Strompreisentwicklung Deutschland 2022: Warum steigen die Stromkosten?

Deutschland hat die teuersten Strompreise der Welt. Warum steigen die Stromkosten auch 2022 immer weiter?

Wir sind Weltmeister beim Strompreis. In keinem anderen Land der Welt kostet der Strom so viel wie in Deutschland.

Im Jahr 2019 haben wir bei Stromkosten in Privathaushalten 30 Cents pro Kilowattstunde geknackt und 2022 überschreiten wir schon die 40 Cents pro kWh.

Im Schnitt kostete 2021 der Strom in der EU rund 20 Cents pro kWh. In den USA sind es nur noch 12 Cents, in China und Indien sogar unter 7 Cents.

Warum ist der deutsche Strom teurer als in jedem anderen Land der Welt?

  • Das Die EEG-Umlage war der Preistreiber des Jahrzehnts von 2010 bis 2020.
  • Die Energiekrise ist seit Ende 2021 Preistreiber bei Strom und Gas.

Obwohl die EEG-Umlage unter der Ampel-Koalition 2023 abgeschafft werden soll, ist keine Preissenkung zu erwarten.

Wegen der aktuellen Energiekrise mit Knappheit von Gas und Kohle werden die Verbraucherpreise im Jahr 2022 vermutlich bei über 40 Cents pro kWh bleiben.

Zusammensetzung des Strompreises 2022 in Deutschland

Strompreiszusammensetzung Deutschland 2022 - Strompreisentwicklung Deutschland 2022: Warum steigen die Stromkosten?

Der Strompreis in Deutschland im April 2022 beträgt 40,6 Cents pro kWh 1 mit dieser Zusammensetzung:

  • 21,3 Cents pro kWh: Produktion & Bereitstellung
  • 11,5 Cents pro kWh: Netzentgelt, Konzessionsabgabe & StromNEV-Umlage
  • 2,4 Cents pro kWh: Energiesteuer auf Strom
  • 4,9 Cents pro kWh: EEG-Umlage & Offshore-Haftungsumlage
  • 0,4 Cents pro kWh: KWK-Aufschlag & Umlage für abschaltbare Lasten

für Haushalte mit 4.000 kWh Jahresverbrauch inklusive 19% Mehrwertsteuer

Ohne EEG-Umlage sowie Offshore-Haftungsumlage läge der Strompreis heute bei 35,7 Cents pro kWh statt bei 40,6 Cents.

Strompreiserhöhung: Strompreisentwicklung in Deutschland 2000 bis 2022

Strompreisentwicklung Deutschland bis 2022 - Strompreisentwicklung Deutschland 2022: Warum steigen die Stromkosten?

Im Jahr 2000 vor Beginn der Energiewende zahlten Privatverbraucher noch 13,9 Cents pro kWh Strom. Der Strompreis hat sich in 22 Jahren fast verdreifacht.

Dabei unterscheiden sich die Gründe für die Strompreiserhöhung in den Nullerjahren stark von denen in den Zehnerjahren und in den Zwanzigerjahren:2

  • 2000 – 2010 Strompreiserhöhung von 13,9 Cents auf 23,7 Cents pro kWh
    Die Beschaffung und Bereitstellung des Stroms kostet 2010 mehr als doppelt so viel wie 2000. Ab 2010 hielt sich das hohe Niveau hingegen halbwegs stabil.
  • 2010 – 2020 Strompreiserhöhung von 23,7 Cents auf 31,8 Cents pro kWh
    Die EEG-Umlage und die Umlage für Offshore-Haftung sind von 2,4 Cents im Jahr 2010 auf 8,5 Cents pro kWh im Jahr 2020 gestiegen. Auch die Netzentgelte sind im zweiten Jahrzehnt langsam gestiegen von rund 9 Cents pro kWh in den Jahren 2007 bis 2012 auf 11,5 Cents pro kWh heute.
  • 2020 – 2022 Strompreiserhöhung von 31,8 Cents auf 40,1 Cents pro kWh
    Wie in den Nuller Jahren ist die Beschaffung und Bereitstellung des Stroms der Preistreiber. Das liegt an der Energiekrise seit 2021. Auch die Netzentgelte steigen langsam weiter. Die EEG-Umlage wird seit 2020 gedeckelt und 2023 ganz abgeschafft. Das kann aber den Preisanstieg nur zu einem kleinen Teil kompensieren.

für Haushalte mit 3.500 kWh Jahresverbrauch inklusive 19% Mehrwertsteuer
vor 2006 wurden Netzentgelte und Produktionskosten nicht einzeln ausgewiesen

Die Erhöhung der Netzentgelte liegt wahrscheinlich zum größten Teil am Netzausbau für Erneuerbare:

  1. Konventionelle Kraftwerke stehen versorgungsgerecht in Verbrauchernähe, während Wind, Solar und Biogasanlagen weit von den Verbrauchern entfernt dezentral über das Land verteilt sind.
  2. Die 4 neuen Nord-Süd-Gleichstromtrassen mit jeweils 2 GW für Offshore-Wind sind ebenfalls sehr teuer.

Wie kam es zur Energiekrise für Strom & Gas Ende 2021 & 2022?

Im Laufe der Energiekrise stiegen die europäischen Börsenpreise für Energie zwischen Januar und Dezember 2021 um:

  • +437%: Elektrizität3
  • +404%: Erdgas4
  • +164%: CO2-Emissionsrechte (ETS)5
  • +94%: Steinkohle6
  • +30%: Erdöl7

Seitdem sind die Energiepreise durch den Ukrainekrieg und daraus folgenden Verknappungen sowie Unsicherheiten wegen Embargos noch weiter gestiegen.

Preistreiber schienen vor allem die Gaspreise zu sein, insbesondere wegen des kalten und langen Winters 2020/2021 mit Heizphase bis Mai. Das hat zu einem globalen Anstieg der Nachfrage geführt. Asien hat wohl daraufhin den Markt für Flüssiggas leergekauft.

Ohne die Möglichkeit auf Flüssiggas auszuweichen, bleibt in Mitteleuropa Russland als Lieferant für Erdgas. Russland konnte oder wollte bereits 2021 nicht mehr liefern als die niedrigen langfristig vereinbarten Mengen. Mit dem Ukrainekrieg sind außerdem mögliche Gasembargos eingepreist.

In Deutschland spielt außerdem der Atomausstieg eine Rolle mit der Abschaltung von 4 Gigawatt billigen und versorgungssicherem Atomstrom am 31.12.2021. Ebenfalls bedeutsam für Deutschland waren die unterdurchschnittlichen Windstärken in 2021 nach 2 besonders windreichen Jahren.

Der Strommarkt geht nicht von einer schnellen Besserung aus. Die Marktpreise sind im Sommer 2022 zwar wieder unter 200 Euro pro MWh gefallen. Für eine Lieferung im Winter 2022/2023 liegen sie aber wieder bei bis zu 250 Euro pro MWh. Bis 2026 normalisieren sich die Preise nicht wieder auf das Niveau von vor der Energiekrise unter 100 Euro pro MWh. 8

Die Energiekrise ist gekommen um zu bleiben.

EEG-Deckel & Ende der EEG-Umlage: Preisbremse für 2021, 2022 & 2023

Entwicklung Prognose der EEG Umlage 2000 2026 - Strompreisentwicklung Deutschland 2022: Warum steigen die Stromkosten?

Die EEG-Umlage wäre im Jahr 2021 eigentlich deutlich gestiegen auf 9,65 Cents pro kWh. Corona-bedingt waren die Marktwerte für Wind- und Solarstrom im Keller. Durch das EEG-Paradoxon (siehe Artikelende) stieg die EEG-Umlage stark.

Das hätte 2021 zu einem Strompreis von gut 37 Cents pro kWh geführt. Gut ein Viertel der EEG-Umlage wurde aber im Konjunkturpaket 2020 quersubventioniert. Mit 11 Milliarden Euro Steuergeldern konnte die EEG-Umlage 2021 um gut 3 Cents auf 6,5 Cents gedrückt werden.

Auch im Jahr 2022 wird die EEG-Umlage durch Steuermittel gedeckelt auf 3,7 Cents. 9 Trotzdem sollen die Verbraucherpreise auf 37 Cents pro kWh steigen.

Ohne EEG-Deckel würde der Strompreis 2022 bereits auf mehr als 40 Cents pro kWh springen. Laut Prognose der Netzbetreiber bleibt die EEG-Umlage von 2022 bis 2026 auf einem hohen Niveau, wenn auch nicht so hoch wie im Corona-Jahr 2020. 10

2023 soll die EEG-Umlage ganz abgeschafft und stattdessen vom Steuerzahler übernommen werden. 11 Mit der EEG-Umlage fällt der hauptsächliche Kostentreiber beim Strompreis im letzten Jahrzehnt weg.

Das Auslaufen der EEG-Umlage wirkt also nun als Preisbremse. Die Preisanstiege durch die Energiekrise lassen sich damit aber nur leicht kompensieren. Eine Ausgleichszahlung für Niedrigverdiener wie in Nachbarländern ist bisher nicht geplant.

Weltweiter Strompreisvergleich: Wer hat den günstigsten Strompreis?

Strompreise weltweit - Strompreisentwicklung Deutschland 2022: Warum steigen die Stromkosten?

Deutschland hatte vor der Energiekrise weltweit den teuersten Strompreis noch vor dem Inselstaat Bermuda. Da die Energiekrise fast ausschließlich Europa betrifft sollten wir in 2022 mit noch größerem abstand vorne liegen.

Den günstigsten Strompreis weltweit hatte Venezuela. Im Land des gescheiterten Sozialismus ist der Strom für Privatabnehmer umsonst – so lange man ihn nicht für das Bitcoin-Mining nutzt.

Sehr günstig mit unter 1 Cent pro kWh ist der Strom in Sudan, Libyen, Iran, Äthiopien, Kuba und Kirgisistan. In all diesen Ländern wird der Strom staatlich subventioniert. In Kuba und im Sudan sind die Subventionen aber 2021 bereits deutlich geschrumpft. 12 13 Die Daten sind von 2020.

Hier ist der weltweite Preisvergleich von Stromkosten: 14

  1. 0,0 Cents pro kWh: Venezuela
  2. 0,1 Cents pro kWh: Sudan
  3. 0,3 Cents pro kWh: Libyen
  4. 0,4 Cents pro kWh: Iran
  5. 0,7 Cents pro kWh: Äthiopien, Kuba
  6. 0,8 Cents pro kWh: Kirgisistan
  7. 1,1 Cents pro kWh: Simbabwe
  8. 1,4 Cents pro kWh: Bhutan
  9. 1,5 Cents pro kWh: Angola
  10. 1,9 Cents pro kWh: Suriname
  11. 2,0 Cents pro kWh: Irak
  12. 2,1 Cents pro kWh: Oman
  13. 2,3 Cents pro kWh: Usbekistan
  14. 2,5 Cents pro kWh: Kuwait, Sambia
  15. 2,6 Cents pro kWh: Katar
  16. 3,2 Cents pro kWh: Myanmar
  17. 3,3 Cents pro kWh: Algerien
  18. 3,4 Cents pro kWh: Aserbaidschan, Kasachstan
  19. 3,7 Cents pro kWh: Ägypten
  20. 3,8 Cents pro kWh: Ukraine
  21. 3,9 Cents pro kWh: Afghanistan, Saudi-Arabien, Bahrain
  22. 4,3 Cents pro kWh: Trinidad & Tobago, Georgien
  23. 4,5 Cents pro kWh: Laos
  24. 4,8 Cents pro kWh: Malaysia
  25. 5,0 Cents pro kWh: Pakistan, Russland, Kongo, Paraguay
  26. 5,1 Cents pro kWh: Argentinien
  27. 5,2 Cents pro kWh: Ghana, Nigeria
  28. 5,4 Cents pro kWh: Bangladesch
  29. 5,7 Cents pro kWh: Nepal
  30. 6,1 Cents pro kWh: Belarus
  31. 6,2 Cents pro kWh: Sri Lanka
  32. 6,3 Cents pro kWh: Tunesien, Armenien, Libanon
  33. 6,4 Cents pro kWh: Indien
  34. 6,6 Cents pro kWh: Vereinigte Arabische Emirate, Vietnam
  35. 6,8 Cents pro kWh: Mexiko
  36. 6,9 Cents pro kWh: China
  37. 7,1 Cents pro kWh: Türkei
  38. 7,4 Cents pro kWh: Dom. Rep.
  39. 7,5 Cents pro kWh: Kamerun
  40. 7,6 Cents pro kWh: Nordmakedonien
  41. 7,9 Cents pro kWh: Serbien, Ecuador
  42. 8,0 Cents pro kWh: Südkorea
  43. 8,1 Cents pro kWh: Tansania
  44. 8,2 Cents pro kWh: Jordanien
  45. 8,4 Cents pro kWh: Indonesien
  46. 8,5 Cents pro kWh: Norwegen
  47. 8,6 Cents pro kWh: Taiwan
  48. 8,8 Cents pro kWh: Moldawien, Lesotho
  49. 8,9 Cents pro kWh: Bosnien
  50. 9,1 Cents pro kWh: Albanien, Botswana
  51. 9,3 Cents pro kWh: Kanada
  52. 9,6 Cents pro kWh: Bolivien
  53. 9,8 Cents pro kWh: Madagaskar, Malawi
  54. 9,9 Cents pro kWh: Swasiland
  55. 10,1 Cents pro kWh: Thailand
  56. 10,3 Cents pro kWh: Ungarn
  57. 10,5 Cents pro kWh: Brasilien
  58. 10,7 Cents pro kWh: Namibia, Marokko
  59. 10,9 Cents pro kWh: Elfenbeinküste
  60. 11,6 Cents pro kWh: Island, Bulgarien
  61. 12,1 Cents pro kWh: Kolumbien, Macau, Hongkong, Costa Rica
  62. 12,2 Cents pro kWh: Mauritius
  63. 12,3 Cents pro kWh: Südafrika, Vereinigte Staaten von Amerika, Kambodscha
  64. 12,8 Cents pro kWh: Mosambik
  65. 13,0 Cents pro kWh: Singapur, Sierra Leone
  66. 13,2 Cents pro kWh: Malta, Panama
  67. 13,4 Cents pro kWh: Kroatien
  68. 13,7 Cents pro kWh: Litauen
  69. 14,0 Cents pro kWh: Estland
  70. 14,3 Cents pro kWh: Israel, Rumänien
  71. 14,4 Cents pro kWh: El Salvador
  72. 14,5 Cents pro kWh: Philippinen
  73. 14,6 Cents pro kWh: Schweden
  74. 15,2 Cents pro kWh: Aruba
  75. 15,3 Cents pro kWh: Honduras
  76. 15,4 Cents pro kWh: Niederlande
  77. 15,5 Cents pro kWh: Finnland, Uganda
  78. 15,6 Cents pro kWh: Senegal
  79. 15,7 Cents pro kWh: Peru
  80. 16,0 Cents pro kWh: Lettland
  81. 16,2 Cents pro kWh: Polen
  82. 16,3 Cents pro kWh: Uruguay
  83. 16,4 Cents pro kWh: Chile
  84. 17,1 Cents pro kWh: Kenia, Slowakei
  85. 17,5 Cents pro kWh: Togo, Nicaragua
  86. 17,7 Cents pro kWh: Slowenien
  87. 17,9 Cents pro kWh: Zypern
  88. 18,0 Cents pro kWh: Frankreich
  89. 18,4 Cents pro kWh: Griechenland
  90. 18,5 Cents pro kWh: Gabun, Schweiz
  91. 18,6 Cents pro kWh: Belize, Burkina Faso
  92. 19,8 Cents pro kWh: Mali, Spanien
  93. 19,9 Cents pro kWh: Österreich
  94. 20,1 Cents pro kWh: Neuseeland
  95. 20,2 Cents pro kWh: Barbados
  96. 20,3 Cents pro kWh: Tschechien
  97. 20,4 Cents pro kWh: Guatemala
  98. 20,7 Cents pro kWh: Luxemburg
  99. 21,0 Cents pro kWh: Ruanda
  100. 21,2 Cents pro kWh: Australien
  101. 21,4 Cents pro kWh: Italien
  102. 21,5 Cents pro kWh: Bahamas
  103. 21,6 Cents pro kWh: Großbritannien, Japan
  104. 21,7 Cents pro kWh: Kaimaninseln
  105. 21,8 Cents pro kWh: Liechtenstein
  106. 22,6 Cents pro kWh: Irland
  107. 22,9 Cents pro kWh: Portugal
  108. 23,5 Cents pro kWh: Jamaika
  109. 24,5 Cents pro kWh: Kap Verde
  110. 25,3 Cents pro kWh: Belgien
  111. 27,6 Cents pro kWh: Dänemark
  112. 29,5 Cents pro kWh: Bermuda
  113. 30,4 Cents pro kWh: Deutschland

für Haushalte weltweit im September 2020

EU Strompreisvergleich: Wie hoch sind die Strompreise in Europa?

Strompreise in Europa - Strompreisentwicklung Deutschland 2022: Warum steigen die Stromkosten?

Auch in Europa war die Bandbreite an Strompreisen vor der Energiekrise hoch. Vom EU-Beitrittskandidat Georgien mit 6 Cents pro kWh bis Deutschland mit mehr als 30 Cents pro kWh.

Eurostat bietet eine detaillierte Aufschlüsselung der Strompreis-Zusammensetzung in jedem EU-Land nach Jahr. Dort sieht man, welche Komponenten die Kosten erhöhen (Diagramm oben). 15

Auch in anderen europäischen Ländern können Umweltsteuern (in grün) ein Preistreiber sein, aber meistens nicht so hoch wie in Deutschland. Dänemark sticht hier hervor mit mehr als 50% Energiesteuer.

Es gibt aber auch Länder mit deutlich höheren Erzeugungskosten, wie die Inselstaaten Zyprus, Irland und Malta. Warum Belgien und Griechenland so hohe Produktionskosten haben, weiß ich nicht.

Deutschland ist bei den Produktionskosten im Mittelfeld, aber bei der Netzumlage das zweitteuerste Land nach Belgien. Die deutschen Netzkosten stiegen mit der Energiewende um 30%.

Industrie & Gewerbe: Strompreise für energieintensive Unternehmen

Strompreise fuer Gewerbe Industrie - Strompreisentwicklung Deutschland 2022: Warum steigen die Stromkosten?

Erstmal die gute Nachricht: Deutschland hat nicht die höchsten Industriestrompreise.

In der EU sind wir auf Platz 2 bis 3. Dänemark hat den Spitzenplatz und bei sehr hohem Energieverbrauch ist auch slowakischer Industriestrom teurer als deutscher.

Für die energieintensive Industrie und das Gewerbe gibt es mehrere Mengenrabatte. Zum Beispiel entfallen für Großverbraucher Energiesteuern, die EEG-Umlage oder Netzentgelte.

Die Industriestrompreise in Deutschland liegen bei: 16

  • 10 Cents pro kWh bei einem Jahresverbrauch von mehr als 150.000 MWh (Band IG) (Band ID)
  • 19 Cents pro kWh bei einem Jahresverbrauch von 2.000 – 20.000 MWh (Band ID)
  • 24 Cents pro kWh bei einem Jahresverbrauch von 20 MWh – 500 MWh (Band IB)

Zum Vergleich: ein Vierpersonen-Haushalt verbraucht rund 3,5 MWh pro Jahr, ein Aluminiumwerk rund 5.000.000 MWh pro Jahr. 17

Die Mengenrabatte sollen die energieintensive Industrie in Deutschland halten. Wenn ganze Industriezweige abwandern würden in Länder mit niedrigeren Umwelt- und Klimastandards, wäre das ökonomisch und ökologisch kontraproduktiv.

Primaerenergieverbrauch nach klimafreundlichen Energietraegern in 2019 Europa - Strompreisentwicklung Deutschland 2022: Warum steigen die Stromkosten?

Hohe Strompreise behindern die Sektorkopplung

Bei einem mittleren Haushaltsverbrauch von 4.000 kWh im Jahr macht die Strompreiserhöhung um 10 Cent seit 2008 immerhin 400 Euro Extrakosten pro Jahr aus.

Besonders hart trifft das Geringverdiener, bei denen die Stromkosten relativ gesehen einen größeren Teil der Ausgaben ausmachen.

Aber der Schaden durch hohe Strompreise ist weitreichender als nur eine hohe Stromrechnung. Wenn Strom künstlich teuer gemacht wird, lohnt sich die Sektorkopplung nicht.

Ist ja logisch: Wenn eine Wärmepumpe oder ein E-Auto doppelt so hohe Betriebskosten hat wie die fossile Alternative, überlegt man sich die Neuanschaffung nochmal.

In Frankreich, Schweden oder Norwegen ist die Elektrifizierung des Wärme- und Transportsektors deutlich weiter als bei uns. Das sieht man gut am Anteil klimafreundlicher Energie am Primärenergieverbrauch.

EEG-Paradoxon: Umlagemechanismus als Treiber hoher Strompreise

EEG Umlagemechanismus - Strompreisentwicklung Deutschland 2022: Warum steigen die Stromkosten?

Strom aus Erneuerbaren Energien wird in Deutschland für 20 Jahre mit einer festen Einspeisevergütung subventioniert. Der Erzeuger bekommt also einen Mindestbetrag pro kWh, auch bei niedrigerem Marktwert.

Je weniger Gewinn der EE-Strom am Strommarkt erzielt, desto höher ist die Deckungslücke zum Festpreis. Der EEG-Umlagebetrag muss also entsprechend steigen.

Dies ist als EEG-Paradoxon bekannt:
Ein niedriger Marktwert von Strom aus Erneuerbaren führt zu einer hohen EEG-Umlage

Das paradoxe daran ist, dass die Einspeisevergütung für Neuanlagen Jahr für Jahr sinkt. Neuere Anlagen erhalten weniger Subventionen als alte Anlagen. Weil alte Anlagen aus der Förderung fallen, sollte der EEG-Umlagebetrag eigentlich sinken.

Trotzdem steigen die Kosten der Energiewende jedes Jahr. Zwar sind neue Anlagen günstiger, aber bestehende Anlagen werden durch weiteren Zubau teurer.

Das liegt daran, dass Wind- und Solarstrom mit höherem Systemanteil immer weniger wert ist. An sonnigen oder windigen Tagen zerstören sich die Solar- und Windanlagen ihre eigenen Erträge durch Überproduktion.

Immer häufiger gibt es an Tagen mit günstigem Wetter sogar negative Strompreise. Ein negativer Strompreis ist eine Entsorgungsgebühr für den nicht benötigten Strom aus Erneuerbaren.

In einem funktionierenden Markt gäbe es keine anhaltend negativen Strompreise. Leider wird in Deutschland durch Subventionen und Abnahmegarantie das Marktgleichgewicht von Angebot und Nachfrage zerstört.

Dieses Problem gäbe es nicht, wenn Wind und Solar ohne Subventionen kostendeckend wären. Selbst in der aktuellen Energiekrise ist der Marktwert von Solarstrom und Windstrom 18 nicht hoch genug um die Vollkosten von Erneuerbaren zu decken.

In Zukunft wird die EEG-Umlage aus Steuermitteln bezahlt. Das EEG-Paradoxon besteht aber weiterhin.

Stromkosten Zusammensetzung: Bestandteile der Stromrechnung

Was bedeuten eigentlich die verschiedenen Bestandteile auf der Stromrechnung? Hier ein kleines Glossar von Abgaben und Umlagen:

  1. Netz- und Messentgelte
    Für den Transport und die Verteilung des elektrischen Stroms braucht man Stromnetze mit Hochspannung und Mittelspannung, sowie Niederspannung für die letzte Meile. Die Netzentgelte decken die Instandhaltung und Erweiterung des Stromnetzes.
  2. Konzessionsabgabe
    Die Stromnetze werden unter öffentlichen Wegen verlegt, wodurch nach dem Energiewirtschaftsgesetz eine Abgabe an die jeweilige Kommune fällig wird. Die Konzessionsabgabe ist also Teil der Netzkosten und wird hier im Artikel auch so behandelt.
  3. EEG-Umlage
    Die Subventionen nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) werden seit 2000 direkt auf Stromverbraucher umgelegt. Die EEG-Umlage ist der Differenzbetrag zwischen dem Marktwert von EE-Strom und der garantierten Einspeisevergütung für Solar, Wind, Biogas und Wasserkraft.
  4. KWK-Umlage
    Die Subventionen nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) werden seit 2002 direkt auf Stromverbraucher umgelegt. Die KWK-Umlage fördert Kraftwerke, die neben Strom außerdem Fernwärme produzieren um die Sektorkopplung zu erhöhen.
  5. §19 StromNEV-Umlage
    Als Teil der Mengenrabatte für Industriestrom werden energieintensive Unternehmen vom Netzentgelt befreit. Die Umlage nach Stromnetzentgeltverordnung gleicht diese Befreiungen seit 2012 aus.
  6. Offshore-Haftungsumlage
    Für Verzögerungen und Ausfälle beim Netzanschluss von Offshore-Windanlagen wird Schadensersatz fällig. Diese Zahlungen werden nach Energiewirtschaftsgesetz seit 2013 auf den Verbraucher umgelegt.
  7. Umlage für abschaltbare Lasten
    Durch den Zubau von Wind und Solar leidet die Versorgungssicherheit in Deutschland. Um Strommangellagen zu entschärfen werden Großverbraucher seit 2014 dafür bezahlt ihren Verbrauch zu drosseln. Die Verordnung über Vereinbarungen zu abschaltbaren Lasten legt diese Kosten auf den Verbraucher um.

Updates:

  • 13.05.2021: Erstmals veröffentlicht.
  • 09.12.2021: Update angesichts der aktuellen Energiekrise. Verivox als neue Quelle für aktuelle Verbraucherpreise
  • 27.04.2022: Update der Preise angesichts des Ukrainekrieges

Quellen

  1. Verbraucherpreisindex Strom Verivox (2022)
  2. Strompreisanalyse Januar 2022 BDEW (2022)
  3. German Power Baseload Futures CMEGroup (2021)
  4. Dutch TTF Natural Gas Futures Trading View (2021)
  5. EEX EUA Future Ember (2021)
  6. Rotterdam Coal Futures Tradingview(2021)
  7. Brent Crude Oil Futures Tradingview(2021)
  8. German Power Baseload Futures CME (2021)
  9. Altmaier: „EEG-Umlage 2022 sinkt auf den niedrigsten Stand seit 10 Jahren“ BMWI (2021)
  10. Mittelfristprognose 2021-2025 Netztransparenz (2020)
  11. Ampelkoalition will Strompreis senken: Abschaffung der EEG-Umlage ab 2023 geplant RND (2021)
  12. Cubans wary of sharp rise in electricity prices starting in January Energy Central (2020)
  13. Sudan Starts 2021 With 500% Increase in Electricity Prices Asharq Al-Awsat (2021)
  14. Deutschland Strompreise September 2020 Global Petrol Prices (2020)
  15. Electricity prices components for household consumers Eurostat (2021)
  16. Electricity prices components for non-household consumers Eurostat (2021)
  17. Aluminiumwerke in Deutschland Bürger für Technik (2009)
  18. Marktwertübersicht Netztransparenz (2021)

Dieser Beitrag hat 85 Kommentare

  1. Mike F.

    Bei der Auflistung der Industriestrompreise in Deutschland ist das Komma wohl etwas verrutscht. Es sollte dort 0,10 Euro 0,19 Euro bzw. 0,24 Euro pro kWh heißen und nicht Cent! Gruß von einem “Stromeinkäufer” in der Industrie.

    1. mike cilek

      Da was interessantes https://www.youtube.com/watch?v=ZDREHRQVqWU&t=302s dazu das bis zu 90 Cent fast 1 euro Strom ,https://rp-online.de/wirtschaft/in-nrw-werden-immer-hoehere-aufschlaege-bei-den-lokalen-stromfirmen-faellig_aid-65115729 mir selber ging es so zum 8.1 2022 von 29 Cent auf 32 ,Cent da schluckte ich schon und jetzt zum 23. Februar auf 45 ,30 Cent ,wer soll das bitte bezahlen ,sollen wir erfrieren Gas Öl 600 700 euro hoch wen es reicht das sind einfach gesagt bei mir 2000 euro einfach so , wen die das nicht deckeln, was sie können, auf 30 Cent sorry dann sind die Corona-Spaziergänge das letzte Problem in diesem Land dann ist Kasachstan angesagt, das geht nicht bei aller liebe, wen die das nicht korrigieren war das die letzte linke Regierung in diesem Land zu Recht , , sorry ,

      1. Harald

        “wen die das nicht korrigieren war das die letzte linke Regierung in diesem Land zu Recht”

        Seit wann ist den die FDP eine linke Regierung?

  2. Josh

    Hallo!
    Die PV-Anlagen-Vermarkter für Privathaushalte rechnen die Anschaffung von Anlagen schön, indem Sie immer von deutlich steigenden Strompreisen ausgehen. Gerade bei kleinen Anlagen mit geringer Netzeinspeisung und geringer Einspeisevergütung, rechnet sich eine Anlage aber dann oft nicht mehr, wenn der Strompreis im Vergleich zu heute langfristig gleichbleibt, oder sogar sinkt, sehe ich das richtig!? Die Anlagen müssten noch deutlich günstiger in der Anschaffung werden, der aktuelle PV-Anlagenboom wäre aber nach Ihrer Prognose nicht gerechtfertigt! Danke für den guten Artikel! VG

    1. Hi Josh,

      es gibt halt mehrere Strompreise. Der Marktwert für Windkraft und Solar am Spotmarkt hat tatsächlich wenig Einfluss auf den Strompreis für Endkunden, von dem ich hier größtenteils schreibe.

      Insofern kann es schon stimmen, was die PV-Anlagen-Vermarkter nicht ohne Hintergedanken von sich geben. In der Tat sind 2021 die Marktwerte für Windkraft und Solar ordentlich gestiegen. Das liegt aber auch daran, dass 2020 ein absoluter Tiefpunkt war mit teilweise Marktwerten von unter 1 Cent pro kWh.

      Trotzdem würde ich auf lange Sicht erwarten, dass die Marktwerte von Windkraft und Solar weiter sinken, falls mehr zugebaut wird. Das liegt ganz einfach an der Kannibalisierung durch Überproduktion in Zeiten mit viel Wind und Sonne.

      Insofern ja, die Anlagen müssen immer günstiger werden. Das gilt insbesondere dann, wenn man irgendwann auch mal kostendeckend und subventionsfrei arbeiten will.

      Das ist bei Dachsolar aber noch ein langer, langer Weg. Aktuell sind wir trotz sehr gutem Marktwert von 7 Cents pro kWh immer noch nicht kostendeckend bei rund 8 Cents pro kWh Kosten Dachsolar. Und da sind die Systemkosten (Netz, Backup, Regelenergie,…) sogar noch auf Dritte ausgelagert.

      1. Harald

        Es gibt nichts günstigeres als Solarstrom. Das mag vor 10Jahren anders gewesen sein, die Preise sind aber so massiv gefallen das das einfach nicht stimmt was sie schreiben.
        https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/DE2021_ISE_Studie_Stromgestehungskosten_Erneuerbare_Energien.pdf

        Keine Kraftwrke in D. werden ohne Subvention betrieben, das ist in irgendeiner Form immer gegeben (z.B. durch Militärischen Druck auf die Förderländern, Tote zu behandelnde durch Luftverschmutzung,…, Naturkatastrophen durch Klimaerwärmung). Speicher und Verteilung muss ich auch für alle Energieformen vorhalten, Deutschland kann für ca.3 Monate seinen Gasbedarf speichern. Brennstäbe oder Kohle muss ich auch vorlagern und kann sie nicht Just in Time abrufen.

  3. Harald Lissok

    Wäre es nicht sachlicher und gerechter darzustellen, wie viele Stunden ein Arbeitnehmer in den jeweiligen Ländern für 1 oder 100 KWh arbeiten muss? Was soll ich mit dem Vergleich Deutschland und Venezuela anfangen????

  4. Stefan

    Hallo Florian,
    vielen Dank für Deine Arbeit und Deine Zeit um die ganzen Zahlen und Statistiken zusammenzusuchen, zu veröffentlichen und zu kommentieren. Es gibt mir einen sehr guten Überblick gegeben.
    VG
    Stefan

    Übrigens:
    * Wäre es nicht sinnvoller, den RedBull-Kosum der Länder im Verhältnis zum Strompreis darzustellen, dann könnte man viel besser das Energielevel der einzelnen Länder vergleichen. … *ironie:off
    Wenn man die Menge der Arbeitszeit für eine bestimmte Menge an Strom sinnvoll darstellen will, dann muss man zwingend die Einkommensstruktur der Stromverbraucher kennen. So sind z.B. in den meisten Ländern Afrikas, lediglich 10-15% der Haushalte an das Stromnetz ageschlossen. Erfahrungsgemäß bestimmen aber die 90% der armen und ärmsten Bürger das mittlere Einkommen. Genau diese sind aber nicht an das Stromnetz angeschlossen, weil sie sich das nicht leisten können. Die Menschen, die Strom haben und nutzen, haben deutlich höhere Einkommen und müssen demzufolge vergleichsweise wenig für die KWH arbeiten. Die Statistik würde also durch die Verwendung des mittleren Einkommens ziemlich verzerrt werden.

  5. Karl Kutsch

    Hi Florian,
    wie aktuell sind die angegebenen Werte? Jetzt Ende Dezember 2021 ereicht uns die Nachricht, dass unser Strompreis (jetzt noch € 0,28 /kWh) ab 1.6.2022 auf € 0,5306 (Arbeitspreis+Grundpreis+MwSt) steigen wird, also nahezu 100% mehr – eine Zumutung! Gottseidank haben wir in 2021 eine PV-Anlage investiert, die hoffentlich unseren Stromverbrauch auf ca. 2.000 kWh/p.a. reduzieren wird….

    1. Die Kosten sind einigermaßen aktuell. Es sind zwar Zahlen vom Dez 2020, aber ich habe die Brennstoffkosten von Gas und Kohle verdoppelt. Das ist zwar bei Gas auch schon wieder von noch höheren Preisen überholt (!), aber die Tendenz sollte passen. Ich will hier nicht jeden Monat aktualisieren, so ist das nicht gedacht.

      Photovoltaik ist ca. 5% teurer geworden. Der Rest dürfte ungefähr gleichgeblieben sein.

      Zu Strompreisen und deren Zusammensetzung habe ich nen eigenen Artikel.

      1. Herbert

        “Photovoltaik ist ca. 5% teurer geworden.”
        folgt man ihrem Link steht da genau das Gegenteil, nur 2021 gab es mal einen kleinen Anteil aber der ist nicht mal aufgerundet bei 5%.
        PV: Der durchschnittliche Preisverfall liegt bei 8,99 % pro Jahr…2021 + 3,70%

  6. Dlay

    Ich habe heute auch eine Benachrichtigung bekommen. Von 22,86 ct / kWh auf 43,71 ct / kWh. Das ist ja auch fast eine Verdoppelung des Preises. Dafür sinkt der Grundpreis um 5 ct pro Monat.
    Das sind total irre Preise 🙁

    Was ist da los ?!?

    1. Jeannine

      Hallo DLay,
      bei welchem Anbieter, wenn ich fragen darf, bezahlt man denn heute nur 22,86 ct/kWh incl. aller Entgelte?
      Danke für die Info und viele Grüße
      Jeannine

      1. Gunnar

        Hallo Jeannine. Habe bei Montana bis 31.03.22 20,68ct/kwh (brutto, all in. ) bezahlt. Ab 01. 04. 40,96 ct und ab 01.06. 48.90 ct. Da hört der Spaß dann auf. 😭

        1. Jeannine

          Hallo Gunnar,
          waren das tatsächlich nur 20,68ct/kWh incl. Stromsteuer, incl. MwSt.? oder kam das noch dazu?
          Ich frage so ungläubig, da bisher in meinem Umkreis alle zw. 28 + 31 ct. zu zahlen hatten…
          Bin seit 30 Jahren bei Vattenfall (Onlinetarif) und habe das Wechseln immer vor mir hergeschoben, liege derzeit bei knapp 30 ct./kWh.

  7. Fahim

    Moin Florian,
    sehr schöne Zusammenstellung, vielen Dank!
    Der Artikel erweckt den Eindruck das der Endverbraucher ausschließlich für die erneuerbaren Energien in die Tasche greifen muss.
    Es wäre schön wenn du die Förderungen der “billigen” Atomkraftwerke mit einbeziehst, auch wenn die nur indirekt durch Endverbraucher mitfinanziert werden. Die sind nämlich alles andere als billig 🙂

    Viele Grüße

        1. Die Greenpeace-Studie ist leider Junk-Science und mit Subventionen hat das überhaupt nix zu tun. Zum Beispiel wird dort ein fehlender CO2-PReis in Rechnung gestellt, obwohl Kernkraftwerke gar keine CO2-Emissionen im Betrieb verursachen.

          Hier ist dazu ein Peer-Review in einer Fachzeitschrift.

          1. Harald

            Florian keine Angst, wenn selbst die Kernkraftbetreiber sagen das sie sie nicht weiter betreiben möchten, dann kannst du davon ausgehen das das ohne Subvention nicht funktionier. Schon gar nicht bei einem Unfall (deswegen finden die keinen Versicherer und das trägt wie in Japan der Staat also wir) oder Entsorgung/Rückbau.

            Aber zu deiner Frage: Hier die Anwort vom Wissenschaftlichen Dienst der BRD : https://www.bundestag.de/resource/blob/877586/4e4dce913c3d883a81adcf2697313c7d/WD-5-090-21-pdf-data.pdf

          2. Harald

            “gar keine CO2-Emissionen im Betrieb verursachen” die werden aber schon mit irgenwas betrieben z.B. Uran 😉
            Die Treibhausgase entstehen besonders vor und nach der Stromproduktion, etwa beim Uranabbau, beim Kraftwerksbau oder -rückbau bis hin zur Endlagerung.

  8. Fahim

    Nunja es geht mir nicht um alles im Artikel, sondern deine Aussage das Kernkraft nie subventioniert wurde… was nicht stimmt. Siehe alleine die Einleitung des Peer Reviews.

    Abgesehen davon das “Kernkraft” kein fertiges Konzept ist. Es existiert bis heute kein schlüssiges und sicheres Konzept für die Endlagerung des Mülls. Ich Frage mich immer wieder: Würden Kernkraft-Befürworter auch neben solch einem Werk oder Zwischenlager wohnen wollen? Nunja das hat ja aber alles nichts mit dem Strompreis zu tun… vielleicht irgendwann Mal 🙂

    1. Wo steht denn in der Einleitung des Reviews, dass Kernkraftwerke gefördert worden? So weit ich weiß, ist das in Deutschland nicht passiert, sehr wohl aber in anderen Ländern.

      Für die Endlagerung des Mülls gibt es tiefengeologische Endlager, auch in Deutschland. Ob du nen halben Kilometer über so einem Endlager wohnst oder nicht, macht überhaupt keinen Unterschied.

      1. Horst

        “In der Vergangenheit hat die Kernenergie in Deutschland sehr hohe staatliche Hilfen erhalten – umgerechnet etwa 2.000 Euro je installiertem Kilowatt. Die bisherige Förderung erneuerbarer Energien beträgt demgegenüber etwa 590 Euro je installiertem Kilowatt.”
        https://www.streitpunkt-kernenergie.de/index.php?id=16

  9. Karl Kutsch

    Wer heute Geld übrig hat wird außer in Kapitalanlagen keine Zinsen bei Banken erwirtschaften können, im Gegenteil, steigende Inflation vermindert das Guthaben. Wir werden mit dem Invest in eine PV-Anlage inkl. Speicher unseren Strombezug aus dem Netz ganz sicher um 40% senken können. Abgesehen von jetzt noch drohenden Strompreiserhöhungen entspricht diese Senkung des Strombezugs einer deutlichen Verzinsung des eingesetzten Kapitals.

  10. Andreas

    Schöner Artikel, aber Atomstrom als günstig zu bezeichnen ist schon ideologisch eingefärbt. Atomstrom ist nur günstig, wenn man die Endlagerung und die Absicherung gegen Unfälle externalisiert und nicht einpreist – und ja, Unfälle/Todesfälle sind in der Atomkraft selten, aber alleine die Evakuierung der Region um den Atommeiler Fukushima und die Entschädigung der Anwohner hätte jede Versicherung in den Ruin getrieben. Und selbst wenn diese Kosten externalisiert werden, beweist uns das Atomstromland Frankreich, das dort der Strompreis nur durch Quersubventionierung künstlich niedrig gehalten werden kann, da der Staats-Stromkonzern EDF trotz vieler alter und abgeschriebener Anlagen, die eigentlich günstig produzieren sollten, mit mehreren Billionen Euro verschuldet ist. Derzeit im Bau befindliche Atommeiler wie Hinkley Point oder Flamanville erweisen sich als Kostenfallen, die regelmäßig das Budget sprengen.

    1. Die Endlagerung von Atommüll kostet rund 0,1 Cents pro kWh bei 60 Jahren Laufzeit.
      Wenn man einen Super-GAU versichern wollte, wären das rund 0,69 Cents pro kWh. Besser noch, man macht es wie Deutschland und schließt einen Super-GAU durch Sicherheitsmaßnahmen wie gefilterte Druckentlastung und Wasserstoffrekombinatoren quasi aus.

      In Frankreich sind die Stromkosten deutlich niedriger, sowohl in der Erzeugung als auch durch den Endnutzer. Die “Quersubventionierung” in Frankreich sieht so aus: Ein großer Teil des Atomstroms darf nicht am Markt angeboten werden, sondern muss für Preise deutlich unter Marktniveau verkauft werden.

      1. Harald

        “Wenn man einen Super-GAU versichern wollte, wären das rund 0,69 Cents pro kWh.” Witz oder?

        Fukushima:
        War mit sechs Reaktorblöcken und bis zu 4,5 Gigawatt elektrischer Nettoleistung eines der leistungsstärksten Kernkraftwerke in Japan.
        Der Rückversicherer Swiss Re schätzte den volkswirtschaftlichen Schaden auf mindestens 161 Milliarden Euro.
        -> 16.100.000.000.000 Cent / ~35.000.000.000kWh pro Jahr x 50 Jahre (danach Schrott) = 9,2Cent pro kWh
        Quellen: Wikipedia und Berechnung (Physik 5 Klasse)

        1. Du nimmst die Erzeugung nur von Fukushima als Bezugsgröße?

          Das ist so, als ob du deine eigenen Versicherungsbeiträge in einem unwahrscheinlichen Haftpflichtschadensfall deine eigenen Versicherungsprämien vergleichst mit der Schadenssumme. Natürlich ist die Schadenssumme deutlich größer, so funktionieren Versicherungen.

  11. Andreas

    Danke für die Antwort. Mir ist klar, das technische und regulatorische Lösungen für die Probleme der Atomkraft theoretisch machbar sind.
    Es erscheint mir aber etwas zweckoptimistisch zu sein vorzuschlagen, dass ALLE Atomkraftwerksbetreiber auf der Erde in einen Fonds einzahlen respektive das alle Regierungen den Strom aus den Kraftwerken ihrer Länder entsprechend besteuern, das Geld gut anlegen und dann für Entsorgung/Entlagerung/Störfallentschädigungen nehmen. Ich kann dir natürlich auch auf einer Serviette ausrechnen, wie man das deutsche Rentensystem rettet, indem man von der Umlage zu einem gut angelegten Staats-Rentenfonds übergeht. An der Theorie scheitert sowas nie.

    Ebenso zweckoptimistisch erscheint mir die Annahme, das bestehende, deutsche Kernkraftwerke sicher und S-GAUs praktisch ausgeschlossen seien. Überall wo Menschen arbeiten, kommt es irgendwann auch mal zu menschlichem Versagen. Viele Unglücke sind eine Verkettung von unwahrscheinlichen Ereignissen/Umständen.

    Mir fehlt in der Tat auch noch ein reales Beispiel für eine Nation, die vom sogenannten günstigen Atomstrom nachweislich deutlich profitiert. Und dabei gibt es Atomkraft schon so lange.

    Bei den Reaktoren im britischen Hinkley Point C musste die britische Regierung bereits eine Strompreisvergütung zusagen, die über der von Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien liegt, damit der Kraftwerksbetrieb zumindest auf dem Papier überhaupt rentabel möglich ist… also wenn sonst nichts dazu kommt. Über die Strompreise in Frankreich können wir auch gerne noch mal reden.

    Ganz abgesehen davon glaube ich, dass die Zukunft der Stromnetze eher dezentral ist – also weg von großen Kraftwerken. Die Erzeugungskosten von regenerativer Energie liegen bereits unter den Netzentgelten. Wenn auch noch die Speicherkosten entsprechend fallen, dann wird der Netztransport von Strom in vielen (sicher nicht allen) Bereichen wenig Sinn mehr machen. Und ja – die Konzepte von neuen, kleinen und modularen Nuklearkraftwerken könnten dabei sogar helfen. Es sind die derzeit im Betrieb befindlichen Kraftwerke, die mir aus ganz verschiedenen Gründen Sorgen machen. Dann irgendwo zu lesen, dass die günstig und umweltfreundlich wären, stösst mir sauer auf, tut mir leid.

    1. Wie gesagt, ich ziehe ebenfalls die deutsche Lösung vor. Damit meine ich die Verhinderung einer gefährlichen Freisetzung, selbst im Fall einer Kernschmelze. Was nicht passieren kann, muss man nicht versichern.

      Wenn du eine Verkettung von Umständen weißt, bei der es in einem deutschen AKW zu einer signifikanten Freisetzung von Radioisotopen kommt, nur los. Aber bitte mit Schadenspfad.

      Hinkley Point ist doch ein gutes Beispiel für die Kostenvorteile der Kernkraft. Die CfDs von Hinkley Point liegen etwa ein Drittel niedriger als die von Erneuerbaren im gleichen Zeitraum. Und das obwohl es sich um einen EPR-Prototyp handelt. Serien-Reaktoren sind günstiger und schneller gebaut.

      Dezentral heißt leider hohe Systemkosten, weil fern vom Verbraucher – offshore sogar maximal entfernt. Der zentrale Ansatz mit Kraftwerken in der Nähe von Verbrauchszentren ist kosten- und ressourcensparend.

      Ich verstehe auch den Vorteil des dezentralen Ansatzes nicht. Ja klar, Bürgerenergie. Aber der Ansatz eines Gemeinschaftskernkraftwerks ist doch genau das gleiche, oder nicht? Ist ja nicht so, als ob jeder Bürger ein eigenes Windrad besitzen kann.

      Ich finde es völlig in Ordnung zu sagen, dass Kernkraftwerke günstig und umweltfreundlich sind, aber nur dann wenn sie tatsächlich günstig und umweltfreundlich sind. Und das sind sie:
      Umwelt
      Kosten

      1. Richard

        Viele Dank Herr Blümm für Ihre Statistiksammlung.

        Ihrer Argumentation gegen die Dezentralisierung der Energieerzeugung kann ich nicht ganz folgen. Sowohl zentrale als auch dezentrale Erzeugung habe Vor- und Nachteile, wieso schreiben Sie hier so vehement gegen eine Dezentralisierung? Es gibt viele verteilte Gemeinden und es macht durchaus Sinn den Strom dort zu produzieren und nicht in einem weit entfernten Atomkraftwerk. Es erscheint mir unpraktikabel in jeder Kommune ein AKW zu errichten. Ein viel geeigneterer Ansatz wäre so viel Energie wie möglich vor Ort zu produzieren und den Rest von zentralen Kraftwerken (zB AKWs) anzuliefern. Damit erspart man sich, von einigen wenigen zentralen Stellen eine immense Anzahl an Leitungen zu ziehen, die noch dazu auf die Maximallast der jeweiligen Endknoten ausgelegt werden muss. Steigt der Energiekonsum eines Endknotens muss dann diese gesamte, von einer zentralen Stelle ausgehende Leitung verstärkt/erneuert werden. Mir erscheint es viel naheliegender stattdessen dezentral Energie zu erzeugen und (ich betone) zu speichern und so die Entknoten zu entlasten und nur die Energiedifferenz anzuliefern.

        Hier ein Literaturhinweis einer objektiven Betrachtung, der auch auf Ihren Kritikpunkt der geringen Effizienz eingeht, dies jedoch relativiert und widerlegt sofern es eine sinnvolle Netzplanung gibt: https://link.springer.com/book/10.1007%2F978-3-658-24854-3

        1. Der Vorteil von zentraler Stromerzeugung ist die Nähe zum Verbraucher. Kraftwerke baut man nur in die Nähe von Industrie und urbanen Zentren.

          Wenn man Windräder über das Land verteilt, sind die fern vom Verbraucher, das heißt man muss Netze ausbauen. Für Solar muss man auch Netze ausbauen, dank Eigenverbrauch etwas weniger. Offshore Wind ist maximal fern vom Verbraucher, dafür muss man sogar HGÜs quer durchs Land ziehen. Kostet halt alles Geld, dauert lange und ist nicht besonders umweltfreundlich.

          Ich verstehe nicht, was verbraucherferne Erzeugung für Vorteile haben soll. Klar, wenn man sich vollkommen selbst versorgen könnte, kann man sich die Leitungen sparen. Aber das geht mit wetterabhängigen Erzeugern ja auch nicht.

          1. Richard

            ? Ich habe nicht gegen zentrale Erzeugung geschrieben sondern war nur verwundert, dass Sie der dezentralen so gar nichts abgewinnen können. Meine Argumentation warum ich es zusätzlich zur zentralen Erzeugung auch sinnvolle finde, dezentral zu erzeugen können Sie oben samt Literaturvetweis einlesen. Ich dachte, dass ich hier auf einen Wissenschaftsblog gestoßen bin um über alle Möglichkeiten die Energiewende betreffend offen zu diskutieren. Nun habe ich eher den Eindruck gewonnen, dass es hier eher nur um die Verteidigung von AKWs geht und nicht darum für die jeweiligen Anwendungsfälle die beste technische Lösungen zu finden. Ich glaube auch, dass AKWs für die Großindustrie eine gute Wahl sind. Für Kommunen und ländliche Gebiete, glaube ich aber dass andere Formen besser geeignet sind.
            Können Sie mir einen Blog oder Community empfehlen, wo tatsächlich Technologie offen ohne voreingenommene Meinungen diskutiert wird?
            Vielen Dank auf jeden Fall für Ihre Mühen, Ihr Blog hatte zu Beginn einen guten Eindruck gemacht
            Cio

          2. Florian Blümm

            Offen diskutieren ist gut, aber das mit der “dezentralen Versorgung” ist doch schon zigtausend Mal diskutiert worden. Dezentral ist ein Euphemismus für Verbraucher-fern. Ich verstehe nicht, warum das gut sein soll.

            Einfach mal ein Argument dafür ins Feld bringen, dann können wir reden.

          3. Richard

            Sie argumentieren, dass Zentrale Erzeuger nahe am Verbraucher sind. Diese Aussage impliziert automatisch, dass alle Verbraucher zentral sein müssen. Wäre ein Verbraucher nämlich nicht zentral, also dezentral, wäre er ja nicht mehr nahe am Erzeuger, da diese ja nur zentral existiert. Wir wissen aber, dass die Verbraucher dezentral verteilt über das Land zu finden sind, da es nicht nur zentrale Städte und nicht nur zentrale Industrie gibt, wie die Landkarte zeigt. Demnach weist Ihre Argumentation, dass Zentrale Erzeuger nahe am Verbraucher sind einen logischen Fehler auf. Nehmen wir nun an, dass Ihre Aussage korrekt wäre, also dass Zentrale Erzeuger nahe am Verbraucher sind. Da wir wissen, dass die Verbraucher dezentral über das Land verteilt sind bedeutet dies, dass die zentralen Erzeuger, da ja laut Annahme nahe am Verbraucher sind, auch verteilt über das Land sein müssen, sonst wäre unsere Annahme falsch und somit wären dann nach Definition eigentlich zentrale Erzeuger, in Wirklichkeit dezentrale Erzeuger.

            Wie Sie sehen haben Sie einen logischen Fehler in Ihrer Argumentation. Entweder sind Erzeuger zentral und damit zwangsläufig von den meisten Verbrauchern weit entfernt oder die Erzeuger sind dezentral und damit den meisten Verbrauchern nahe.

            Richtig wäre Ihre Argumentation nur dann wenn alle Menschen und die Industrie zentral leben würde, was sie aber nicht tut.

            By The way: OffShore Windparks erzeugen auch auf zentralen Plattform am Meer, sind dennoch Verbraucherfern.

            Ich denke also es kommt auf die Umstände und das jeweilige Gebiet an, wo es sinnvoll ist ein großes zB Atomkraft hinzustellen und wo es sinnvoller ist auf Wind, PV und Speicher zu setzen. In ein ländliches Gebiet ohne Industrie ein AKW zu setzen ist wahrscheinlich nicht rentabel, da die Energiemenge gar nicht benötigt wird und die Investitionskosten zu hoch. Da können Wind und PV einen großen Teil Decken und man kommt mit relativ schwachen und wenig Leitung vom großen Kraftwerk aus. Neben eine Alufabrik wäre es wahrscheinlich intelligent ein AKW zu stellen statt von überall im Land Stromleitung bin den dezentralen Quellen zu legen.

            Das meinte ich mit offener Diskussion und Technologieoffenheit.

          4. Florian Blümm

            Große Verbraucher sind zentral. Die Industrie verbraucht rund ~50% des Stroms in Deutschland, in Zukunft mit Sektorkopplung in der Prozesswärme vermutlich noch mehr.

            Danach kommen private Haushalte mit ~25% und Gewerbe/Handel mit ~15% sowie Öffentliche Einrichtungen mit ~10%. Da rund 60% der Deutschen in urbanen Zentren leben, ist auch die zweite Hälfte des Stromverbrauchs stark zentralisiert.

            Deshalb stehen Kraftwerke immer in der Nähe von Industriestandorten oder urbanen Zentren – ohne Ausnahme! Die Überlandleitungen dienten früher größtenteils der Versorgung von ländlichen Gegenden. Der verstärkte Netzausbau ist erst nötig geworden, weil nun mehr und mehr Erzeuger in ländlichen Gegenden stehen.

  12. Detlef Mihok

    Zunächst mal vielen Dank für die recht umfassende Website. Schöne Sammlung von Daten, Links und Meinungen zum Thema. Sehr nützlich.

    Zum Thema “Wie kam es zur Energiekrise”.
    Ja, der Erdgaspreis hat mal gezuckt. Hat bestimmt wieder jemand an der Börse gespielt. Aber jetzt liegt er auf dem Niveau von 2008/2009, und damals hat da keiner Panik geschoben bzw. die Strompreise exorbitant gesteigert. Das Gas ist vielleicht ein auslösender Faktor, ein Anlass eben, gewesen für die jetzige Strompreissteigerung, aber sicher nicht der eigentliche Grund. Irgendwas wird da gespielt. Auf jeden Fall sind die EE der Gewinner. Ab einem Erzeugerpreis von ca. 7c/kWh brauchen onshore WInd und PV keine Subventionen mehr, um satte Renditen zu zahlen (an die externen Geldgeber). Da kann man natürlich die EEG-Umlage abschaffen und das auch noch als Wohltat hinstellen. Wenn man sich die EEX futures ansieht, sind jetzt schon für alle Jahre bis 2031 mindestens 9c/kWh baseload eingepreist. Noch 2020 haben die Erzeuger rumgeheult, dass bei langfristigen Verträgen nur deutlich unter 4c/kWh erzielt werden. Da Deutschland der grösste Stromverbraucher und -produzent in Europa ist und der Stromhandel bzw. Stromaustausch Europaweit erfolgt, macht es sich wohl doch bemerkbar, wenn Deutschland mal eben so 13% (2021) seiner Stromerzeugungskapazität (KKW) wegwirft und das ganze System nun auf Kante fährt. Bezahlen werden für dieses Abenteuer alle Bürger Europas über den Strompreis (siehe EEX charts für die anderen Länder), was dem Beliebtheitsgrad der Deutschen sicherlich außerordentlich zuträglich ist. Deutschland ist jedenfalls mal wieder großer Stromexporteur. Offensichtlich produzieren die Kohlekraftwerke volles Rohr auf totalen Verschleiß, nach dem Motto: “Noch schnell alles mitnehmen und nach uns die Sintflut!”. Das wird aber eine schöne CO2-Bilanz geben für 2022 und natürlich auch 2023.
    Aber mal ohne Polemik: warum ist denn nun der Strompreis so explodiert? Gibt es dazu seriöse Aussagen? Ich finde dazu nirgends schlüssige Infos.

    1. Nö, der Gaspreis ist bei weitem nicht auf dem Level von 2008/2009. Wir sind im Dutch TTF NatGas bei rund 75 Euro, wieder gefallen von den Höchstwerten bei 170 Euro im Dezember.
      Aber 2008/2009 waren wir zwischen 10 und 35 Euro. Der Gaspreis ist heute rund 4x so hoch wie im gesamten Zeitraum 2006 bis 2020.

      Meiner Meinung nach ist der Gaspreis schon der signifikante Faktor für die Strompreisexplosion, gerade auch wegen dem langen Winter 2019/2020 und den leeren Speichern im Mai 2020. Aber hey, ich kann leider auch nur raten.

      “Ab einem Erzeugerpreis von ca. 7c/kWh brauchen onshore WInd und PV keine Subventionen mehr”

      Das stimmt aber nur für Neuanlagen. Der Witz ist ja, dass die EEG-Umlage immer noch bei mehreren Cents pro kWh läge, wenn man sie nicht aus Steuergeldern finanzieren würde. Liegt aber zugegeben an den Altanlagen, die massiv subventioniert wurden und bald aus der Förderung rausfallen.

      Dass man abbezahlte und damit sehr günstige versorgungssichere Kernkraftwerke abschaltet hilft natürlich in so einer Situation nicht und es ist absoluter Irrsinn die Laufzeiten mitten in einer Energiekrise nicht notzuverlängern. Das Abschalten von klimafreundlichen AKWs ist leider das einzige, was bei der Energiewende nach Plan funktioniert…

      1. Detlef Mihok

        Was die Gaspreise betrifft: Vielleicht reden wir von verschiedenen DIngen? Der von Ihnen angegebene Preis ist “month future”, also nächster Monat. Ich rede von langfristigen Verträgen, also mindestens calendar+1 und länger, zu dem die serösen Grundversorgungsanbieter ihre Verträge abschließen. Da liegen die Preise gegenwärtig bei 45E (nächstes Jahr, also für die die jetzt noch schnell für nächstes Jahr einkaufen wollen) bis runter zu 23E (in vier Jahren).
        WIe gesagt: die langfristigen Gaspreise sind aus meiner Sicht nicht die Haupttreiber der Strompreise in Deutschland. Noch nicht: Kohle hat noch einen großen Anteil an der Produktion und die Gaskraftwerke arbeiten hauptsächlich auf Basis langfristiger Gaslieferverträge. Wenn aber die Kohle auch noch weg ist, sind die Deutschen herrlich erpressbar. Also brauchen wir eine Alternative, und das ist laut erklärtem WIllen unserer Regierung die teuerste mögliche Variante: grünes H2. Dagegen sind die gegenwärtigen Ergaspreise ein Witz. Aber das ist ja alles nicht neu.
        Gibt es eigentlich eine seriöse Untersuchung, wie der Strompreis in Deutschland z.B. 2030 und 2040 für die verschiedenen Kundengruppen (Industrie, Gewerbe, Haushalte etc.) aussehen wird? Laut Frau Baerbock ist ja “alles ausgerechnet”, da sollte es doch kein großes Problem sein, das zu ermitteln.

        1. Stimmt, es erscheint logisch, dass man sich als Versorger langfristig eindeckt und Restmengen dürften ja nicht so viel ausmachen.

          Ich muss zugeben, dass das nicht mein Thema ist, deshalb tappe ich da auch im Dunkeln. Dieser Artikel hier kam mir seriös vor, aber 100% schlüssig ist das auch nicht: Preisrally an den Energiemärkten

          Ja, H2 ist noch viel teurer als selbst die aktuellen Kurzfrist-Gaspreise. Laut Fraunhofer ISE sollen die Preise für Importe von grünen Wasserstoff aus ausländischer Produktion bis 2030 auf das zehnfache der Erdgaspreise (von 2020) pro kWh gesunken sein und bis 2050 auf das fünffache. Deutscher Wasserstoff kostet vermutlich noch mehr.

          Zu Kosten und Preisen halten sich die meisten der EE-Studien ansonsten ziemlich bedeckt. Ich habe noch in keiner einzigen Studie die Investitionskosten für ein 100%-EE-System gesehen. Um auf 90% zu kommen sind es knapp 8.000 Milliarden Euro Investitionskosten bis 2050 laut Leopoldina. Aber die letzten 10% sind halt am teuersten. Würde mich nicht wundern, wenn sich das auf insgesamt deutlich über 10.000 Milliarden Euro beläuft.

          Wenn man 10 Trillionen Euro Kosten innerhalb von 30 Jahren abbezahlen wollte, würde das bei den von Leopoldina angenommenen rund 2.000 TWh Stromverbrauch pro Jahr rund 17 Cents pro kWh kosten. Das ist aber noch ohne Zinsen, Betriebskosten und weiter laufender Zubau um Altanlagen zu ersetzen. Auch dürfte es deutlich teurer werden, wenn wir jetzt schon bis 2045 auf 100% EE kommen wollen statt bis 2050.

          Die Strompreise werden also höchstwahrscheinlich immer weiter steigen, je näher wir an 100% Erneuerbare kommen.

          1. detlef mihok

            Der EnergyBrainBlog-Artikel ist schon interessant – obwohl ich die Gas-These ablehne. Aber aus Sicht Oktober 2021 sah das vielleicht so aus. Interessant ist vielleicht noch, dass damals die langfristigen Strom-Preise für 2026 mit ca. 70E/MWh angezeigt wurden, während jetzt schon bei EEX für 2027 82E/MWh gehandelt wird.
            DIe Frage ist doch: bisher, also bis 2020, lag der langfristige baseload Preis über Jahre immer um 40E/MWh und sogar deutlich darunter. Was genau hat den plötzlichen Sprung in 2021 vom langjährigen Niveau stabil unter 40E/MWh auf nunmehr langfristig stabil über80E/MWh bewirkt? Was hat sich während 2021 fundamental geändert?

            Das Leopoldina-Papier ist sehr interessant. Danke für den Tipp. Leider zeigt das, mir zumindest, dass man sich das Leben schon schwer machen kann. Um die in der Studie für 2050 anvisierten 1070TWh Strom zu erzeugen, hätte man nicht mal 100 KKW vom selben Typ wie die drei noch laufenden KKW benötigt. Das hätte weniger als 500MrdE und maximum 100km2 gekostet und wir wären schon längst durch mit der Energiewende, zumindest was die Stromproduktion betrifft. Und völlig ohne umständliche Verrenkungen bei der Energiespeicherung machen zu müssen. Nun: das wäre dann wohl doch zu einfach gewesen. Der Mensch wächst eben lieber an seinen Herausforderungen.

          2. Florian Blümm

            Es ist ja auch nicht ganz so einfach, dass Versorger IMMER langfristig einkaufen. Die Preise steigen ja bereits seit Anfang 2021. Vielleicht haben viele Anfang des Jahres abgewartet, bis die Preise wieder sinken, um sich einzudecken.

            Die Preise stiegen aber weiter und irgendwann mussten sie dann zu deutlich höheren Preisen zuschlagen um nicht leer auszugehen. Es gibt ja tatsächlich eine Knappheit von Gas mit entsprechendem Ausverkauf.

            Ich würde die Gaspreiserklärung nicht kategorisch ausschließen. Schlüssig erklären kann das aber sicher nur jemand, der was davon versteht.

            Naja, es sind nicht nur 1070 TWh Strom, dazu kommt noch der Import-Anteil. Ich habe das beim Leopoldina-Paper nicht durchgerechnet. Bei Agora Energiewende steigt der Energieverbrauch durch Importe auf rund 170% der reinen Stromerzeugung. Und wenn man davon ausgeht, dass das mit dem Ausbau der globalen grünen Wasserstoffwirtschaft in 2 Jahrzehnten nicht klappt, dann stehen Importe für Nord Stream 2.

            Aber natürlich wäre es effektiver Kernkraftwerke zumindest für die Grundlast zu bauen. Da könnte man sich fast ne Größenordnung der sauteuren Speicher sparen und müsste auch nicht bis in alle Ewigkeit teuren Wasserstoff importieren. In der Spitzenlast können Wind und Solar gerne zeigen, was sie können Dort drängt man sie nicht in eine Rolle, die sie nicht beherrschen.

      2. Harald

        Hallo Florian, Kernkraftwerke sind nunmal leider nicht die Lösung für die Energiewende. Genauso wie Kohlekraftwerke lassen sie sich nicht schnell regeln und dienen maximal zur Grundlast. Gaskraftwerke sind hier viel besser, aber scheiden aus politischen Gründen (Russland-Krieg, Naher Osten-Monarchien, USA-Fraking, etc.) aus. Bleibt noch Lagekraftwerke, Chemische Speicher (Akku), Druckspeicher, Wärmespeicher, Pumpspeicher, Biogas oder Leitungen zu unseren Nachbarn. Wie Norwegen (da gibt es ja jetzt eine schöne Gleichspannungsleitung durchs Meer) und Österreich die viel Wasserkraft haben. Im Endeffekt wird es wohl ein Mix werden. Und wenn ich mich nicht wieder in eine Abhängigkeit von Konzernen oder anderen Ländern begeben will, dann muss das denzentral sein auf ganz D. verteilt. Dann brauchen wir auch nicht die Stromtrasen. Ich weis das gefällt den Aktionären der Großkonzerne gar nicht wenn sie ihr Monopol verlieren, ist aber das beste für die Bevölkerung. Ich produziere und verkaufe meinen Strom seit Jahren habe einen dezentralen Speicher und alles ist gut. Es gibt zwei Monate im Jahr wo ich damit nicht zurecht komme und hier kann Biogas z.B. eine Lösung sein. Das Gasnetz und -speicher sind in D. vorhanden und könnten dafür genutzt werden. Wasserkraft, Lagespeicher kann dazu kommen. Das Atomkraft nicht funktioniert haben wir letztes Jahr in Frankreich mit dem Ausfall von fast 30% gesehen und die Franzosen heizen noch viel mit Strom. Die folge war eine Stromenergiekrise in Europa, die haben alles aufgekauft was sie bekommen konnten und wir Deutschen haben das zu spüren bekommen. Da gab es noch keinen Ukrainekrieg, die Russen haben immer geliefert!
        https://www.iwr.de/news/stromausfall-fast-30-prozent-der-franzoesischen-atomkraftwerke-sind-abgeschaltet-news37748

        1. Was hat deine persönliche Meinung zu Kernkraftwerken mit der Strompreisentwicklung in Deutschland zu tun? Bitte beim Thema bleiben.

  13. detlef mihok

    Heute bei “Kalte Sonne” ein Verweis auf diesen Reuters Artikel: https://www.reuters.com/markets/commodities/weak-winds-worsened-europes-power-crunch-utilities-need-better-storage-2021-12-22/
    Was sagt mir der:
    1. Der Gas-Preis folgt dem Strompreis. Schon Ende 2020 hatte man europaweit das Problem mit dem geringen Wind und verbrauchte demzufolge mehr Gas. Doch da 2020 durch COVID die WIrtschaft weniger Strom brauchte, fiel das nicht so auf. Der Gaspreis reagierte natürlich prompt auf den höheren Bedarf und stieg – relativ moderat – an. Dann dachte man vielleicht: nun, 2021 wird sich das mit dem Wind schon wieder ausgleichen und die Gaspreise werden auch wieder sinken, und hat die Gaslieferungen nicht rechtzeitig angehoben – man wollte ja kein Geld verlieren. Aber nein: wieder im Herbst relative Flaute, Stromdefizit, Gaskraftwerke müssen verstärkt einspringen, Gasmangel, Spot-Gaspreis geht durch die Decke. Und das in einem relativ milden WInter.
    2. Welche Schussfolgerungen ziehen die WindEurope Lobbyisten? Die jährlichen Investitionen in die Stromversorgung muss europaweit von derzeit 40Mrd Euro auf 66-80Mrd Euro für die nächten 30 Jahre gesteigert werden, um in Zukunft solche Durchänger zu vermeiden. Das muss aber irgendwer bezahlen und das ist eben jetzt in den langfristigen Strompreis eingepreist worden. Womit wieder bewiesen ist: Sonne und WInd schicken keine Rechnung.
    3. Bezeichnend ist der letzte Absatz des Artikels: faktisch eine offene Erpressung. Es ist das alte Lied: man schafft ein Problem (volatiler Strom), das bisher nicht existiert hat (stabile Stromversorgung) und bietet dann eine Lösung an (noch mehr volatiler Strom, aber nun gaaaanz bestimmt mit Speicher), an der man super verdienen kann.

  14. Richard

    Könnte Sie mir die Aussage Ihrer Strompreistabelle nochmals genauer erläutern.
    Ich habe beispielhaft die Türkei, Frankreich und Deutschland heraus gepickt und das Durschnittseinkommen laut Eurostat herangezogen (siehe https://appsso.eurostat.ec.europa.eu/nui/show.do?dataset=ilc_di03&lang=de).
    Demnach entfallen in der Türkei auf das Durschnittseinkommen 0,2% auf Energiekosten in Deutschland auf gerade mal 0,1%. Das heißt in der Türkei sind die Energiekosten für die Bevölkerung doppelt so hoch obwohl die dortige Regierung keinen Beitrag für den Umweltschutz zurück legt. In Frankreich liegt der Wert bei 0.09% also in etwa gleich wie in Deutschland. Ich würde also sagen, die Energiekosten sind in Deutschland sehr gering auf das Einkommen bezogen und das trotz EEG Umlage.

    1. Aufs Einkommen umrechnen ändert nichts daran, dass die energieintensive Industrie abwandert. Da sind die niedrigen Einkommen dann nur ein zusätzlicher Pull-Faktor.

  15. Richard

    Ich verstehe Ihre Argumentation nicht. Die Industrie wandert ab, weil in anderen Ländern die Personalkosten geringer sind und natürlich auch die Energie wenn man es mit uns vergleicht. Das hat aber nichts per se mit den Energiekosten an sich zu tun, sondern liegt einfach daran, dass ärmere Länder ein anderes Lohnniveau und einen anderen Standard haben. Ihre Statistik oben ist zwar korrekt was die Zahlen betrifft, stellt die Umstände aber verfälscht dar. Genauso könnte ich argumentieren, dass alles in China produziert wird, weil dort die Menschen weniger verdienen, also warum bei uns nicht einfach die Einkommen senken um wettbewerbsfähig zu sein. Das Ist eine verdrehte Darstellung der Tatsache. Ein AKW in der Türkei wird immer günstiger produzieren als in Deutschland, weil alleine das Personal schon günstiger ist, die Sicherheitsstandrads sind andere, es gibt keine Umweltauflagen etc. Das ist nicht vergleichbar. Der einzige annähernd sinnvolle Vergleich ist auf das Durchschnittseinkommen des jeweiligen Landes zu rechnen. Wenn Sie objektive Wissenschaft betreiben wollen, sollten Sie die Tabelle oben um das Haushaltseinkommen des jeweiligen Landes ergänzen und durch dividieren.

    1. Ich verstehe das Argument nicht, man könne die Strompreise ruhig steigen lassen, weil wir es uns ja leisten können. Und das obwohl wir schon die höchsten Preise der EU, wenn nicht der Welt haben. Mit der Energiewende wird das auf jeden Fall bei hohen Strompreisen nix.

      Ein AKW muss in der Türkei eben nicht günstiger produziert. Die Personalkosten sind ein Rundungsfehler in den Gestehungskosten.

  16. Richard

    ?? Ich habe nie behauptet, dass der Strompreis steigen soll, sondern nur angemerkt, dass Ihr Vergleich nicht korrekt ist. Sie können nicht einfach absolute Zahlen über Länder hinweg vergleichen. Außer Sie wollen das bewusst tun um eine Täuschung der Leserinnen zu erzeugen und damit Ihre Thesen zu untermauern. Wissenschaftlich ist das auf jeden Fall nicht. Ich habe auch nicht geschrieben, dass ein AKW in der Türkei günstiger produzieren muss, sondern dass es das einfach aufgrund andere Regeln, Normen etc tut.

    Es würde doch auch niemand auf die Idee kommen zu sagen Brot wäre in Deutschland zu teuer nur weil es hier 1€ das kg und in China nur 10 Cent das kg kostet. Wahrscheinlich ist auf das Einkommen gerechnet Brot in China sogar teurer als hier zu lande. Was wollen Sie bezwecken, ich dachte es wäre ein Wissenschaftsblog, stattdessen verteidigen Sie sich wenn ich Sie auf eine offensichtliche Schwache in Ihrer Darstellung Hinweise.

    1. Es sind halt 2 verschiedene Betrachtungen:
      1. Du sagst wir können uns das leisten.
      2. Ich sage, schau wie günstig das in anderen Ländern geht.

      Sollten wir nicht versuchen uns zu verbessern?
      Das hilft auch der Energiewende. Je niedriger der Strompreis, desto einfacher wird die Sektorkopplung.

  17. Richard

    Ich bin ganz Ihrer Meinung, wir sollen immer bestrebt sein uns zu verbessern. Aber bei diesem Preisvergleich unterliegen Sie einem systematischen Denkfehler. Die Energie ist in anderen Ländern (wie oben Erwähnt als Beispiel Türkei) nicht billiger, sie ist sogar teurer, nämlich um fast das doppelte. Sie müssen die Zahlen immer in Relation zu der Volkswirtschaft sehen der sie entnommen wurden. Ich bin komplett Ihrer Meinung, dass die Energiewende nur gelingen kann, wenn die Energie leistbar bleibt oder sogar günstiger wird. Aber es stimmt nicht, dass sie in zB der Türkei – um bei dem Beispiel zu bleiben – günstiger ist, sie ist teurer. In der Türkei muss ein Mensch doppelt so viel Arbeiten um die gleiche Energiemenge einkaufen zu können wie ein in Deutschland lebender Mensch.

    Was Sie vergleichen ist, dass ein Deutscher halb so viel arbeiten muss um Energie in der Türkei einzukaufen, als wenn er sie in Deutschland kaufen würde. Das macht die in der Türkei erzeugte Energie für einen deutschen günstig im Einkauf, nicht aber allgemein günstiger. Denn ein in der Türkei lebender Mensch muss doppelt so viel arbeiten um diese Energie in der Türkei einzukaufen. Das heißt sie ist für uns und paar andere reiche Länder günstiger nicht aber für den Rest der Welt. Haben Sie Ihren Denkfehler erkannt?

    1. Es ist ja wie schon gesagt eben so, dass die Kraftwerke in anderen Ländern ungefähr das gleiche kosten. Wenn man jetzt von Ländern mit billigem Erdgas oder Erdöl absieht, sollte es keinen Grund geben, warum die Preise in Deutschland so viel höher sind.

      Welche Preise wir uns leisten können ist eine andere Frage. Aber die aktuellen 40+ Cents pro kWh können sich auch in Deutschland viele Menschen nicht leisten.

      1. Richard

        Kann ich nicht beurteilen, wie viel der Bau in anderen Ländern kostet. Spielt aber denke ich keine Rolle. Wichtig ist das Verhältnis Einkommen zu Energiekosten. Es gibt verschiedene Studien zu den Gestehungskosten von Atomstrom, je nachdem welches Klientel sie veröffentlicht, ist von: die Kernkraft ist Spot billig bis; eigentlich Unbezahlbar alles dabei. Um gleichmal vorzubeugen 😀 Ihren Artikel kenne ich und der gehört zur Kategorie Atomkraftbefürworter (ich habe schon bemerkt, dass Sie nicht Technologieneutral argumentieren sonder eine klare Präferenz für Zentrale Atomenergie haben 😉 … – also genau sowenig valide wie die Zahlen der Atomkraftgegener. Ich suche noch nach neutralen unabhängigen Quellen, aber das ist schwierig, weil man entweder auf Seiten wie die Ihre stößt, die deutlich Pro Atom und gegen Erneuerbare argumentieren und Seiten die Pro Erneuerbare und gegen Atomkraft argumentieren. Wahre Wissenschaft betreiben die wenigsten, selbst viele unabhängige Institute nicht.

  18. Richard

    “Den günstigsten Strompreis weltweit hat Venezuela. Im Land des gescheiterten Sozialismus ist der Strom für Privatabnehmer umsonst – so lange man ihn nicht für das Bitcoin-Mining nutzt.”
    Die Aussage ist ja auch falsch 😀 Venezuela hat sicher nicht den günstigsten Strompreise, sondern der Staat übernimmt einfach die Kosten. Der Staat sind die Menschen die dort leben. Das heißt die Kosten verteilen sich einfach gleichmäßig auf alle. Wie viel der Strom wirklich kostet können wir schlichtweg aus dieser Statistik nicht entnehmen.

    Sie müssen vorsichtig sein, mit Ihren Argumenten, das fällt schon fast unter die Kategorie FakeNews oder bewusste Täuschung. Außer es war Ihnen nicht bewusst, dann ändern Sie bitte den Artikel und schreiben: “Die Stromkosten in Venezuela sind nicht bekannt, da er für Private vom Staat übernommen wird.”

    1. Die tatsächlichen Verbraucherpreise in anderen Ländern sind Fake News? Bissl weit hergeholt, oder?

      1. Richard

        Nicht die tatsächlichen Verbraucherpreise, die Sie zeigen sind FakeNews (die sind aufs Komma korrekt, das habe ich geprüft) sondern Ihre unbewusste oder bewusste falsche Interpretation der Zahlen.

  19. Richard

    Weil es mich interessiert hat, habe ich das nun nochmal genau nachgerechnet. Alle Daten von Eurostat und Jahr 2020. Betrachtet 19 Länder aus der Europäischen Union, für die die Daten verfügbar waren.

    Der Mittlere Strompreis prozentuell bezogen auf das Einkommen liegt in der EU bei 0,01%. Wobei Norwegen mit 0,005 % am besten und die schlechtesten Länder (Irland, Dänemark, Portugal, Spanien, Slowakei, Griechenland) gleich auf bei 0,013 % liegen. Deutschland liegt im oberen Mittelfeld bei 0,012 %.

    Nun habe ich von den Ländern, deren Strompreis über dem Mittelwert liegt den Anteil an Atom-, Erneuerbarer und Nicht erneuerbarer berechnet sowie für die Länder, deren Strompreis unter dem Mittelwert liegen.

    Ergebnis war, dass bei den Ländern, deren Strompreis im Vergleich zum Mittel erhöht ist der Anteil an Atomkraft bei 13%, Anteil Erneuerbarer bei 20% und Anteil nicht erneuerbarer bei 67% liegt.

    Bei den Ländern, deren Strompreis unter dem Mittelwert liegt (also günstiger ist) ist die Verteilung: Atomkraft 12%, Anteil Erneuerbarer bei 34% und Anteil nicht erneuerbarer 52%.

    Also ich würde meinen, die Atomkraft hat weder einen positiven noch einen negativen Effekt auf den Strompreis. Bei erneuerbaren zeichnet sich der Trend ab, dass tendenziell die Länder mit einem hohen Anteil an erneuerbaren auch geringere Stromgestehungskosten haben.

    Ist nur eine Abschätzung und ich denke die Statistik, die ich gemacht habe kann man keinesfalls 1:1 heranziehen oder für eine gültige Aussage halten. Sie zeigt lediglich einen Trend. Ich kann Sie Ihnen gerne zukommen lassen.

    1. Gerne schau ich in die Zahlen rein, am liebsten als Google Docs.

      Bei nem Update der europäischen und weltweiten Zahlen werde ich mir die Sache mit den Einkommen mal anschauen. Lohnt sich aber aktuell nicht, die Preise sind viel zu volatil.

      1. Richard

        Hab’ leider kein Google. Ich lade es wo hoch und stelle hier einen Link ein. Wird paar Tage dauern …

      2. Richard

        Sie können ja einfach die aktuellen Zahlen Ihrer Statistik bereinigen, das kostet nicht viel Zeit. Wenn Sie mit Volatilität argumentieren müssten Sie die Daten komplett raus nehmen, da Sie ja so gesehen nie stimmen. Und die Aussage “Lohnt sich nicht” bei einer nicht ganz korrekten Darstellung von Zahlen ist schon eine harte Aussage. Wie ich sehe hat ein VorPoster von mir den gleichen Kritikpunkt vor einigen Monaten schonmal angemerkt. 😉 Wollen Sie die Daten überhaupt ändern??? Nach Ihrer Aussage scheint mir Ihr Blog doch eher einer zu sein, der die Daten so darstellt, dass es zu der gewünschten Argumentationskette passt. Echte Wissenschaft würde die Daten sofort ändern oder zumindest mit einem Hinweis versehen, der darauf hindeuten, dass die Zahlen anders zu interpretieren sind. Das könnten Sie zB auch machen. Wikipedia tut das auch, wenn die Qualität eines Beitrags fragwürdig ist, wird ein Hinweis angezeigt. Schreiben Sie doch einfach oben groß hin, dass dieser Artikel noch überarbeitet werden muss und warum 😉

        1. Zum dritten Mal, ich argumentiere, dass die Strompreise in Deutschland deutlich günstiger sein könnten.

          Wenn dir das nicht gefällt, ist das dein gutes Recht, auch ohne Angabe von Gründen. Das heißt aber nicht, dass ich unbedingt deine Sichtweise “wir können es uns doch leisten” in den Artikel aufnehmen muss. Das zu verlangen ist schon ziemlich frech.

          Der Artikel und die Quellen haben Datumsangaben, wie alles hier im Blog. Auf die Idee, dass die Zahlen nicht aktuell sind, wenn wir aktuell in ner Energiekrise mit volatilen Preisen stecken, kann man als Leser eigentlich selbst kommen.

          1. Richard

            Sie unterstellen mir eine Aussage die ich nie getätigt habe. Ich habe nie und betone nie geschrieben mit der Meinung “wir können es uns doch leisten” zu argumentieren. Und ich habe auch nie geschrieben dass der Strom in Deutschland nicht nicht billiger sein könnte. Ich habe argumentiert, dass Ihr Kosten Vergleich irreführend ist, in dem Sie schreiben, dass Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern teuren Strom hat und dort mit absoluten Zahlen argumentieren ohne die jeweilige Kaufkraft des Landes zu berücksichtigen. Wahrscheinlich ist es möglich in Deutschland Strom günstiger zu produzieren. Ich habe Ihnen meine Kaufkraft bereinigte Statistik gesendet. Dort ist ersichtlich, dass Norwegen am günstigsten ist und Italien am teuersten. Und ich habe die Anteile auf die Energiequellen betrachtet und es legt den Schluss nahe, dass Fossile am teuersten, Atomstrom genau im Mittel und Erneuerbare im Strommix die Gesamtkosten senken. Wobei ich nicht auf Korrektheit argumentiere sondern nur einen Versuch zeigen wollte, die Zahlen richtiger zu interpretieren.
            Aber Sie lehnen alles ab, was nicht Kernenergie in brillanten Licht dastehen lässt. Nicht einmal Durchschnitt ist Ihnen genug, Ihr Ansatz ist nur Zahlen zu akzeptieren oder zu präsentieren die Kernkraftwerk gut aussehen lässt und alles andere lassen Sie aus und lasten mir dann Aussagen an die ich nicht gemacht habe 😉

          2. Florian Blümm

            “Ich habe argumentiert, dass Ihr Kosten Vergleich irreführend ist, in dem Sie schreiben, dass Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern teuren Strom hat und dort mit absoluten Zahlen argumentieren ohne die jeweilige Kaufkraft des Landes zu berücksichtigen.”

            Aber Deutschland hat im Vergleich zu anderen Ländern teuren Strom! Ob wir uns den Strom dank unserer Kaufkraft leisten können ist eine andere Frage.

            Mir geht es hier im Blog in erster Linie um Klimaschutz. Dafür brauchen wir weltweit viel günstigen und klimafreundlichen Strom. Die meisten Länder haben eben nicht die nötige Kaufkraft für eine deutsche Energiewende. Wenn klimafreundlicher Strom teuer ist, wird das aber nichts mit der Dekarbonisierung.

            Ja, Wasserkraft wie in Norwegen ist die günstigste Energiequelle, siehe Vollkosten von Erzeugern.

            Aber das hilft uns nichts, weil wir in Deutschland kein Potential für den Ausbau der Wasserkraft haben.

            Was hat denn dieser Artikel mit Kernenergie zu tun? Lass mal deinen Hass auf die Kernkraft außen vor bitte…

          3. Horst

            “Mir geht es hier im Blog in erster Linie um Klimaschutz.”
            ->
            Das merkt man aber nicht als Leser, so wie du über PV- und Kernenergie schreibst.

            “Ja, Wasserkraft wie in Norwegen ist die günstigste Energiequelle, siehe Vollkosten von Erzeugern. Aber das hilft uns nichts”
            ->
            Nordlink ist eines der längsten Seekabel weltweit. Es verknüpft erstmals die Stromnetze von Deutschland und Norwegen miteinander. Das Kabel wurde für rund zwei Milliarden Euro zwischen dem norwegischen Dorf Tonstad und dem Städtchen Wilster in Schleswig-Holstein verlegt. https://www.mdr.de/nachrichten/welt/wirtschaft/nordlink-stromtrasse-zwischen-norwegen-deutschland-offiziell-betrieb-100.html

          4. Florian Blümm

            Was hat Nordlink mit der Strompreisentwicklung Deutschland zu tun? Bitte beim Thema bleiben.

  20. Richard

    “Große Verbraucher sind zentral. Die Industrie verbraucht rund ~50% des Stroms in Deutschland, in Zukunft mit Sektorkopplung in der Prozesswärme vermutlich noch mehr.

    Danach kommen private Haushalte mit ~25% und Gewerbe/Handel mit ~15% sowie Öffentliche Einrichtungen mit ~10%. Da rund 60% der Deutschen in urbanen Zentren leben, ist auch die zweite Hälfte des Stromverbrauchs stark zentralisiert.

    Deshalb stehen Kraftwerke immer in der Nähe von Industriestandorten oder urbanen Zentren – ohne Ausnahme! Die Überlandleitungen dienten früher größtenteils der Versorgung von ländlichen Gegenden. Der verstärkte Netzausbau ist erst nötig geworden, weil nun mehr und mehr Erzeuger in ländlichen Gegenden stehen.”

    Perfekt! Also wäre es somit am besten 60% der Energie zentral zu Erzeugen und 40% dezentral. Dann braucht man auch in Zukunft die Überlandleitungen für die ländlichen Gebiete nicht ausbauen, selbst wenn diese in Zukunft mehr Strom benötigen. Würden Sie alles zentral erzeugen, wie bisher und der Stromverbrauch der ländlichen Gebiete steigt aufgrund des nötigen Mehrbedarfs an elektrischer Energie, müssten Sie die Leitungen genauso ausbauen, nämlich die Leitungen von den zentralen Stellen zu den ländlichen Gebieten verstärken. Bauen die ländliche Gebiete nun aber dezentral Erzeuger und Speicher kann diesem Ausbau ein wenig entgegen gewirkt werden.

    Sie werden um den Ausbau der Leitungen in keinem Szenario hinweg kommen (außer der Verbrauch stagniert). Kommt nur an wie viel und in welche Richtung (von Urban auf Land oder von Land in Richtung urban).

    Ich plädiere für einen guten Mix aus Zentral- und Dezentral.

    ByTheWay: Ich hoffe nicht, dass jemand auf die Idee kommt rund um Berlin AKWs zu bauen. Wäre mir doch ein wenig zu riskant 😉

    1. In welcher Welt sprechen denn 40% von 25% dezentrale Verbraucher für eine 40%-ige dezentrale Erzeugung. 40% von 25% sind 10%.

      Aber auch 10% dezentral zu erzeugen ist nicht möglich. Wie schon gesagt liefern Wind und Solar keine gesicherte Leistung. Das heißt man braucht immer Backup-Kraftwerke und die sind wiederum zentral.

      Ohne dezentral geht, ohne zentral geht nicht. Deshalb brauchen wir beide Infrastrukturen, zentrale und dezentrale Infrastruktur. Günstiger und effizienter wäre es, wenn alles zentral wäre.

      Es stimmt auch nicht, dass das die gleiche Netzinfrastruktur ist. Um die Spitzen von wetterabhängigen Erneuerbaren transportieren zu können muss man die Netze ordentlich ausbauen. Die Auslastung ist halt dann grottig im Vergleich mit regelbaren Kraftwerken.

      Übrigens bauen die Polen bei Berlin AKWs. Na gut, 450 Kilometer entfernt. Ich freu mich trotzdem schon auf einen Besuch.

  21. Wiebke

    Hallo Herr Blümm,

    Können Sie mir die Quelle bei 3 nochmal aktualisieren oder mir den Link schicken? Dort sollte ja eigentlich der Strompreis hinterlegt sein, aber ich komme dort immer wieder auf die Statistik des Gaspreises
    Vielen lieben Dank im Voraus!

    1. Die Aussage, dass in manchen Jahren Dänemark und Bermuda höhere Stromkosten haben ist natürlich korrekt. Sieht man ja auch in meiner Aufstellung. Ich verstehe aber nicht, was das an der Grundaussage ändert, dass Deutschland bei den Strompreisen auf einem Spitzenplatz liegt.

      Und zum Thema Kaufkraft hatten wir schon eine Diskussion hier in den Kommentaren.

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