Harald Lesch ist ein Verteidiger der Wissenschaft. Warum aber verbreitet er einfach widerlegbare Mythen über die Kernkraft?
Inhalt
Alpha Centauri mit dem Astrophysiker Harald Lesch war großartig. Die Nuller-Jahre-Sendung war ein früher Vorläufer der heutigen Youtube-Wissenschaftskanäle.
Wenn dich unser Universum interessiert, kann ich die Astronomie-Sendung auch heute noch empfehlen.
Harald Lesch widmet sich mittlerweile als Wissenschaftsjournalist politischen Themen auf dem Youtube-Kanal Terra X Lesch & Co.
Dort trägt er auch 26 Mythen über Kernkraftwerke zusammen. Die zivile Kernkraft ist in Deutschland ein äußerst politisches Thema.
Harald Lesch entlarvt diese Mythen aber nicht. Ganz im Gegenteil, er verteidigt Falschaussagen, als wäre er selbst Kernkraftgegner.
Das ist ungefähr so schockierend, als ob Harald Lesch unhinterfragt Argumente von Klimawandelleugnern vorträgt.
Das schreit nach einem Fact-Check…
Update: Lesch widerspricht Endlagersuche-Mythos im 5. Video
In seinem neuesten Video zur Kernkraft vom Oktober 2024 besinnt sich Harald Lesch auf seine Aufgabe Mythen zu widerlegen, statt sie selbst zu verbreiten.
Der Titel „… und was vom Atomausstieg bleibt“ zeigt schon, dass die Abschaltung der AKW keine Lösung der Müllentsorgung war. Wir haben den Atommüll mit Ausstieg genauso wie ohne. Radioaktiven Müll aus Forschung und Medizin haben wir ganz ohne AKW.
Das Video widmet sich zuerst kuriosen Entsorgungs-Ideen wie der Weltraumentsorgung. Es zeigt, warum tiefengeologische Endlager als beste Lösung gelten und warum alle Länder diesen Ansatz gewählt haben (außer Russland mit seinen Tiefenbohrungen).
Lesch erklärt, wie Finnland und Frankreich hinreichend sichere Endlagerstandorte gefunden haben. Deutschland hingegen sucht nach dem sichersten Endlager. Wir bestimmen einfach einen Standort ohne Rücksicht auf die Bevölkerung.
Mit diesem aus dem Ruder gelaufenem Perfektionismus soll der deutsche Endlagerstandort erst im Jahr 2074 (!) gefunden sein. Dann muss das Endlager noch gebaut werden und der Müll rund 20 Jahre lang eingelagert werden.
Lesch appelliert im Fazit an die Politik, diesen Prozess zu beschleunigen. Wie unsere Nachbarn zeigen, ist die Endlagersuche ein politisches Problem und kein technisches. Er widerlegt hier einen Mythos der Kernkraftgegner.
Hat Harald Lesch sich in seinem neuesten Video also rehabilitiert? Eine ironische Stelle in dem Video liefert eine gute Antwort:
22:47: „Die meisten Finnen stehen zur Atomkraft und gehen pragmatisch an das Thema heran. […] Zudem gibt es kaum kritische Medienberichte über Kernenergie“.
Ja lieber Harald, wer hat denn mit „kritischen Medienberichten“ dazu beigetragen, dass die Deutschen die Atomkraft überhaupt nicht mehr pragmatisch sehen?
Fact Check: 4 Anti-Kernkraft-Videos von Harald Lesch
Die 26 Mythen sind je Video in zeitlicher Reihenfolge sortiert. Du kannst so die Videos nebenbei schauen und stoppen, um den Fact Check zu lesen. Neben jedem Mythos ist außerdem ein Link auf die genaue Stelle im Video.
- 1. Video mit Mythen 1-8 (2024): Alles Kernkraft, alles bingo? | Transmutation erklärt
- 2. Video mit Mythen 9-14 (2021): Übereilter Atomausstieg? Fukushimas Erbe
- 3. Video mit Mythen 15-20 (2019): Atomkraft jetzt! Rettung für das Klima?
- 4. Video mit Mythen 20-26 (2021): Mini-Kernkraftwerke: Der Weg aus der Klimakrise?
Wie du siehst, macht Harald Lesch immer wieder Anti-Kernkraft-Videos. Obwohl er Physikprofessor ist, geht er dabei vielen einfachen Fehlschlüssen der Kernkraftgegner auf den Leim.
Im Video von 2024 erhöht er die Schlagzahl sogar noch von 6 auf 8 Mythen pro Video. Wie er selbst im Fazit des neuesten Video zugibt, verwundert ihn die Rennaissance der Kernkraft.
Wenn er diese 26 (!) Kernkraft-Mythen tatsächlich glaubt, dann überrascht ihn natürlich das AKW-Neubauprogramm unserer Nachbarländer und vieler Industriestaaten weltweit.
Vielleicht ist diese kognitive Dissonanz ja ein erster Schritt, um seine ungeprüften Annahmen zu hinterfragen. Wissenschaftler machen das normalerweise mehrmals am Tag.
Wenn du lieber Fact Checks zu den Videos als Video anschaust, dann bist du bei Simeon Preuß richtig: 1 2 3
Aber genug geschwafelt, auf zum Fact Check von Leschs 26 Behauptungen.
1. Video
1. Mythos: Komplette Stromversorgung nur durch Kernkraft

00:34 Harald Lesch: „wir wollen einfach nur im Stromsektor die komplette Stromversorgung Deutschlands durch Kernkraftwerke bereitstellen.“
Das Video beginnt mit einem Strohmann. Fast niemand fordert die komplette Stromversorgung nur mit Kernkraftwerken zu decken. Kernkraft-Befürwortern geht es darum, AKW nicht grundlos auszuschließen. Es geht um einen gesunden Strommix aus so vielen unterschiedlichen Erzeugern wie möglich.
Diversifikation senkt Abhängigkeiten. Wenn wir auf mehreren Füßen stehen, sind wir nicht so aufgeschmissen, wenn es zu Engpässen bei einer Energiequelle kommt. Diese Lektion sollte Deutschland eigentlich aus dem massiven Fokus auf russisches Pipeline-Gas gelernt haben.
Diversifikation senkt außerdem die Kosten. Jede Energiequelle hat eigene Vorteile und Nachteile. Modellierungen zeigen, dass bei ergebnisoffener Optimierung ein gesunder Mix aus allen klimafreundlichen Erzeugern herauskommt.1
Dazu kommt, dass Deutschland sich mit Wind und Solar gar nicht selbst versorgen kann. Ein bis zwei Drittel unseres Energiebedarfs müssen wir bei Beschränkung auf 100% Erneuerbare in Form von Wasserstoff und Synthfuels importieren – bis in alle Ewigkeit.
Die 40-55 Reaktoren, die Lesch im Video berechnet, finden übrigens alle an bisherigen AKW-Standorten Platz. Wir hatten bereits 37 Kernkraftwerke in Deutschland. Selbst die von ihm explizit genannten 8 AKW in Bayern gab es dort bereits.
2. Mythos: Wir haben eine Million Jahre mit dem Atommüll zu tun
06:13 Harald Lesch: „aber eine Million Jahre, das sind doch unvorstellbare Zeitläufe. Wie soll eine Zivilisation mit solchen Zeiträumen umgehen?“
Der Vorschlag mit einer Million Jahren Verwahrungsdauer stammt aus einem Gesetzestext, dem Standortauswahlgesetz. Es gibt keine physikalischen Gründe, warum der Zeitraum so extrem lange sein muss. Harald Lesch sollte sich als Physiker auf physikalische Gesetze beziehen.
Nach bereits 300 Jahren sind die hochradioaktiven Gammastrahler nämlich so weit zerfallen, dass sie keine Gefahr mehr darstellen.2 Um durch die verbleibenden Alpha- und Betastrahler gesundheitlichen Schaden zu nehmen, müsste man den Müll dann schon essen.
Aber nehmen wir eben an, dass wir den Atommüll eine Million Jahre sicher verwahren wollen, weil das so im Gesetz steht. Das heißt trotzdem nicht, dass wir uns in 100 Jahren noch darum kümmern müssen. Ein weiterer Gesetzestext, die Endlagersicherheitsanforderungsverordnung, sieht einen passiven und wartungsfreien Einschluss der radioaktiven Abfälle vor.
Es kommt auch keine „Klappe“ über das Endlager, wie Lesch im Video behauptet. Das Endlager gibt es nach passivem und wartungsfreiem Verschluss nicht mehr. Das Inventar geht in die Geologie über. Und in geologischen Zeitskalen sind eine Million Jahre ein Augenblick.
3. Mythos: Auch nach Transmutation brauchen wir ein Endlager

09:01 Harald Lesch: „ja man braucht immer noch ein Endlager. Es bleibt einfach immer noch was übrig, was gelagert werden muss“
Ja, es bleibt nach der Transmutation etwas übrig, aber eben kein hochradioaktiver Atommüll. Nach 300 Jahren sind von dem transmutierten Atommüll nicht nur die Gammastrahler zerfallen, sondern alle hochradioaktiven Elemente. Die Radioaktivität ist dann unter der von Natur-Uran.
Wir könnten mit Hilfe der Transmutation also komplett auf ein tiefengeologisches Endlager in 800 Meter Tiefe verzichten. Der hochradioaktive Müll müsste für 300 Jahre in den aktuellen Zwischenlagern bleiben und könnte danach in einer oberflächennahen Deponie entsorgt werden.
Es gibt aber durchaus Gründe, die Transmutation abzulehnen. Das Transmutieren ist aufwändig, teuer und birgt selbst Gesundheitsrisiken. Ein tiefengeologisches Endlager hingegen ist relativ günstig und nach der Studienlage extrem sicher.3
Außerdem ist Deutschland das einzige Land der Welt, welches selbst für niedrig radioaktiven Müll ein tiefengeologisches Endlager baut. So weit geht bei uns die Strahlenphobie. Transmutation würde in Deutschland also erst dann helfen, wenn wir mit diesem Alleingang aufhören.
2027 soll Schacht Konrad in Betrieb gehen, das nach Morsleben zweite deutsche Atommüll-Endlager für Bauschutt, Kittel, Werkzeug usw. aus dem Rückbau der AKW. In allen anderen Ländern entsorgt man diesen weitestgehend ungefährlichen Müll oberflächennah.
4. Mythos: Kernkraft hat höhere Emissionen als Wind und Solar

09:57 Harald Lesch: „die Kernkraft ist viel schlechter in der CO2-Emission als irgendwelche Erneuerbaren“
Diese Behauptung lässt sich leicht widerlegen, denn die erneuerbare Biomasse verursacht indirekte Emissionen von 230 gCO2/kWh.4 Das ist doppelt so viel, wie die von Harald Lesch zitierte Zahl zur Kernkraft.
Die Emissionszahl für Kernkraft, die Lesch nennt, ist mit 117 gCO2/kWh außerdem ein absoluter Outlier. Ein aktueller Wert für die CO2-Emissionen von Kernkraft ist 6 gCO2/kWh, also 19 Mal so wenig!5
Der Weltklimarat kam 2014 dank einer Meta-Studie über mehr als 100 Einzelstudien auf den Median 12 gCO2/kWh für Kernkraftwerke. Das ist niedriger als die CO2-Emissionen für Wind mit 17 gCO2/kWh und für Solarparks mit 48 gCO2/kWh für deutsche Standortfaktoren.
Die Quelle von Harald Lesch ist nicht vom Weltklimarat, sondern von der Anti-Atomkraft-Lobbygruppe WISE. Das heißt nicht, dass ihre Zahl unbedingt falsch sein muss. Aber warum cherrpyickt Lesch ausgerechnet einen Outlier aus einer befangenen Quelle?
Man könnte analog zu Leschs Cherrypicking einen Outlier für Solar von 240 gCO2/kWh nehmen und einen für Wasserkraft mit 2200 gCO2/kWh.6 Diese Art von „Datenselektion“ hat mit Wissenschaft nix zu tun.
5. Mythos: Kernkraft ist wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig

10:15 Harald Lesch: „ist die Kernkraft wirklich konkurrenzfähig zu den Erneuerbaren Energien? Wirtschaftlich auf keinen Fall!“
Wieso mussten wir in Deutschland Kernkraftwerke per Gesetz verbieten, wenn sie doch angeblich sowieso nicht konkurrenzfähig sind? Es überrascht dann auch nicht, dass sich für Leschs AKW-Gestehungskosten von 14-19 Ct/kWh keine Quelle finden lässt. Diese Zahl geistert seit Jahren unbelegt durch soziale Netzwerke.
14-19 Ct/kWh können gar nicht stimmen, wie das Beispiel des Kernkraftwerks Hinkley Point C (HPC) in Großbritannien zeigt. Das AKW erhält eine feste Einspeisevergütung von 14 Ct/kWh 7 Die Kosten lägen also ÜBER dem Ertrag, den das AKW maximal erwirtschaftet. Das Kraftwerk würde also garantiert Verluste machen, wenn die Zahl stimmt. Und die 14-19 Ct sind noch gar nicht inflationsbereinigt.
Auch die Proberechnung geht nicht auf. Der Neubau müsste 170 Mrd. Euro kosten um auf 14 Ct/kWh zu kommen.8 Tatsächlich soll HPC 54 Mrd. Euro kosten und gilt damit als eins der teuersten Kernkraftwerke der Welt. Das ist ja auch viel zu teuer. Aber ein Prototyp eines neuen Reaktors ist eben keine Referenz für einen Serienbau.
Leschs angebliche Kosten von AKW sind weder plausibel noch gibt es dafür eine Quelle.
6. Mythos: Die Folgekosten von Kernkraft sind unermesslich hoch

10:26 Harald Lesch: „die Folgekosten für den Einsatz von Kernenergie kann man gar nicht abschätzen. Wir wissen heute nur, sie sind sehr sehr hoch.“
Dass man die Folgekosten nicht abschätzen kann, ist falsch. Die UN hat das im Jahr 2021 getan und schätzte die externen Kosten von Kernkraft am zweitniedrigsten ein nach der noch umweltfreundlicheren Wasserkraft.
Bekannter noch ist die Abschätzung des wissenschaftlichen Beirats der EU. Die Kernkraft wurde 2022 als nachhaltig in die EU-Taxonomie aufgenommen, weil sie weder Umwelt noch Menschen mehr schadet als andere nachhaltige Energiequellen.9
Lesch verwendet lieber ein viel älteres und äußerst fragwürdiges Dokument. Das Umweltbundesamt hat im Jahr 2012 die Umweltfolgen der Braunkohle in Höhe von 76 Ct/kWh genommen und einfach der Kernkraft aufgebrummt.10
Begründet wird das damit, dass die Kernenergie per Definition die schlechtesten Folgekosten haben soll und die Braunkohle die zweitschlechtesten:
„Das Umweltbundesamt empfiehlt, bei der Ermittlung der gesamten Umweltkosten der Stromerzeugung die Umweltkosten der Kernkraft mit dem Kostensatz für Braunkohle zu bewerten. Dies stellt angesichts der Unsicherheit hinsichtlich der Bestimmung der Umweltkosten der Kernenergie die aus Sicht des Umweltbundesamtes beste Lösung dar. Dahinter steht die Auffassung, dass die Kosten der Kernkraft mindestens so hoch bewertet werden müssen wie der nächstschlechtere Energieträger, der eingesetzt wird.“
Das ist kein Witz. Hier wurde tatsächlich das Ergebnis „Kernkraft = am umweltschädlichsten“ vorgegeben und die Zahlen dazu wurden frei erfunden. Das hat mit Wissenschaft überhaupt nichts mehr zu tun.
7. Mythos: AKW und Erneuerbare passen nicht zusammen

11:04 Harald Lesch: „wäre da nicht die Kernkraft vielleicht ein idealer Lückenfüller? Aussage ist nein“
Lesch hat völlig recht, dass es keinen Sinn macht, Kernkraftwerke erst dann anzuschalten, wenn die Sonne untergeht. Technisch können AKW zwar sehr schnell Last- und Leistungsfolge fahren, aber das würde zu teuer werden. Nein, gute Lückenfüller sind Kernkraftwerke nicht.
Aber in jedem Industrieland gibt es eine Stromnachfrage, die im Tagesverlauf nicht unterschritten wird. Diese Tag und Nacht nachgefragte Last nennt man Grundlast. Wind und Solar sind wegen ihrer Schwankungen sehr schlecht für die Deckung der Grundlast geeignet. AKW hingegen sind wegen ihrer langweiligen Leistungskurven perfekt dafür.
Für die Mittellast wiederum sind AKW weniger gut geeignet und für die Spitzenlast gar nicht. In der Spitzenlast können Wind, Solar und Kurzzeitspeicher ihre Stärken ausspielen. Ein kostenoptimales Energiesystem setzt sowohl auf volatile als auch auf gesicherte Leistung.11
Wenn die Kernkraft die Grundlast übernimmt, sind die Anforderungen an teure Saisonspeicher nämlich sehr viel geringer und fallen ab einem gewissen Kernkraftanteil ganz weg. Wir brauchen alle klimafreundlichen Energiequellen!
Noch dazu haben wir, wie im 1. Mythos schon erwähnt, gar nicht genug Fläche im sonnenarmen und windarmen Deutschland. Wind und Solar können unseren Energiebedarf nur zu einem bis zwei Drittel decken. Ohne AKW müssen wir den Rest der Energie als teuren Wasserstoff importieren. Das gibt Lesch sogar in einem Interview selbst zu.
8. Mythos: Kernkraftwerke sind unversicherbar
11:42 Harald Lesch: „weil Kernkraftwerke nicht versichert werden können“
Alle kommerziellen Kernkraftwerke in der Bundesrepublik Deutschland waren während ihrer gesamten Laufzeit versichert. Auch wenn wir wieder in die Kernenergie einsteigen sollten, werden alle Kernkraftwerke in jeder Stunde versichert sein.
Woher ich das weiß? Weil es gesetzlich so im §13 Atomgesetz und genauer in der atomrechtlichen Deckungsvorsorge-Verordnung vorgeschrieben ist. Das ist wie bei der Haftpflicht-Versicherung beim Auto. Ohne Haftpflicht-Versicherung gibt es erst gar keine Zulassung.
Im Jahr 2002 wurde unter Trittin die im Atomgesetz festgelegte Deckungssumme auf 2,5 Mrd. Euro erhöht. Das ist eine sehr hohe Summe, wenn man bedenkt, dass bei der Kernschmelze von Three Mile Island nur rund 50 Millionen Euro Schadensersatz gezahlt wurden, für Evakuierungen und medizinische Untersuchungen.12
Der Unfall von Three Mile Island ist schon so schlimm wie die maximal 200 Meter Kontamination um das Betriebsgelände, die man sich in deutschen AKW vorstellen kann. Aber selbst wenn die Deckungssumme der deutschen Kernreaktor-Versicherungsgemeinschaft nicht reichen sollte, haftet danach nicht die Gesellschaft, sondern der Betreiber mit seinem vollen Vermögen.
Es gab immer wieder Forderungen, dass in deutschen Kernkraftwerken auch ein Unfall wie in Tschernobyl versichert sein soll. Ein Unfall wie in Tschernobyl ist aber nur in graphitmoderierten Reaktoren möglich und in allen Leichtwasserreaktoren physikalisch unmöglich. Natürlich muss man keine Unfälle versichern, die in deutschen Reaktoren gar nicht passieren können.
Wie Harald Lesch darauf kommt, dass deutsche AKW nicht versichert waren und gar nicht versicherbar sein sollen, ist mir ein Rätsel. Vielleicht ist er auf die Berechnungen der Versicherungsforen Leipzig hereingefallen, die davon ausgehen, dass es alle 2 Jahre zu einem Unfall wie in Tschernobyl kommt.
2. Video
9. Mythos: Strahlenfolgen für die Bevölkerung in Fukushima

03:57 Harald Lesch: „Anders sieht es aus bei dem kindlichen Schilddrüsenkrebs. Da war es so, dass der normale Erwartungswert wären 10 Fälle in der Region Fukushima. Jetzt hat man 167 Fälle entdeckt, die operiert werden mussten.“
Diese Fälle von Schilddrüsenkrebs wurden gefunden, als man kurz nach dem Reaktorunfall die Ausgangslage für langjährige Beobachtungen klären wollte. Es wurde vorher noch nie ein großer Teil der Bevölkerung ohne Symptome gescreent. Es gab also keinen Erwartungswert, man bestimmte damit den Erwartungswert.
Strahlenfolgen können das so früh gar nicht gewesen sein. Es dauerte selbst bei den um Größenordnungen höheren Mengen radioaktives Jod in Tschernobyl 5 Jahre, bis zu den ersten Fällen von Schilddrüsenkrebs. 13
In Fukushima war die Strahlenbelastung für die Bevölkerung viel niedriger als in Tschernobyl. Das UN-Expertengremium UNSCEAR erwartet überhaupt keine Strahlenschäden durch Fukushima, insbesondere keinen Schilddrüsenkrebs. 14
10. Mythos: Allgemeinheit zahlt den Rückbau der AKW
06:05 Harald Lesch: „Das ist angesichts der Kosten, die wir beim Rückbau zu bezahlen haben, Rückbau der Atomkraftwerke von 20 bis 25 Milliarden, ist das eigentlich gar nichts.“
Ja, der Rückbau aller AKW in Deutschland kostet rund 15 bis 25 Milliarden Euro. 15
Aber nicht wir zahlen diese Kosten, sondern die Betreiber. Die haben über die Betriebsjahre Rückstellungen gebildet, um den Rückbau zu finanzieren.
Umgerechnet auf den in Deutschland insgesamt erzeugten Atomstrom, liegen die Rückbau-Kosten bei rund 0,1 Cents pro kWh. Das ist günstiger als der Rückbau von Windrädern.
Die Rückbaukosten pro kWh wären noch günstiger, wenn man die Kernkraftwerke nicht vorzeitig aus politischen Gründen abschalten würde.
11. Mythos: Keine Stromimporte durch Atomausstieg

07:01 Harald Lesch: „Musste jetzt Deutschland nach dem Ausstieg aus der Kernkraft auf einmal Atomstrom von woanders einkaufen? Zum Beispiel aus Frankreich. Die Antwort ist: Nein. Seit 2002 verkaufen wir nur noch Strom. Wir importieren gar nichts mehr.“
Keine Stromimporte seit 2002?? Natürlich importieren wir Strom, auch aus französischen, schwedischen, niederländischen, belgischen, tschechischen und schweizerischen Kernkraftwerken. In naher Zukunft werden wir sogar Atomstrom aus Polen importieren.
2020 haben wir fast 50 TWh importiert und die Jahre vorher um die 40 TWh. 16 Das waren 2020 knapp 10% des deutschen Stromverbrauchs.
Harald Lesch rechnet das Jahresmittel von Exporten und Importen auf, als ob die Exporte bei Sonnenschein im Juli die Importe bei Dunkelflaute im Januar einfach ungeschehen machen.
Das ist so, als ob du deine Heizung verkaufst, weil die Jahresmitteltemperatur in Deutschland bald bei 15 Grad Celsius liegt. Das heißt doch nicht, dass es niemals kalt wird…
12. Mythos: Gestehungskosten ohne Systemkosten

08:04 Harald Lesch: „schauen wir uns mal eine Vollkostenrechnung an, nämlich den Neubau einer Anlage, den Betrieb einer Anlage, die Rohstoffkosten und den Abbau einer Anlage.“
Harald Lesch schlägt eine „Vollkostenrechnung“ vor, aber berücksichtigt nur die Gestehungskosten.
Insbesondere unterschlägt er die Integrationskosten in das Stromnetz: 17
- Netzkosten
- Kosten für Backup
- Kosten für Regelenergie
- Kosten für Überproduktion
- Kosten für Volllaststundenreduktion
Diese Systemkosten sind bei Wind und Solar deutlich teurer als bei konventionellen Kraftwerken. Sie wachsen außerdem bei wetterabhängigen Erneuerbaren überproportional mit weiterem Zubau.
In Deutschland sind die Systemkosten von Wind und Solar bereits höher als ihre Gestehungskosten. Und sie steigen immer mehr, siehe Vollkosten für Deutschland inklusive Systemkosten.
13. Mythos: Kernkraft wird immer teurer

09:09 Harald Lesch: „Also trotz jahrzehntelanger Entwicklung und Verbesserung der Kraftwerkstechnologie ist die Kernkraft heute ökonomisch tot, weil sie zu teuer ist.“
Wie man im Diagramm mit Daten von der IEA für Mitteleuropa oben sieht, wurde Kernkraft zwischen 2010 und 2020 in Mitteleuropa nicht teurer, sondern um 20% günstiger. Wenn man noch weiter zurückgeht bis 1970, sind die Kosten von Serienreaktoren ungefähr gleichgeblieben. 18
Harald Lesch beruft sich im Video aber nicht auf Studien mit europäischen Werten, sondern ausgerechnet auf Lazard Levelized Costs of Interest. Lazard ist keine gute Referenz, aus mehreren Gründen:
- betrachtet nur die USA, wo Kernkraftwerke deutlich teurer sind als im Rest der Welt 19
- senkt die Laufzeiten von Kernkraftwerken auf nur 40 Jahre statt 60 Jahre, was die Kosten auf 150% erhöht
- verwendet einen Abzinsfaktor von 10% statt 3-5%, was die Kosten von Kernkraft im Vergleich zu Solar mehr als verdreifacht 20
Allein diese drei Annahmen erhöhen den Preis von Kernkraftwerken um eine Größenordnung. Lazard weist also normalisiert und auf deutsche Standortfaktoren korrigiert noch deutlich günstigere Gestehungskosten zu Kernkraft aus als andere Studien.
In den USA haben Solar und Wind außerdem deutlich bessere Standortfaktoren. Lazard geht von 30% Kapazitätsfaktor bei Solar und 55% bei Wind aus, verglichen mit 10% und 20% in Deutschland. Photovoltaik und Windkraft in Deutschland sind also fast drei Mal so teurer, wie von Lazard dargestellt.
14. Mythos: Es gibt mehr Störfälle je älter ein AKW ist
09:56 Harald Lesch: „Je älter die Anlage ist, umso mehr meldepflichtige Störfälle haben wir da. Das heißt also, je älter der Kernkraftwerke werden, umso risikobehafteter werden sie.“
Es gab in kommerziellen AKW in Deutschland insgesamt nur 3 meldepflichtige Störfälle. Einer war im Kernkraftwerk Unterweser (1998) und zwei im Kernkraftwerk Philippsburg 2 (beide 2001). Wenn man durch diese 3 Datenpunkte eine Trendlinie legt, dann wird es wirklich immer gefährlicher! (Achtung: Ironie)
Was Harald Lesch im Video zeigt, sind keine meldepflichtigen Störfälle, sondern alle meldepflichtigen Ereignisse. Die Kernkraftbranche ist die am stärksten regulierte der Welt, noch vor der Luftfahrt. Es müssen auch Ereignisse gemeldet werden, die keine Relevanz für die Sicherheit haben.
Fast alle diese meldepflichtigen Ereignisse sind auf der INES-Skala eine 0. INES 0 ist definiert als „Keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung – unterhalb der Skala“.
3. Video
15. Mythos: Uranvorkommen reichen nur noch 130 Jahre

01:58 Harald Lesch: „Zum Beispiel, die OECD, die schätzt, dass die Uranvorkommen auf der Welt ungefähr noch 130 Jahre reichen werden.“
130 Jahre sind sogar eine Größenordnung zu viel. Nur 12,7 Jahre könnten wir den gesamten Weltenergieverbrauch mit den bekannten förderbaren Uranvorkommen decken.
Beim aktuellen Uranpreis von 80 USD pro Kilogramm lohnt es sich aber bereits Uran aus dem Meerwasser zu extrahieren.21 Wenn wir nur 10% des Meerwasser-Urans extrahieren, können wir mit Uran die Welt 433 Jahre komplett versorgen.
An diesem Punkt können wir aufhören uns um Uranvorkommen Sorgen zu machen. 433 Jahre Reichweite mit aktueller Technologie sind mehr als genug Zeit um Alternativen zu finden. Zum Vergleich: wir nutzen Kohle erst seit 140 Jahren.
Uran reicht aber viele Millionen Jahre. Unsere Leichtwasserreaktoren nutzen weniger als 1 Prozent des Urans als Brennstoff. Durch Schließen des Brennstoffkreislaufes mit schnellen Reaktoren können wir rund 150 Mal mehr Energie aus den gleichen Uranvorkommen erzeugen.
Mit einem geschlossenen Brennstoffkreislauf reicht sogar der jährliche Zufluss von 32.000 Tonnen Uran durch Erosion in das Meerwasser, um jedes Jahr das 4,5-fache des Weltenergieverbrauchs zu erzeugen. 22 Moderne Kernkraft ist nicht ohne Grund als erneuerbare Energie definiert.
16. Mythos: Kernkraft macht nur 4% der Primärenergie aus

02:43 Harald Lesch: „Es sind- 80 % kommen von fossilen Rohstoffen oder von fossilen Ressourcen und nur 4 % von der Kernkraft.“
Es stimmt, die Kernkraft stellt nur 4% der Primärenergie. Wasserkraft stellt 6%, Wind stellt 2% und Solar nur 1,3%. Sollen wir auf Wasserkraft, Kernkraft, Solar und Wind verzichten? Too little, too late?
Natürlich hat Harald Lesch recht, dass das viel zu wenig klimafreundliche Energie ist. Aber nicht der heutige Anteil ist entscheidend, sondern die Zubaugeschwindigkeit. Und die ist bei Kernkraft viel höher als bei Solar und Wind. 23
Wie Harald Lesch sagt, stellen Kohle, Öl und Erdgas rund 80% des Energiebedarfs. Wenn wir die Fossilen und Biomasse ersetzen wollen, brauchen wir alle klimafreundlichen Energien, vor allem die schnell zubaubare Kernkraft.
17. Mythos: Kernkraftwerke führen zu Atombomben
08:13 Harald Lesch: „Ja dann entsteht dabei ja jede Menge Plutonium. Plutonium kann ja für nukleare Waffensysteme verwendet werden.“
Noch nie in der Geschichte der Menschheit wurden die bei uns typischen Leichtwasserreaktoren eingesetzt, um waffenfähiges Plutonium zu erbrüten. Mit existierender Technologie ist das gar nicht möglich. Das weiß ganz sicher auch Harald Lesch.
Waffenfähiges Plutonium muss, um eine kritische Masse zu erreichen, isotopenreines Pu-239 sein. In Leichtwasserreaktoren entsteht zwar auch Pu-239. Das ist aber viel zu stark mit Pu-240 verunreinigt.
Chemisch lassen sich Pu-239 und Pu-240 nicht trennen, weil es zwei Isotopen desselben Elements sind. Mit verbrauchten Brennstäben lässt sich also beim besten Willen keine Bombe bauen.
Um waffenfähiges Uran anzureichern, brauchst du hingegen nicht mehr als Uranerz und eine große Zahl von Zentrifugen. Israel und Nordkorea haben Atombomben und keinen einzigen kommerziellen Kernreaktor im Land. Auch Iran geht bekannterweise diesen Weg.
Es gibt auch in der wissenschaftlichen Literatur keinen Hinweis darauf, dass Kernenergie zu nuklearer Proliferation führt. Sollte man als Wissenschaftler schon in Erfahrung bringen können.24
18. Mythos: Es gibt keine tiefengeologischen Endlager

08:30 Harald Lesch: „Es gibt kein einziges Endlager auf der Welt.“
Allein in Deutschland gibt es mehr als 40 tiefengeologische Endlager, davon 2 für Atommüll: Morsleben und Schacht Konrad.
Wir haben in Deutschland sogar das größte Endlager der Welt. In Herfa-Neurode sind auf der Fläche von München Millionen Tonnen Müll bis in alle Ewigkeit eingelagert.
19. Mythos: hohe Subventionen für Kernkraftwerke
11:34 Harald Lesch: „Wenn man sich anschaut, mit welchen Subventionen zum Beispiel selbst in Großbritannien heute Kernkraftwerks-Neubauten finanziert werden müssen“
Hinkley Point Block C ist der Kernkraftwerksneubau, den Harald Lesch meint. Es ist ein Prototyp des neuen EPR-Designs. Der Contract for Difference (CfD) liegt tatsächlich bei £90 pro MWh. Der CfD für Offshore Wind im gleichen Zeitraum war mit £140-150 pro MWh allerdings mehr als 150% so teuer. 25 Und das ist ein CfD, also ein Differenzvertrag. Das heißt, die tatsächliche Höhe der Subventionszahlungen für die Windprojekte dürfte pro kWh bei einem Vielfachen von denen für Hinkley Point C liegen.
Wenn Windkraft in Großbritannien extrem hoch subventioniert wird, dann muss man eben auch andere klimafreundliche Erzeuger wie die Kernkraft oder Photovoltaik subventionieren, sonst investiert niemand. Subventionen haben aber grundsätzlich nichts mit den Kosten zu tun. Unsubventionierte Kernkraftwerke sind sehr viel günstiger als unsubventionierte Solaranlagen und Windräder, siehe Mythos Nr. 10 & 11.
Übrigens, in Deutschland mussten kommerzielle Kernkraftwerke noch nie subventioniert werden. 26
20. Mythos: 100% Erneuerbare sind kein Problem
12:11 Harald Lesch: „Dazu brauchen wir eine etwas andere Infrastruktur. Man braucht vor allen Dingen mehr Energiespeicher. Man braucht vielleicht auch vernetztere Netze usw. Aber das ist alles viel ungefährlicher und viel unproblematischer“
Wir brauchen nicht „mehr Energiespeicher“. Wir haben noch gar keine Speicher mit großen Kapazitäten. Ja wir haben noch nicht einmal erprobte Speichertechnologien, um auch nur theoretisch den Energiebedarf eines Landes mehrere Tage zu speichern.
Die fehlenden Speicher sind nicht „unproblematischer“, sondern das KO-Kriterium für ein Energiesystem mit 100% Erneuerbaren. Die aktuelle Speichertechnologie gibt das nicht einmal annähernd her.
Technologie schreitet voran, aber wir können nicht den Erfolg der Energiewende darauf verwetten, dass es in den nächsten Jahren einen gewaltigen Durchbruch bei Energiespeichern gibt.
4. Video
21. Mythos: Kleine modulare Reaktoren sind kleine Großkraftwerke
04:05 Harald Lesch: „Um die Leistung eines großen Kernkraftwerks zu präsentieren braucht man fünf von diesen Mini-Kraftwerken, manchmal sogar noch mehr“
Kleine modulare Reaktoren sollen kein Ersatz für Großkraftwerke in Industrieländern wie Deutschland sein. Dafür sind bestehende Kernkraftwerke der Gigawattklasse deutlich besser geeignet.
Geplante Anwendungsbereiche für SMRs sind zum Beispiel:
- Länder mit Grundlast im einstelligen GW-Bereich, also fast alle Länder.
- Bereitstellung von Fernwärme/Prozesswärme – 100 MW elektrisch sind 300 MW thermisch
- Hochtemperaturreaktoren zur effizienten Herstellung von klimafreundlichem Wasserstoff
- Ersatz von Kohlekraftwerken unter Beibehaltung der Turbinen und Infrastruktur
Anders als im Strommarkt gibt es hier auch in 10 oder 20 Jahren noch ordentlich Potential – auch in Deutschland. Allein der Wärmesektor ist mehr als doppelt so groß wie der Stromsektor und deutlich schwieriger zu dekarbonisieren.
Klimafreundlich erzeugter Wasserstoff wird in wenigen Jahren heiß begehrte Mangelware sein. Wir wollen schließlich auch den Transportsektor vollständig dekarbonisieren.
Harald Lesch geht leider gar nicht auf die vielen verschiedenen Nischen ein, die die insgesamt 70 SMR-Designs besetzen wollen. Wir müssen ja nicht nur den Stromsektor in Industrieländern dekarbonisieren.
22. Mythos: Kernkraftwerke sind nicht sicher genug

05:43 Harald Lesch: „Welches Risiko gehen wir ein, wenn wir Mini-Kernkraftwerke verwenden in Zukunft und wie steht dieses Risiko im Vergleich zu dem Risiko des Klimawandels“
Das Risiko des Klimawandels spielt hier keine Rolle. Wir müssen die Sicherheit von Kernkraftwerken mit denen von anderen Erzeugern vergleichen, die ein Kernkraftwerk ersetzen könnten.
Dabei kommt heraus, dass die Kernkraft die sicherste Energiequelle ist, trotz Unfällen, Uranabbau, Urananreicherung, Wiederaufbearbeitung und Entsorgung von Atommüll. Dabei ist noch nicht eingerechnet, dass Wind und Solar zusätzlich ein Erdgas-Backup benötigen.
Dabei ist auch nicht berücksichtigt, dass die in dem Video besprochenen Mini-Kernkraftwerke mit passiver Kühlung noch einmal deutlich sicherer sind als unsere Gigawatt-Reaktoren.
Überrascht? Das war ich auch, als ich diese Statistik 2009 zum ersten Mal gesehen habe. Ich war damals eigentlich gegen Kernkraft, aber musste meine Meinung in Folge langsam ändern.
Natürlich trägt die Kernkraft auch zur Senkung der CO2-Emissionen bei. Aber es ist doch wohl selbstverständlich, dass man heute nur noch klimafreundliche Erzeuger baut.
23. Mythos: Kernkraftwerke sind nicht CO2-neutral
09:34 Harald Lesch: „Wir müssen an die Kernenergie ran, denn die produziert zwar Kohlendioxid beim Bauen […]“
Das ist gar kein Mythos. Es stimmt, die Kernkraft ist nicht CO2-neutral. Aber auch alle anderen Erzeuger sind nicht CO2-neutral.
Wie vorher schon bei der Sicherheit, müssen wir wieder vergleichen zwischen Kernkraftwerken und ihren Alternativen.
Klimafreundliche Erzeuger wie Kernkraftwerke, Solaranlagen, Windräder und Wasserkraftwerke emittieren alle um 2 Größenordnungen weniger CO2 als fossile Erzeuger. Kernkraft ist sogar die klimafreundlichste Energiequelle von allen.
Das soll nicht heißen, dass Solar, Wind und Wasser schlecht sind. Wir brauchen alle klimafreundlichen Energiequellen!
24. Mythos: Der Bau von Kernkraftwerken dauert zu lange
14:25 Harald Lesch: „Herkömmliche Kernkraftwerke […] brauchen von der Planung bis zum Einsatz […] circa 15 Jahre und Standard Wind-Anlagen oder Photovoltaik-Anlagen sind mit 2 bis 5 Jahren am Start“
Die Quelle für die 15 Jahre würde ich gerne sehen. Die reine Bauzeit von Kernkraftwerken beträgt halb so lange, nämlich im Schnitt 7,5 Jahre. 27
Besonders ironisch ist, dass es hier um Mini-Reaktoren geht. Die haben den Anspruch deutlich schneller zubaubar zu sein als Reaktoren der Gigawatt-Klasse.
Zumindest vergleicht Harald Lesch endlich die Alternativen. Aber es reicht nicht ein Kernkraftwerk mit einem Windrad zu vergleichen. Ein einziges Kernkraftwerk erzeugt so viel Strom wie 4.000 bis 6.000 Windräder. 28 Und als Backup musst du noch 2-3 Gaskraftwerke zu den Windrädern bauen.
Wenn man sich die zugebaute Stromerzeugung pro Person und Jahr anschaut, dann ist der Ausbau von Kernkraft deutlich schneller als bei Wind und Solar.
Dieses Argument wäre dann zulässig, wenn wir in weniger als 10 Jahren vollständig dekarbonisiert sein könnten. Das glauben aber nicht einmal die optimistischsten Experten.
25. Mythos: Lizenzierung von kleinen Reaktoren ist schwieriger
14:54 Harald Lesch: „Wir haben es nämlich mit einem Reaktor-Typ zu tun, der völlig neu ist. Und der muss genehmigt werden“
Die kleinen Reaktoren sind nicht völlig neu. Von den 20 am weitesten fortgeschrittenen SMR-Designs, sind die Hälfte Leichtwasserreaktoren. 29
Das sind also die bekannten Siedewasserreaktoren (BWR) und Druckwasserreaktoren (PWR), die auch in Deutschland im Einsatz sind. SMRs sind sogar noch minimalistischer und deshalb einfacher zu lizenzieren.
Auch viele der verbleibenden Reaktor-Designs sind nicht grundsätzlich neu. Es gibt mit gasgekühlten, graphitmoderierten Reaktoren fast so viel Erfahrung wie mit Leichtwasserreaktoren.
Auch mit flüssigem Metall gekühlte Reaktoren sind mit den BN-Reaktoren bereits im kommerziellen Einsatz. Richtig neu dürften im kommerziellen Betrieb nur die 4 Flüssigsalzreaktor-Designs sein.
Wie Harald Lesch selbst sagt, ist die Lizenzierung eine Formalität. Die kann man verlangsamen oder beschleunigen. Die US NRC hat erst letztes Jahr ihre Regeln geändert, um die Lizensierung von neuen Reaktordesigns zu beschleunigen.
Kein Wunder, dass 8 der 20 führenden SMR-Startups in den USA angesiedelt sind. Auch kein Wunder, dass in Deutschland kein einziges Reaktor-Startup angesiedelt ist, obwohl wir mit dem Dual Fluid Reaktor ein vielversprechendes Konzept haben.
26. Mythos: Kernkraft taugt nicht zum Klimaschutz
18:05 Harald Lesch: „Wäre die Kernenergie sicherer, schneller zur Verfügung und billiger dann könnte die Kernenergie in Form von kleinen modularen Reaktoren tatsächlich helfen.“
Werden kleine modulare Reaktoren billiger, sicherer und schneller zubaubar sein als aktuelle Kernkraftwerke? Ich habe da meine Zweifel, besonders beim Preis.
Das ist aber reine Kaffeesatzleserei. Es gibt noch kein serienreifes Modell. Die ersten Prototypen in Russland, China und Argentinien sind fertiggestellt. Weitere Prototypen in den USA, Russland, Kanada, Südkorea sowie Dänemark und Großbritannien sollen folgen.
Wir müssen aber nicht auf neue Reaktor-Designs warten, schon gar nicht in Deutschland. Aktuelle Gigawatt-Reaktoren sind bereits billiger, sicherer und schneller zubaubar als die klimafreundlichen Alternativen Solar und Wind.
Fazit
Kernkraft und Doppelstandards
Wenn du nur ein Fazit aus diesem Fact Check mitnimmst, dann lass es die Abwägung von Alternativen sein. Wir müssen Kernkraftwerke immer mit alternativen Erzeugern vergleichen, z.B. bei:
- Emissionen
- Vollkosten
- Sicherheit
- Zubau-Geschwindigkeit
- Flächenbedarf
- Ressourcenbedarf
- Müllmengen
- Blackout-Risiko
Aber bitte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Harald Lesch vergleicht hier lediglich Teile der Gesamtkosten oder die Zubaugeschwindigkeit eines einzigen Windrades mit einem einzigen Kernkraftwerk.
Oder er sucht sich unter hunderten Einzelstudien die Studie mit den höchsten CO2-Emissionen und die mit den höchsten Umweltschäden heraus. Solches Cherrypicking ist unter Wissenschaftlern verpönt.
Nur durch faire Vergleiche lassen sich Doppelstandards vermeiden.
Noch mehr Kernkraft-Mythen von Harald Lesch
Es gibt sogar noch ein älteres Anti-Kernkraft-Video von Harald Lesch zum Nischenthema Flüssigsalz-Reaktoren namens „Atomkraft ohne Risiko? Der Flüssigsalzreaktor“ (2017). Harald Lesch macht dort noch deutlich mehr Fehler als in den drei hier betrachteten Sendungen, siehe Video-Antwort von Felix Letkemann.
Viele der Falschaussagen in den Videos lassen sich durch eine kurze Google-Suche widerlegen. Gibt es bei Terra X keinen Fact-Checker?
Dass wir in Deutschland seit 2002 keinen Strom mehr importieren, ist eigentlich sogar eine glatte Lüge von jemandem, der es wirklich besser wissen sollte.
Warum spickt man fünf Videos mit Falschaussagen, wenn man neutral und unbefangen über ein Thema aufklären will? Das hat ein starkes ideologisches Gschmäckle.
25 Kernkraft-Mythen: das Anti-Atom-Bullshit-Bingo

Es sind eigentlich immer die gleichen Argumente, die man von Kernkraftgegnern hört, die es mit den Fakten nicht so genau nehmen.
Vom Verein Nuklearia gibt es passend dazu das Anti-Atom-Bullshit-Bingo: Bingo spielen mit den 25 gängigsten Kernkraft-Mythen.
Besonders eifrige Kernkraftgegner haben sogar ganze 100 Gründe gegen Atomstrom zusammengetragen. Hier ist der Fact-Check dazu.
Ist Harald Lesch ein Technologie-Pessimist?
Je mehr ich von Harald Lesch sehe, desto mehr bekomme ich den Eindruck, er ist seit den Tagen von Alpha Centauri zum Technologie-Pessimisten geworden.
Er sagt ganz direkt, dass es ein Fehler sein soll, Probleme mit schlechter Technologie durch bessere Technologie zu lösen. Lieber sollen wir auf Technologie verzichten durch Verhaltensänderungen.
Andererseits bewirbt er Desertec als Alternative zur Kernkraft. Das enorm ambitionierte technologische Unterfangen ist schon einmal gescheitert. Da kann man auch gleich Atlantropa wiederbeleben.
Zugegeben, ich war vor vielen Jahren auch mal ein großer Fan von Desertec. Aber man muss schon über sehr viele Probleme hinwegsehen, um so ein Projekt für realistisch zu halten.
Pragmatische Klimaschützer hören auf die Experten vom Weltklimarat. Die sagen, wir müssen schnellstmöglich alle klimafreundlichen Energiequellen ausbauen – ja, auch die Kernkraft.
Fazit: So geht Wissenschaftsjournalismus nicht
Technologiefeindlich oder nicht: Es ist auf jeden Fall sehr enttäuschend, wenn ein Verfechter der Wissenschaft Mythen über die Kernkraft unhinterfragt nachplappert.
Harald Lesch ist sich nicht einmal zu schade, Kernkraftwerke mit Atombomben zu verknüpfen. Das ist der älteste Trick aus der Rhetorik-Kiste der Kernkraftgegner.
Und das kommt in einem Tonfall, wie bei einem Vertreter von „Ausgestrahlt“. Einmal meint Harald Lesch sogar die Kernspaltung sei perfide. Kernkraftwerke sind also hinterhältig oder niederträchtig? Echt jetzt!?
Im Video von 2024 präsentiert er uns sogar ohne jede Ironie einen Tauchsieder als Alternative zu AKW. Der macht schließlich auch Wasser heiß. Und der Strom dazu kommt ja aus der Steckdose…
Wer so einen Wissenschaftsjournalismus hat, braucht zumindest keine Wissenschaftsleugner mehr. Das ist dann schon gleich mit erledigt…
Mensch Harald, you were the chosen one!
Updates:
- 21.05.2021: Erstmals veröffentlicht mit Fact Check zu 2 Videos von 2019 und 2021
- 03.06.2021: Überarbeitet mit 3. Video von 2021
- 17.05.2024: Überarbeitet mit 4. Video vom Mai 2024
- 22.10.2024: Überarbeitet mit 5. Video vom Oktober 2024
Quellen
- What is different about different net-zero carbon electricity systems? Baik et al (2021)
- Atommüll – Ungelöstes, unlösbares Problem? Moormann (2021)
- Interim Summary Report of the Safety Case Posiva (2010)
- Technology-specific Cost and Performance Parameters IPCC (2014)
- Life Cycle Assessment of Electricity Generation Options UNECE (2021)
- Figure 7.6 IPCC (2014)
- 90 GBP/MWh von 2015 auf 2024 inflationsbereinigt Bank of England (2024)
- 3,2 GW, 60 Jahre Laufzeit, 85% Kapazitätsfaktor, 2 Ct/kWh Betriebskosten
- Technical assessment of nuclear energy with respect to the ‘do no significant harm’ criteria of Regulation (EU) 2020/852 (‘Taxonomy Regulation’) EU Joint Research Centre (2021)
- Methodenkonvention 2.0 UBA (2012)
- Is a 100% renewable European power system feasible by 2050? Zappa et al (2019)
- Das Interview: „Wir versichern ausschließlich die friedliche Nutzung der Kernenergie“ GDV (2007)
- Lessons from Fukushima: Latest Findings of Thyroid Cancer After the Fukushima Nuclear Power Plant Accident Yamashita et al (2018)
- Sources, effects and risks of ionizing radiation UNSCEAR (2021)
- Atomrückstellungen für Stilllegung, Rückbau und Entsorgung BUND (2014)
- Kommerzieller Außenhandel SMARD (2021)
- System LCOE: What are the costs of variable renewables? Ueckerdt et al (2013)
- Lovering (2016)
- Nuclear is a Crucial Piece of the Carbon-Free Puzzle Ruishalme (2018)
- Discounting and costs (Part 2): IPCC WGIII report on mitigation Korhonen (2014)
- Ultrahigh and economical uranium extraction from seawater via interconnected open-pore architecture poly(amidoxime) fiber Xu et al (2020)
- Breeder reactors: A renewable energy source Cohen (1983)
- Largest 10-year deployments of low-carbon electricity generation Chalmers (2020)
- Why Nuclear Energy Programs Rarely Lead to Proliferation Miller (2017)
- United Kingdom Support for five Offshore Wind Farms: Walney, Dudgeon, Hornsea, Burbo Bank and Beatrice European Comission (2014)
- Schriftliche Anfrage von Dr. Paul Laufs (CDU/CSU) Antworten der Bundesregierung (2002)
- How long does it take to build a nuclear power plant? Mearns (2016)
- Annahmen – Kernkraft: 1600 MW, 90% Kapazitätsfaktor, 60-90 Jahre Laufzeit – Wind an Land: 3 MW, 25% Kapazitätsfaktor, 30 Jahre Laufzeit
- Small Nuclear Power Reactors World Nuclear Association (2021)




Wie sieht es eigentlich mit der Kühlung aus. Aktuell wieder ein Thema in Frankreich?
Wegen Umweltauflagen können AKWs ohne Kühlturm gezwungen sein ihre Leistung zu drosseln. Das ist in Deutschland meines Wissens noch nie passiert, aber Frankreich muss fast jeden Sommer einige ältere AKW ohne Kühltürme drosseln. Dabei geht es aber nur um 0,3% der Jahreserzeugung, wie die der Kernkraftliebe unverdächtigen Factchecker von Correctiv recherchiert haben. Und das ist zu einem Zeitpunkt an dem die Photovoltaik mehr als genug liefert.
Liebe Leute,
Zur Zeit gibt es nach meinem Wissen kein Endlager für hoch-radioaktiven Müll. Dies soll erst in 10 bis 20 Jahren angegangen werden. Welche Kosten dann dabei entstehen, können wir kaun berechnen, aber es wird wohl sehr viel Kosten. Diese Kosten müssen natürlich bei der Berechnung der Stromkosten durch die Kernkraft mit berücksichtigt werden.
Ich bin mir nicht ganz klar wie die Kosten für Tschernobyl und Fukushima berechnet werden (Was ist eine toter Mensch wert, was kostet das Leid der Menschen die Krebs entwickeln etc.). Ich denke aber diese Kosten sind gewaltig.
Wenn in Deutschland eine ähnlicher GAU in einem Kernkraftwerk auftreten würde, könnte dies nach meiner Einschätzung Deutschland als Industriestaat zerstören.
Für alle neuen Reaktorkonzepte, die z.Z. diskutierte werden, gibt es nur Berechnungen und keine funktionierenden Anlagen. Für die Thorium-Hochtemperatur Technologie hat China einen Versuchsreaktor am Start und für die Dual-fluid-Technologie wird jetzt erst eine Versuchskraftwerk in Gabun gebaut. Bid diese Technologien kommerziell an den Start gehen können wird es noch einige Zeit dauern (10 Jahre?). Somit sind alle diese neuen Ansätze für kurzfristige Lösungen in Deutschland nicht geeignet.
Damit beide Technologien funktionieren müsse die entstehenden, die Kernreaktion hemmenden, Spaltprodukte kontinuierlich entfernt werden. Somit brauchen diese Anlagen Wideraufbereitungsanlagen.
Als ich mich meinem Studium vor knapp 40 Jahren begonnen habe, wurde von den Fusionsbefürwortern gesagt, es dauert noch 10 Jahre, dann läuft die Fusion. Wir sind heute nicht viel weiter und ob wir jemals eine funktionieren Fusionstechnologie auf der Erden haben werden ist nicht klar.
Es stimmt, dass es in Deutschland, anders als in anderen Ländern, kein Atomlager für hochradioaktiven Müll gibt. Schuld daran sind vor allem Kampagnen von Atomkraftgegnern unter dem Motto „Verstopft das Atomklo“. Wir hatten sogar schon einen Endlagerstandort. Trotzdem wurde 2017 der Endlagerbau nochmal komplett über den Haufen geworfen. Solche politischen Kosten sollten Politikern in Rechnung gestellt werden, nicht den Investoren oder Stromverbrauchern.
In Deutschland kann ja zum Glück kein ähnlicher Super-GAU, wie in Fukushima oder Tschernobyl passieren. Wir hatten hier noch nie sowjetische RBMK-Reaktoren am Netz und deutsche AKW waren immer für das Jahrzehntausendhochwasser ausgelegt. Ein Risiko mit Eintrittswahrscheinlichkeit 0, ist keins.
Pingback: Das Strompreis-Paradoxon – KlimaNachrichten
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Hallo,
von dieser Seite bin ich wirklich begeistert, weil dem ganzen ‚Anti-Atom‘ Gesülze echte Tatsachen mit eindeutigen und unfragwürdigen Quellenangaben entgegengestellt werden. Eine Stelle im Text ist mir aber unklar:
unter 7.:
In der Spitzenlast können Wind, Solar und Kurzzeitspeicher ihre Stärken ausspielen.
Das gilt doch nur für die Kurzzeitspeicher, dass sie ihre Stärke ausspielen können. Bei Dunkelflaute haben Wind-und Solar überhaupt keine Vorteile bei Spitzenlast…
Ansonsten – Vielen Dank!
Zugegeben, ohne Peaker für Dunkelflauten wird es auf absehbare Zeit nicht gehen
Du scheinst von der Atom- Lobby gut bezahlt worden zu sein, da der Aufwand der in diesen Artikel geflossen ist sicher nicht gering war. Warum regst du dich auf, dass Lesch Daten cherrypickt die schlecht für Atomkraft sind, aber selber cherrypickst du Daten die gut für Atomkraft sind. Die Grafiken die du benutzt sind außerdem tendenziös und oftmals aus zweifelhaften Quellen. Deutschland braucht keine Atomkraft und aktuell sehen wir den Beweis dafür.
Ja, die Atomlobby, die Zahnfee und der Osterhase meinen es gut mit mir. Nur der Weihnachtsmann kann mich nicht leiden und schickt immer seinen Knecht Ruprecht.
Wenn du hier zweifelhafte Quellen findest, bin ich dankbar für Hinweise. Ich bemühe mich zwar sehr die besten verfügbaren Quellen zu nutzen, aber Fehler passieren.
Quellen wie die OECD oder IPCC erscheinen mir vertrauenswürdiger als die von Herrn Lesch zitierten Wise und auch das Umwelt Bundesamt mit der hier genannten Begründung (wenn das in der Regel natürlich auch sicherlich als seriös anzusehen ist).
„Ist Harald Lesch ein Technologie-Pessimist?“
Ich glaube eher, er macht seinen gutbezahlen Job und sagt, was vom Geldgeber gewünscht wird. Etwas cleverer als die Kemfert.
„Technisch können AKW zwar sehr schnell Last- und Leistungsfolge fahren, aber das würde zu teuer werden. Nein, gute Lückenfüller sind Kernkraftwerke nicht“
Ich nehme an, das ist gemeint im Sinne von entgangenem Gewinn, da die Betriebskosten runtergefahren kaum niedriger als unter Vollast sind? Das Argument sägt aber an der Sinnhaftigkeit von Windrädern?
Den Lesch kann ich mir nicht mehr anschauen, keine Nerven mehr dazu. Seine Astronomievideos waren ok, einziger Meckerpunkt: damals kam er mir irgendwie leicht arrogant vor.
Genau so ist es. Alle klimafreundlichen Kraftwerke haben keine oder fast keine Brennstoffkosten und quasi keine variablen Betriebskosten. Grenzkosten nahe 0 heißt aber auch, dass ich nix einspare, wenn ich runterregle. Das heißt die Vollkosten sind bei 40% Auslastung quasi doppelt so hoch wie bei 80%. Ist bei Wind und Solar wie gesagt genau das Gleiche, aber die genießen ja eine krasse Subvention namens Einspeisevorrang.
Hallo Florian,
endlich mal eine Seite, die mit den ganzen Halbwahrheiten aufräumt. Es ist sehr wohltuend eine sachliche und objektive Beschreibung zur Kernkraft zu bekommen und nicht ideologisch durchdrungen.
Ideologie frisst nämlich das Hirn.
Mach weiter so.
Gruß
Florian
Danke Namensvetter
Pingback: Was andere Medien sagen
Dann verlinke mal bitte Deine Quellen.
Und nicht wie z.B. die Daten der Grafik bei:
5. Mythos: Kernkraft ist wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig.
Das ist nur Deine eigene Grafik. Wo sind die Quellen der Datengrundlage.en Kernkraft Lobby-Verband erwähnen und auf seine eigene Grafik verweisen.
Die Quellen stehen doch unter Grafik. Warum sind die Weltenergieagentur und die OCED ein Lobbyverband?
Bei den beiden Quellen unter Mythos #5 stehen die Fußnoten direkt dabei. Einfach draufklicken und du kommst zu den beiden Links.
Die Grafik darüber ist gar nicht als Argument gegen Leschs Behauptung gedacht, sondern zur Illustrierung. Auch die dort verwendeten Quellen findest du aber im Artikel Kosten pro kWh.
Ich habe grade einen Artikel über die Ursachen der hohen Kosten von Hinkle Point gelesen. Die Bürokratie schlägt ja wohl selbst die in Deutschland? Ein Großteil der Kosten ist lt Artikel nur der Schikane geschuldet, um KKWs schlecht dastehen zu lassen:
https://www.spectator.co.uk/article/why-britain-is-building-the-worlds-most-expensive-nuclear-plant/
Das ist eine Sendung vom links-grünen zwangsfinanzierten Staatsfunk.
Wie darüber über Atomkraft berichtet wird, war uns allen doch schon vor dem Anschauen klar.
War ja klar dass ich auf so einer Seite nur rechte Propaganda finde
Huahaha, immer diese Rechtsradikalen.
Pingback: Atomausstieg: Kostenbilanz nach Abschaltung der AKW - Tech for Future
Also, 3 Jahre später ist der Artikel ganz gut gereift. Kosten für Neubauten steigen noch weiter massiv, allerorts werden die steogenden Kosten für Endlagerung beklagt, Rückbaukosten sind bereits 3mal so hoch als du hier annimmst (Kemfert rechnet sogar mit 170 Milliarden) und über Umweltschäden kein Wort. Ich finde das gut, wie du kritisch auch mit falschen Annahmen anderer Klimaschützer umgehst, aber bei den eigenen Fakten betreibst du auch Cherrypicking. Ein bisschen selbstkritischer würde dem Blog wohl gut stehen.
Deine Filterblase muss ja extrem undurchlässig sein. Gerade vor 2 Wochen erst, ging der 4. Reaktor des AKW-Neubaus Barakah ans Netz – on time and on budget für 6 Mrd. pro Reaktor. Mit Google News, Newstral o.ä. könntest du aus der Filterblase ausbrechen, wenn du das denn wolltest.
Und was Kemfert angeht, am besten jede ihrer Aussagen ins Gegenteil verkehren.“ Speicher noch und nöcher“ heißt, es gibt keine Speicher. „Rückbau kostet 170 Mrd. €“ heißt Rückbau wird sogar billiger als die angesetzten 1,0-1,5 Mrd. Euro pro Reaktor.
Und hier ein ganzer Artikel zu den Umweltschäden von Energiequellen.
Kosten für Neubauten? Mal nach Südkorea schauen, die haben ihren Kostenrahmen eingehalten (~ ein Drittel der Kosten von Europa, aus Gedächtnis) und in 6 Jahren (~ auch aus Gedächtnis) fertiggestellt, Da hat in D und GB grade mal des Genehmigungsverfahren angefangen. Und immer wieder das Rad neu erfinden trägt auch nicht zu optimalen Abläufen bei. Auch die Chinesen sind da besser.
Und die Kemfert als seriöse Quelle anzugeben, das muß ich „noch und nöcher“ lachen.Diese Frau ist eine Schande für die deutsche Hochschullandschaft, da fällt sie aber nicht mehr besonders auf 🙁
Moin Florian,
habe deine Seite überflogen, aber zum Thema Saporischja nicht etwas gefunden. Wie siehst du das: wie sollte man bei der Kernenergie einkalkulieren, dass auch mal das Nachbarland rumkommt und Kernkraftwerke beschießt? Zum einen hat man hier das Risiko der Kontamination. Zum anderen ist man erpressbar – einfach dadurch dass man ein Kernkraftwerk im Land stehen hat. Die Skrupellosigkeit von Diktatoren wie Putin scheint mir bisher nicht als Risikofaktor einkalkuliert zu sein. In cent/kWh scheint mir das auch schwierig zu sein. Neben den Kernkraftwerken gilt dies zudem auch für Zwischenlager und evtl. auch Endlager – sofern diese nicht sehr gut verschlossen wurde.
MfG,
Heiner
Ich denke nicht, dass man in einem NATO-Land damit rechnen muss, in einen Krieg verwickelt zu werden. Das wäre Selbstmord für den Angreifer.
Auch ist ein AKW vielleicht ein halbwegs attraktives Ziel für Terrorangriffe aber keine wirkungsvolle Kriegswaffe:
Atommüll lässt sich noch viel weniger als Kriegswaffe einsetzen. Selbst als Terrorwaffe wird es hier fragwürdig.
Du gehst hier davon aus, dass es bei Kriegsverbrechen darum geht, möglichst hohe Opferzahlen zu erreichen. Das ist aber nicht der Fall, man möchte meistens ökonomischen Schaden anrichten und sich selbst taktisch besser positionieren, zu gewinnen. Länder, die aus ideologischen und nicht rationalen Gründen Krieg führen und Vernichtungsfantasien haben, würden auch vor dem Sprengen eines Atomkraftwerks nicht zurück schrecken. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass ein Atomkraftwerk Ziel eines Angriffs wird, aber die Gefahr eines unbeabsichtigten Treffers und das damit verbundene massive ökonomische Risiko ist einfach zweifelsohne da, insbesondere im dicht besiedelten Europa, wo die Auswirkungen eines „lahmgelegten“ Landstrichs ökonomisch so riesig sind, dass sie nur schwer in Zahlen bezifferbar sind.
Zur Endlagerung von Atommüll. Mir ist unklar, wie man eine Prognose mit Horizont von mindestens 200.000 Jahren rechnen will. Jeder Ökonom weiß, dass hier die Unsicherheiten ins Unermessliche steigen.
https://modernisierungsoffensive.com/blog/2021/03/24/atomstrom-endlagerung-das-sind-die-kosten/
Dieser Artikel beschreibt ganz gut (zwar Milchmädchenrechnung, aber gut), mit was für Zahlen man rechnet. Pro Sicherheitsmitarbeiter (auf 200.000 Jahre gekürzt, weil ab da geringeres Umwelt-Risiko) mit rd 1 Cent/KwH, runtergerechnet auf die Summe der KKW-Stromerzeugung seit Inbetriebnahme der KKW in D.
Hier ist weder Endlagersuche, Bau, Instandhaltung, und Eventualitäten eingerechnet (wissen wir, dass es in 150 Jahren nicht mehr Erdbeben oder Überflutungen aufgrund des Klimawandels gibt??).
Bei allem berechtigten Diskurs um Lösungen, den du hier mit guten Argumenten füllst, ist das doch ein K.O. Kriterium, nicht?
Ein unbeabsichtigter Treffer lässt ein AKW völlig kalt. Du musst schon sehr gezielt und mehrmals die Reaktorkuppel beschießen, um Schaden anzurichten.
Ich finde dieses Argument „Was ist im Krieg“ äußerst verlogen. Wir sehen in der Ukraine gerade ein ökologisches Desaster aufgrund eines Kriegsverbrechens mit Langzeitfolgen für Natur und Bewohner eines riesigen Landstrichs, viel krasser als bei jedem AKW Super-GAU.
Aber infolge des Dammbruchs von Kakhovka fordert anscheinend niemand den Ausstieg aus der Wasserkraft. Besonders schweigsam sind die Leute, die sofort den Ausstieg aus der Atomkraft fordern würden, wenn es einen kriegsbedingten Unfall im AKW nebenan gäbe.
Da geht es also nicht um das Argument, sondern nur um Panikmache.
—
Beim Atommüll rechnet man nicht mit Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden. Die Betriebsdauer eines Endlager sind wenige Jahrzehnte. Nach passiver Stilllegung geht der Atommüll in der Geologie auf und ist bereits nach 300 Jahren so unschädlich, dass man ihn essen müsste um Schaden zu nehmen.
Vergleich das mal mit dem Giftmüll im Giftmüllendlager, der für immer gefährlich bleibt. Ein Giftmüllendlager kann man nie stilllegen.
Wo du nach passiver Stilllegung 5 Personen zum bewachen hinstellen willst, musst du mir mal erklären. Der Autor des Artikels hat das Konzept eines tiefengeologischen Endlagers nicht im Ansatz verstanden. Ich stifte gerne ne Vogelscheuche für die grüne Wiese 800 Meter über dem Endlager, wenn dich das beruhigt…
Kostentreiber sind doch auch völlig überzogene Vorschriften und Auflagen s. Kalkar – oder?
Was man aus ideologischen Gründen nicht will, wird kaputt-Beauflagt. Ganz einfach – oder?
Hier schöne Darstellung dazu:
Mist, Link war noch nicht kopiert: https://www.spectator.co.uk/article/why-britain-is-building-the-worlds-most-expensive-nuclear-plant/
Da sind wir wieder bei doppelten Maßstäben.
Außer diese Bedingungen, insbesondere die de-facto Suspendierung des Konzepts ber GmbH (AG, etc…), wird auf alle Stromerzeugungsvarianten gleichermaßen angewandt.
Ohne das Konzept der Limited landen wir aber vermutlich ganz schnell in der vormoderne und können Fortschritt vergessen.
Kein Wort über Umweltschäden von AKWs im ganzen Blog?
An Tschernobyl muss immer noch gearbeitet werden… Das ist mehrere Jahrzehnte her, das sind sicher keine Umweltschäden, oder?
In Fukushima wird bald kontaminiertes Wasser ins Meer geleitet… und nicht nur ein paar Liter!
Was ist damit?
Hier entlang zu Umweltschäden von Energiequellen.
Hier entlang zu Fukushima und dem dekontaminierten Wasser. (DEkontaminiert, nicht kontaminiert!)
Knapp eine halbe Billion Dollar beträgt der volkswirtschaftliche Schaden (mindestens) durch Atomunfälle (https://www.tagesschau.de/wirtschaft/atomunfaelle-schadenskosten-ts-100.html) bisher. Hier sind die zahlreichen Unfälle hinter dem eisernen Vorhang (z.B. Kyschtym, INES 6, https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Unf%C3%A4llen_in_kerntechnischen_Anlagen) nicht eingerechnet.
Tschernobil hatte gefährliches Design (Graphit), die Hauptursache war aber die völlig bescheuerte Bedienungsmannschaft. Zur Verhinderung des Debakels hätte wohl gereicht, wenn sie die Notstromaggregate VOR dem Abschalten des Reaktors wenigstens schon im Leerlauf an gehabt hätten. So ein Unfall wäre woanders völlig unmöglich gewesen.
Das liest sich hier weniger beruhigend: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Unf%C3%A4llen_in_kerntechnischen_Anlagen
Einige Grundbedingungen für AKW/KKW Betreiber, die ich unterstützen würde.
1. Die Betreiber von Atomkraftwerken (AKW/KKW) benötigen eine private Versicherung für den eintretenden Schadensfall.
2. Unterliegt der Betreiber einem Default (Pleite, Insolvenz, Übernahme), so müssen alle aktuellen und zukünftigen Kosten auf die Aktionäre/Eigentümer umgelegt werden, die zuletzt das Unternehmen gezeichnet hatten. Sollten dabei, die Kosten die zu erwartenden Einnahmen übersteigen, sind auch nachfolgend ehemalige Zeichner zur Zahlung verpflichtet.
3. Die Betreiber der AKW/KKW werden „ALLE“ Kosten, für alle Zeit, die mit der Erzeugung oder der Entsorgung und Lagerung entstehen, selbst tragen. Es gilt das Verursacherprinzip. Zusätzlich gilt dafür, der zu dieser Zeit wissenschaftlich anerkannte Zeitraum und die Kosten. Die Kosten sind von Inflation und Währungsänderungen ausgenommen und müssen jedes Jahr, vom Betreiber und wissentschaftlich abhängig bestätigt, erneut angegeben werden.
4. Die Betreiber von AKW/KKW erklären sich bereit die Kosten für ein gesundheitliches Screening der Bevölkerung, in der Umgebung, auf Schäden zu tragen. Das Screening kann sich ändern, wenn andere wissenschaftlich belegte und anerkannte Erkenntnisse vorhanden sind. Das Screening kann entfallen, wenn die AKW/KKW Betreiber, abhängig durch die Wissenschaft, eine Unbedenklichheitserklärung unterschreiben. Diese Beurteilung ist mind. alle 5 Jahre nötig, kann aber durch neue, wissenschaftlich anerkannte Erkenntnisse verkürzt werden.
Also wenn wir das so festlegen, dann bin ich bereit Kernkraft wieder zu dulden. Alles andere ist kurzsichtig. Denn die Langzeitkosten sind sehr hoch. Die Folgekosten bei einem Fehler sind zu groß. KKW/AKW müssen sich in DE gar nicht versichern. Und mich würde mal interessieren, wie die Kosten aussehen, wenn wir wirklich nur diese 4 Punkte heran ziehen.
Und wenn es um Krankheiten geht, da ist dieser Blog richtig schwarz im Humor, oder ist das ehrlich gemeint?
Gruß
Da sind wir wieder bei doppelten Maßstäben.
Außer diese Bedingungen, insbesondere die de-facto Suspendierung des Konzepts ber GmbH (AG, etc…), wird auf alle Stromerzeugungsvarianten gleichermaßen angewandt.
Ohne das Konzept der Limited landen wir aber vermutlich ganz schnell in der vormoderne und können Fortschritt vergessen.
Die Auflagen finde ich gut, die sollte man auch bei den Impfstoffherstellern anwenden.
Wenn doch Solar und Wind sooo günstig sind, wie viel muss ich denn dann für eine kWh PV-Strom nach Sonnenuntergang bezahlen, und wie viel für eine kWh Windstrom bei Windstille?
Zumindest weniger, als bei einem Gaskraftwerk, welches kein Gas zur Verfügung hat.
Beim aktuellen Mix braucht es halt Speicher. Beim Geschickten Mix weniger beim ungeschickten halt mehr.
Zitat:
„Es handelt sich auch nicht um “prognostizierte Kosten”, sondern um tatsächliche Kosten von Bauprojekten.“
Was schlicht falsch ist. Denn das betrachtete KKW Flamanville ist längst nicht fertig /am Netz und die Baukosten steigen immer weiter.
Zitat:
„Ich habe hier im Blog noch gar nicht über Elektromobilität geschrieben.“
Nein?
Du schreibst unter „Wirkungsgrad der Energiewende: Energieeffizienz sinkt durch Sektorkopplung“ nicht:
„Durch Elektromobilität gibt es also keinen Effizienzgewinn.“?
Oder:
„Du hast beim E-Auto in einem vollständig elektrifizierten System einen Gesamtwirkungsgrad von 27%, beim Benziner 30% und beim Diesel 36%.“?
Sind das dann Mitarbeiter, die das in Deinem Namen formulieren?
Zitat:
„Ja, hier geht es um pragmatischen Klimaschutz“
Nein, hier geht es um versteckte Werbung für (neue) Kernkraftwerke. Alles andere redest Du klein.
Stimmt, Flamanville ist noch nicht am Netz, aber größtenteils fertig gestellt. Das gleiche gilt für andere Projekte. Erwartest du bei diesen Projekten eine Kostensteigerung von mehr als 10%?
—
„Zitat:
“Ich habe hier im Blog noch gar nicht über Elektromobilität geschrieben.”
Nein?
Du schreibst unter “Wirkungsgrad der Energiewende: Energieeffizienz sinkt durch Sektorkopplung” nicht:
“Durch Elektromobilität gibt es also keinen Effizienzgewinn.”?
Oder:
“Du hast beim E-Auto in einem vollständig elektrifizierten System einen Gesamtwirkungsgrad von 27%, beim Benziner 30% und beim Diesel 36%.”?
Sind das dann Mitarbeiter, die das in Deinem Namen formulieren?“
Ja, über die Energieeffizienz der Sektorkopplung habe ich geschrieben. Da werden aber Wirkungsgrade betrachtet, wie du selbst zitiert hast. Du hast behauptet ich hätte über Elektromobilität im Rahmen von Klimaschutz geschrieben.
—
„Nein, hier geht es um versteckte Werbung für (neue) Kernkraftwerke. Alles andere redest Du klein.“
Indem ich in mehreren Artikeln möglichst objektiv verschiedene Erzeuger vergleiche, rede ich klein? Vielleicht hast du einfach nur falsche Vorstellungen?
spätestens bei den Kosten des Rückbau und wer das Bezahlt hat sich dieser Blog entlarvt ….die „Fakten“ sind keine Fakten sondern Fake.
Wer bezahlt denn die Rückbau-Kosten?
Wie kann sich denn ein Blog, in dem haufenweise wissenschaftlich seriös und undogmatisch informativ Fakten (mit Quellenangaben) geliefert werden, anhand eines einzigen und auch noch unbegründeten Einwands entlarven? Ich bewundere die unerschütterliche Ruhe des Autors. Warum nicht mal darauf einlassen, und die Infos genauer studieren? Ihm geht es ganz offensichtlich nicht ums Rechthaben. Ihm geht es wirklich ums Klima. Hut ab!
Seriöse und undogmatische Fakten?
Na, wenn ich bspw. Studien als Quelle herausstelle, deren Daten von der Kernkraftlobby (NEA) geliefert werden, dann ist die Zielrichtung ja wohl recht eindeutig.
Prognostizierte Kosten sind keine Fakten!
Gerade nicht bei KKW-Neubauten.
Anderen „Cherry-Picking“ vorzuwerfen, aber selbst recht einseitig zu argumentieren und Gegenargumente abzubügeln – wie bspw. beim Elektroauto, das angeblich gar keinen so guten Wirkungsgrad hat (wenn man es mit Kohlestrom betreibt) …
Ihm geht es ums Klima?!?
Wohl eher nicht. Das wäre maximal ein Nebeneffekt – es geht wohl eher um Kernkraft – Lobbyismus.
Wenn das Cherrypicking ist, dann zeig doch erst einmal eine Alternative, mit der wie vergleichen können. Die Studie der IEA ist meines Wissens die einzige aktuelle zu Gestehungskosten von Stromerzeugern in Mitteleuropa.
Es handelt sich auch nicht um „prognostizierte Kosten“, sondern um tatsächliche Kosten von Bauprojekten. Gestehungskosten sind historisch. In wie weit man von heute auf die Zukunft schließen kann ist natürlich eine andere Frage. Die Technik schreitet ja voran und Kosten werden generell billiger. Das gilt besonders für Kernkraft, weil hier ein EPR-Prototyp betrachtet wird. NOAK ist immer günstiger als FOAK.
„Elektroauto, das angeblich gar keinen so guten Wirkungsgrad hat (wenn man es mit Kohlestrom betreibt) …“
Ich habe hier im Blog noch gar nicht über Elektromobilität geschrieben. Trotzdem kann ich dir schon einmal sagen, dass der Wirkungsgrad nichts mit der Stromquelle zu tun hat.
„Ihm geht es ums Klima?!?“
Ja, hier geht es um pragmatischen Klimaschutz und nicht um „Bürgerenergie“ oder „Konsumverzicht“ oder „Systemwechsel“ oder „Intersektionalität“. Wenn du dir lieber weiter vormachst, dass man mit homöopathischen Maßnahmen das Klima schützt, dann gibt es genug andere Webseiten für dich.
Welchen „total aus dem Ruder gelaufener Kraftwerks-Prototyp“ meinen Sie und von wann bzw. unter welchen Annahmen wurde diese Kostenschätzung gemacht?
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Für die Stromerzeugung aus EE schreibt das konservative ifo-Institut von unerwartet schnell fallenden Preise für
Wind- und Solar energie …
https://www.ifo.de/DocDL/sd-2018-04-lippelt-etal-kzk-auktionen-2018-02-22.pdf
Da gibt es auch einen interessanten internationalen Überblick. Viele Zahlen stammen aus 2016 und sind bis heute weiter gefallen. Auch zur Kernenergie gibt es ein paar Aussagen:
Was also kommt den Stromkunden langfristig billiger?
„Welchen “total aus dem Ruder gelaufener Kraftwerks-Prototyp” meinen Sie“
Wir reden immer noch von Flamanville, dem teuersten der vier EPR-Prototypen.
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Es ist aber nicht mehr 2016 und die Preise für Wind an Land sind schon längst nicht mehr am fallen. Auch Solar sieht erste Preissteigerungen wegen Rohstoffmangels.
https://www.bloomberg.com/news/articles/2021-05-23/solar-power-s-decade-of-falling-costs-is-thrown-into-reverse
Ist ja logisch, dass man nicht beliebig skalieren kann, wenn man auf so große Ressourcenmengen angewiesen ist. Je mehr man an Solar und Wind zubaut, desto teurer wegen Systemkosten und Ressourcenengpässen.
„Wir reden immer noch von Flamanville, dem teuersten der vier EPR-Prototypen.“
Sie meinen, das sei der Teuerste – obwohl Hinkley Point C noch am Anfang der Bauphase steht?
Da möchte ich meine Zweifel anmelden, wenn Sie schon auf Preissteigerungen durch Rohstoffmangel anspielen.
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Haben wir tatsächlich nicht genug Sand (Polysilizium, eine ultra-raffinierte Form von Silizium, eines der am häufigsten vorkommenden Materialien auf der Erde, das auch im Strandsand zu finden ist.) mehr – oder sind nur die Herstellungskapazitäten für Polysilizium durch die stark gestiegene Nachfrage einfach ausgelastet und daher steigt der Weltmarktpreis?
Immerhin ist Silizium nicht nur Grundstoff für die Solarindustrie, sondern auch für die Chipproduktion. Übrigens haben Sie wieder sehr selektiv dargestellt. Denn in der Quelle steht auch:
„Die Unterbrechung des langfristigen Abwärtstrends bei den Kosten wird jedoch teilweise durch die kontinuierliche Verbesserung der Effizienz von Solarmodulen ausgeglichen, …“
Genau das, was Sie als langjährigen Trend nicht wahrhaben wollen.
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Also wenn ich das marktwirtschaftliche Gesetz von Angebot und Nachfrage richtig verstanden habe, dürften eine Zeitlang die Preise für Solarmodule also steigen um dann wieder – durch Skaleneffekte, verbesserte Technologien und größeres Angebot fallende Preise auszulösen – bis zur Untergrenze, wo die Produktion nicht mehr rentabel für den Hersteller ist.
Dagegen gibt es bei Kernkraftwerken nicht wirklich die Skaleneffekte und mehr Angebote, die fallende Preise auslösen könnten. Steigende Preise von Zement, Stahl u.a. Rohstoffen düften sich aber (ebenso) direkt auf die Kosten jedes einzelnen „Prototypen“ eines Kernkraftwerkes auswirken und die Baukosten in die Höhe treiben, wie Sie es hier nur für die Kosten für Wind- und Solarstrom darstellen …
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Leider weiß ich immer noch nicht, wie Sie auf die Kostenschätzung von 4 Cents pro kWh für Flamanville kommen und welches die Annahmen dafür und der Zeitpunkt für diese Aussage waren.
Aktuell ist es jedenfalls so, dass in Deutschland mit den grottenschlechten Voraussetzungen im Juni 2021der Marktwert von Solarstrom (mehr hier: https://www.netztransparenz.de/EEG/Marktpraemie/Marktwerte) auf über 6,84 Cent/Kilowattstunde gestiegen ist und somit deutlich über der garantierte Vergütung vieler Anlagen aus den Ausschreibungen – aber auch aller Dachanlagen größer 100 Kilowatt seit Dezember 2020 liegt. Und daher erhalten sie „nur“ den Marktwert Solar und keine EEG-Vergütung (gleitende Marktprämie).
Lediglich für kleine, meist private Dachanlagen liegen die Vergütungssätze noch bei ca. 7,25Ct/kWh für Neuanlagen – Tendez weiter fallend (ab 01.10.2021 max. 7,21Ct/kWh).
Das können wir nun mit den 11Ct/kWh – über dreißig Jahre steigend mit der Inflationsrate für Hinkley Point vergleichen …
Die Ressourcen bei einem Kernkraftwerk machen einen winzigen Bruchteil der Kosten aus. Zwei Drittel der Kosten bei Hinkley C sind Finanzierungskosten.
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Silizium? Wer behauptet denn Silizium wäre knapp? Schau dir mal den Ressourcenverbrauch von Solar und Wind an. Besonders Kupfer Nickel und Mangan werden knapp.
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Du behauptest also dieses Jahr wird die EEG-Umlage auf der Stromrechnung 0 sein? Leider falsch. Die mittlere EEG-Festvergütung pro kWh liegt immer noch deutlich über 10 Cents. Da sind wir trotz gestiegener Strompreise noch lange nicht.
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Die Quelle für 4 Cents Gestehungskosten für Flamanville ist nach wie vor Projected Costs of Generating Electricity IEA (2020). Wie oft darf ich das noch wiederholen?
Warum wird JEDES Windrad sofort abgestellt, wenn die Förderung endet? Und woher kommt der Strom bei Dunkelflaute?
Die Kraftwerkskosten sind die Kosten für die Betreiber. Die haben sich mit Staatsgarantien umfassend abgesichert und wenn sich der Bau von Hinkley Point C nicht noch weiter verzögert und noch teurer wird, können Sie – also auch die EDF – durchaus mit Gewinnen aus Hinkley Point C rechnen.
Ich bin aber kein Betreiber, sondern (deutscher) Stromkunde – wie die britischen Bürger auch. Mich interessieren die Beschaffungskosten, die ich als Basis zu zahlen habe und wenn der Strompreis an der Börse derzeit auch von 4-6Ct/kWh auf ca. 8,3Ct/kWh gestiegen ist, so ist der Atomstrom aus dem neuen AKW mit 11Ct/kWh (über 35Jahre ansteigend) nicht etwa günstiger als andere Erzeuger. Die Mehrkosten trägt der Bürger /Steuerzahler.
Dass auf diese „Beschaffungskosten“ dann noch Steuern und Abgaben draufgepackt werden und wir in Duetschland mit die höchsten Haushaltstrompreise für Privatkunden haben – das ist ein anderes Feld.
https://www.theguardian.com/news/2017/dec/21/hinkley-point-c-dreadful-deal-behind-worlds-most-expensive-power-plant
Aber auf die mehrmals gebrachten Quellen mit ähnlichen Aussagen gehen Sie ja leider nicht ein.
Der Link zur britischen Quelle erhellt doch die Umstände und Behauptungen zum angeblich billigen Strom aus Kernenergie recht gut. Auch den Zusammenhang zwischen zivilen KKW und militärischen, nuklearen Ambitionen.
11 Cents pro kWh beziehen sich auf einen CfD in Großbritannien. Dort ist das deutlich günstiger als bei anderen Erzeugern. Was hat das mit Deutschland zu tun? Anderer Strommarkt, andere Subventionen, anderer Strommix, kein Kapazitätsmarkt, andere Preise. Wie wäre es Äpfel mit Äpfeln zu vergleichen?
Ein total aus dem Ruder gelaufener Kraftwerks-Prototyp kostet 4 Cents pro kWh. Solar und Wind kosten 8-12 Cents pro kWh. Quizfrage: Was davon ist preisgünstiger?
Bei den Kosten für EE werden die Kollateralschäden (versteckte, aber notwendige Kosten) unterschlagen: Bachup-Leerlauf-KW (Kohle, Gas), Redispatch-Kosten, Subventionen auch für Geisterstrom, Kosten für Netzausbau, da Erzeugung und Verbrauch dann örtlich getrennt sind,…)
Dabei sind die Kosten für Natur bzw dessen Schädigung noch garnicht berücksichtigt.
Was verstehst Du unter „Kosten“?
Ich verstehe darunter die Gesamtkosten, die die Verbraucher /die Gesellschaft zu tragen haben. Die müssen bei HinkleyPoint C also min. 11Ct/kWh für 35 Jahre (zzgl. Inflationsausgleich) betragen.
Was brauchst Du denn für eine Quelle?
Dass der Staat AREVA rettete?
Oder dass HinkleyPoint wohl nie rentabel wird für die EDF?
https://www.wiwo.de/politik/europa/electricite-de-france-frankreichs-atomkonzern-droht-zu-scheitern/13612556-all.html
https://www.energiestiftung.ch/fokus-frankreich-detail/epr-flamanville-vom-vorzeigeprodukt-zum-albtraum-frankreichs.html
Das sind also etwa die Kosten für Flamanville, die (bisher) für HinkleyPoint C veranschlagt wurden.
Ach ja – mich irritiert, dass immer wieder Antworten irgendwo festhängen?
Sorry, Antworten hängen dann fest wenn sie mehrere Links haben. Da spricht der Spamfilter an. Ich geb die aber frei, keine Sorge.
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Was das Kraftwerk kostet sind die Kosten. Die Einnahmenseite ist völlig losgelöst von den Kosten, mit der offensichtlichen Einschränkung, dass die Einnahmen höher sein müssen als die Kosten. Wenn der Markt deutlich höhere Erlöse hergibt als Kosten weil andere Erzeuger deutlich teurer sind, ist das doch super, oder nicht?
Ich verstehe generell das Problem nicht. Hinkley hat 11 Cents Preisgarantie. Das ist sowohl deutlich günstiger als andere Erzeuger und liegt auch deutlich unter dem aktuellen Strompreis. Ein solch niedrigpreisiger CfD ist ja keine Subvention, sondern eine Versicherung gegen fallende Strompreise. Wie gesagt, aktuell müsste Hinkley 5 Cents pro kWh von seinem Gewinn abtreten für diesen CfD.
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Zeig mir ein Unternehmen, das in einer Ära der extrem niedrigen Zinsen keine Schulden hat und ich zeig dir ein Unternehmen welches zu wenig investiert. EDF ist profitabel und meistert die Krise der extrem steigenden Gas-, Kohle- und CO2-Preise viel besser als andere Energieversorger.
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Hinkley Point ist deutlich günstiger als Flamanville. Es ist ja ein Doppelreaktor und der zweite Reaktor konnte deutlich schneller gebaut werden als der erste. Wenn du die erwarteten 27 Milliarden Euro für beide Reaktoren ansetzt bist du bei 1,8 Cents pro kWh Kapitalkosten.
Kernenergie auf dem freien Markt? Das hatten wir doch schon:
http://npolicy.org/article_file/New_Nuclear-The_Economics_Say_No.pdf
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Da frage ich mich natürlich, warum man bei 4 Cents pro kWh für den EPR Flamanville nun für HinkleyPoint C eine Abnahmegarantie von 11Ct/kWh für 35 Jahre (zzgl. Inflationsausgleich) benötigt hat. Ob da Deine „leicht nachrechenbare“ Prognose evtl. auf falschen / zu optimistischen Angaben – die ich leider nicht kenne – beruht?
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Warum ignorierst Du eigentlich permanent die staatlichen Stützungen der französischen (Kern-)Energiewirtschaft?
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Aber wenn Du Szenarien entwirfst, dann gehst Du halt auch schnell einmal davon aus, dass man 2030 105GW Peak nach Deutschland importieren muss, weil in Deutschland gerade keinerlei Strom erzeugt wird und ausschließlich Windstrom aus Portugal zur Verfügung steht.
Ich finde dies unrealistisch – aber irgendwie musst Du natürlich Deine Meinung rechtfertigen.
Zu Finanzierungsmodellen in anderen Ländern kann ich nun wirklich nix sagen. Mich interessieren nur die Kosten. Die CfDs für Hinkley lagen aber deutlich unter denen für Windparks mit ihren 17+ Cents pro kWh im gleichen Jahr. 11 Cents pro kWh CfD hieße bei aktuellen Strompreisen, dass Hinkley 5 Cents zahlen müsste, während die Windparks immer noch mit einem Cent subventioniert werden.
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Hast du mal ne Quelle für die staatliche Subventionierung der französischen Kernkraftwerke?
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Du findest eine Dunkelflaute unrealistisch? Laut Greenpeace gibt es alle 2 Jahre eine mit mindestens 10 Tagen Dauer.
Zitat:
„Frankreich zeigt wie günstig Kernkraft sein kann. Vergleiche mal deren Strompreise mit unseren.“
Ja, mit einem staatlich festgesetztem Strompreis, so stark subventioniert, dass der halbstaatliche Energieversorger EDF eigentlich Pleite ist und wiederum nur mit staatlicher Unterstützung weiter existieren kann.
Das ist das marktwirtschaftliche Zukunftsmodell für die Stromerzeugung aus Kernenergie?
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Niemand muss 1.000GW von Westeuropa nach Osteuropa leiten. Wo nimmst Du diese Zahl her?
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Die Stromgestehungskosten das Fiasko-EPR in Flamanville sollen 4 Cents pro kWh betragen?
Aus welchem Jahr stammt denn diese Zahl?
Wenn sich die ursprünglichen Kosten aus 2007 von 3,3Mrd.€ auf mehr als 19Mrd.€ in 2020 erhöht haben und der Reaktor immer noch keinen Strom produziert?
https://www.bloombergquint.com/business/edf-s-ability-to-make-nuclear-power-affordable-still-in-doubt
Also ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn lebensnotwendige Infrastruktur staatlich organisiert wird. Entweder das oder wir führen eben einen freien Markt an. Die dauerhafte enorme Subventionierung von einigen Technologien ist aber absolut nicht der effizienteste Weg. Ganz im Gegenteil, viel ineffizienter wird es nicht, wie man am welthöchsten Strompreis in Deutschland sieht.
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„Niemand muss 1.000GW von Westeuropa nach Osteuropa leiten. Wo nimmst Du diese Zahl her?“
Das Argument ist doch folgendermaßen: Irgendwo in Europa weht immer etwas Wind. Wenn in Mitteleuropa und Nordeuropa kein Wind weht, dann weht es am Atlantik in Portugal oder in Rumänien am schwarzen Meer.
Wenn du aber komplett Mitteleuropa, Osteuropa, Nordeuropa und Großbritannien von Portugal aus versorgen willst, brauchst du Leitungen dafür. Und das wird ganz schnell vierstellig. Allein Deutschland wird 2030 einen Strombedarf von 105 GW Peak haben und steigend. Du müsstest vermutlich auch halb Portugal zubauen.
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Die Zahl der Gestehungskosten für Flamanville stammt vom Dezember 2020.
19 Milliarden Euro für einen 1,6 GW-Reaktor entspricht leicht nachrechenbar 2,5 Cents Kapitalkosten pro kWh. Dazu kommen aber noch Betriebskosten, deshalb kommen die auf 4 Cents pro kWh. Und das ist der teuerste Reaktor der jüngeren Vergangenheit. Alle zukünftigen EPRs werden deutlich günstiger sein.
Tja, „Ausfallrisiko“ ist halt eine Definitionsfrage.
Wenn Sie die einzelne kleine technische Einheit meinen, haben Sie unwidersprochen Recht.
Da erhöht sich das Ausfallrisiko je mehr Einheiten integriert sind.
Wenn Sie das Gesamtnetz /die Versorgungssicherheit meinen, liegen Sie falsch und ich denke, das wissen Sie genau.
Ganz Hamburg war in der Vergangenheit mehrmals von großflächigen Stromausfällen durch Notabschaltungen des nahen KKW betroffen. Der Ausfall eines zusätzlichen Ortsnetztrafos dürfte sich wohl deutlich weniger auswirken …
Stromtransport ist unbezahlbar ?!?
Die Chinesen transportieren doch glatt per HGÜ >2.000km von Jinping, Sichuan nach Sunan, Junan mit >7GW Übertragungsleistung.
Die Brasilianer 3GW über >2.500km von Porto Velho nach Araraquara.
Aber in Deutschland /Europa ginge es wohl eher um ein HGÜ-Netz ähnlich dem Parallelkonzept mit 2x660MW von Barkeryd (Nassjö) nach Hurva (Hörby) /Schweden.
Oder eben um HGÜ-Anbindungen wie durch die 1,4GW-HGÜ NordLink, wo man mit Hilfe norwegischer Speicherkraftwerke die EE-Stromerzeugung glättet. Nicht anzunehmen, dass diese Investitionen oder der Betrieb unbezahlbar sind.
Ob es billiger ist Anzahl der Biogasanlagen verdoppeln, oder neue Kernkraftwerke zu bauen, das sind wir wohl geteilter Meinung. 11Ct/kWh zuzüglich Inflationsausgleich für 35 Jahre garantiert ist ja nun mal kein Schnäppchen. Und von den angeblich neuen Technologien /Konzepten gibt es allenfalls blumige Versprechen zu Kosten und Wirtschaftlichkeit.
Die dt. KKW nicht vor dem geplanten Laufzeitende abzuschalten – dieser Argumentation kann ich durchaus folgen. Aber das Aus für neue Kernkraftwerke in demokratischen, marktwirtschaftlich orientierten Staaten kam schon vor Jahren. Und nicht aus der grünen Ecke:
http://npolicy.org/article_file/New_Nuclear-The_Economics_Say_No.pdf
„New Nuclear – The Economics Say No“
https://www.fr.de/wirtschaft/atom-hilft-laengere-laufzeit-akw-klimaziele-erreichen-12344266.html
„Wie hoch die Kosten einer fortgesetzten AKW-Strategie sind, zeigt sich aktuell am Beispiel Frankreichs, des „Stammlandes“ der Kernenergie mit seinem weltweiten Spitzenwert von über 70 Prozent Atomstrom. Die geplante Ertüchtigung der 58 Reaktoren im Land – gebaut zwischen 1977 und 1997 – für längere Laufzeiten wird auf rund 50 Milliarden Euro alleine bis zum Jahr 2025 taxiert. Hinzu kommen die explodierten Baukosten für neue AKW, die nach den ursprünglichen Plänen die Altmeiler eigentlich ersetzten sollen. Die französische Regierung hat nun Sorge, dass das teure Kernenergiegeschäft sich nicht mehr über die privaten Finanzmärkte, also die Börse, finanzieren lässt.“
1,4 GW, 3 GW, 7 GW, merkst du das eigentlich nicht selbst? Ich dachte es geht darum Mitteleuropa vollständig aus Westeuropa oder Osteuropa zu versorgen oder gar Westeuropa vollständig aus Osteuropa und umgekehrt. Wir reden also nach Sektorkopplung von um die 1.000 GW – nicht einstellige GW. Und was bringen denn Verbindungen zum Nachbarland in einem Gebiet mit einheitlicher Großwetterlage? Wir brauchen Verbindungen über mehrere Ländergrenzen, insgesamt viele Tausend Kilometer. Noch dazu muss man erst mal genug Erzeuger in Portugal und am schwarzen Meer bauen um jeweils komplett Europa zu versorgen.
Dann lass doch gleich Atlantropa oder Desertec bauen – oder am besten beides…
Die Kosten von Biogas liegen nicht bei 11 Cents pro kWh, sondern bei 13 Cents pro kWh. Und du willst das verdoppeln? Zum Vergleich: Der Fiasko-EPR in Flamanville kostet 4 Cents pro kWh.
Stimmt, Frankreich zeigt wie günstig Kernkraft sein kann. Vergleiche mal deren Strompreise mit unseren.
Eher finde ich hier Ihre Argumentation schwach.
Dass sich einzeln unstetige regionale EE-Stromerzeugung umso mehr verstetigt, je größer die zusammenarbeitenden Netze mit möglichst vielen Erzeugern sind – können Sie das akzeptieren?
Auch dass es für die Abstimmung von Erzeugung und Bedarf immer einen Erzeugermix bedarf?
Der Austausch untereinander (Stromhandel) spielt dabei durchaus immer eine Rolle.
Einen nationalen Alleingang sehe ich nicht, wenn man bspw. in Frankreich ein Gesetz verabschiedet hat um den Atomstromanteil zu senken – mit regenerativer Stromerzeugung …
England hat die Kohleverstromung beendet und der in Bau befindliche Reaktor Hinkley Point C spielte dabei keinerlei Rolle …
Wie passt Ihre Darstellung vom „kläglichen Scheitern der deutschen Energiewende“ eigentlich zu Ihrem Anspruch “Pro-Wissenschaft” ?
Wären da nicht eher Lösungsansätze gefragt?
Beispielsweise so etwas wie NordLink?
Oder bspw. Biomasse-KWs nicht mehr stetig 24/7 wie bisher, sondern im Regelbetrieb zu betreiben?
Indem man Komplexität in Form neuer Netze, Transformatoren und Regelmechanismen hinzufügt, erhöht man das Ausfallrisiko. Und wenn es uns andere Länder wirklich gleichtun sollten, würde das die Probleme deutlich verschärfen. Das klappt bisher nur halbwegs mit dem Fokus auf Wind an Land, weil es ein deutscher Alleingang ist.
Auch das Argument man könne ganz Mitteleuropa von Portugal oder Griechenland aus versorgen, wenn bei uns kein Wind weht ist absurd. Wir brauchen hier in Deutschland Jahrzehnte um wenige hundert Kilometer Fernnetz mit 2 GW auszubauen. Wie wollen wir bis 2045 Leistung mit dreistelligen GW über Tausende Kilometer und mehrere Ländergrenzen transportieren? Stromtransport in diesen Größenordnungen ist genauso unbezahlbar wie Stromspeicherung.
Wenn du Biogas-Kraftwerke statt bisher auf 100% Leistung zwischen 0 und 200% regeln willst, dann brauchst du doppelt so viele Biogaskraftwerke. Das heißt der Strom des sowieso schon teuersten Erzeugers wird nochmal deutlich teurer.
Klar wäre ein ausgewogener Erzeugermix besser. Deswegen plädiere ich ja für Kernkraft!
„England hat die Kohleverstromung beendet“
Und aufgrund Energieknappheit und irrer Gaspreise die Kohlekraftwerke im September 21 wieder reaktiviert:
https://www.zeit.de/wirtschaft/2021-09/gaskrise-knappheit-grossbritannien-kohlekraftwerke-italien-milliardenhilfen
Krass, danke für den Hinweis.
Unglaublich, wie da ganz Europa in eine beispiellose Energiekrise geschlafwandelt ist.
Verstetigung bei Dunkelflaute in ganz Europa? Die kommt öfter vor, dann sogar mehrere Tage bzw Nächte lang. 100% EE ist kpl Bullshit, technisch und finanziell, aber auch vom Ressourcenverbrauch unmöglich. KKWs für Grundlast, aber auch regelbar, könnte da helfen? Biomasse bringt rel wenig, dabei wird auch noch auf Ackerfläche für Lebensmittel verzichtet.
Es ist durchaus richtig, einige „Argumentationskrücken“ aufzuzeigen.
Aber beim „Thema 9. Mythos: Keine Stromimporte durch Atomausstieg“ kommen mehrere fragwürdige Argumentationen /Auslegungen zusammen.
Natürlich haben wir jedes Jahr Strom aus Nachbarländern eingekauft /importiert. Dazu ist die Strombörse und das internationale Verbundnetz ja da – um Strom zu handeln.
Allerdings haben wir seit ca. 2002 tatsächlich einen Nettoexportüberschuss – wir exportieren /verkaufen mehr el. Energie als wir importieren. Wir haben also mehr Strom produziert, als wir verbraucht haben.
Darauf zielt die Aussage von Harald Lesch, aber man kann ihn natürlich mutwillig falsch verstehen …
Sicher gab es Stunden /Tage, an denen Deutschland seinen Bedarf nicht aus eigener Erzeugung gedeckt hat. Das trifft aber wohl auf alle Länder zu. Insbesondere auch auf Frankreich, welches trotz hohem Atomstromanteil fast jeden Winter seine Stromversorgung nur durch Importe aufrecht erhalten kann. Bei uns dagegen sind es meist wirtschaftliche Erwägungen, die zu den Importen führen.
Viele Jahre wurde so (trotz zeitweiser Negativpreise an der Strombörse) mit dem Stromhandel in Deutschland ein guter Gewinn erzielt.
Mit der Abschaltung der ersten Kohle-KWs und der AKW wird die Überproduktion sinken.
Die Preise an der Strombörse sind schon deutlich gestiegen.
So lange du Strom nicht in großem Maßstab speichern ist es egal wie viel Strom wir exportieren. Es ist ja nicht so, als ob wir den Strom statt zu exportieren für später aufheben können.
Das mit den Exporten klappt sowieso nur, so lange Deutschland einen nationalen Alleingang veranstaltet. Wenn jetzt auch unsere Nachbarländer auf Wind und Solar setzen würden, hätten wir niemanden mehr, der unsere Exporte will. Aber keine Sorge, das tun die nicht, nachdem die deutsche Energiewende so kläglich scheitert.
Das mit den Importen ist meiner Meinung nach mit Abstand das schwächste Argument von Lesch – und das will was heißen.
Ich sehe das ähnlich wie Du und ich hatte einmal die angeblichen Subventionen für Kernkraftwerke als frei erfunden beschrieben (was Du ja hier auch erwähnt hattest). Aber der Ehrlichkeit halber sollten wir schon zugeben, dass an „5. Mythos: hohe Subventionen für Kernkraftwerke“ und „11. Mythos: Kernkraft wird immer teurer“ sowie an „16. Mythos: Der Bau von Kernkraftwerken dauert zu lange“ insofern schon was dran ist, dass zumindest KKW-Neubauten in Europa lange dauern und teuer ausfallen.
Es mag schon sein, dass ein KKW-Bau weltweit durchschnittlich nur 7,5 Jahre dauert. Aber der Bau im finnischen Olkiluoto läuft nun schon seit 2005, also seit 16 Jahren. Er ist schon lange viel teurer geworden als ursprünglich geplant. Hinkley Point Block C dauert ebenfalls viel länger als geplant und kann nur durch garantierte hohe Strompreise finanziert werden. Bei diesem einen Fall endet immer meine Argumentation, es gäbe keine Subvention.
Man sollte also einmal analysieren, warum solche Projekte bei uns – ausgerechnet in den angeblich so hoch entwickelten Industrieländern – so teuer werden und so endlos dauern. Ich vermute, dass es nichts speziell mit KKW zu tun hat, sondern allgemein mit einer gewissen Unfähigkeit, noch Großprojekte umsetzen zu können (siehe BER). Aber der Effekt ist schon vorhanden, auch wenn Lesch ihn völlig übertreibt und verallgemeinert.
Noch was zu „14. Mythos: Kernkraftwerke sind nicht sicher genug“: Auch wenn der Trend in der von Dir beschriebenen Weise sicher eindeutig vorhanden ist, bin ich skeptisch, ob die Sterberate durch Braun- und Steinkohle wirklich so hoch ist. Mir fiel das einmal auf, als Greenpeace eine Studio „Tod aus dem Schlot“ herausbrachte und darin massenhaft Tote durch deutsche Braunkohle beschrieb. Die entstammten aber ausschließlich einer Computerberechnung und waren an keiner Stelle mit realen Daten, z.B. von Krankenkassen abgeglichen.
Es stimmt, die drei EPR-Prototypen haben viel länger gebraucht als geplant und sind durch diese Verzögerungen ungemein teuer geworden. Aber man muss doch Zubaugeschwindigkeit und Kosten immer mit anderen Erzeugern vergleichen.
Selbst das so teure Hinkley Point ist ja immer noch günstiger als Wind und Solar in Großbritannien. Auch der CfD pro kWh ist niedriger als Wind, wie im Artikel beschrieben. Und die Zubaugeschwindigkeit von Hinkley ist im Vergleich ebenfalls höher als Wind und Solar, wenn man sich die produzierte Strommenge anschaut und nicht die installierte Leistung. Olkiluoto 3 in Finnland ist sogar fast ein Rekord bei der Zubaugeschwindigkeit von klimafreundlichem Strom pro Kopf. Nur weil es ursprünglich als absoluter Weltrekord geplant war, heißt doch nicht, dass es zu langsam geworden ist.
Was ich sagen will: nur weil es teurer und langsamer war als geplant heißt doch nicht zwangsläufig, dass es ZU teuer oder ZU langsam ist. Es muss doch wohl reichen schneller und günstiger als Alternativen zu sein. Wenn Hinkley zu langsam und zu teuer ist, dann sind Solar und Wind immer zu langsam und zu teuer. Und dann haben wir bestimmt noch ne ordentliche Lernkurve zum EPR2 und zur Serienproduktion.
Es ist natürlich äußerst bedauerlich, dass Westeuropa meinte es wäre eine gute Idee 3 Jahrzehnte lang keine Kernkraftwerke zu bauen. Da haben wir ganz klar den Anschluss verloren. Ich nehme an, wenn Deutschland wieder einsteigt, werden wir die Kraftwerke von China, Korea oder Russland bauen lassen müssen. Und das obwohl Deutschland selbst mal Kernkraftwerke exportiert hat. Sogar der Betrieb wird vermutlich nicht mehr von Deutschen gestemmt werden können, nachdem die verbleibende Expertise in das Ausland abgewandert oder in den Ruhestand gegangen ist.
Aber das liegt ja nicht an der Technologie selbst, sondern daran, dass die Politik alle Perspektiven für die Technologie zerstört hat. Wenn wir nach dem nächsten Zugunglück sagen, wir steigen aus dieser „Hochrisikotechnologie Bahnfahrt“ aus, dann wird das niemand mehr studieren, niemand mehr bei der Bahn in die Lehre gehen und die Expertise verschwindet in wenigen Jahrzehnten.
P.S.
Die Zahlen zur Sterblichkeit bei Kohlekraftwerken sind, wie du vermutest, reine statistische Hochrechnungen. Finde ich aber nicht disqualifizierend. Es ist ja schwer bis unmöglich die Ursachen für Krebs genau zu bestimmen. Du kannst also gar nicht irgendwo abgleichen, außer womöglich in Entwicklungsländern, wo die Sterblichkeit durch Luftverschmutzung noch deutlich höher ist. Das wäre dann aber nicht repräsentativ für Deutschland. Wir haben ja zumindest mal Kamine in den Häusern und Filter auf allen Verbrennern.
Naja, alle Drossprojekte in Deutschland und Europa brauchen laenger. Wenn der politische Wille da ist, wuerde man es auch anders machen koennen.
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