Blackout-Gefahr bis 2035? Warum das Stromausfall-Risiko steigt

Blackouts häufen sich: Texas, Kalifornien, Australien und England. Auch in Deutschland steigt das Stromausfall-Risiko.

Am 8. Januar 2021 stand Europa kurz vor einem schweren Blackout.

Das wird leider kein Einzelfall bleiben. Das Risiko für einen großen Stromausfall in Deutschland steigt seit Jahren.

2023 ist ein kritisches Jahr für die Blackout-Gefahr. Bis dahin fallen durch den Atomausstieg 8 Gigawatt gesicherte Leistung weg.

Auch nach 2023 erhöht sich das Blackout-Risiko fast jährlich durch den gestaffelten Kohleausstieg bis spätestens 2039.

Ein Blackout kann verheerende Folgen haben. Strommangellagen verursachen größere Schäden als selbst eine Pandemie wie Corona. 1 2

Noch wahrscheinlicher als Blackouts werden in Zukunft Brownouts, also lokale Stromausfälle. Das betrifft vor allem Süddeutschland mit seiner schon heutigen Unterdeckung an gesicherter Leistung.

Risiko von Katastrophen Notlagen Blackout - Blackout-Gefahr bis 2035? Warum das Stromausfall-Risiko steigt

Wie kommt es zum Stromausfall/Blackout?

Es muss im Stromnetz zu jedem Zeitpunkt genau so viel Elektrizität erzeugt werden, wie nachgefragt wird.

Zum Blackout kann es dann kommen, wenn dieses Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch gestört wird.

Das passiert zum Beispiel durch:

  • Netzstörungen
  • Kraftwerksausfälle
  • Marktmanipulationen
  • plötzliche Nachfragespitzen
  • plötzliche Leistungsspitzen

Dank der Reserven im Stromnetz reicht ein einziges Ereignis normalerweise nicht um einen Blackout hervorzurufen. Erst das Zusammenkommen mehrerer Ursachen führt zu einem Stromausfall.

Erkennbar wird ein drohender Blackout an der Frequenz im europäischen Verbundnetz. Je mehr das Gleichgewicht gestört ist, desto mehr weicht sie von 50 Hz ab.

Wenn eine zu hohe oder zu niedrige Netzfrequenz nicht schnell verhindert wird, schadet das der Infrastruktur. Dadurch können sich Teilnetze abspalten oder Erzeuger ausfallen und es kommt zu einem Dominoeffekt.

Wenn der Strom deutschlandweit ausfällt, kann es Wochen dauern zur Wiederherstellung der Stromversorgung. Die Schadenssummen und Zahlen der Todesopfer wären immens hoch. 3

Für die erhöhte und weiter steigende Blackout-Gefahr in Deutschland gibt es 6 hauptsächliche Risiken:

1. Blackout-Risiko: zu wenig gesicherte Leistung im Kraftwerkspark

Versorgungssicherheit in Deutschland bis 2035 - Blackout-Gefahr bis 2035? Warum das Stromausfall-Risiko steigt

Die gesicherte Leistung von Solarstrom ist null, weil nachts keine Sonne scheint. Die gesicherte Leistung von Windkraft ist nahezu null, weil eine Flaute meist ganz Deutschland betrifft. 4

Wenn sowohl Wind als auch Solar ausfallen spricht man von einer Dunkelflaute. Es reicht dazu schon, wenn nachts kein Wind weht. An grauen Wintertagen dauern solche Dunkelflauten mehrere Tage oder sogar Wochen, mit entsprechend hohem Blackout-Risiko.

Egal wie viel Solar und Wind man zubaut, es muss immer einen konventionellen Kraftwerkspark als Backup geben. Der muss die Spitzenlast in voller Höhe bewältigen können, auch während einer Dunkelflaute.

Durch Atomausstieg und Kohleausstieg wird in den nächsten Jahren aber ein Großteil dieser sicheren Kapazität vom Strommarkt genommen: 5

  • bis 2023 -12 GW
  • bis 2030 -25 GW
  • bis 2039 -42 GW

(kumuliert)

Am Ende des Jahres 2020 wurden bereits fast 5 GW Kapazität in der ersten Ausschreiberunde zum Kohleausstieg vom Netz genommen. 6

Einige dieser Kraftwerke mussten aber kurz nach dem Abschalten wegen mehrerer Dunkelflauten im Januar 2021 reaktiviert werden. 7

Aktuell haben wir noch 91 GW gesicherte Leistung in Deutschland. Bis 2023 wird die gesicherte Kapazität auf 82 GW fallen. Das entspricht genau der heute zu erwartenden Spitzenlast von rund 82 GW. Wenn wirklich alle Kraftwerke auch verfügbar sind, würde das gerade noch reichen.

Bis 2035 sieht der Netzentwicklungsplan nur noch eine gesicherte Leistung von 62 GW vor. Demgegenüber steht dann eine durch Sektorkopplung erhöhte Spitzenlast von 106 GW. Die Versorgungslücke beträgt also dann bereits 44 GW. 8

2. Blackout-Risiko: Lokale Versorgungslücken durch fehlenden Netzausbau

Versorgungssicherheit in Sueddeutschland bis 2035 - Blackout-Gefahr bis 2035? Warum das Stromausfall-Risiko steigt

Selbst 82 GW gesicherte Leistung bei 82 GW Spitzenlast deutschlandweit reichen nur auf dem Papier. Wenn in Schleswig-Holstein Reserven vorhanden sind, die in Bayern gebraucht werden, dann sind schnell die Leitungen überlastet.

In Süddeutschland gibt es schon heute eine Versorgungslücke von 10 GW, die durch Importe aus Norddeutschland und Nachbarländern gedeckt werden muss. Mit dem Atomausstieg wächst diese Versorgungslücke bis 2023 auf 16 GW und mit dem Kohleausstieg bis 2035 auf 27 GW. 9 10

Entscheidend für die Versorgung von Nord- nach Süddeutschland ist der Netzausbau, insbesondere die geplanten Nord-Süd-Trassen mit Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ):

  • Ultranet zwischen Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg (statt Kernkraftwerk Philippsburg)
  • Südlink 1 zwischen Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg (statt Kernkraftwerk Neckarwestheim)
  • Südlink 2 zwischen Schleswig-Holstein und Bayern (statt Kernkraftwerk Gundremmingen)
  • Südostlink zwischen Sachsen-Anhalt und Bayern (statt Kernkraftwerk Isar)
  • A-Nord zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen

Der Bau dieser Stromautobahnen sollte eigentlich bis 2022 fertiggestellt sein, also rechtzeitig zum Atomausstieg. Der Ausbau ist aber um Jahre verzögert, auch wegen der vielen Bürgerklagen.

Wenn die 5 neuen Trassen fertig sind, können sie jeweils Strom mit 2 GW Leistung transportieren. Das hilft, kann aber nicht einmal die nach Fukushima abgeschalteten Kernkraftwerke in Süddeutschland ersetzen.

3. Blackout-Risiko: Klumpenrisiko beim Ausfall von Solar & Wind

Netzeingriffe in Deutschland - Blackout-Gefahr bis 2035? Warum das Stromausfall-Risiko steigt

Stell dir vor alle Kohlekraftwerke würden unerwartet und gleichzeitig ausfallen. Klingt unmöglich? Bei Wind und Solar passiert das regelmäßig wegen ihrem enormen Klumpenrisiko. Das Klumpenrisiko von Solar & Wind war ein Hauptgrund für die Blackouts in Kalifornien in 2019. 11

Wenn ein konventionelles Kraftwerk unerwartet ausfällt, sind das selten mehr als 1 Gigawatt Leistung. Wenn der Wind hingegen unerwartet schwach oder stark bläst, dann kann eine plötzliche Leistungsdifferenz von etlichen Gigawatt auftreten. Auch eine über Deutschland ziehende Wolkenfront sorgt für einen deutlichen kurzfristigen Spannungsabfall beim Solarstrom.

Netzbetreiber müssen häufig eingreifen um Leistungsrampen der fluktuierenden Erneuerbaren auszugleichen. Die Gesamtarbeit dieser sogenannten Redispatches hat sich seit 2010 etwa verzehnfacht von 1.758 GWh auf 15.643 GWh. 12 13 Mit einem weiteren Zubau von Wind und Solar wird man auch mehr nachregeln müssen.

Dieses Einspeisemanagement wirkt sich natürlich positiv auf die Versorgungssicherheit aus. Das in den letzten Jahren angeschwollene Volumen zeigt aber, wie wichtig die Korrekturen geworden sind um das Netz stabil zu halten. Und jeder Redispatch kann eine Fehlerquelle sein.

4. Blackout-Risiko: Fehlende Regelenergie bei hohem Anteil Solar & Wind

Nicht nur wenn Solar und Wind ausfallen, machen sie Probleme. Auch wenn zu viel Solar- und Windstrom im Netz sind, leidet die Versorgungssicherheit. Solaranlagen und Windräder stellen nämlich keine Regelenergie bereit.

Konventionelle Kraftwerke haben riesige Schwungmassen in ihren Turbinenhallen, die das Netz stabilisieren. Die großen rotierenden Massen sind synchron mit der Frequenz des Stromnetzes gekoppelt und arbeiten deshalb automatisch gegen Frequenzänderungen an.

Je mehr Wind und Solar am Netz sind, desto mehr stabilisierende Schwungmassen fehlen. Die Netzfrequenz wird durch den Wegfall dieser sogenannten Momentanreserve störanfälliger. Das Blackout-Risiko steigt.

Im August 2019 kam es in Großbritannien zu einem schweren Störfall mit rollierenden Blackouts, weil bei einem Stromanteil von rund 65% Windenergie zu wenig Momentanreserve im Netz war. 14

In Zukunft können Batteriespeicher Regelenergie für Wind und Solar bereitstellen. 15 Aktuell sind Akkus in Netzgröße wegen der enormen Kosten aber noch die Ausnahme.

Es kommt aktuell eher noch vor, dass konventionelle Kraftwerke wegen ihrer Schwungmasse durchlaufen, obwohl ihre Leistung gar nicht gebraucht wird.

5. Blackout-Risiko: Steigender Stromverbrauch durch Sektorkopplung

Laut Netzentwicklungsplan wird im Jahr 2035 die Spitzenlast auf rund 106 GW anwachsen von heute 82 GW. Grund dafür ist die Sektorkopplung mit der fortschreitenden Elektrifizierung von Wärmesektor und Transportsektor.

Wir werden in Zukunft statt mit Gas deutlich mehr mit Strom aus Wärmepumpen und Fernwärme heizen. Auch die Mobilität soll sich mehr auf elektrischen Strom verlagern. Dadurch wird sich der Stromverbrauch insgesamt verdoppeln bis verfünffachen. 16

Heizungen werden vor allem im Winter gebraucht. Und je kälter die Außentemperatur ist, desto weniger effizient sind Wärmepumpen. Der Spitzenverbrauch des Jahres wird also auf besonders kalte Wintertage fallen.

Kalte Wintertage tragen wiederum das höchste Risiko für eine mehrtägige Dunkelflaute. Das Zusammentreffen von niedriger Erzeugungsleistung auf hohe Nachfrage ist ein großes Blackout-Risiko.

6. Blackout-Risiko: Komplexität durch intelligente Verbraucher & Smartgrid

Die Spitzenlast soll sich in Zukunft durch Lastmanagement senken lassen. Wenn Wind und Solar nicht liefern, sollen Verbraucher automatisch abgeschaltet werden.

So lässt sich der Verbrauch verschieben auf Zeiten mit viel Wind- und Solarstrom. Gefriertruhe, Waschmaschine oder Pufferspeicher macht es zum Beispiel nichts aus einige Stunden früher oder später anzulaufen.

Durch diese intelligenten Verbraucher steigt allerdings die Vernetzung und Komplexität im Stromnetz. Das sogenannte Smartgrid ist störanfälliger als unser heutiges dummes Netzwerk. 17

Es muss gar kein Terroranschlag per Hackerangriff wie in der Ukraine sein um das Smartgrid lahmzulegen. Es reicht schon ein Softwarefehler, ähnlich einem Flash-Crash durch Algorithmen an der Aktienbörse.

Selbst einfachste Software kann zu unerwarteten Konsequenzen führen, zum Beispiel bei der 50,2- und 49,5-Hertz-Problematik. Das ist ein Problem auf Erzeugerseite, aber ist genauso auf der Verbraucherseite denkbar.

Stromausfall vermeiden: mehr Versorgungssicherheit im Kraftwerkspark

Ursprünglich sollten im Zuge der Energiewende mehr als 100 Gaskraftwerke in Reserve gesicherte Leistung bereitstellen. Dies sind die auch in der nationalen Wasserstoff-Strategie beschworenen Langzeitspeicher, die in ferner Zukunft mit sauteurem klimaneutralen Gas laufen sollen. 18

Wir haben aber aktuell nur Gaskraftwerke mit insgesamt 27 GW Kapazität am Strommarkt in Deutschland. Das ist nicht einmal ein Drittel der bis 2035 benötigten gesicherten Leistung. In den nächsten drei Jahren werden nur 2 GW Gaskraftwerke zugebaut 19 und bis 2035 sind laut Netzentwicklungsplan nur 12 GW geplant. Das ist deutlich weniger Zubau als Rückbau durch Atomausstieg und Kohleausstieg.

Wegen der Genehmigungs- und Bauzeiten von 5 bis 7 Jahren müssten die bis 2030 benötigten Gaskraftwerke eigentlich längst in den Startlöchern stehen. Laut RWE und Uniper gibt es aber aktuell kein Geschäftsmodell um Gaskraftwerke profitabel zu betreiben. 20 21 Versorgungssicherheit in Deutschland lohnt sich nicht.

Kurzzeitspeicher wie Batterien sind wegen ihrer viel zu geringen Kapazität nicht für gesicherte Leistung geeignet. Selbst Pumpspeicherkraftwerke haben zu wenig Kapazität.

Brownout: Abschaltbare Lasten vs unkontrollierter Lastabwurf

Das letzte Mittel um bei Strommangel einen Blackout zu vermeiden sind Brownouts. Das sind erzwungene lokale und vorübergehende Lastabwürfe. Man spricht bei diesen bewusst in Kauf genommenen Stromausfällen auch von rollierenden Blackouts.

In Entwicklungsländern mit Strommangel sind Brownouts Alltag. Ich habe viel Zeit in Kathmandu in Nepal verbracht, wo man die Uhr nach dem nachmittäglichen Stromausfall zwischen 14 und 16 Uhr im Bezirk Thamel stellen konnte. Auch auf den Philippinen weiß jedes Kind was ein Brownout ist.

Was in Entwicklungsländern erzwungen wird, soll in Deutschland erkauft werden. Schon heute werden große Industrieverbraucher dafür bezahlt bei Strommangel keinen Strom zu verbrauchen. Auf der Stromrechnung bezahlst du dafür die AbLastV-Umlage, nach der Verordnung zu abschaltbaren Lasten.

Eigentlich sollte das neue Steuerbare-Verbrauchseinrichtungen-Gesetz diese bezahlten Brownouts auch auf Privathaushalte erweitern, zum Beispiel für Elektroautos und Wärmepumpen. Das Gesetz wurde aber unverständlicherweise nach 2 Jahren Entwurfsphase im Januar 2021 zurückgezogen.

Wenn es keine gesetzliche Grundlage für geplante Abschaltungen bei einzelnen Verbrauchern gibt, wird es in Zukunft womöglich unkontrollierte Brownouts geben. Ob das wirklich die bessere Alternative für die Stromrationierung der Zukunft ist?

Kathmandu lässt grüßen…

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Leseempfehlung: Technik-Thriller “Blackout” von Marc Elsberg

Viele Deutsche glauben ein Stromausfall wird schon nicht so schlimm werden. Du auch?

Tatsächlich führt ein Blackout zu einem wochenlangen Zusammenbruch der Zivilisation mit vielen Todesopfern und schweren Schäden.

Marc Elsberg beschreibt in seinem Technik-Thriller Blackout* die krassen Folgen eines schweren Blackouts in Europa.

Er orientiert sich dabei realitätsnah an der Blackout-Folgen-Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag.

Den Bestseller gibt es auch als Hörbuch bei Audible*.

* amazon-Empfehlungslink, bei Kauf bekomme ich eine Provision

Quellen

  1. Nationale Risikoanalyse von Katastrophen und Notlagen Bundesamt für Bevölkerungsschutz (2020)
  2. Sicherheitspolitische Jahresvorschau Bundesheer (2020)
  3. Folgen eines langandauernden und großräumigen Stromausfalls Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (2011)
  4. Bericht der deutschen Übertragungsnetzbetreiber zur Leistungsbilanz 2018-2022 50Hertz, Amprion, TenneT, TransnetBW (2020)
  5. Gesetz zur Reduzierung und zur Beendigung der Kohleverstromung Bundesamt für Justiz (2020)
  6. Ausschreibung nach dem KVBG / Gebotstermin 1. September 2020 Bundesnetzagentur (2020)
  7. Phänomen Dunkelflaute – Der Kohle-Ausstieg hielt nur acht Tage Welt (2021)
  8. Netzentwicklungsplan Strom 2035 50Hertz, Amprion, TenneT, TransnetBW (2021)
  9. Versorgungssicherheit in Süddeutschland bis 2025 Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (2018)
  10. Für 2035 Gaszubau und Spitzenlast des Netzentwicklungsplan Strom 2035 heruntergerechnet auf Süddeutschland
  11. Report details causes of recent California rolling blackouts Arstechnica (2020)
  12. Quartalsbericht Bundesnetzagentur (2021)
  13. Monitoringbericht Bundesnetzagentur (2021)
  14. Großstörung im UK-Netz am 9. August 2019 Saurugg (2019)
  15. Von der Frequenzregelung mit Schwungmassen (netzstützende Maßnahmen) zur Winkelregelung mit Umrichtern (netzbildende Maßnahmen) Weber (2017)
  16. Sektorkopplung durch die Energiewende Quaschning (2016)
  17. Smart Metering und mögliche Auswirkungen auf die nationale Sicherheit Saurugg (2011)
  18. Dialogprozess Gas BMWI (2019)
  19. Zu- und Rückbau von Kraftwerken Bundesnetzagentur (2021)
  20. RWE reduziert Kraftwerkskapazität um ein Drittel n-TV (2020)
  21. Uniper-Chef: “Die Gefahr eines Blackouts ist da” Welt (2020)

Dieser Beitrag hat 39 Kommentare

  1. Joe Schmidt

    Wow – ein “Technik-Thriller” als Leseempfehlung?
    Wo im Buch nach wenigen Tagen marodierende Horden über das Land ziehen und aus Hunger (!!!) Kühe auf der Weide schlachten. Also wenn das mal keine Meinungsmanipulation durch Angst ist.
    Der europaweite BlackOut im November 2006 war jedenfalls nach wenigen Stunden komplett vorbei.
    Beim Schneechaos im Münsterland (ja, eher ein sehr großer Stromausfall) kamen widrigste Umstände zusammen – aber es gab keine der im Buch skizzierten Horrorszenarien.
    Die aufgezeigten Gefahren sind durchaus real. Aber da man die Gefahren kennt, ist man nicht unvorbereitet. Übrigens ist ein enges Netz mit kleinen, dezentralen Stromerzeugern deutlich robuster als ein weitmaschiges Netz mit Großkraftwerken.
    Hamburg hatte mehrmals großflächige, länger andauernde Stromausfälle durch den unplanmäßigen Ausfall des nahen KKW …

    1. Florian Blümm

      Du kannst auch die Studie vom Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag lesen auf der das Buch basiert, wenn dir das lieber ist. Aber Lesen ist ja eh nicht so deine Stärke, wie wir in dem Energieeffizienz-Artikel festgestellt haben.

      1. Joe Schmidt

        Persönliche Diffamierungen statt sachlicher Argumentation ?

        Gar keine Antwort auf den Verweis zur Umstellung der Netztopologie von großmaschigen Netzen mit wenigen Groß-KWs auf kleinmaschige Netze mit vielen neuen Erzeugern – obwohl die Vorteile auch in Bezug auf die BlackOut-Gefahr auf der Hand liegen?
        Die mehrmaligen großflächigen, länger andauernden Stromausfälle in und um Hamburg durch den unplanmäßigen Ausfall des nahen KKW lassen sich doch einfach nachprüfen?

        Beim nochmaligen Lesen ihres Artikels ist mir dieser Satz aufgefallen:
        “Wenn sowohl Wind als auch Solar ausfallen spricht man von einer Dunkelflaute.”

        Von dieser – durchaus gebräuchlichen und einleuchtenden – Definition verabschieden Sie sich im Artikel “Dunkelflaute: Wie ernst ist der Ausfall von Wind & Solar?” um monatelange Defizite konstruieren zu können?

        Wann erfolgt eigentlich eine Neubewertung des von Ihnen hier angesprochenen “Klumpenrisiko” in Bezug auf die seit Ende 2021 in Frankreich herschende Erzeuger-Flaute bei den KKW? Nach über 1Jahr (zwei Winter lang) sind Anfang 2023 immer noch 15 franz. KKW Stromverbraucher statt Stromerzeuger …

        Europa stand am 17.05.2021 viel näher am BlackOut als in Ihrem Beispiel. Da waren im größten Kohlekraftwerk (“gesicherte Leistung”) der Welt in Plen kurzfristig 10 der elf Kraftwerksblöcke (“Klumpenrisiko”) mit einer Gesamtleistung von 3.640 MW ungeplant vom Netz gegangen. Nur mit Hilfe von Reservelieferungen aus Deutschland, Schweden, Slowakei und Tschechien konnte die Netzsituation insgesamt stabilisiert und so ein Blackout verhindert werden.

  2. Jens Winkelmann

    “Einige dieser Kraftwerke mussten aber kurz nach dem Abschalten wegen mehrerer Dunkelflauten im Januar 2011 reaktiviert werden.”

    Es muss 2021 heißen

  3. Joe Blue

    LOL, was für ein Unsinn. Der VDE hat festgestellt, dass die Ausfallminuten unseres Stromnetzes für um herum 2000 (2000 erfolgte die Öffnung der Strommärkte) bei um 25 Minuten lag – und heute bei 13 Minuten!
    Unser Stromnetz ist also heute quasi doppelt so stabil wie noch 2000.
    Nicht zuletzt durch die stabilisierende Wirkung der schnell schaltbaren Erneuerbaren.
    Nix von wegen höhere Blackoutgefahr durch die Energiewende!

    Hier mal etwas zu Zuverlässigkeit der Stromversorgung in der Bundesrepublik Deutschland. Wenn wir doch immer mehr Erneuerbare zugebaut haben, weshalb ist dann die Versorgungssicherheit mit steigender Anzahl von Solar- und Windanlagen gestiegen?
    https://de.wikipedia.org/wiki/Stromausfall#Zuverl%C3%A4ssigkeit_der_Stromversorgung_in_der_Bundesrepublik_Deutschland

    Hier mal das Stromnetz der (Atomfreien) Zukunft
    https://energiewende.eu/kurzinfo-energiewende-residuallast/

    1. Florian Blümm

      Was haben Ausfallminuten mit einem Blackout zu tun? Der SADI-Index ist völlig unabhängig von der gesicherten Leistung. Bitte den Artikel lesen.

      1. Joe Schmidt

        Zählen Sie zur “gesicherten Leistung” nicht gerade auch KKW?
        Wie werten Sie denn dann die Situation der massiven KKW-Ausfälle seit Ende 2021 in Frankreich, die den gesamten europ. Strommarkt (noch vor dem Ukraine-Krieg) durcheinanderwirbelte ?

        1. Florian Blümm

          Klar zählen die AKW zur gesicherten Leistung. Die haben in Deutschland sogar die höchste Verfügbarkeit von 95%+. In Frankreich wiederum nicht.

          1. Joe Schmidt

            Ob die hohe “Verfügbarkeit” der dt. AKW evtl. damit zu tun hat, dass unsere AKW dank der planmäßigen Abschaltungen eben nicht über die ursprüngliche Einsatzdauern hinaus laufen wie in manch anderen Ländern?
            Frankreich zerstört gerade einige der Mythen zur Stromerzeugung mit Kernenergie.

          2. Florian Blümm

            Mythen zur Kernenergie? Der einzige Mythos, dem du offensichtlich auf den Leim gegangen bist, ist dass französische Kernkraftwerke besonders effizient eingesetzt würden. Das war noch nie so, auch nicht als sie nigelnagelneu waren.

            P.S.
            Die letzten 6 deutschen Kernkraftwerke sind um die 35, also noch viele Jahre entfernt von ihrer Midlife Crisis.

  4. Joe Schmidt

    Zitat:
    “Die letzten 6 deutschen Kernkraftwerke sind um die 35, also noch viele Jahre entfernt von ihrer Midlife Crisis.”

    Ja und?!?
    Als die Zeiträume und Bedingungen für die Abschaltungen in D mit den Betreibern vereinbart und in der Politik verhandelt wurden, waren die Reaktoren sogar noch einige Jahre jünger.
    Hätte man damals vereinbart sie länger am Netz zu lassen – ich hätte kein Problem damit gehabt.
    Wenn die restlichen Bedingungen sinnvoll erfüllt worden wären.
    Warum hat denn die bayr. Regierung sich nicht bspw. im Gegenzug um das notwendige Endlager beworben?
    Man war doch damals mit in der Regierungsverantwortung.
    Und man ist sich doch (fast) sicher, dass es in Bayern keinen geeigneten Standort gibt …
    .
    Erst wenn im Ausland tatsächlich die Verheißungen von GenIV-Reaktoren zumindest ansatzweise erfüllt werden – dann dürfen Sie das Thema gern Stromerzeugung mit Kernenergie in Deutschalnd gern wieder bringen.
    Dezentrale “SmallReactors” mit eigensicherer MSR-Technologie unter marktwirtschaftlichen Bedingungen errichtet – immer her damit für die kommerzielle Stromproduktion. Kann ich bisher nicht erkennen.
    .
    Dass allerdings heutige KKW nicht unbedingt die BlackOut-Gefahr veringern – das ist seit Jahren bekannt und wir erleben es wir ja seit Ende 2021 besonders deutlich.

    1. Florian Blümm

      Jedes Bundesland hat sich um das Endlager “beworben”. Es gibt nämlich bei der Auswahl des 3. Atommüllendlagers kein Vetorecht oder politische Beeinflussung.

      Warum auf nicht existierende Technologie warten, wenn wir bewährte AKW der Generationen 2 und 3 haben?

      1. Joe Schmidt

        Weil sich diese bspw. als gesamtgesellschaftlich unwirtschaftlich erwiesen haben?
        Oder warum schafft es die Atomnation Frankreich nicht, ihren KKW-Park zu modernisieren?
        Eine “grüne Blockadehaltung” kann ich in Frankreich nicht als Grund erkennen.

        1. Florian Blümm

          Frankreich hat jahrzehntelang unter dem Anti-Atomwahn der letzten Regierungen vom Bestand gezehrt. An eine Modernisierung war bis vor ~2 Jahren nicht einmal zu denken, geschweige denn ein Neubauprogramm.

          Hier eine interessante Decouple-Episode über Frankreich. Ich glaube du hast da viele Falschvorstellungen.

          1. Joe Schmidt

            Ich denke eher, Sie wollen “Falschvorstellungen” etablieren, wenn Sie einen jahrzehntelangen (!!!) “Anti-Atomwahn der letzten Regierungen” in Frankreich konstruieren wollen.
            Denn das hätte diese Regierungen ja nicht davon abhalten sollen, dann eben ausreichend alternative Stromerzeugung zu den KKW aufzubauen. Es sei denn – es fehlt schlicht das Geld, …
            Dass man in Frankreich bspw. seit Jahrzehnten in die Subventionierung der Strompreise gesteckt hat, um das Märchen vom billigen Atomstrom und den sozialen Frieden aufrecht zu erhalten.
            2022 war in Frankreich Präsidentenwahlkampf und so wurde die EDF angewiesen, Strom unter Börsenwert zu verkaufen.
            Mitte 2022 musste die EDF als Betreiber auch der franz. KKW dann verstaatlicht werden, um ihn vor der Insolvenz zu schützen.

          2. Florian Blümm

            In Frankreich wurden die Strompreise subventioniert? Das würde ich jetzt aber gerne genauer wissen.

            Dass EdF 100 TWh pro Jahr an Konkurrenten für 42 €/MWh verkaufen muss ist das Gegenteil einer Subvention. Das ist ein Geldloch.

  5. Joe Schmidt

    Zitat:
    “Dass EdF 100 TWh pro Jahr an Konkurrenten für 42 €/MWh verkaufen muss ist das Gegenteil einer Subvention. Das ist ein Geldloch.”
    .
    Für die staatlich dominierte EDF ist das tatsächlich ein Geldloch – beziffert mit einem Verlust von ca. 8Mrd.€ und deutlich geworden in einem weiteren Absturz des Börsenkurses.
    Für die Stromhändler und Stromkunden in Frankreich, an die der Strom verbilligt abgegeben werden musste ist es aber doch wohl eine Subventionierung – oder nicht?
    Wer zahlt wohl überhaupt in Frankreich die Differenz zu den deutlich höheren Preisen, die man für die am Spotmarkt nachzukaufenden Strommengen berappen musste, weil die EDF ihre Terminvlieferverpflichtungen nicht einhalten konnte??
    Wer übernimmt die Kostendifferenz, wenn die Stromversorger ihren Kunden nicht die tatsächlichen Beschaffungskosten in Rechnung stellen dürfen?
    Denn dass es in Frankreich einen Strompreisdeckel bis Ende 2022 gab, wissen Sie doch bestimmt.
    .
    Die zwölf Reaktoren Blayais 4, Bugey 5, Cattenom 2, Civaux 1, Dampierre 1, Dampierre 3, Golfech 2, Gravelines 1, Gravelines 6, Penly 1, St. Laurent 1 und Tricastin 1 haben im Monat November 2021 keinen Strom mehr geliefert.

    1. Florian Blümm

      Wenn die Versorger den billigen Strom 1:1 weitergeben würden, dann wäre das richtig. Dafür besteht aber afaik keine Verpflichtung.

      Von der Verramschung von 100 TWh (!) bei 4,2 Ct/kWh zu den französischen Verbraucherpreisen von ~20 Ct/kWh in 2021/2022 ist es aber noch ein weiter Schritt, selbst wenn man Steuern, Verbindungesgebühren etc. berücksichtigt.

      Natürlich ist der deutsche Strompreis noch deutlich höher, bei gleichzeitig deutlich klimaschädlicherem Strom.

      1. Joe Schmidt

        Das Problem ist doch wohl, dass die Stromhändler mit den “überlassenen” Energiemengen nur einen Teil Ihrer Verluste ausgöeichen können.
        Sie selbst schreiben von “französischen Verbraucherpreisen von ~20 Ct/kWh in 2021/2022” – schon die Beschaffungskosten am Spotmarkt (und darauf ist man eben wegen der in Frankreich ausgefallenen eigenen KKW-Erzeugerkapazitäten angewiesen) lagen in diesem Zeitrum teilweise über 20Ct/kWh …
        .
        Im übrigen sind Sie auch wieder nicht auf Ihre Behauptung “jahrzehntelang unter dem Anti-Atomwahn der letzten Regierungen” in Frankreich eingegangen. Weil es diesen schlicht nicht gab.
        In Frankreich gab und gibt es keine grundsätzliche Ablehnung von Stromerzeugung mit Kernenergie. Der einzige Grund, warum es nur den einen seit 2007 im Bau befindlichen Ersatzreaktor gibt, ist schlichter Geldmangel. Weil Atomstrom teurer ist, als man eingestehen will.

        1. Florian Blümm

          In Frankreich gab es also keine politische Bewegung gegen die Kernkraftnutzung?

          Komisch bei diesen noch ziemlich frischen politischen Entscheidungen:

          • 2014 wurde im Energy Transition for Green Growth Gesetz beschlossen den Kernkraftanteil bis 2025 auf 50% zu senken
          • 2020 wurden die Reaktoren in Fessenheim stillgelegt
          • 2020 wurde vorgeschlagen bis 2027/2028 die Reaktoren in Blayais, Bugey, Chinon, Cruas, Dampierre, Gravelines und Tricastin stillzulegen

          Ich verweise hier gerne zum zweiten Mal auf den Decouple-Podcast zu eben diesem Thema. Du kannst dich zu dem Thema auch bei Voices of Nuclear informieren.

          Mal ne persönliche Bitte. Du unterstellst mir hier in den Kommentaren dauernd irgendwelchen Bullshit, der sich bisher JEDES EINZIGE MAL als falsch entpuppt hat. Du holst dir ständig ne blutige Nase und ziehst überhaupt keine Konsequenzen daraus.

          Kannst du bitte in Zukunft deine Hausaufgaben machen, insbesondere mal ne kurze Google-Suche zu deinen Behauptungen. Meine Geduld ist nach 100 (!) solchen Kommentaren aufgebraucht. Ich behaupte doch auch nur das, was ich belegen kann.

  6. Joe Schmidt

    Die angeführten Punkte fußen nicht auf einer “politische Bewegung gegen die Kernkraftnutzung” in Frankreich – sondern ganz pragmatisch auf wirtschaftlichen und politischen Erwägungen und Entscheidungen. Kernenergie zur Stromerzeugung ist schlicht (entgegen Ihrem Mantra mit den geschönten Zahlen) zu teuer geworden – gerade in Frankreich mittlerweile gut sichtbar.
    Die Stilllegung von Fessenheim taugt ja nun nicht gerade für “Anti-Atom”, sondern eher für “Pro-Sicherheit” (Erdbebenrisiko, veraltetes Containment, …). Wenn die ursprüngliche Stilllegung der Reaktoren in Fessenheimvon von Ende 2016 auf Mitte 2020 verschoben wurde, spricht das auch eher gegen eine Dominanz einer “politische Bewegung gegen die Kernkraftnutzung” in Frankreich.
    .
    Twitter und YT sehe ich nur selten als reputable Quellen an.
    Verschwörungstheorien gegen die Kernenergie in Frankreich … das wird es wohl sein.
    Danach ist also diese “politische Bewegung gegen die Kernkraftnutzung” in Frankreich sogar für “das ewige Hinauszögern des Starts der Erneuerung der Kernkraftwerksflotte” (und nicht etwa simpler Geldmangel) verantwortlich.
    Vermutlich sabotieren diese Kräfte seit Jahren die Fertigstellung des Block 3 im Kernkraftwerk Flamanville. (Vorsicht: Sarkasmus)
    Es bleibt abzuwarten, ob die von der französische Atomaufsicht Autorité de sûreté nucléaire (ASN) geforderten Reparaturen /Nachrüstungen an den 32 ältesten Reaktoren als Bedingung für eine Laufzeitverlängerung finanziell gestemmt werden können – oder ob man nicht doch noch weitere Reaktoren abschaltet. Kann man ja versuchen, der “politische Bewegung gegen die Kernkraftnutzung” anzulasten.
    .
    Und dass Sie nur behaupten, was Sie belegen können, ist schlicht auch nicht richtig.
    Nein, bspw. die Energie ist für die Bürger in Deutschland nicht am teuersten, selbst wenn die Preise am höchsten sind – denn die Kaufkraft /Lohnniveau ist in Deutschland vielfach höher als in anderen Staaten.
    Und es ist durchaus möglich, Mitteleuropa mit EE-Strom bspw. aus Portugal zu versorgen – viel eher möglich als wie von Ihnen behauptet /gewünscht dutzende neue KKW zu bauen.
    Und Sie haben auch bestritten, dass die meisten der aktuellen Reaktorabschaltungen in Frankreich aus Sicherheitserwägungen erfolgten – obwohl als offizielle Ursache Korrosionsprobleme und Risse in sicherheitskritischen Bereichen benannt sind.
    .
    Also stimmt auch Ihre Behauptung von “JEDES EINZIGE MAL als falsch entpuppt hat” auch wieder nicht. Es gibt glücklicherweise etliche Kommentatoren, die auf gleiche /ähnliche Sachverhalte hinweisen wie ich und ihre tendenziösen Darstellungen zu Gunsten der Kernenergie kritisieren. Wozu also die persönlichen Anfeindungen?

    1. Florian Blümm

      Es ist mir völlig wurscht, wie du versuchst 20 Jahre Anti-Kernkraftpolitik in Frankreich zu rationalisieren. Hauptsache wir sind uns einig, dass es für die Zukunftssicherheit der Branche desaströs war. Zum Glück wird nach dem Martyrium von Fessenheim nie wieder ein französischer Reaktor Jahrzehnte vor Lebensende abgeschaltet werden.

      Die extrem hohen Strompreise in Deutschland sind in diesem Artikel ausführlich belegt mit gleich 2 Quellen. Von Kaufkraft steht da überhaupt nix. Die Gehälter spielen bei der Energieversorgung auch nur eine untergeordnete Rolle und erklären die hohen Strompreise in Deutschland überhaupt nicht.

      Genau, wozu die ganzen persönlichen Anfeindungen in mehr als 100 Kommentaren? Such dir bitte in Zukunft ein anderes Hobby. Ich habe keine Geduld mehr für deine Spielchen.

  7. Joe Schmidt

    Zitat:
    “Hauptsache wir sind uns einig, dass es für die Zukunftssicherheit der Branche desaströs war.”

    Fessenheim ging 1978 in Betrieb. Bei einer Abschaltung in 2020 nach 42 Jahren von “Jahrzehnte vor Lebensende” zu schreiben ist schon interessant. Abgesehen davon, dass es wohl weniger die “politische Bewegung gegen die Kernkraftnutzung in Frankreich” war, sondern eher deutsche Befindlichkeiten, die auf eine Abschaltung drängten.
    Es hätte Frankreich wohl niemand gehindert, bspw. am Atlantik ein Ersatz-KKW hinzustellen – dort altern die Reaktoren ja auch.
    Um die Zukunft der Kernenergiebranche in Frankreich mache ich mir kaum Sorgen da Frankreich ja auch eine Atomwaffennation ist.
    Man braucht also das KnowHow sowohl für den zivilen, als auch für den militärischen Bereich.
    Da wird sich immer Geld finden.
    Außerdem hat Macron doch jetzt ambitionierte Ziele formuliert – politischer Rückenwind – und über die EU-Taxonomie ein Argument für Neufinanzierungen. Mal sehen, was real dabei herauskommt.
    Die CitiBank formulierte jedenfalls 2009: “New Nuclear – The Economics Say No” – völlig unverdächtig gegenüber irgendwelcher “politische Bewegung gegen die Kernkraftnutzung”.

    Ja, in Ihrem verlinkten Artikel zu den hohen Strompreisen in Deutschland wurden Sie ja auch von andere Foristen auf “Unzulänglichkeiten” in der Argumentation hingewiesen. Nicht die reinen Zahlen wurden da kritisiert.

    1. Florian Blümm

      Jedes Kernkraftwerk, welches Jahrzehnte vor seinem Lebensende abgeschaltet wird ist eine Katastrophe für Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Das gilt auch und gerade für Fessenheim, welches gerade mal etwas mehr als 40 Jahre am Netz war und mindestens noch einmal so lang hätte sein können.

  8. Joe Schmidt

    Also grundsätzlich gebe ich Ihnen Recht – hatten wir ja oben schon mal mit der Abschaltung der dt. AKW.
    Nur die 80+ Jahre Laufzeit, tut mir leid.
    Da ist das KKW nicht nur moralisch verschlissen – trotz (hoffentlich) ständiger Wartung.
    Schauen wir nach Belgien: Mitte 2025 sollen dort Doel4 und Tihange3 für 1,5 Jahre abgeschalten und modernisiert werden, um danach noch einmal 10 Jahre länger laufen zu können.
    Mal vom Zeitplan abgesehen, der bisher bei KKW selten (nie?) eingehalten wurde, kostet das eine Stange Geld, die Hälfte soll wohl der Steuerzahler berappen. Da kommen Sie mit Ihren Wunschkosten nicht ansatzweise hin. Atomstrom ist teuer und wird immer teurer, je älter und anfälliger die KKW werden.

    1. Florian Blümm

      Verschleißteile werden in Kernkraftwerken jedes Jahr bei der Revision ersetzt. Das einzige, was nicht ersetzt werden kann ist der Reaktordruckbehälter.

      Bisher musste noch kein einziger von rund 500 Leichtwasserreaktoren weltweit aus Altersgründen stillgelegt werden, auch Fessenheim nicht, siehe diesen Twitter-Thread.

      Natürlich kostet der Weiterbetrieb von AKW Geld. Die Laufzeitverlängerung über ein willkürliches Abschaltdatum hinaus ist aber mit Abstand die günstigste Form der Stromerzeugung.

  9. Joe Schmidt

    Also die mit Abstand billigste Stromerzeugung ist der Weiterbetrieb von PV nach dem Abschreibungszeitraum.
    Dass Deine Berechnungen /Annahmen Makulatur sind, wird in vielen Kommentaren und seit >1Jahr in Frankreich auch in der Realität deutlich. Noch immer verbrauchen dort 15 Reaktoren Strom, anstatt zu produzieren und es gibt weder ein BackUp, noch Speicher dafür in Frankreich.
    Wo bleibt die Korrektur Deiner “Vollkostenberechnung”?

      1. Joe Schmidt

        Klar dass Frankreich für jeden Fan der Stromerzeugung aus Kernenergie spätestens seit den dutzenden ungeplanter Ausfälle ab Ende 2021 ein Argumentationsproblem schafft. Auch wenn es die Franzosen (noch) nicht voll mit ihren Stromrechnungen bezahlen müssen – Atomstrom ist teuer und wird immer teurer.
        .
        Dass es bei einigen KKW in Deutschland auch immer wieder Probleme gab (einer gar kurz nach Inbetriebnahme wieder abgeschaltet werden wurde) und genau diese “schlechten Reaktoren” jetzt in Deutschland zuerst abgeschaltet wurden, blendest Du aus?
        Ebenso die Tatsache, dass Deine deutschen “Vorzeigereaktoren” eben noch nicht so alt sind wie die französischen Reaktoren und es daher reine Spekulation ist, wie sich deren Zuverlässigkeit entwickelt hätte, wenn man sie nicht abgeschalten hätte /bald abschalten würde?
        Dafür fabulierst Du von Betriebszeiten von 80 Jahren und bezeichnest diesen Strom dann gar noch als günstig.
        .
        Die in Belgien angedachte Laufzeitverlängerung kostet nach ersten Schätzungen nicht nur 1,5Jahre Stillstand, sondern auch 18Mrd.€ an Investitionen und Kosten – die Hälfte davon soll der Staat /Steuerzahler tragen.
        Wenn ich dies grob mit den 10 Jahren zusätzliche Laufzeit /Stromerzeugung ins Verhältnis setze, lande ich bei >10Ct/kWh und die tatsächlichen Stillstandszeiten und Umrüstungskosten werden wohl eher höher ausfallen.

        1. Florian Blümm

          Wie gesagt, ich habe nix gegen Frankreich. Lieber das richtige inkompetent machen, als das Falsche kompetent.

          Mir stößt es nur auf, wenn fundamendale Atmokraftgegner wie du keine anderen Argumente haben außer “Frankreich”. Es gibt 450 aktive Reaktoren auf der Welt, aber die ~25 C4- und N4-Reaktoren in Frankreich zeigen, dass Kernkraft ein systematisches Problem hat? Wie wäre es mit etwas intellektueller Ehrlichkeit?

          1. Joe Schmidt

            Zitat:
            “Mir stößt es nur auf, wenn fundamendale Atmokraftgegner wie du keine anderen Argumente haben außer “Frankreich””
            .
            Dann sollten Sie meine Beiträge genauer lesen – bspw. den Hinweis auf Belgien.
            Oder die Richtigstellung von PV als billigste Stromerzeugungsart.
            .
            Das Hauptargument der gesellschaftlichen Unwirtschaftlichkeit /des teuren Atomstromes versuchen Sie ja systematisch zu leugnen, bspw. mit falschen Kostendarstellungen in ihrem verlinkten Beitrag.
            Ebenso konstruieren Sie hier in diesem Beitrag hier ein steigendes BlackOut-Risiko u.a. durch steigenden Anteil an EE-Strom, was nachweislich nicht stimmt. Dagegen ist eben das steigende BlackOut-Risiko seit Jahren real in Frankreich – wegen der vielen KKW und u.a. der damit verbundenen Stromnutzung durch Direktstromheizungen. Mit Auswirkungen auf ganz Europa. Frankreich ist nun einmal das Land mit dem höchsten Atomstromanteil in Europa. Da ist es wohl logisch /legitim, es anzuführen, wenn Menschen wie Sie Stromgewinnung aus Kernenergie hier für Europa priorisieren wollen.
            .
            Sie wollen den Eindruck vermitteln, ein normaler, technisch interessierter Blogger mit objektiver Betrachtung zu sein. Das stimmt eben nicht, denn Sie argumentieren stark selektiv zugunsten der Kernenergie.
            Im Abschnitt hier: “Fehlende Regelenergie bei hohem Anteil Solar & Wind” vermisse ich bspw. Hinweise auf die automatische kontinuierliche Abregelung von EE-Erzeugern bei zu hoher Netzfrequenz – das ist aktive Netzregelung und zusätzliche Sicherheit.
            Im Forschungsprojekt „GridLoads“ stellen die großen WKA übrigens direkt Momentanreserve über die Masse ihrer Rotorblätter zur Verfügung – kein Wort davon hier.
            Unbenannt im Beitrag auch die Regelleistung, die bspw. durch Interkonnektoren wie NordLink (2021 fertiggestellt) bereitgestellt wird – zur Erhöhung der Netz- /Versorgungssicherheit.
            Oder die Blindstromgeneratoren, die an alten, stillgelegten konventionellen KW-Standorten für die Sicherstellung der Momentanreserve installiert werden. So bspw. schon 2015 (!) nach der Stilllegung des AKW Grafenrheinfeld im neuen Umspannwerksstandort in Bergrheinfeld.

          2. Florian Blümm

            Ich leugne nicht, dass Solarenergie billig ist, wenn die Sonne scheint. Deutschland ist aber ein Land mit sehr sehr wenigen Sonnenstunden und einer ausgeprägten kalten Jahreszeit. Heißt Solar ist nicht mehr als ein Sahnehäubchen auf dem Kohlehaufen.

            Regelenergie hilft überhaupt gar nichts bei einer Dunkelflaute.

  10. Joe Schmidt

    Zitat:
    “Regelenergie hilft überhaupt gar nichts bei einer Dunkelflaute.”
    Stimmt.
    Deswegen gibt es ja auch schon immer das Zusammenspiel verschiedener Erzeuger /Einspeiser und Netzinstrumente /Regelmechanismen.
    Um sicherzustellen, dass Angebot und Nachfrage sich jederzeit die Waage halten.
    KKW helfen auch nur wenig, wenn Regelenergie gebraucht wird. Die Momentanreserve kann ja auch anders bereitgestellt werden.
    .
    Im übrigen behaupten Sie, Strom aus KKW sei billiger als Solarstrom (in Deutschland) – das ist schlicht falsch wie Ihre “Vollkostenrechnung”.

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