Hochrisiko mit Habeck: Keine Laufzeitverlängerung trotz Energiekrise

Der Wirtschaftsminister lehnt eine Laufzeitverlängerung der AKW trotz Energiekrise ab. Wir bekommen eine Hochrisikopolitik statt einer “Hochrisikotechnologie”.

Ich bin ein Meister der Prokrastination. Aber bei Robert Habeck kann ich noch dazu lernen.

4 Monate überlegte er wegen der Laufzeitverlängerung der AKW, nachdem die Energiekrise schon 6 Monate alt war.

Dann schob er einen Stresstest vor, der weitere 2 Monate dauerte.

Nun vertagte der Wirtschaftsminister bei 2 von 6 AKW die Entscheidung um weitere 6 Monate. Sie sollen keinen Strom mehr erzeugen, sondern in Reserve bleiben.

Bei den restlichen 4 Kernkraftwerken steht die Entscheidung: Sie werden trotz Energiekrise und neuen Strompreisrekorden im Winter 2022/2023 abgeschaltet.

Für Unternehmen und Privatleute bleiben die Stromkosten hoch ohne die AKW. Erste soziale Unruhen wegen hoher Energiekosten gab es schon.

Wir fallen außerdem unseren europäischen Nachbarn in den Rücken. Deutschland fordert Solidarität, aber verschlimmert die Energiekrise ohne Weiteres.

Bei der sicheren Atomkraft spricht Habeck von “Hochrisiko”. Aber bei Versorgungssicherheit, politischen und sozialen Konflikten ist ihm offensichtlich kein Risiko zu hoch.

Energiekrise 2021-2022: Gaskrise & Stromkrise

Strompreise am Spotmarkt bis September 2022 - Hochrisiko mit Habeck: Keine Laufzeitverlängerung trotz Energiekrise

Die Gaskrise feierte längst ihren ersten Geburtstag. Russland drosselte schon im August 2021 den Zufluss durch die Jamal-Pipeline und leerte Gasspeicher im Besitz von Gasprom. Seit September 2022 fließt nun überhaupt kein russisches Gas mehr.

Auch die Stromkrise begleitet uns mehr als ein Jahr. Schon im September 2021 wurden die Strompreise am Spotmarkt dreistellig. (siehe Graph oben)1 Im Januar 2021 stiegen sie erstmals auf über 200 Euro im Monatsmittel.

Die Stromkrise verschärfte sich im Sommer 2022 extrem:

  • Hohe Strompreise durch Kopplung an hohe Gaspreise
  • Wartungsprobleme bei französischen Kernkraftwerken
  • Niedrige Produktion von Wasserkraftwerken wegen Dürre
  • Lieferprobleme für Steinkohle wegen niedriger Flussstände

Es war aber nicht nötig die Eskalation im Sommer abzuwarten. Mit dem Ukrainekrieg war eine dauerhafte Stromkrise besiegelt. Ein Blick an die Strombörse mit immer neuen Rekordpreisen im Januar und April 2022 zeigte das ohne jeden Stresstest.

In einer Stromkrise zählt jede Kilowattstunde. Unsere 6 Kernkraftwerke erzeugen 65 Millionen kWh pro Jahr, sind klimafreundlich und günstig. Auch um darin einen Nutzen zu sehen, braucht man keinen Stresstest. Trotzdem machten wir einen.

Ergebnis des 2. Stresstests: Unterversorgung ist wahrscheinlich

Versorgungssicherheit in Sueddeutschland bis 2035 - Hochrisiko mit Habeck: Keine Laufzeitverlängerung trotz Energiekrise

Was bedeutet der Strommangel für Deutschland? Was sind die Auswirkungen auf Süddeutschland, wo es schon vor der Energiekrise eine Versorgungslücke wegen der wenigen Kohlekraftwerke gab?

Der sogenannte Stresstest der Übertragungsnetzbetreiber sollte das klären mit 3 Szenarien zunehmender Komplikationen: vom einfachen “1+” bis zum schwierigen “3+”.

Die Ergebnisse dieses Analyse vom September 2022 in Kurzfassung sind:2

  • in allen 3 Szenarien kommt es zu einer Lastunterdeckung laut Leistungsbilanz im Strommarkt von bis zu 7 GW (1+/2+) und bis zu 19 GW (3+)
  • in allen 3 Szenarien kommt es zu Netzengpässen mit nötigem Ausgleich aus Nachbarländern von bis zu 4-5 GW (1+/2+) und bis zu 9 GW (3+)

Die Netzbetreiber empfehlen deshalb dringend die

“Nutzung aller Möglichkeiten zur Erhöhung der Strom-Erzeugungs- und Transportkapazitäten”

Dazu gehört laut Netzbetreibern explizit der Weiterbetrieb der 3 noch aktiven Kernkraftwerke im Streckbetrieb:

“Verfügbarkeit der KKW ist ein weiterer Baustein zur Beherrschung kritischer Situationen (siehe Analyseergebnisse).”

Wenn die empfohlenen Maßnahmen nicht durchgeführt werden oder nicht ausreichen, müssen laut Netzbetreibern Verbraucher vom Netz genommen werden. Der Strom wird abgestellt.

Habecks Entscheidung: Trotz Empfehlung keine Laufzeitverlängerung

Sicherste Energiequellen nach Todesopfern ohne Klimawandel - Hochrisiko mit Habeck: Keine Laufzeitverlängerung trotz Energiekrise

Habeck hat seit mindestens Februar die Entscheidung zur Laufzeitverlängerung verschleppt und nach gut 4 Monaten Aufschieben auf den Stresstest der Übertragungsnetzbetreiber vertröstet.

Noch eine Woche vor Verkündigung der Ergebnisse des Stresstests verwies er beim Tag der offenen Tür im BMWI auf die Berechnungen der Übertragungsnetzbetreiber :

“Mit der Frage muss man sich auseinandersetzen und das tun wir. Und dann kucken wir, was dabei rauskommt. Das ist komplex, das machen die Netzbetreiber.”

Die Ergebnisse der Netzbetreiber haben Habeck wohl nicht gefallen. Obwohl der Stresstest einen Weiterbetrieb der AKW empfiehlt, erteilt Habeck der Laufzeitverlängerung eine Absage.

Er hatte wohl nie vor, die Laufzeit der Kernkraftwerke zu verlängern. Wenn die Ergebnisse des Stresstests gar keine Rolle spielen, war dieser offensichtlich nur vorgeschoben.

Hochrisiko? 6 Kernkraftwerke können verlängert werden

Risiko von Katastrophen Notlagen AKW - Hochrisiko mit Habeck: Keine Laufzeitverlängerung trotz Energiekrise

Immerhin, nach 6 Monaten Falschinformationen über angebliche Hinderungsgründe, muss Habeck endlich zugegeben, dass die Kernkraftwerke auch 2023 sicher und betriebsbereit sind – selbst ohne neue Brennstäbe.

In der Pressekonferenz zum Stresstest verbreitet er erstmals in diesem Jahr keine Falschinformationen zu Sicherheitsprüfungen, Streckbetrieb und dem angeblich nicht existierenden Stromproblem. (!)

Sein einziges verbliebenes Argument gegen AKW ist das der “Hochrisikotechnologie”. Das ist schon wieder offensichtlich falsch. Kernkraft ist die sicherste Energiequelle, die wir haben.

Die Kohlekraftwerke, die Habeck statt den Kernkraftwerken zurück ans Netz holen will, sind hingegen die tödlichsten Stromerzeuger. Sie haben außerdem die höchsten CO2-Emissionen, Kernkraft die niedrigsten. Die Versorgung mit teurer Steinkohle aus Kolumbien und Australien ist nicht einmal gesichert.

Und dann haben wir noch nicht über das Hochrisiko einer wahrscheinlich gewordeneren Strommangellage geredet. Deren Auswirkungen sind um eine Größenordnung verheerender als die der schlimmsten Kernschmelze.3

Strompreise: Kostenentlastung durch Kernkraftwerke

Vollkosten nach Stromerzeuger in Deutschland 3 7 brennstoff - Hochrisiko mit Habeck: Keine Laufzeitverlängerung trotz Energiekrise

Laut Stresstest können die 3 noch aktiven Kernkraftwerke einen messbaren Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten und die Wahrscheinlichkeit einer Strommangellage verringern.

Es geht aber nicht nur um Blackouts. Ebenso wichtig wie Leistungsbilanz und Regelenergie sind die niedrigen Kosten von AKW, insbesondere Brennstoffkosten bzw. variable Kosten.

Wegen dem Merit-Order-Effekt an der Strombörse können günstige Kernkraftwerke die hohen Strompreise reduzieren. Habeck bezeichnet in der Pressekonferenz die Preissenkung durch AKW als insignifikant. Dafür gibt es meines Wissens keinen Beleg. Der Stresstest untersucht das gar nicht.

Tatsächlich würde schon die Ankündigung einer Laufzeitverlängerung von 6 Kernkraftwerken sofort die Strompreise für 2023 am Terminmarkt senken. Freie Märkte preisen neue Informationen sofort ein.

Stattdessen ist der Strompreis für Grundlast bei aktuell :

  • 865 Euro/MWh im Januar 2023
  • 872 Euro/MWh im Februar 2023

Die Preise bleiben extrem hoch bis Mitte 2024 und werden erst 2026 (!) wieder zweistellig. 4 So lange dauert es vermutlich, bis deutsche LNG-Terminals gebaut sind.

Zur Einordnung: Im Januar/Februar 2021 und davor kostete die Megawattstunde Grundlast noch rund 60 Euro, also weniger als ein Zehntel. So viel zur absurden Behauptung, wir hätten kein Stromproblem.

Kernkraftwerke in Reserve: Wie sinnvoll ist das?

Strompreise am Terminmarkt in der Energiekrise - Hochrisiko mit Habeck: Keine Laufzeitverlängerung trotz Energiekrise

Statt zumindest die 3 noch aktiven Kernkraftwerke am Netz zu lassen, sollen sie in die Reserve gehen. Sie bleiben betriebsbereit, aber erzeugen keinen Strom mehr.

Wir tragen also alle Kosten wie im normalen Betrieb, haben aber keinen Nutzen davon. Das ist , wie Wirtschaftsweise Professorin Grimm sagt “die schlechteste aller Lösungen”.

Das modernste deutsche Kernkraftwerk Emsland soll nicht einmal in die Reserve, sondern komplett abgeschaltet werden. Es steht in Niedersachsen, wo im Oktober Landtagswahlen sind.

Auch die 3 Kernkraftwerke, die zum 31.12.2021 abgeschaltet wurden, sollen nicht mehr ans Netz gehen, nicht einmal in die Reserve. Ein Grund dafür wurde nicht angegeben.

Die Reserve soll im 2. Quartal 2023 beendet werden, egal ob sie danach noch gebraucht wird. Die Gasspeicher werden 2023 aber noch schwerer zu füllen sein als 2022 und die Strompreise bleiben bis 2026 hoch.

Es gibt außerdem offene Fragen zu Habecks Idee einer Kernkraft-Reserve:

  • Ist es sinnvoll in einer absoluten Notlage neue Konzepte auszuprobieren, wie eine noch nie ausprobierte AKW-Reserve?
  • Was nützt eine Reserve mit einer Woche Aktivierungszeit gegen kurzfristigen Strommangel?
  • Dürfen AKW mit niedriger Kühlmitteltemperatur im Streckbetrieb überhaupt wieder angefahren werden?
  • Können Kernkraftwerke mitten in einem als besonders streng anzunehmenden Winter aus kaltem Betriebszustand gestartet werden?
  • Sind die AKW-Betreiber bereit einen aufwendigen Betrieb als Notreserve zu ermöglichen – können die Netzbetreiber ihn erzwingen?

Habeck hat seine überraschende Entscheidung Isar2 und Neckarwestheim in die Reserve zu stecken wohl nicht einmal mit den Betreibern dieser Kraftwerke abgesprochen.

PreussenElektra, Tochter von E.On und Betreiber von Isar 2 hat sich bereits geäußert, dass der Reservebetrieb nicht technisch machbar wäre.

Umfragen zur Notreserve

Notbetrieb vs Laufzeitverlaengerung vs Atomausstieg - Hochrisiko mit Habeck: Keine Laufzeitverlängerung trotz Energiekrise

Auch die deutschen Bürger scheint Habecks Idee einer Notreserve nicht zu überzeugen. In 2 Umfragen vom September 2022 sind 15% bis 32% der Befragten dafür:

  • 54% Laufzeitverlängerung, 32% Notreserve, 12% Atomausstieg
    von Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag von ZDF Politbarometer 5
  • 67% Laufzeitverlängerung, 15% Notreserve, 16% Atomausstieg
    von Civey im Auftrag von 1&1 Internet6
  • Eine Mehrheit von 54% bis 67% der Deutschen ist weiterhin für eine Laufzeitverlängerung über mehrere Jahre. Nur 12% bis 16% sind für einen vollständigen Ausstieg.

    Fazit: Partei & Ideologie über Bürger & Pragmatismus

    Habeck gibt sich gerne als Pragmatiker. Beim Atomausstieg richtet er sich aber nach Interessen seiner Partei statt denen der Bürger.

    Statt zu handeln, schiebt er auf und vertröstet auf Experten, nur um deren Ratschläge dann zu ignorieren. Merkel hätte wahrscheinlich im März die Laufzeitverlängerung beschlossen, ohne den unnötigen Stresstest.

    Viele Deutsche haben es Habeck zugetraut, über seinen Schatten zu springen, zugegeben: ich war einer davon. Er hat uns leider enttäuscht. Vielleicht war es schon immer Wunschdenken, dass ein grüner Minister den Atomausstieg rational bewerten würde.

    Habeck spricht gerne von der abstrakten “Hochrisikotechnologie Atomkraft”. Aber bei seiner Risikoabwägung vergisst er die ganz realen Gefahren, die sich aus einer verhinderten Laufzeitverlängerung ergeben.

    Es gibt nun mehrere Szenarien:

    1. Blackout durch Strommangel (unwahrscheinlich)
    2. Strompreise sinken (unwahrscheinlich)
    3. Strompreise bleiben hoch (höchstwahrscheinlich)

    Mit seinem Fokus auf unwahrscheinliche Blackouts übersieht Habeck die eigentliche Gefahr der hohen Strompreise über Monate und Jahre. Bei einer Insolvenzwelle oder sozialen Unruhen wird die Schuld auf ihn zurückfallen.

    Habeck hat durch die grundlose Verhinderung der Laufzeitverlängerung den schwarzen Peter bereitwillig an sich gerissen. Er kann nicht mehr behaupten, er hätte alles getan, um Schaden vom deutschen Volk abzuwenden.

    Quellen

    1. Börsenstrompreise Energy-Charts (2022)
    2. Sonderanalysen Winter 2022/2023 Übertragunsnetzbetreiber (2022)
    3. Nationale Risikoanalyse von Katastrophen und Notlagen Bundesamt für Bevölkerungsschutz (2020)
    4. German Power Baseload Calenda Month Futures CME Group (2022)
    5. Politbarometer September I 2022 Forschungsgruppe Wahlen (2022)
    6. Wie sollte Ihrer Meinung nach mit den drei derzeit noch laufenden deutschen Atomkraftwerken verfahren werden? Civey (2022)

    Dieser Beitrag hat 15 Kommentare

    1. dot

      Die Aussage Wegen dem Merit-Order-Effekt an der Strombörse können günstige Kernkraftwerke die hohen Strompreise reduzieren. bräuchte meines Erachtens einen Beleg oder zumindest eine These, wie das passieren soll. Solange das Marktdesign so ist, wie sie ist, scheint mir das nur realistisch, wenn auch das letzte Watt Last nicht mehr durch ein Gaskraftwerk für 50ct aufwärts / kWh produziert wird. Das scheint mir auch bei einer Laufzeitverlängerung für diesen Winter nicht realistisch – wir sind an Wochentagen immer noch über 8 GW Gas, die Atomkraft nicht ersetzen kann.

        1. dot

          Dann hat entweder IFO-Institut die erste Stunde VWL verpasst, oder man hätte dann doch das Semester durchhalten müssen bis zu dem Punkt wo das idealisierte Modell auf die Realität trifft.

          Wenn die Kernkraftwerke nicht ausreichen, um das _letzte_ flexible (= nicht must-run) Gaskraftwerk aus dem Markt zu drängen, bleibt der Strompreis auf dem gesamten Markt auf dem Niveau mindestens der variablen Kosten dieses Gaskraftwerks.

          1. Florian Blümm

            Genau das lässt sich mit dem Marktgleichgewicht erklären. Durch mehr günstige Erzeuger im Netz bestimmen Gaskraftwerke seltener den Preis.

            Hier ein paar neuere Einschätzungen als die vom IFO-Institut:

            bis 12% Preissenkung bei Verlängerung von 3 AKW (FAU)

            bis 54% Preissenkung bei VErlängerung von 6 AKW (Kern.D)

    2. Max Rapp

      Argh, habe gerade meinen langen Beitrag an das Webformular verloren…

      Zusammenfassend, zwei Bemerkungen:

      1. 4% Kostenersparnis in dem IFO-Papier korrespondieren je nach Szenario zu 3.3-4.4. Milliarden Euro. Rechnet man weitere Faktoren hinzu (“Zufallsgewinne”, Kosten der AKW-substituierenden Kraftwerke, Zufallsgewinnsteuer, Kosten der Notreserve), kommt man unter konservativen Annahmen auf 4-5 Milliarden Euro Ersparnis einer Laufzeitverlängerung für die Verbraucher für das Jahr 2023 allein; unter weniger konservativen Annahmen auf 6-7 Milliarden Euro Ersparnis. Das ist im Bereich von 10% des angekündigten Ampelentlastungspakets. Sowas nennt man normalerweise einen “No-Brainer”.
      2. Kritischer bin ich, was die zitierte Risikoanalyse angeht. Ein AKW-Unfall in mehr als 1.000.000 Jahren lässt sich mit der empirischen Häufigkeit dieser Ereignisse nur schwer in Einklang bringen. Der Methodenteil der Quelle erwähnt explizit, dass die historische Häufigkeit von Störfällen bei der Bewertung der KKW nicht zur Anwendung kam. Das ist aus Forecastingsicht einfach eine ganz schwache Herangehensweise (“Base Rate Neglect”). Es gibt zahlreiche Untersuchungen die zu deutlich ungünstigeren Ergebnissen kommen. Die sollte man auch zitieren und nicht nur diese eine Quelle “cherry-picken”. Persönlich bin ich überzeugt, dass die Kernkraft in Bezug auf ihr Risikoprofil durchaus gut dasteht. Es ist nicht nötig das weiter schönzureden und sich damit angreifbar zu machen. Im Gegenteil sollte man denke ich kommunizieren, dass in einer Zukunft in der die Kernkraft weiter genutzt oder ausgebaut wird durchaus mit Unfällen zu rechnen ist. Man sollte dieses Risiko aber mit den Risiken anderer Arten der Energieerzeugung ins Verhältnis setzen.

      1. Florian Blümm

        Der eine AKW-Unfall pro 5 Millionen Reaktorjahre bezieht sich auf das sogenannte Restrisiko. Das ist das Risiko, welches nicht von der Anlagenauslegung abgedeckt werden kann.

        Fukushima hatte nichts mit diesem Restrisiko zu tun, sondern war eine gleich zigfach mangelnde Sicherheitsauslegung. Und der Unfall von Tschernobyl ist nicht einmal im Bereich des physisch Möglichen in einem Leichtwasserreaktor.

        Die grundsätzliche Kritik an der probabilistischen Sicherheitsanalyse kann ich nicht nachvollziehen. Hast du dazu mal was zum Lesen?

    3. Hinnerk

      Hallo Florian!
      In der Ukraine sieht man gerade, was passieren kann, wenn ein Kernkraftwerk wortwörtlich zwischen die Fronten gerät. Wenn Russland wirklich gezielt ukrainische Kernkraftwerke angreift und Radioaktivität freigesetzt wird, verschlechtert das doch die “Unfallstatistik” von Kernkraftwerken sehr deutlich! Sichere Technologie ist dann doch auch egal, wenn das Kernkraftwerk durch äußere Einwirkung hoch geht. So etwas droht vielleicht nicht alle paar Jahre – aber vielleicht alle 50 Jahre, wenn es einen größeren Krieg gibt.
      Neben Kernkraftwerken können auch Zwischenläger und dürftig gesicherte Endläger bedroht werden und zur Erpressung genutzt werden. Wie ist so etwas in den Vergleichen mit anderen Energiequellen zu berücksichtigen – es lässt sich ja schlecht in cent pro kWh ausdrücken…
      MfG Hinnerk
      PS: Etwas ähnliches hatte ich kürzlich bereits gepostet – aber finde es nicht wieder.

      1. Florian Blümm

        Ein Raketenangriff als “Unfall” klingt aber wie direkt von Putin geframed 😉

        Ja, du hattest das bereits geschrieben. Hier meine Antwort auf den anderen Kommentar:

        Ich denke nicht, dass man in einem NATO-Land damit rechnen muss, in einen Krieg verwickelt zu werden. Das wäre Selbstmord für den Angreifer.

        Auch ist ein AKW vielleicht ein halbwegs attraktives Ziel für Terrorangriffe aber keine wirkungsvolle Kriegswaffe:

        • Kernkraftwerke und Talsperren zu bombardieren ist ein Kriegsverbrechen nach Genfer Konventionen. Das ist für fast alle Länder ein Grund es nicht zu tun.
        • Wenn man wie Putin gewillt ist Kriegsverbrechen zu begehen, sind Talsperren deutlich einfacher zu treffen und fordern viel mehr Todesopfer. Vergleiche Hunderttausende Todesopfer von Banqiao mit 0 Todesopfern von Fukushima.
        • Ein Kernkraftwerk ist sehr schlecht darin Menschen umzubringen. Die Anzahl der Strahlenopfer der dreifachen Kernschmelze in Fukushima ist 0. Selbst bei der Reaktorexplosion von Tschernobyl kamen nur rund 50 Menschen unmittelbar um. Hunderte mehr sterben Jahrzehnte später an Schildrüsenkrebs, aber dann ist der Krieg längst vorbei.
        • Es ist gar nicht so einfach ein Kernkraftwerk überhaupt zur Kernschmelze zu bringen. Ein Angriff würde sicher eine Notabschaltung auslösen. Aber wenn man keinen Volltreffer aufs Reaktorgebäude landet, unterscheidet sich das Ergebnis nicht von Angriffen auf andere Kraftwerke.
        • Wenn es nur darum geht das Stromnetz lahmzulegen, ist ein Angriff auf ein Umspannwerk sicher das Einfachste.

        Atommüll lässt sich noch viel weniger als Kriegswaffe einsetzen. Selbst als Terrorwaffe wird es hier fragwürdig.

    4. rene

      sehr biased
      hab auch ein paar deiner anderen beiträge gesehen
      cherrypicking, bei kkw immer den optimalen fall raussuchen und bei ee andersrum
      bei speicher einfach mal unterstellen das es keine technologien gibt, obwohl es da schon lange einiges gibt (und elektrolyse ist einfachste chemie)
      äfpel birnen vergleiche, größe von kkw mit wind/solarpark, dabei sind wind und solar dezentral
      anderen ideologie und doppelstandards vorwerfen obwohl man selbst dasselbe macht
      auch das argument das kkw nicht hochrisiko sind ist unsinn, warum gibt es denn soviele sicherheitsmaßnahmen und bewaffnete wächter wenn das risiko ja garnicht so hoch ist? auch das mit der schweizer quelle wo du einfach davon ausgehst das kein kkw=strommangellage
      seit anfang des jahres exportieren wir fast soviel strom wie unsere kkw produzieren nach frankreich weil dort die kkws nicht funzen
      nur quellen die passende zahlen haben, zb die kapitalkosten von dachsolar sind eigentlich sehr viel niedriger und ja ohne förderung, neue module kommen da auf ca 2ct/kwh und unsere 11 jahre alten module aufm dach kommen auf ca 4ct/kwh
      uvm

      bei soviel blödsinn überzeugst du mich eher gegen atomkraft zu sein

      falls du wirklich für klimaschutz bist und leute von atomkraft überzeugen möchstest, dann solltest du dich auch mehr mit ee auseinandersetzen
      dir dort auch neue dinge anschauen
      und dann vor und nachteile von allem etwas neutraler aufzeigen, anstatt immer das eine gegen das andere auszuspielen zu versuchen
      klingt sehr unseriös wenn man dann “technologieoffenheit” predigt
      ee haben nunmal einige vorteile zb kann sich jeder heino solar aufs dach pappen, aber kkw in der garage wird schwierig
      du solltest da wirklich offener werden
      ich weiß einige argumente der anti atomiker sind müll aber man überzeugt niemanden indem man mit noch mehr müll versucht zu kontern

      1. Florian Blümm

        Da hast du die falsche Adresse erwischt, ich habe keinen Gish Gallop bestellt.

        Wenn du trotz der Klimakrise gegen klimafreundliche Atomkraft sein willst, tu dir keinen Zwang an. Deine Meinung ist dein Ding. Mehr als Fakten und Zahlen liefern kann ich nicht.

        1. rene

          sehr typische antwort
          macht eh kein sinn mit euch spinnern zu diskutieren
          viel spaß mit deinen atömchen

    5. Thomas

      Betreffend Strommangellage würde mich einmal interessieren, welche Auswirkungen es ohne Zweckpessimismus tatsächlich gibt bzw. zu erwarten wären (Todeszahlen, etc.). Hierzu gibt es ja jüngst Erfahrungen aus der Ukraine, wo Putin die Infrastruktur angegriffen hat.

      Betreffend KKW bleibt festzuhalten, dass sie tatsächlich eine enorm hohes Sicherheitsrisiko darstellen. Die meisten kennen sich hier nicht aus und glauben der Propaganda von unseren angeblich “sichersten AKWs der Welt”. Das Gegenteil ist der Fall. Um nicht ins Detail gehen zu müssen: Alle bisherigen Schadensfälle betrafen nur Szenarien, die niemand zuvor erahnt hatte. Nach jedem Zwischenfall werden dann die bestehenden Anlagen nach-/umgerüstet. Die menschliche Phantasie reicht einfach nicht aus, sich alle möglichen Schadensszenarien vorzustellen.

      1. Florian Blümm

        Was Todeszahlen angeht sind wohl die Texas Blackouts 2021 ein besserer Indikator als eine aktive Konfliktzone. 246 bis 702 Menschen sollen deswegen gestorben sein. Das sind bereits mehrere Tschernobyl.

        Ein Hochwasser ist ein Schadensfall, mit dem AKW-Bauer NICHT gerechnet haben?

        Sorry, aber das ist eine völlig absurde Behauptung. Deutsche AKW sind gegen das Jahrzehntausendhochwasser plus Sicherheitsmarge ausgelegt. Wenn Isar 2 an der Stelle von Fukushima gestanden hätte, würden den Stadtnamen heute nur Seafood-Liebhaber kennen.

    6. Thomas

      Mit dem Hochwasser hatte man wohl gerechnet. Trotzdem gab es den Zwischenfall, also eher ein Beleg, dass die möglichen Risiken nicht gebührend bei der Auslegung berücksichtigt wurden. Ich meine aber eigentlich andere Szenarien, wie z.B. den von Barsebäck/Schweden von 1992 (https://taz.de/Sicherheitsrisiko-im-Reaktor/!5160438/). Entscheidend ist, dass die deutschen AKW nach wie vor nach der Norm KTA ausgelegt werden, d.h., das Risiko wird kleingeredet. Weltweit alle anderen AKWs wurden seitdem entsprechend der amerikanischen Norm NUREG/ASME nachgerüstet.
      Man muss sich auch einmal klarmachen, dass ein “Notkühlkreislauf” prinzipiell nicht funktionieren kann. Wenn der anspringt verwandelt sich das KKW in einen Schnellkochtopf. Es gibt auch keine sicheren Erkenntnisse über die Versprödung der inneren Metallschichten der Rohrleitungen durch H2 etc., da durch die ewige Bestrahlung das Wasser zu O2 und H2 aufgespalten wird (das H2 ist ja in Fukushima explodiert). Etc. etc. Nochmal: Die menschliche Phantasie reicht einfach nicht aus, sich alle möglichen Schadensszenarien vorzustellen.

      1. Florian Blümm

        Wenn man mit dem Hochwasser gerechnet hätte,
        1. wäre die Notstromversorgung redundant, diversifiziert und teilweise verbunkert gewesen
        2. hätte es eine sekundäre ultimative Wärmesenke gegeben

        In Fukushima waren alle Notstromaggregate und Batterien in einem einzigen Raum, der überhaupt nicht gegen Wasser gesichert war. Das ist das genaue Gegenteil von hochwasserfest.

        Es gab keine sekundäre ultimative Wärmesenke, keine Wasserstoff-Rekombinatoren und keine gefilterte Druckentlastung oder überhaupt eine funktionierende Druckentlastung.

        In deutschen AKW ist all das Standard. Und natürlich sind primäre und sekundäre Wärmesenke Standard, die eben dafür sorgen dass die Wärme nicht im Kühlkreislauf bleibt.

        Materialproben werden regelmäßig entnommen von extra dafür aufgehängten Materialien, die näher am Reaktor sind als der eigentliche Druckbehälter und dadurch künstlich gealtert werden.

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