entsprechung in der Realität haben. Das stimmt natürlich, aber ist für viele Anwendungsbereiche irrelevant.

Das Problem mit dem Wirkungsgradprinzip ist, dass Elektrizität als Primärenergie bewertet wird, obwohl es eine Sekundärenergie ist, aber nur bei Wind, Solar und Wasserkraft. Das verfälscht die Relationen leider gewaltig.

Erneuerbaren-Skeptiker feiern diesen Umstieg. Laut Gail Tverberg sind Wind, Solar und Wasserkraft keine vollwertigen Energiequellen und deshalb sei die Unterbewertung um den Faktor 2,5 gerechtfertigt.

Das ist natürlich Quatsch und deshalb bleibt Tech for Future beim realistischeren Substitutionsprinzip.

Updates:

  • 09.07.2023: Erstmals veröffentlicht.
  • 03.07.2024: Aktualisiert mit aktuellen Zahlen und Ausführungen zu Peak CO2 und Net Zero
  • 25.08.2025: Aktualisiert mit aktuellen Zahlen und Exkurs zum Energy Institute

Quellen

  1. Primärenergieverbrauch ohne traditionelle Biomasse Energy Institute (2025)
  2. Abschätzung traditionelle Biomasse: Energy Transitions Smil (2017)
  3. Zahl der Woche Nr. 09 vom 1. März 2022 Statistisches Bundesamt (2022)
  4. Examining energy transitions: A dozen insights based on performance Smil (2016)
  5. World Energy Outlook IEA (2022)
  6. Energy Perspectives Equinor (2022)
  7. Energy Outlook BP (2022)
  8. Global Coal Plant Tracker Global Energy Monitor (2024)
  9. When will global greenhouse gas emissions peak? Climate Analytics (2023)

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Dieser Beitrag hat 9 Kommentare

  1. Michael

    Die Aussage zu Erdgas als wesentlich Klima freundlicher bzw. CO2-ärmer ist inzwischen zu korrigieren…

    1. Florian Blümm

      Nö, das stimmt immer noch. Die Zahlen vom IPCC berücksichtigen Methan-Schlupf.

  2. Dirk Badtke

    Bei dem Wort Klima kann man eigentlich aufhören, die „dezentrale“ Wind und Solarerzeugung wird zur absoluten Katastrophe. 170 GW an Wind und Sonne stehen jetzt, bei einer max. Höchstanforderung Strom von 75 GW, leisten die 30 000 Windanlagen und Solarflächen manchmal die Hälfte der Stromerzeugung. An der Primärenergie also 10 % in Deutschland, Kosten bisher 1 Billion Euro, und um ein 1.6 GW KKW zu ersetzen mit etwa 250 000 Tonnen Material brauchen wir 1600 Windanlagen mit 7 800 000 Tonnen an Material die manchmal Strom erzeugen. Ergebnis der Wendeenergie extrem hohe Stromkosten wegen der Subventionen für nichts und wir können unseren eigenen Strom nicht mehr erzeugen. Siehe energy-charts.info 2.7.2024 11.15 Uhr Last 65 GW Erzeugung 58 GW faktisch erreichen wir nie unsere Last. Was soll das, wir werden jetzt noch 270 000 Anlagen zubauen, dann stehen auf jedem freien Quadratkilometer 5 Anlagen der Strom kostet 10 €/kwh, die Industrie ist anderswo und führt zur stärkeren Umweltverschmutzung (Indien ist eine Reise wert). Das Ideologieprojekt Wendeenergie ist gescheitert und die werden weitermachen bis die Wirtschaft weg ist.Fast alle Materialien der Wendeenergie kommen aus China, wenn die Grünen Khmer denen noch ein paarmal dumm kommen, wird Xi da mal am Hahn drehen, letztlich will in China niemand mit irgendwelchen böswilligen Dilitanten und Hasadeuren sprechen. Die deutsche Wendeenergie wird niemals die Energie erzeugen, die Sie beim Bau verbraucht hat und sie wird niemals unser Industrieland versorgen und wir sind auch kein positives Beispiel, alleine die Idiotenveranstaltungen in Namibia 2.5 mal größer als DE und 2.5 Millionen Einwohner größtenteils Wüste ohne Wasser, mit Windanlagen auszurüsten um dann H² abzuholen ist so unfassbar unduchführbar, das kann man nur völlig Verdummtem erzählen. Der Große Sprung in den Untergang der Industrienation Deutschland. Nicht zu vergessen, die Wendeenergie führe dazu, das wir 600gCO² pro kwh ausstossen. Vorletzter Platz in der EU, wir schalten KKW und neue Kohleanlagen ab und auf dem Balkan fielgerade der Strom aus, aber besser Kosovo 1 und 2 laufen, da geht es den wissensfreien Khmer gut.

  3. Martin

    … „Energieträger zugebaut“ …
    Die Formulierung ist imho unglücklich.

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