Wohin mit dem Atommüll? Deutschlands 42 Endlager

Atommüll, das ungelöste Problem? Wie gefährlich ist der Problemmüll in Deutschlands 42 Endlager?

endlager karte deutschland - Wohin mit dem Atommüll? Deutschlands 42 Endlager

Das häufigste Argument gegen zivile Kernkraft ist sicher der Atommüll.

Das ist überraschend. Es ist nämlich kein einziger Mensch bekannt, der durch Atommüll aus den 524 kommerziellen Kernkraftwerken verletzt wurde.

Auch hat radioaktiver Müll in 70 Jahren ziviler Kernkraft keine Umweltschäden verursacht.

In der Diskussion wird zudem oft vergessen, dass wir in Deutschland bereits 42 tiefengeologische Endlager haben. Darunter ist das weltgrößte in Herfa-Neurode.

Ist Atommüll also gar nicht so gefährlich? Oder wird er vielleicht erst für die nächsten Generationen zum Risiko?

Lies weiter, wie man Problemmüll sicher verwahren kann, wer dafür bezahlt und wo unsere 42 Endlager in Deutschland liegen.

Was ist so schlimm an Atommüll?

Die Gefahr am Atommüll ist die radioaktive Strahlung.

Wenn du dich ungeschützt für lange Zeit in der Nähe von Atommüll aufhältst, kann das gesundheitliche Folgen haben.

Es ist aber relativ einfach radioaktive Strahlung zu neutralisieren, durch die ersten beiden der 3 A’s:

  • Abschirmung
  • Abstand
  • Aufenthalt

Schon ein Castor-Behälter strahlt dank der Abschirmung nicht mehr, trotz der hochradioaktiven Brennelemente in seinem Innern. Du kannst dich ohne Gesundheitsrisiko neben einen Castor stellen.

Selbst wenige Meter Wasser schirmen die radioaktive Strahlung von hochradioaktiven Brennelementen vollständig ab. Wenn du bei laufendem Reaktor im Reaktorbecken schwimmst, ist die Strahlung niedriger als außerhalb des Beckens.

Was ist Atommüll?

Atommüll unterteilt sich in 3 Arten mit unterschiedlichen Eigenschaften: 1

  • ~90% schwach aktiver Atommüll (LLW/LAW)
    z.B. Bauschutt, Filter, Kleidung, Kühlwasser
    nicht gesundheitsgefährlich
  • ~7% mittelaktiver Atommüll (ILW/MAW)
    z.B. Bauteile aus dem Primärkreislauf und Reaktordruckbehälter
    gesundheitsgefährlich
  • ~3% hochaktiver Atommüll (HLW/HAW)
    Brennelemente und Abfälle aus der Wiederaufarbeitung
    gesundheitsgefährlich und wärmeentwickelnd
  • In Deutschland wird nur zwischen wärmeentwickelnd und nicht wärmeentwickelnd unterschieden. Schwach aktiver Atommüll wird also so behandelt als wäre es mittelaktiver Atommüll. 2

    Wie wird der Atommüll entsorgt?

    In Deutschland wird Atommüll ausschließlich in tiefengeologischen Endlagern entsorgt. Dabei ist es unwichtig, ob es sich um schwach, mittel- oder hochaktiver Atommüll handelt.

    In anderen Ländern wird schwach radioaktiver Müll oberflächennah entsorgt, also in rund 30 Meter Tiefe. Das verringert den Entsorgungsaufwand ohne gesundheitliche Gefährdung. 3

    Wo wird der deutsche Atommüll gelagert?

    Bis 1998 wurde radioaktiver Müll im Endlager Morsleben entsorgt. Das befindet sich gerade in der Stilllegung. Es gibt aktuell kein aktives Endlager für radioaktive Abfälle.

    Ein Großteil des schwach radioaktiven Mülls fällt mit dem geplanten Rückbau der Kernkraftwerke an. Bis es so weit ist soll im Jahr 2027 das neue Endlager Schacht Konrad fertig gestellt werden.

    Weil hochaktiver Atommüll wärmeentwickelnd ist, wird es dafür ein eigenes Endlager geben. Es sollte eigentlich in Gorleben entstehen. Nun wird aber wieder bundesweit nach einem Standort gesucht.

    Wo gibt es in Deutschland tiefengeologische Endlager?

    Es gibt in Deutschland mindestens 42 tiefengeologische Endlager. Wahrscheinlich ist das nächste Endlager nicht weit von dir entfernt, siehe Endlager Karte für Deutschland. (kein Anspruch auf Vollständigkeit) 4 567

    Aktuell wird in diese 15 tiefengeologische Endlager in Deutschland aktiv eingelagert:

    • Bernburg (Sachsen-Anhalt)
    • Bleicherode (Thüringen)
    • Hattorf (Hessen)
    • Heilbronn (Baden-Württemberg)
    • Herfa-Neurode (Hessen)
    • Kochendorf (Baden-Württemberg)
    • Sollstedt (Thüringen)
    • Sondershausen (Thüringen)
    • Staßfurt (Sachsen-Anhalt)
    • Stetten (Baden-Württemberg)
    • Teutschenthal (Sachsen-Anhalt)
    • Unterbreizbach (Hessen)
    • Wintershall (Hessen)
    • Wohlverwahrt-Nammen (Nordhrein-Westfalen)
    • Zielitz (Sachsen-Anhalt)

    Es werden vor allem giftige Rückstände aus der Kohle- und Müllverbrennung eingelagert, aber auch schwermetallhaltige Abfälle und asbesthaltiger Bauschutt. In Heilbronn, Herfa-Neurode, Sondershausen und Zielitz dürfen sogar hochgiftige Stoffe wie Arsen, Zyanid und Quecksilber eingelagert werden.

    Giftmüll muss auf die gleiche Art in einem tiefengeologischen Endlager von der Biosphäre ferngehalten werden, wie Atommüll. Chemo-toxischer Müll bleibt bis in alle Ewigkeit gefährlich, während radioaktiver Müll nach einigen Halbwertszeiten ungefährlich ist. 8

    Wo gibt es weltweit Endlager für Atommüll?

    Weltweit gibt es mehr als 120 Endlager für Atommüll in 44 Ländern. Die meisten davon sind für schwach und mittelradioaktiven Atommüll. 9

    In Deutschland gibt es in Morsleben ein Endlager für Atommüll. Dort wird aber seit 1998 nicht mehr aktiv eingelagert. Am Nachfolge-Endlager Schacht Konrad wird noch bis 2027 gebaut. Das ehemalige Versuchs-Endlager Asse hat seine Zulassung im Jahr 2013 verloren.

    Gibt es ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll?

    Endlager für hochradioaktiven Atommüll (HLW) sind selten. Das liegt daran, dass Brennelemente erst mehrere Jahrzehnte abklingen müssen, bevor sie einlagerbar sind. Nach 40 Jahren geben Brennelemente aus einem Druckwasserreaktor immer noch 60°C Wärme ab. 10

    Aktuell gibt es weltweit 7 Endlager für hochradioaktiven Müll:

    • Olkiluoto, Finnland: tiefengeologisches Endlager (Inbetriebnahme 2023)
    • Carlsbad, USA: tiefengeologisches Endlager
    • Dimitrowgrad, Russland: Tiefbohrloch
    • Schelesnogorsk, Russland: Tiefbohrloch
    • Sewersk, Russland: Tiefbohrloch
    • Ekores, Weißrussland: Edelstahlcontainer in Betonwannen
    • Vektor, Ukraine: Gräben in Sedimentgestein

    Vektor und Ekores sind allerdings keine nach aktuellem Verständnis sichere Endlager. Das sind provisorische Behelfsmaßnahmen infolge des Unfalls von Tschernobyl.

    Russland geht mit den Bohrungen in mehr als einem Kilometer Tiefe einen anderen Weg der Endlagerung. Die meisten anderen Länder setzen aktuell wie Deutschland auf tiefengeologische Endlager.

    Wo in Deutschland sind Atommüll Zwischenlager?

    Bis die beiden neuen Endlager fertig sind, wartet der deutsche Atommüll in Zwischenlagern. Hier ist eine Zwischenlager Karte für Deutschland.

    Es gibt 7 zentrale Zwischenlager: 11

    • Zwischenlager Ahaus
    • Zwischenlager Gorleben
    • Zwischenlager Karlsruhe
    • Zwischenlager Mitterteich
    • Zwischenlager Jülich
    • Zwischenlager Nord bei Lubmin
    • Zwischenlager Unterweser

    Weitere Zwischenlager befinden sich auf dem jeweiligen Gelände der Kernkraftwerke.

    Außerdem gibt es in fast jedem Bundesland eine Landessammelstelle für radioaktiven Abfall aus Medizin, Forschung und Industrie. 12

    Wie entsteht Atommüll?

    Der schwach und mittelradioaktive Müll in Deutschland setzt sich vom Volumenanteil bis 2050 so zusammen: 13

    • 63% aus Kernkraftwerken
    • 23% aus der Forschung
    • 7% aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe
    • 4% aus der Industrie
    • 3% Sonstiges (z.B. Medizin)

    Zusammen sind das rund 300.000 m³ Atommüll. Dieser Abfall wird im Endlager Konrad entsorgt.

    Dazu kommen die hochradioaktiven Brennelemente mit insgesamt rund 27.000 m³. Diese werden aber in einem eigenen Endlager entsorgt, dessen Standort bis 2031 nach dem Standortsuchgesetz festgelegt wird. 14

    Schade, dass Deutschland sich hier nicht denm europäischen Endlager anschließt.

    Wer bezahlt für die deutschen Endlager?

    Angeblich soll der Steuerzahler für die Endlagerung von Atommüll bezahlen. Tatsächlich erfolgt die Kostenverteilung aber nach dem Verursacherprinzip, also nach der Menge des eingelagerten Mülls.

    Knapp zwei Drittel der Kosten von Schacht Konrad werden also von den Betreibern der Kernkraftwerke bezahlt. Dies geschieht über den Entsorgungsfonds KENFO, der von den AKW-Betreibern mit gut 24 Milliarden Euro gefüllt wurde.

    Auch das noch zu bauende Endlager für hochradioaktiven Müll wird aus diesem Fonds bezahlt.

    Der Entsorgungsfonds existiert seit 2017 und erwirtschaftet seitdem durch klimafreundliche Anlagen Rendite. 15 Mittlerweile sind die Einnahmen größer als die rund 800 Millionen Euro Auslagen pro Jahr. 16

    Was kostet die Atommüll Entsorgung?

    Das Endlager Konrad kostet rund 4,2 Milliarden Euro. 17 Hinzu kommen die Kosten für das noch geplante Endlager für hochradioaktiven Müll. Das wird zwar nur ein Zehntel so groß sein, aber viele der Kosten sind unabhängig von der Größe.

    Insgesamt kostet die Entsorgung für den Müll aus Kernkraftwerken zwischen 10,2 und 20,5 Milliarden Euro. 18 Auf die Stromproduktion aus deutschen Kernkraftwerken gerechnet sind das 0,14 bis 0,28 Cent pro kWh. 19 Das entspricht rund 4-7% der Gesamtkosten von Kernkraftwerken pro kWh.

    Diese Zahlen stammen aus einer Auftrags-Studie vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). (Deutscher Ableger der Friends of the Earth) BUND ist zusammen mit Greenpeace eine tragende Säule der Anti-Atomkraft-Bewegung. Diese Zahlen dürften also ein Worst Case sein.

    Zum Vergleich, das finnische Endlager für schwach, mittel und hochradioaktive Abfälle kostet 3,5 Milliarden Euro. 20

    Es geistern teilweise Zahlen von bis zu 170 Milliarden Euro durch die Medien. Damit sind aber auch nur die oben genannten 10 bis 20 Milliarden Euro gemeint. Um den Betrag größer scheinen zu lassen, wird auf die heutigen Kosten die Inflationsrate bis ins Jahr 2099 angerechnet, dem Jahr der geplanten Stilllegung des Endlagers. Wenn man das macht, muss man aber auch die Rendite des Entsorgungsfonds berücksichtigen. Bei 4% p.a. sind das im Jahr 2099 rund 600 Milliarden Euro, bei 3% p.a. immer noch 272 Milliarden Euro. Da bleibt also sogar noch ein guter Batzen übrig.

    Wie hoch sind die Ewigkeitskosten von Endlagern?

    Bei radioaktiven Endlagern gibt es keine Ewigkeitskosten. Nach Verschluss ist das Endlager wartungsfrei.

    Im Bergbau spricht man von Ewigkeitskosten, wenn eine Grube nach der Stillegung weiter unterhalten werden muss. Im Kohlebergbau wird aus dem Gestein sehr viel Material entnommen und auch die Grenze zum Nebengebirge verletzt. Dadurch kommt es zum Wassereinfall, weshalb alte Stollen noch lange nach Schließung leergepumpt werden.

    Ein Endlager ist kein Bergwerk, in dem es um die maximale Aushöhlung eines Flözes geht. Ganz im Gegenteil, es werden nur geringe Mengen aus dem Wirtsgestein entfernt, weit entfernt vom Nebengebirge. Dadurch kann das Endlager nach Einlagerung passiv stillgelegt werden.

    Das ist nicht nur eine Beobachtung oder Empfehlung, sondern gesetzlich so vorgeschrieben. Siehe §19 “Stilllegung des Endlagers” aus der Endlagersicherheitsanforderungsverodnung:

    “(1) Nach Abschluss der Einlagerung von radioaktiven Abfällen ist das Endlager so stillzulegen, dass das Endlagersystem den sicheren Einschluss der radioaktiven Abfälle nach § 4 während des Nachweiszeitraumes passiv und wartungsfrei gewährleistet.”21

    Ist ein tiefengeologisches Endlager sicher?

    Bereits ein Castor neutralisiert radioaktive Strahlung vollständig. Solche Behälter halten aber nur Jahrzehnte bis Jahrhunderte. Für eine Langzeit-Verwahrung brauchen wir deshalb ein tiefengeologisches Endlager.

    Der Müll in einem tiefengeologischen Endlager ist durch ein Mehrbarrierensystem von der Biosphäre getrennt:

    • eingepackt in Behälter in verfüllten, verschlossenen Schächten
    • umschlossen von einem Wirtsgestein (Salz, Ton oder Granit)
    • getrennt durch ein Deckgebirge aus wasserdichtem Gestein
    • weit entfernt von Grundwasser und Biosphäre in 500+ Meter Tiefe

    Aber was, wenn alle vier Barrieren versagen? Im Worst Case eines sofortigen Containerversagens mit Wassereinfall und Leck im Deckgebirge würde es im Jahr 12.000 zu einer maximalen Dosis von 0,00018 mSv pro Jahr kommen. Das ist die Dosis für eine maximal exponierte Person, die sich nur an der Stelle mit der höchsten Strahlung aufhält und nur kontaminierte Lebensmittel isst. 0,00018 mSv entspricht der Strahlendosis von 2 Bananen. Nach dem Erreichen des Maximums im Jahr 12.000 fällt die Dosisleistung dann wieder.22

    Wie sicher Endlager sind, zeigt die Praxis in Deutschland. Wir verwahren sogar den extrem gefährlichen Giftmüll in tiefengeologischen Endlagern. Die 3,2 Millionen Tonnen chemo-toxischer Müll im weltgrößten Endlagers Herfa-Neurode könnten alles Leben auf der Erde mehrfach auslöschen. 23

    Das Vorbild für unsere Endlager ist der Naturreaktor Oklo in Gabun, Westafrika. In den 2 Milliarden Jahre seit der ersten Kernspaltung hat sich der Atommüll aus der Erdfrühzeit nur einige Meter entfernt. Und das obwohl die der Naturreaktor ungeschützt im Grundwasser lag. 24

    Der Endlager-Prototoyp Oklo ist also 10.000 mal länger sicher geblieben, als der Atommüll gefährlich bleibt. Und dort gab es keine der 4 Barrieren.

    Wie lange strahlt Atommüll gefährlich?

    Giftmüll bleibt bis in alle Ewigkeit gefährlich. Atommüll hingegen strahlt jedes Jahr weniger und ist nach einigen Halbwertszeiten ungefährlich. Je radioaktiver ein Isotop, desto kürzer ist dessen Halbwertszeit.

    Da radioaktiver Zerfall außerdem exponentiell verläuft, nimmt die Radioaktivität am Anfang extrem stark ab. 99% der Radioaktivität verschwindet bereits im ersten Jahr.

    Nach 250 Jahren sind dann auch stark strahlende Spaltprodukte wie Strontium (28 Jahre Halbwertszeit) und Cäsium (30 Jahre Halbwertszeit) auf ungefährliche Mengen abgesunken.

    Längerlebige Urane und Transurane müssen allerdings für rund 250.000 Jahre verwahrt bleiben. Erst dann ist die Radioaktivität so niedrig wie die von Uranerz. 25

    Besser ist es die Lagerdauer durch Recycling zu verkürzen.

    Transmutation Wiederaufbereitung von Atommuell - Wohin mit dem Atommüll? Deutschlands 42 Endlager

    Kann man Atommüll per Transmutation recyclen?

    Die sehr lange Lagerungsdauer von 250.000 Jahren lässt sich auf rund 10.000 Jahre verkürzen durch Wiederaufbereitung. Im PUREX-Verfahren werden Urane und Transurane chemisch entfernt und als Brennstoff recycled. 26

    Auf rund 250 Jahre lässt sich die Lagerzeit verkürzen, indem man auch die minoren Actinoide entfernt. Dies geschieht durch Partitionierung und Spaltung mit schnellen Neutronen in schnellen Reaktoren oder unterkritischen Transmutationsanlagen. 27

    In Deutschland ist das Recyclen von Atommüll leider von der Schröder-Regierung verboten worden, egal ob Wiederaufbereitung oder Transmutation. Es ist nur noch die direkte Endlagerung für sehr lange 250.000 Jahre erlaubt.

    Egal ob 250, 10.000 oder 250.000 Jahre: Atommüll ist nicht gefährlich, so lange er von der Biosphäre isoliert bleibt. Im Endlager kann er strahlen so viel er will.

    Welche Alternativen zur Endlagerung gibt es?

    Die Alternative zur Endlagerung hat auch Deutschland bis in die Achtziger verfolgt: das Schließen des nuklearen Brennstoffkreislaufes. 28 Statt ausgediente Brennelemente endzulagern, werden sie durch Transmutation zu neuem Brennstoff recycled.

    Unsere Leichtwasserreaktoren nutzen thermische Neutronen, die quasi nur Kerne mit ungeraden Massezahlen spalten, insbesondere U-235. Urane und Transurane mit geraden Massezahlen wie U-238, U-236, Pu-238, Pu-240 und Pu-242 bleiben in den Brennelementen übrig.

    Unsere Kernkraftwerke können deshalb nur rund 1% des Urans überhaupt nutzen. Uranerz besteht in unserem Zeitalter zu 99,3% aus U-238. Auch die Spaltprodukte können nur zu einem kleinen Teil genutzt werden.

    Schnelle Neutronen können hingegen alle Kerne spalten. So ist es möglich einen Großteil des Brennstoffes zu verwerten. Der Atommüll, der am Ende noch anfällt ist relativ kurzlebig mit rund 250 Jahren bis zur Radioaktivität von Uranerz.

    Schnelle Neutronen werden in schnellen Reaktoren genutzt. Dazu gehören insbesondere die Reaktorkonzepte der Generation IV.

    Gibt es Atomkraft ohne Atommüll?

    Ganz ohne Atommüll geht es bei der Kernspaltung nicht. Wir können den hochradioaktiven Müll in Brennstäben durch einen geschlossenen Brennstoffkreislauf recyclen. Aber wir können schwach und mittelradioaktiven Müll nicht verhindern.

    Das Endlager im Schacht Konrad wäre also auch mit modernen Reaktoren der Generation IV nötig. Das zusätzlich geplante Endlager für hochradioaktive Brennelemente aber nicht.

    Welche Kernkraftwerke sind Atommüllfresser?

    Russland hat den Brennstoffkreislauf als erstes geschlossen mit den natriumgekühlten BN-Reaktoren und den bleigekühlten BREST-Reaktoren. Das sind aber Prototypen, ohne Serienproduktion.

    Auch Indien (FBR) 29 und China (CFR) 30 bauen schnelle Reaktoren mit Natrium als Kühlmittel. Sogar die USA (PRISM) legen ein neues schnelles Reaktorprogramm auf, nachdem Bill Clinton den erfolgreichen Integral Fast Reactor kurz vor Abschluss aus politischen Gründen beendet hat. 31

    Auch in Deutschland haben wir mit dem Dual Fluid Reactor ein Reaktordesign der Generation IV. Aber selbst bei diesem passiv sicheren Atommüllfresser fehlt der politische Wille.

    Was passierte im Atommüll Versuchs-Endlager Asse?

    Die Zulassung für das ehemalige Versuchs-Endlager Asse ist im Jahr 2013 widerrufen worden und der dort gelagerte Müll wird wieder ausgelagert. 32

    Grund dafür ist ein Wassereinbruch in das umgebende Salz und damit der Wegfall der umschließenden Wirkung des Wirtsgesteins. Außerdem wurden viele Behälter bei der Einlagerung durch unsachgemäße Handhabung beschädigt. Auch das Deckgebirge von Asse ist nicht dicht genug und leitet Grundwasser. Es ist außerdem zu nah am Endlager. 33

    Damit hat sich das Mehrbarrierensystem von Asse auf praktisch eineinhalb Barrieren verringert:

    • Behälter beschädigt
    • Wirtsgestein verletzt
    • Deckgebirge wasserdurchlässig und zu nah am Endlager
    • Entfernung von 750 Metern intakt

    Asse war 1967 eines der ersten Endlager weltweit und der erste Versuch in Deutschland. Aus den Fehlern haben wir gelernt. Insbesondere lagern wir heute keinen Sondermüll mehr in bestehende Hohlräume aus der Abbauphase. Beim Salzabbau wird das Wirtsgestein nämlich so weit abgetragen, dass die Grenze zum Nebengebirge verletzt wird. So kommt es zwangsläufig zum Wassereinbruch.

    Asse wurde größtenteils vor der Fertigstellung der Kernkraftwerke in Deutschland betrieben. 80% des dort eingelagerten Mülls kommen aus Forschung und Industrie. 20% des Mülls stammt aus Kernkraftwerken.
    34

    Hilft der Atomausstieg bei der Atommüll Entsorgung?

    Der Atomausstieg verhindert keine Endlager. Wir müssen den vorhandenen Atommüll trotzdem entsorgen.

    Der bisherige Müll stammt aus 50 Jahren kommerzieller Kernkraft in Deutschland mit insgesamt 31 Leistungsreaktoren. Wenn wir die effektivste Klimamaßnahme ergreifen und die Laufzeit der verbleibenden 6 Kernkraftwerke verlängern, wird nur wenig zusätzlicher Müll pro Jahr produziert.

    Der meiste Atommüll fällt volumenmäßig sowieso beim Rückbau an, nicht im Betrieb. Der Atomausstieg erhöht die Müllmenge also kurzfristig sogar. Auch wird nach dem Atomausstieg nicht mehr in den Entsorgungsfonds eingezahlt.

    Der Atomausstieg hilft also nicht bei der Atommüll Entsorgung, sondern schadet eher. Durch eine Laufzeitverlängerung hätte man mehr Zeit und mehr Geld für die Entsorgung.

    Sollte man Atommüll im Meer entsorgen?

    Heute ist es kaum zu glauben: bis 1983 war es legal Atommüll einfach so im Meer zu versenken. Bis 1975 konnte man sogar hochradioaktiven Müll im Meer entsorgen. Das wurde auch getan, vor allem von Russland, Großbritannien und der Schweiz. 35

    Seitdem gab es immer wieder Verteidiger der Entsorgung im Ozean. Wasser ist ein sehr guter Moderator und die zusätzliche Radioaktivität würde im Vergleich zum im Meerwasser gelösten Uran nicht auffallen 36

    Eine vielleicht geschicktere Idee wäre die Entsorgung unter dem Meeresboden, getrennt durch den dort zu findenden wasserdichten Ton.

    Alle Optionen der Entsorgung im Meer sind aktuell verboten und vermutlich politisch undurchsetzbar.

    Lassen sich mit Atommüll schmutzige Bomben bauen?

    Ja, mit hochradioaktivem Atommüll lassen sich schmutzige Bomben bauen. Das sind normale Sprengsätze, bei denen der radioaktive Abfall in alle Himmelsrichtungen verteilt wird.

    Das gefährlichste an einer schmutzigen Bombe wäre allerdings immer noch die Explosion selbst. Die Radioaktivität wäre zu gering für gesundheitliche Schäden. 37

    Kann man Atommüll ins All oder zur Sonne schießen?

    Die Lösung den Atommüll ins All zu schießen wäre deutlich problematischer als das Problem.

    Es gibt bei Raketen viele Fehlstarts, wodurch der Atommüll großflächig verteilt werden würde. Das wäre dann eine tatsächlich effektive Variante einer schmutzigen Bombe.

    Außerdem kostet der Transport in die Erdumlaufbahn um die 10.000 Euro pro Kilogramm. Ins All oder zur Sonne wäre der Transport noch teurer.

    Muss über dem Endlager ein Warnschild stehen?

    Stell dir vor es steht auf der grünen Wiese ein Warnschild “800 Meter tiefer liegen 30.000 m³ Atommüll vergraben”.

    Was wie ein Scherz klingt, wird von einigen Menschen ernsthaft diskutiert. Die Atomsemiotik befasst sich damit, wie man unsere Nachkommen vor dem Atommüll warnen soll.

    Eine Lösung der Atomsemiotiker ist es eine Atompriesterschaft ins Leben zu rufen, die eine Religion erfindet um unsere Urururenkel vor dem Atommüll zu warnen (kein Scherz). Da hat jemand zu viel Planet der Affen geschaut.

    Vor einem Endlager muss man nicht warnen. Ohne genaue Aufzeichnungen oder einen Geigerzähler findet man ein verfülltes Endlager gar nicht.

    Gibt es wirklich keine Lösung für Atommüll?

    Es gibt zwei Lösungen für Atommüll:

    1. tiefengeologische Endlager
    2. Recycling in Kernkraftwerken der Generation IV

    Die Kernkraftwerke der 4. Generation sind noch nicht serienreif, also fällt die Transmutation im großen Stil erstmal weg.

    Tiefengeologische Endlager für Atommüll und Giftmüll hingegen wurden in den letzten Jahrzehnten ausführlich getestet, 42 davon in Deutschland. Wir sind sogar Weltmeister im Endlager bauen mit dem weltgrößten Endlager Herfa-Neurode auf einer Fläche so groß wie München. Warum sollte ausgerechnet das 43. Endlager besonders problematisch sein?

    Es ist eine glatte Lüge zu sagen es gäbe keine Endlager oder keine Lösung für den Atommüll.

    Quellen

    1. Classification of Radioactive Waste IAEA (2009)
    2. Verzeichnis radioaktiver Abfälle BMU (2013)
    3. Endlagerung von schwach- und mittelradioaktiven Stoffen DaTF (2014)
    4. Abfallentsorgung im Bergbau unter Tage RWTH Aachen (2001)
    5. Studie zur untertägigen Entsorgung und Verwertung bergbaufremder Stoffe in der Bundesrepublik Deutschland Kernforschungszentrum Karlsruhe (1992)
    6. Salz- und Kalistandorte in Deutschland VKS Kalisalz (2021)
    7. Bruch-Hohlraumverfüllung in Steinkohlenbergwerken in Nordrhein-Westfalen MWIDE NRW (2014)
    8. Endlagerung radio- und chemotoxischer Abfälle im Tiefuntergrund Greenpeace (2016)
    9. Liste von Endlagern Nucleopedia (2016)
    10. Vergleich der verschiedenen Entsorgungsalternativen und Beurteilung ihrer Realisierbarkeit Kernforschungszentrum Karlsruhe (1980)
    11. Zwischenlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung BMU (2017)
    12. Landessammelstelle für radioaktive Abfälle Wikipedia (2019)
    13. Abfallbilanz Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe (2016)
    14. Aktueller Bestand Bundesgesellschaft für Endlagerung (2021)
    15. Strafzinsen: Wie der Atomfonds trotzdem starke Renditen erzielt Welt (2019)
    16. Trotz Krise erreicht der KENFO Gewinnzone früher als geplant DPN (2020)
    17. Fertigstellung des Endlagers Konrad Bundesgesellschaft für Endlagerung (2021)
    18. Atomrückstellungen für Stilllegung, Rückbau und Entsorgung BUND (2014)
    19. bei 40 Jahren Laufzeit
    20. On Nuclear Waste, Finland Shows U.S. How It Can Be Done New York Times (2017)
    21. Endlagersicherungsverordnung Gesetze im Internet (2021)
    22. Interim Summary Report of the Safety Case Posiva Oy (2010)
    23. Untertagedeponie Herfa-Neurode – Das Giftgrab SZ (2010)
    24. Migration and retention of elements at the Oklo natural reactor Brookins (1982)
    25. Partitioning and transmutation of spent nuclear fuel and radioactive waste Salvatores (2012)
    26. Management of Radioactive Waste Sanctis et al (2016)
    27. Recycling the Actinides, The Cornerstone of Any Sustainable Nuclear Fuel Cycles Poinssot et al (2012)
    28. Zur Geschichte des Projekts Schneller Brüter Kernforschungszentrum Karlsruhe (1981)
    29. India’s first Prototype Fast Breeder Reactor in final stages of commissioning The new Indian Express (2020)
    30. China starts building second CFR-600 fast reactor World Nuclear News (2020)
    31. US test reactor programme moves ahead World Nuclear News (2020)
    32. Plan zur Rückholung der radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse II Bundesgesellschaft für Endlagerung (2020)
    33. Hydrogeologische Prozesse im Deckgebirge Taylor (2004)
    34. Gesamtbewertung der Langzeitsicherheit für den Standort Asse Gesellschaft für Anlagen und Reaktorsicherheit (2006)
    35. Inventory of radioactive waste disposals at sea IAEA (1999)
    36. The nuclear waste problem and reconsideration of the ocean disposal option Wicks (2002)
    37. Radiological Dispersion Device (Dirty Bomb) WHO (2003)

    Dieser Beitrag hat 49 Kommentare

    1. Ocin1 Richter

      Vielen Dank für diese ausführliche Zusammenstellung, insbesondere für die Quellenangaben. Ja, den Leitmedien und den NGOs ist nicht zu trauen. Schwarz ist eben manchmal grün oder blau, wie man es eben gerade braucht. Lustig ist übrigens, dass das weltgrößte tiefen-geologische Endlager für chemische Abfälle von keinem geringeren als Joschka Fischer (GRÜNE) 1986, als Hessischer Umweltminister, ermöglicht und als “Juwel” bezeichnet wurde. Nachzulesen im Spiegel vom 8. 12.1986, 40. Jahrgang, ab Seite 44. Die gut bestückte Bibliothek sollte hier mit einem Original weiter helfen können ;-), sonst auch in etwas schlechterer Qualität im Netz https://www.spiegel.de/politik/muell-brocken-von-allen-seiten-a-96e9d02a-0002-0001-0000-000013520557 .

      1. Florian Blümm

        Das mit dem Juwel ist ja bezeichnend. Dass ausgerechnet Grüne das weltgrößte Endlager Herfa-Neurode gut finden können ist wirklich unglaublich.

        Auch der Bürgermeister des Dorfes daneben ist ein Ex-Grüner und der freut sich über das Endlager. Und er freut sich um so mehr, dass dort die Einlagerung von hochradioaktivem Müll verboten ist:
        https://www.fr.de/rhein-main/giftigste-welt-11435639.html

        Also wenn ich die Wahl hätte, würde ich ohne Zweifel ein radioaktives Endlager vorziehen gegenüber den Unmengen an hochgiftigen Stoffen in Herfa-Neurode – teilweise wasserlöslich und ohne Halbwertszeit…

    2. Joe Schmidt

      “Auch hat radioaktiver Müll in 70 Jahren ziviler Kernkraft keine Umweltschäden verursacht.”
      Echt nicht?
      Warum hat man dann eigentlich das Verklappen von radioaktivem Müll im Meer deutlich eingeschränkt?
      Woher wollen Sie wissen, dass die schleichende Verseuchung durch die andauernde Einleitung radioaktiver Abwässer (bis heute erlaubt) keinerlei Umweltschäden verursacht?
      Dass das ehemalige Versuchs-Endlager Asse seine Zulassung im Jahr 2013 verloren hat, hatte nichts mit der Umweltgefährdung durch eindringendes Wasser zu tun?
      An anderer Stelle präsentieren Sie Hochrechnungen von Todesfällen durch Luftverschmutzung. Was ist mit der radioaktiven Verschmutzung? Hat für Sie bspw. Verseuchung durch Uranmunition so gar nichts mehr mit der Kernenergie zu tun?
      Obwohl man da abgereichertes Uran “entsorgt”?
      https://www.chemie.de/news/65566/langzeitstudie-zur-aufloesung-von-uranmunition.html
      https://www.welt.de/gesundheit/article173224341/Uran-Munition-Wie-schlimm-sind-die-gesundheitlichen-Folgen.html
      Technologiebegeisterung ist eine Sache.
      Negieren /Verschweigen von Tatsachen eine Andere.

      1. Florian Blümm

        1. Das Verklappen von radioaktivem Müll im Meer war natürlich eine Sauerei. Es handelte sich aber dabei ausschließlich um schwach- und mittelradioaktiven Müll. Zu Schaden gekommen ist niemand.
        2. Ob man das Versuchsprojekt Asse wirklich aufgeben und das Inventar rückholen sollte ist ja in der Fachwelt äußerst umstritten. Klar wissen wir heute, dass es eine dumme Idee ist Müll einfach in ein ehemaliges Bergwerk zu schmeißen. Deswegen macht das ja auch niemand. Übrigens stammt der Müll in der Asse größtenteils aus Forschung und Medizin, nicht aus der kommerziellen Kernkraft.
        3. Welche “radioaktive Verschmutzung” gab es denn durch zivilen Atommüll? Dass Uranmunition nichts mit ziviler Kernkraft zu tun hat, sagt doch schon der Name.

        1. Joe Schmidt

          “Alle Optionen der Entsorgung im Meer sind aktuell verboten und vermutlich politisch undurchsetzbar.”
          Um bei Ihren Worten zu bleiben:
          “Es ist eine glatte Lüge …”
          Denn sowohl die USA, als auch GB und FR (und wohl auch Russland & Co) entsorgen weiter (schwach) radioaktive Abwässer ins Meer.
          Die Behauptung, dass dies völlig unbedenklich sei und niemand zu Schaden käme ist angesichts der dauerhaften Verseuchung und langen Halbwertszeiten eine reine Schutzbehauptung.
          Für Schäden durch radioaktive Strahlung gibt es keine untere Grenze – diese Grenzwerte wurden willkürlich festgelegt und das wissen Sie genau. In Japan wurden die Grenzwerte nach dem Reaktorunglück halt nach oben “korrigiert” …
          Dass solche Schädigungen nicht direkt nachweisbar sind, ist eine alte, aber trotzdem falsche Schutzbehauptung – ähnlich wie die der entsprechenden Lobby Jahrzehnte lang beim Rauchen. Es geht auch nicht nur um Schädigungen des Menschen, sondern um das gesamte ÖkoSystem.
          Auch in Japan weiß man übrigens nicht, wie man mit dem verstrahlten Kühlwasser umgehen soll und erwägt eine “Verdünnung” im Meer …
          Uranmunition hat nichts mit ziviler Kernkraft zu tun?!?
          Sie sollten doch wissen, dass es sich dabei um abgereichertes Uran handelt, dass die Kernenergiewirtschaft auf diese Weise preiswert “entsorgt” …
          Schade, dass Sie mit all Ihrem Fachwissen so einseitige Darstellungen verbreiten.

          1. Florian Blümm

            Die Wiederaufbereitungsanlagen leiten dekontaminiertes Wasser ins Meer, also OHNE Atommüll. Gewisse Mengen von v.a. Tritium (Bestandteil von Wasser) lassen sich nicht dekontaminieren, liegen aber weit unter den Grenzwerten.

            Für Schäden durch radioaktive Strahlung gibt es wie bei jedem anderen Toxin auch eine untere Schranke. Sonst würde eine höhere Hintergrundstrahlung sich in der Statistik bemerkbar machen. Die Dosis macht das Gift.

            In Japan wurden die Grenzwerte nach Fukushima leider nicht nach oben korrigiert. Sonst hätten wir die aufwändige Dekontamination von unbedenklichen Dosen sparen können.

            In Fukushima wird kein Uran im Meerwasser entsorgt! Mir reichts jetzt echt mal mit deinem Blödsinn. Wenn du einfach nur Phrasen von Ausgestrahlt wiederholst, mach das bitte woanders.

            1. Joe Schmidt

              Zitat:
              “Die Wiederaufbereitungsanlagen leiten dekontaminiertes Wasser ins Meer, also OHNE Atommüll.”
              Ach – das kontaminierte Abwasser aus der Aufbereitung von Kernbrennstäben ist für Sie kein Müll?
              Ebenso wenig wie die riesigen Mengen an verstrahltem /vergiftetem Abwasser in Fukushima?
              Nirgendwo habe ich die Entsorgung von Uran im Meerwasser behauptet …
              Aber im. April 2021 genehmigte die japanischen Regierung, dass TEPCO das gespeichertes radioaktives Wasser aus Fukushima über einen Zeitraum von 30 Jahren in den Pazifik entsorgen darf.
              Bei Ihnen lese ich:
              “Alle Optionen der Entsorgung im Meer sind aktuell verboten und vermutlich politisch undurchsetzbar.”
              So viel zu “Phrasen” …

            2. Florian Blümm

              DEkontaminiert! Das steht für NICHT mehr kontaminiert. Die zwei Buchstaben machen nen riesigen Unterschied.
              Auch in Fukushima geht es um dekontaminiertes Wasser!

              Tritium ist ein Wasserstoff-Isotop und lässt sich deshalb nicht dekontaminieren. Es ist aber freigemessen und selbst vor Verdünnung im Pazifik (!) unbedenklich.

            3. Joe Schmidt

              Zitat:
              “Auch in Fukushima geht es um dekontaminiertes Wasser!”
              Aber ganz sicher.
              Die Anekdote, wo Verantwortliche das “dekontaminierte Wasser in Trinkwasserqualität” nicht trinken wollten, ist Ihnen bekannt?
              Ist halt eine Frage der Definition von “NICHT mehr kontaminiert”.
              Ist wie mit der “natürlichen Hintergrundstrahlung”, die weiltweit nie wieder so niedrig sein wird wie vor dem Abwurf der ersten Atombomben und der anschließenden oberirdischen Kernwaffentests. Und natürlich nach den ersten Unfällen /Freisetzungen von radioaktivem Material durch die friedliche Nutzung …
              “Halbwertszeit” heißt nun einmal nicht, dass die Belastung jemals wieder vollständig verschwindet. Nicht einmal bei eigentlich recht kurzfristig zerfallenden Isotopen wie Cäsium-137 (“Radiocäsium” mit einer Halbwertzeit von ca. 30 Jahren, nicht natürlich vorkommend).
              Das Argument der “Verdünnung” ist eine recht schlechte Schutzbehauptung.
              Ist wie mit “Am Rauchen ist niemand direkt gestorben!” …

            4. Florian Blümm

              Du meinst diesen Minister hier, der das dekontaminierte Wasser vor 10 Jahren getrunken hat?

              Der Abwurf von Atombomben hat mit der Hintergrundstrahlung überhaupt nix zu tun, außer du lebst im Bikini-Atoll. Aber das ist ein völlig anderes Thema…

              Doch, Halbwertszeit heißt genau das: Die Belastung verschwindet wieder. Das gefährlichste Spaltprodukt aus der friedlichen Nutzung Jod-131 ist nach wenigen Monaten zerfallen.

    3. Alesio Byfaktum

      Wer bezahlt sie eigentlich? Sie singen hier das fröhliche Lied der Atomlobby und verwenden “Fakten” zu Kosten und Endlagerung, die in vielen anderen Quellen zu anderen Ergebnissen führen. Die Kosten für die Stromerzeugung in AKWs sind laut anderen Quellen deutlich höher als die der Regenerativen. Es gibt nur in Finnland ein Endlager für hochradioaktiven Müll, in Deutschland aber keins. Die Kosten für den Rückbau und die Endlagerung wurden von den Energiekonzernen 2017 für 24 Milliarden Euro an die Allgemeinheit abgetreten. Die Energiekonzerne zahlten diese Summe in einen Fond ein, der aber bestimmt nicht ausreichen wird alle Kosten für Demontage der AKWs in Deutschland und Lagerung für die nächsten Jahrtausende zu bezahlen. Ihre Seite verbreitet scheinbar Meinungen, ab keine Fakten wie sie behaupten.

      1. Florian Blümm

        Bitte her mit seriösen Quellen für teure Endlagerkosten. Aber bitte keinen Bullshit wie “Inflation bis 2100 draufrechnen”.

        Der Entsorgungsfonds ist allein für die erwarteten ~12 Mrd. Euro Entsorgungskosten, nicht für den Rückbau. Rückbau wird nach wie vor von den Betreibern durchgeführt.

      2. Andreas

        Also bitte, der einen Seite unsachlcihkeit vorwerfen und selbst 0 Quellen verlinken.

        Also brauchen Sie sich nicht wundern wenn ihnen keiner glaubt wenn Sie das unter einen Artikel schreiben der 37 Quellen verlinkt…

        1. Joe Schmidt

          Na, dann schauen Sie sich die Quellen doch bitte genauer an.
          Bspw. Quelle [34] Gesamtbewertung der Langzeitsicherheit für den Standort Asse Gesellschaft für Anlagen und Reaktorsicherheit (2006), die angeblich belegen soll, dass nur 20% des in Asse eingelagerten Atommülls aus Kernkraftwerken stammt. Reine Definitionssache, da jahrelang die KKW-Betreiber Abfälle an Universitäten und Forschungseinrichtungen abgegeben /”verschenkt” haben. Damit war es bei der späteren Entsorgung “Forschungsabfall”.

          Oder Zitat:
          “Alle Optionen der Entsorgung im Meer sind aktuell verboten und vermutlich politisch undurchsetzbar.”
          Sowohl Frankreich ais auch England leten bis heute schwach radioaktive Abwässer ins Meer und in Japan wird dies als Lösung für die Unmengen kontaminiertes Kühlwasser diskutiert.

          Hier wird Kernenergie schöngefärbt und recht einseitig bewertet.

          1. Florian Blümm

            Asse ist kein Endlager, war noch nie ein Endlager und würde auch keine Zulassung als Endlager bekommen.

            Die Emissionen der Wiederaufbereitungsanlagen in Frankreich und England sowie Fukushima liegen schon vor Einleitung in den Ozean weit unter Grenzwerten.

            1. Joe Schmidt

              “Die Emissionen der Wiederaufbereitungsanlagen in Frankreich und England sowie Fukushima liegen schon vor Einleitung in den Ozean weit unter Grenzwerten.”
              Und diese Grenzwerte legt wer fest und korrigiert sie bei Bedarf (siehe Fukushima) halt nach oben?
              Das ist eine ebenso dreiste falsche Argumentation wie Ihre Aussagen zur “schmutzigen Bombe”.
              Wenn deren Radioaktivität zu gering für gesundheitliche Schäden wäre – warum sollte dann jemand solche Bomben bauen wollen?
              Ihre Quellenangabe “Radiological Dispersion Device (Dirty Bomb)” stammt nicht nur von 2003, sondern der Link führt auch ins Leere. Was liest man zum Thema:
              “Der radioaktive Staub und Rauch kann sich jedoch weiter ausbreiten und gesundheitsgefährdend sein, wenn Menschen den Staub einatmen, kontaminierte Lebensmittel essen oder kontaminiertes Wasser trinken. Personen, die durch radioaktive Teile verletzt oder mit radioaktivem Staub kontaminiert sind, benötigen ärztliche Hilfe.”

    4. Hans Houben

      Andere Themen die ungelöst sind bei der Atomkraft:
      – da Atomkraftwerke nicht versicherbar sind trägt der Steuerzahler alle Risiken. Das gibt es bei keiner anderen Industrie und ist eine enorme staatliche Subvention. Hier müsste ein Fond eingerichtet werden, der von den Betreibern finanziert wird und der Haftung im Störfällen übernimmt. Ich bezweifle allerdings, dass es möglich ist, die Folgeschäden durch Störfälle im dicht besiedelten Mitteleuropa zu beziffern und entsprechende Rücklagen aufzubauen.
      – Wo kommt das spaltbare Material her und ist die Versorgung gesichert? Wenn ich heute mit der Planung eines Kernkraftwerkes beginne dann kann ich in vielleicht 10 oder 15 Jahren mit dem Bau beginnen, in 25 oder 30 JAhren mit der Stromproduktion beginnen ( bis dahin haben sich die Baukosten vervielfacht, die Kostenkalkulation für den erzeugten Strom ist damit schon hinfällig) Dann soll die Anlage mind. 50 Jahre laufen. Ich muss also die Uranversorgung bis weit in das nächste Jahrhunderz sicherstellen. Und das zu den heute angesetzten Preisen. Eine Utopie!
      – wenn die Stromproduktion mit Atomkraft so preiswert ist, warum werden dann keine oder nur sehr wenige neue Anlagen gebaut? Und die Anlagen, die gebaut werden, immer mit staatlicher Unterstützung oder Garantien?

      1. Florian Blümm

        1. Atomkraftwerke sind nicht versicherbar? Sie sind aber alle versichert. Kleiner Widerspruch, oder?

        2. Für die nächsten 56 Millionen Jahre haben wir genug Uran.

        3. Kernkraftwerke werden genauso wie Wind, Solar und Wasserkraft finanziert. Du hast am Anfang enorme Kosten, aber dann für Jahrzehnte geringe laufende Kosten. Das ist volkswirtschaftlich ein großer Vorteil. Aber für ein schnelles Return on Investment, sind fossile Kraftwerke mit ihren niedrigen Upfront-Kosten und hohen laufenden Kosten deutlich investorenfreundlicher.

        Deshalb haben viele Kernkraftwerke, Wasserkraftwerke, Solarparks und Windparks staatliche Garantien nötig. Es gibt allerdings bessere Alternativen zu direkten Subventionen, zum Beispiel das Finanzierungsmodell der Regulated Asset Base. In Deutschland wurden Kernkraftwerke übrigens nie subventioniert. Es geht also auch ohne.

    5. Joe Schmidt

      “1. Atomkraftwerke sind nicht versicherbar? Sie sind aber alle versichert. Kleiner Widerspruch, oder?”

      Ja, da fehlt das Wort “umfassend” oder “ausreichend”.
      Wissen Sie ja bestimmt, dass bisher kein Reaktorunfall ausschließlich von der Versicherung bezahlt wurde? Denn die haben die Versicherungssummen nicht ohne Grund gedeckelt. Den größten Teil bezahlt der Bürger /der Staat.
      Bei Kernenergie galt schon immer der Grundsatz: Kosten sozialisieren – Gewinne privatisieren.

      1. Florian Blümm

        Die Haftpflichtversicherungen sind grundsätzlich vor allem für anlagenüberschreitende Auswirkungen. Also ein Szenario, welches in deutschen Kernkraftwerken nicht realistisch ist. Nicht einmal ein Worst Case Szenario wie Three Mile Island ist in deutschen Reaktoren realistisch und dessen Kosten lagen unter der Versicherungssumme.

        1. Joe Schmidt

          “Nicht einmal ein Worst Case Szenario wie Three Mile Island ist in deutschen Reaktoren realistisch …”
          “unrealistisch” heißt halt nicht “unmöglich”.
          Ja, wenn zumindest die “anlagenüberschreitende Auswirkungen” versichert sind …
          Bisher zeigten allerdings doch alle großen Störfälle, dass die Gesellschaft /Steuerzahler den weitaus größeren Teil der gesamten Schadenssumme zu tragen hatte.

          1. Florian Blümm

            Die anlagenüberschreitenden Auswirkungen in einem Fall wie TMI sind ja sogar deutlich überversichert. Und seit TMI hat sich viel geändert bei nuklearen Sicherheitssystemen und -kultur.

            1. Joe Schmidt

              Es ist richtig, dass die Sicherheitsanforderungen (in Europa) verschärft wurden.
              War wohl auch ein Grund, warum Ende 2021 ca. 30% der französischen Stromerzeugungskapazität wegen Sicherheitsmängel unplanmäßig vom Netz genommen werden mussten – vor dem Winter …
              Wäre aber auch fatal, wenn man aus Fehlern nicht lernen würde.
              Um so erstaunlicher ist es, dass Sie hier immer wieder mit 4Ct/kWh Strom-Gestehungskosten für neue AKW argumentieren, obwohl dies Angaben von der NEA, der Nuclear Energy Agency (einer Atom-Lobbyorganisation) sind, die in ihrem Bericht keine Neubauten in Europa einbezog …
              Eine “Überversicherung” der KKW konnte ich bisher in keinem ernsten Schadensfall nachvollziehen. In den USA nicht, in der Ukraine nicht und auch in Japan nicht.
              Die Sicherheitskultur hat sich geändert? Wurde nicht seit Beginn der Kernenergienutzung immer wieder zugesagt, dass keinerlei Risiko für die Bevölkerung bestünde … ?
              Sie können weder eine Verkettung technischer Fehler, noch menschliches Versagen jemals ausschließen. Je komplizierter die Anlagen, um so wahrscheinlicher das Auftreten unvorhergehener Ereignisse. Ja, die neuen Reaktorkonzepte Gen4 haben ein sehr hohes Sicherheitslevel – eine hohe Eigensicherheit. Allersings sind sie halt auch teurer /unwirtschaftlich /es finden sich keine Geldgeber in einem demokratischen, marktwirtschaftlichen Umfeld..
              Aber das wird ja nun in der EU ganz schnell anders … oder auch nicht.
              Denn der Wahlkampf in Frankreich, wo 14 neue KKW angekündigt wurden, ist ja erst einmal vorbei und in FR noch nicht einmal der letzte Raktorneubau (seit 2007 im Bau) vollendet – als EPR – einem heute von den Kernkraftbefürwortern schon als veraltet geltendem Konzept …

            2. Florian Blümm

              Der Grund, warum 12 französische Kernkraftwerke unplanmäßig vom Netz genommen wurden war ein konstruktionsbedingtes Korrosionsproblem im Notkühlsystem. Das ist eine öffentliche Info und leicht per Google zu finden.

              Bei Leichtwasserreaktoren bestand auch noch nie ein Risiko für die Bevölkerung, weder in Fukushima noch in Three Mile Island.

              Wann waren denn unvorhergesehene Ereignisse der Grund für einen Unfall in einem Leichtwasserreaktor? Soll das eine Anspielung auf den Tsunami in Fukushima sein? Das war alles andere als unvorhersehbar.

    6. Joe Schmidt

      Zitat:
      “Der Grund, warum 12 französische Kernkraftwerke unplanmäßig vom Netz genommen wurden war ein konstruktionsbedingtes Korrosionsproblem im Notkühlsystem.”
      Ach – das hatte man vorher nicht auf dem Schirm?
      Ebenso wenig wie die zu niedrige Tsunamie-Schutzwand und die falsch angeordneten Notversorgungssysteme in Japan?!?
      Aber bei den neuen Reaktortypen wird es keine unerkannten Problem geben …
      Wenn die “konstruktionsbedingten Korrosionsprobleme im Notkühlsystem” der franz. Reaktoren nicht sicherheitsrelevant gewesen wären, hätte man wohl kaum so viele Reaktoren gleichzeitig vom Netz genommen. Die franz. Atomaufsichtsbehörde ist ja nun nicht gerade als besonders streng verschrien.
      Außer Betriebsetzung vor dem Winter – wo FR schon seit Jahren auf ausländische Stromlieferungen angewiesen ist, wenn die Temperaturen stärker fallen. Wo der franz. Staat seit Jahren die halbstaatliche Energiegesellschaft vor der Pleite schützt …

      1. Florian Blümm

        Das Korrosionsproblem wurde bei einer der jährlichen Revisionen entdeckt. Deswegen betreibt man einen solch hohen Aufwand, wie in keiner anderen Industrie ausgenommen der Luftfahrtindustrie.

        Natürlich wäre eine Korrosion im Notkühlsystem sicherheitsrelevant, wenn man sie ohne Gegenmaßnahmen weit genug fortschreiten lässt. Deshalb wurden die Kraftwerke ja in einen Wartungsstillstand geschickt.

    7. Joe Schmidt

      Zitat:
      “Deshalb wurden die Kraftwerke ja in einen Wartungsstillstand geschickt.”
      Nette Umschreibung für einen Entzug der Betriebserlaubnis / ungeplante Abschaltung wegen Sicherheitsmängeln.
      Und doch ganz sicher mit Ausfallkapazitäten (wie Du sie ja regelmäßig für EE-Stromerzeugung forderst) abgedeckt? Ach nee – man verlässt sich im Atomstromstaat Frankreich ja seit Jahren darauf, dass man die Lastspitzen im Winter aus dem Ausland gedeckt bekommt. Wenn dann mal eben so ca. 30% der Stromerzeugungskapazität in FR unplanmäßig wegfallen explodieren halt die Preise an den Strombörsen. Weil dann das Ausland Frankreich vor dem BlackOut bewahren muss.
      Wohlgemerkt war dies ab Ende 2021 der Fall – noch vor dem Beginn des Ukraine-Krieges schnellten die Preise an den Strombörsen in die Höhe.

      1. Florian Blümm

        Französische Kernkraftwerke haben ihre Betriebserlaubnis verloren? Zeig mal deine Quelle, bitte. Im Winter liefen die Kraftwerke noch.

        Ja, die Energiekrise läuft schon länger. Putin hat ja bereits 2021 die Jamal-Pipeline abgeschaltet.

    8. Joe Schmidt

      “Französische Kernkraftwerke haben ihre Betriebserlaubnis verloren? Zeig mal deine Quelle, bitte.”
      Sie haben recht. Die korrekte Formulierung lautet wohl:
      Nach der Feststellung von Qualitätsmängeln sind Ende 2021 in Frankreich mehrere Atomkraftwerke gleicher Bauart vorsorglich und unplanmäßig stillgelegt worden. Ca. 30% der franz. Stromerzeugungskapazität fielen dadurch vor dem Winter unplanmäßig aus.
      Durch die Nichtverfügbarkeit von 15 französischen Atomkraftwerken (von 56 KKW) konnten die verbleibenden franz. Kernkraftwerke nur noch zwischen 43GW und 51GW Leistung bereitstellen statt normalerweise ca. 64GW, was sowohl die französische Stromversorgung, als auch das europäische Stromnetz vor große Probleme stellte. Ende 2021 stand das franz. Stromnetz durch die hohen Importe an der technischen Belastungsgrenze.
      Dagegen war die Abschaltung der Jamal-Pipeleine Ende 2021 damals weder ein Problem, noch eine große Überraschung. Den Großteil der russischen Gaslieferungen bezog /bezieht Deutschland über die Leitungen Transgas und Nordstream 1.
      Eine internationale “Energiekrise” gab es Ende 2021 noch nicht – wohl aber eine “Stromkrise” in Frankreich.
      Glücklicherweise fielen die Temperaturen in Frankreich nicht außergewöhnlich tief und es gab mehrere Sturmtiefs, die in Deutschland, Dänemark, … für viel Windstrom sorgten, so dass ausreichend el. Energie nach Frankreich geliefert werden konnte.

      Erst im April 2022 erteilte die russ. Regierung für Gazprom dann ein Verbot, die der Europol GAZ gehörende Gasleitung für den Transport von russischem Gas durch Polen zu nutzen. Eine Reaktion auf westliche Sanktionen.

      1. Florian Blümm

        Du dreschst dauernd solche Phrasen wie “verlorene Betriebserlaubnis”. Wollen wir nicht bei den Fakten bleiben?

        Eine internationale Energiekrise gibt es auch heute noch nicht. Es gibt eine Energiekrise in Europa, weil wir uns von russischem Gas abhängig gemacht haben und auch russisches Öl und russische Kohle ersetzen müssen.

        Wenn zusätzlich in Frankreich 12 Kernkraftwerke ausfallen, verschärft das die Situation natürlich. Ebenso, wenn in Deutschland 6 Kernkraftwerke ohne jede Not mitten im Winter abgestellt werden.

        1. Joe Schmidt

          Zitat
          “Du dreschst dauernd solche Phrasen wie “verlorene Betriebserlaubnis”.”
          Ooch – das diese Formulierung unzutreffend war, habe ich doch sofort eingeräumt.
          Der Unterschied zwischen Frankreich und Deutschland ist, dass Deutschland auch nach der Abschaltung der dt. KKW (über deren Zeitpunkt man tatsächlich streiten kann) in der Lage ist, seinen Bedarf an el. Energie mit eigenen Erzeugern zu decken. Man konnte sogar noch tüchtig Exportüberschüsse erzielen – nach der Abschaltung der KKW Anfang 2022.
          In Frankreich bestehen dagegen schon seit Jahren Deckungslücken, da die Kraftwerkskapazitäten selbst ohne die ungeplanten Ausfälle im Winter regelmäßig nicht ausreichen, wenn die Temperaturen einige Grad unter den Mittelwert fallen. Dann übersteigt die Nachfrage an el. Energie die Erzeugerkapazitäten. In der Spitze waren übrigens Ende 2021 15 KKW in Frankreich nicht verfügbar …
          Es gibt seit Jahren keine BackUp-Kapazitäten für die KKW in Frankreich, die Du in Deutschland für die EE-Stromerzeugung regelmäßig einforderst und aufrechnest. Dabei gibt es relevante “ungeplante Ausfälle” bei dezentraler Stromerzeugung mit tausenden kleiner Erzeuge logischerweise deutlich seltener. Denn die fluktuierende EE-Strom-Erzeugung lässt sich kurz- und mittelfristig ebenso sicher prognostizieren, wie der Bedarf an el. Energie. Ungeplante Ausfälle von KKW lassen sich dagegen nicht prognostizieren /planen … liegt in der Natur des “ungeplanten” Ausfalls.
          Akzeptierst Du diese Fakten?

          1. Florian Blümm

            Das Problem in Frankreich ist nicht die Erzeugung. Das Problem ist die Nachfrage. Du hast einen großen Bestand an ungedämmten Altbauten, die mit elektrischen Widerstandsheizungen (nicht Wärmepumpen!) warm gehalten werden. Das heißt die Last im Winter ist deutlich höher als im Sommer.

            Was für Auswirkungen das hat, werden wir auch diesen Winter in Deutschland sehen: Angst vor Gasknappheit: Nachfrage nach Heizlüftern boomt

    9. Joe Schmidt

      Zitat:
      “Das Problem ist die Nachfrage. Du hast einen großen Bestand an ungedämmten Altbauten, die mit elektrischen Widerstandsheizungen …”
      Das hat sicher nichts damit zu tun, dass der frz. Staat seit Jahrzehnten die Kernenergie förderte, den Strompreis subventioniert und damit eben genau diese Heizsysteme wirtschaftlich und gleichzeitig Dämmaßnahmen /Energiesparmaßnahmen /alternative Stromerzrugung unwirtschaftlich machte?
      In Deutschland gab es ja auch lange Zeit Förderungen für elektrische Nachtspeicherheizungen.
      Wer aus Angst vor einer Gasknappheit elektrische Heizlüfter und Radiatoren /Widerstandshezungen kauft, denkt halt ein wenig kurzfristig.
      Aber das kennt man ja.

      1. Florian Blümm

        So ist es, die Sektorkopplung Wärme in Frankreich ist durch staatliche Lenkung deutlich weiter als bei uns. Wir können froh sein, wenn wir in 10 Jahren da sind, wo Frankreich vor 20 Jahren war.

        Wenn alles nach Plan läuft, werden wir also in 1-2 Jahrzehnten das gleiche Problem mit der Winterlast haben werden.

    10. Joe Schmidt

      Zitat:
      “So ist es, die Sektorkopplung Wärme in Frankreich ist durch staatliche Lenkung deutlich weiter als bei uns.”
      Sie haben das mit der Sektorkoppelung wohl gründlich missverstanden.
      Absichtlich?
      Den überschüssigen Atomstrom elektrisch in Widerstandsheizungen zu “verbraten” ist gewiss keine Sektorkoppelung als Zukunftslösung.
      Da wir in Deutschland seit Jahren stärker auf Wärmedämmung und Effizienz (bspw. Wärmepumpen) setzen werden wir kaum “das gleiche Problem mit der Winterlast” bekommen – bei uns steigt der Heizwärmebedarf im Winter längst nicht so drastisch.
      Aber zumindest positiv, dass Sie den fatalen Einfluss staatlicher Lenkung bei der Atomstromerzeugung einräumen.
      Bei allen unbestrittenen Vorteilen ist Stromerzeugung mit Kernenergie bisher noch nie marktwirtschaftlich – also ohne staatliche Unterstützung – konkurrenzfähig gewesen. Es ging zumeist um den Erhalt /Ausbau des KnowHow für die militärische Nutzung. Die zivile Nutzung der Kernenergie war allenfalls ein Nebenprodukt.

        1. Joe Schmidt

          “Sektorkopplung heißt die Sektoren Transport und Wärme zu elektrifizieren”
          Nein, das heißt es nicht.
          Sondern die Sektoren Energie, Verkehr, Industrie, ,,, miteinander so zu verknüpfen /zu koppeln, dass mit möglichst hoher Effizienz die zur Verfügung stehenden Primärenergien /Primärenergieträger genutzt werden.
          Eine el. Widerstandsheizung (gern in Frankreich genutzt) ist zwar billig und wandelt 100% der wertvollen el. Energie in Wärme um – aber eine Wärmepumpe braucht halt nur 25-35% der elektrischen Energie, um die gleiche Wärmemenge bereitzustellen.
          Weil sie zusätzlich Umweltwärme nutzt.
          Insofern sehe ich reine “Elektroheizungen” nicht wirklich als Maßstab oder gar Vorteil.
          Dass wir unsere Abhängigkeit vom (Erd-)Gas selbst verschuldet haben – das ist doch vor allem den vielen Jahren EE-Verhinderungspolitik durch die fossil denkende Energielobby zu verdanken.
          Warum man in Frankreich mit seiner Atomeuphorie bisher keinerlei Ersatzneubauten für die alterschwachen KKW begonnen hat (wenn man vom 2007 gegonnenen, bisher unvollendeten Reaktor in Flamanville absieht) muss also andere Gründe haben.

          1. Florian Blümm

            Der Begriff Sektorkopplung trifft keine Aussage über Effizienzen. Manche Effizienzen werden ja sogar deutlich schlechter, insbesondere bei Hochtemperaturprozesswärme oder Synthfuels. Wenn ich ein Flugzeug mit aus Strom gewonnnenen Energieträgern antreibe statt mit Kerosin, ist das trotz schlechter Effizienz Sektorkopplung.

            Es ist für die Sektorkopplung auch völlig egal, ob Wärmepumpe oder Widerstandsheizung. Im Bestand wird ja teilweise sogar beides in Kombination verbaut.

    11. Rock

      Herr Blümm,

      vielen Dank für die Zusammenstellung dieser Informationen.

      Lassen Sie sich auch nicht von diesen Kommentaren des “Joe Schmidt” beirren dessen Kommentare ohne jegliche Belege sind und
      einfach nur aus “hätte” “wenn” und “aber” bestehen. Ich habe nichts Greifbares aus seinen Kommentaren lesen können bisher, und ich
      habe mir die Zeit genommen und alles gelesen. Alleine die Tatsache, dass wir im Winter IMMER Atomstrom aus Frankreich zukaufen müssen
      und diese Mengen auch deutlich höher sind als unsere zuvor im Sommer exportierten, nicht zu wissen spricht schon Bände!

      Zahlen leider nur aus 2021 vorhanden.

      https://de.statista.com/statistik/daten/studie/180862/umfrage/stromaustauschsaldo-deutschlands-nach-partnerlaendern/

      Und bei der Energiekrise die wir im Winter haben werden, wird es noch dramatischer werden, weil die Franzosen Ihre AKWs warten müssen.

      1. Florian Blümm

        Danke!

        Bei Importen und Exporten spielt der Zeitpunkt ja auch eine große Rolle.
        Wenn wir überspitzt gesagt in einem Sturm Windenergie zu Negativpreisen exportieren und sobald der Sturm vorbei ist wieder versorgungsssicheren Strom importieren, dann waren wir nicht einmal, sondern gleich zweimal abhängig von unseren Nachbarländern.

        Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass Frankreich schon immer ein Problem mit der Wartung seiner Kernkraftwerken hatte und dieses Jahr noch ein Bau-/Materialfehler in 12 AKW dazukommt. Wenn die Notkühlleitungen in diesen 12 Reaktoren bis zum Winter nicht ersetzt sind, hat ganz Europa ein Problem.

        Umso mehr ein Grund nicht auch noch top gewartete deutsche Kernkraftwerke abzuschalten…

        1. Joe Schmidt

          “Umso mehr ein Grund nicht auch noch top gewartete deutsche Kernkraftwerke abzuschalten…”
          Diesen Standpunkt kann ich durchaus nachvollziehen.
          Der Schlingerkurs in der dt. Atompolitik hat unnötig Werte vernichtet und notwendige Entwicklungen ausgebremst und verteuert.
          Dieselbe Union, die in der Regierungsverantwortung mehrmals den Atomausstieg einelitete und wieder kippte (und dafür Mrd. an Steuergeld ohne Gegenwert einsetzte) fordert nun – aus der Opposition – einen Weiterbetrieb der KKW.

          Wobei der Weiterbetrieb nur eingeschränkt Vorteile brächte. Der Prüfvermerk des Umwelt- und Wirtschaftsministeriums kam zum Ergebnis, dass die drei AKW mit den vorhandenen Brennstäben nach dem 31.12. nur dann weiterlaufen könnten, wenn die Stromerzeugung vorher gedrosselt würde:
          “Die Atomkraftwerke würden dann im Sommer 2022 weniger Strom produzieren, um über den 31.12.2022 hinaus im ersten Quartal 2023 noch Strom produzieren zu können. Insgesamt würde zwischen heute und Ende März 2023 netto nicht mehr Strom produziert.”
          Denn ansonsten werden (neben neuen Brennstäben) teure Neuinvesitionen fällig, die selbst die Betreiber scheuen.
          Es wären Laufzeitverlängerungen von 3-5 Jahren nötig, um einen Weiterbetrieb zu rechtfertigen.
          Dass sich der Branchenverband Kernenergie für einen Weiterbetrieb ausspricht kommt ja nun nicht überraschend.
          Dass sich Florian Blümm im Verein “Nuklearia” dafür aussprechen, ebenso wenig.
          Die AKW-Betreiber EnBW (Neckarwestheim 2), RWE (Emsland) und Eon-Tochter PreussenElektra (Isar 2) haben Laufzeitverlängerungen abgelehnt. Wobei Preussenelektra (in Bayern) andeutete, dass ein Weiterbetrieb unter bestimmten Voraussetzungen möglich wäre – da geht es wohl um Subventionen mit Steuergeld und die Fehler in der Energiepolitik in Bayern.

          1. Florian Blümm

            Die Verfasser des Prüfvermerks hatten keine Ahnung, was ein Streckbetrieb ist. Sie verwechseln das mit Teillastbetrieb. Siehe Ukrainekrieg: Russisches Erdgas kann durch Kernkraft ersetzt werden.

            Es sind auch keine teuren Neu-Investitionen nötig. Wo stammt denn diese Behauptung nun her? Nicht einmal der mit Falschaussagen übersäte Prüfvermerk behauptet so etwas.

            Dass die Betreiber ihre Rückbau-Planungen für wenige Monate Laufzeitverlängerung nicht über Bord werfen wollen, ist aber auch klar. 5 Jahre LZV sollten es schon sein – besser 15, bis die erste Serie neuer Kernkraftwerke am Netz ist.

            1. Joe Schmidt

              “Es sind auch keine teuren Neu-Investitionen nötig. Wo stammt denn diese Behauptung nun her?”
              Also dass sich der “Streckbetrieb” nicht ewig fortsetzen lässt, ergibt sich sogar aus Ihren Aussagen. Zusätzlich zu den dann notwendigen neuen Brennstäben müsste für einen längeren Weiterbetrieb das Atomgesetz (wieder) geändert werden und dass man dabei auf geringere als die heute höchstmöglichen Sicherheitsanforderungen zurückgeht, ist kaum anzunehmen. Also würden Nachrüstungen erforderlich.
              Dagegen gibt es keinerlei Quelle für Ihre Behauptung, dass in 15 Jahren in marktwirtschaftlich /demokratischen Staaten eine “Serie neuer Kernkraftwerke am Netz” sein könnte.
              Das ist pures Wunschdenken.
              Aber für Sie sind ja oft abweichende Aussagen einfach “Falschaussagen”.
              Sie selbst haben sich gegen Neubauten von KKW Gen3 bzw. Gen3+ ausgesprochen und die KKW Gen4 existieren noch nicht einmal als baufähiger Entwurf für einen wirtschaftlichen Betrieb.
              Also zumindest nicht wirtschaftlich ohne weitreichende staatliche Subventionen …

            2. Florian Blümm

              Das Atomgesetz muss auch für den Streckbetrieb geändert werden. Teuer ist das nicht.

              Warum würden Nachrüstungen erforderlich, die heute nicht erforderlich sind? Was sind das für Nachrüstungen?`

              Ich spreche mich übrigens grundsätzlich gegen Gen IV und Gen III aus. Lieber erprobte Technologie Gen II.

      2. Joe Schmidt

        “Alleine die Tatsache, dass wir im Winter IMMER Atomstrom aus Frankreich zukaufen müssen …”
        Ich glaube, da haben Sie etwas verwechselt.
        Sobald in Frankreich die Temperaturen im Winter etwas unter das statistische Mittel fallen, ist man dort auf Lieferungen aus dem Ausland angewiesen. Dagegen importieren wir den Atomstrom i.d.R. aus wirtschaftlichen Gründen.
        Natürlich wird es auch im Winter daher Zeiten geben, wo wir Atomstrom aus Frankreich beziehen. Dafür ist das europ. Stromnetz und der Stromhandel ja da. Oftmals wird Strom auch nur “durchgeleitet”, da wir zu gleicher Zeit in andere Länder exportieren …
        Quellen dafür sind bspw. die Bundesnetzagentur oder auch “Energy Charts”. “electicitymap” oder “netztransparenz”.
        Da kann man leicht nachvollziehen, wann wer wohin el. Energie liefert oder bezieht und zu welchen Zeiten.
        Die Mengen in einer Jahresstatistik sind da eher wenig aussagekräftig.

        Nicht wir haben seit Jahren eine Energiekrise, sondern in Frankreich wird die Bevölkerung fast regelmäßig zum Stromsparen aufgerufen und es werden Notfallmaßnahmen umgesetzt. Schlagzeilen wie Anfang 2021 (!) : “Frankreich wieder einmal am Rand des Strom-Blackouts” mit “Alle Jahre wieder wird die Bevölkerung im Atomstromland zum Stromsparen aufgefordert, weil der altersschwache Atompark an die Kapazitätsgrenze kommt …” kenne ich aus Deutschland nicht.
        Franceinfo : “Électricité les Français appelés à réduire leur consommation” – franz. Originalquelle mit Aufforderung zum Stromsparen …

        2017 titelte das “manager magazin” : “In Frankreich gehen die Lichter aus” :
        “Angesichts einer extremen Stromknappheit in Frankreich hat die Hauptstadt Paris zu einer ungewöhnlichen Maßnahme gegriffen: An etwa 330 öffentlichen Gebäuden hat die Stadtverwaltung die Außenbeleuchtung ausschalten lassen.”

        Ganz speziell natürlich im Winter 2021 – 2022 haben alle umliegenden Länder Frankreich vor dem BlackOut gerettet. Die Tatsache, dass ca. 30% der KKW aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden mussten ist doch leicht zu recherchieren – oder?
        So titelte die FAZ am 17.12.2021: “FR schaltet leistungsstärkste AKW ab”:
        “Erst gab es in einem AKW Fehler in der Nähe von Schweißnähten. Nun werden weitere Reaktoren überprüft. … Da EDF nun teuer Ersatzmengen am Markt beschaffen muss, reduzierte der Konzern seine Ergebnisprognose leicht. Die EDF-Aktie verlor daraufhin deutlich an Wert.”
        Anfang 2022 titelte ntv: “Atomreaktoren lassen Franzosen im Winter im Stich”:
        “In den vergangenen Wochen waren allerdings bis zu 17 Reaktoren gleichzeitig abgeschaltet. …”

        Natürlich bin auch ich gespannt, wer den nächsten Winter am glimpflichsten übersteht.
        Warum ich so wenig verlinke?
        Weil hier gerne Beiträge mit Links verschwinden. Selbst mit Links, die Hr. Blümm vorher selbst nutzte.
        Ach ja – die normalen Wartungen der KKW werden üblicherweise auf den Sommer gelegt – da wird weniger el. Energie in Frankreich benötigt …

    Leave a Reply

    This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.