Klimaschutz & Politik: 15 wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel

Nur die Politik kann den Klimawandel stoppen. Aber welche Klimaschutzmaßnahmen sind wirksam?

Was können wir gegen den Klimawandel tun? Durch individuelle Maßnahmen lässt sich die Klimakrise zwar verzögern, aber nicht aufhalten.

Deshalb muss die Bundesregierung den Klimaschutz vorantreiben. Aber welche Klimaschutzmaßnahmen vermeiden CO2-Emissionen am wirksamsten?

Eigentlich müsste diese Frage in einer Demokratie einfach zu beantworten sein. Es ist aber fast unmöglich konkrete Zahlen zu den Erfolgen der deutschen Klimapolitik zu finden.

Wie kann man die Effizienz und Effektivität von Klimaschutzmaßnahmen optimieren, wenn die Wirkung gar nicht gemessen wird?

Vielleicht wird ja gemessen, aber nicht kommuniziert? Fehlende Transparenz wäre aber erst recht kein gutes Zeichen.

In der deutschen Klimapolitik scheint vielleicht einfach der Pragmatismus zu fehlen. Das merkt man auch an der fehlenden Technologieoffenheit.

Die aktuell wirksamste Klimaschutzmaßnahme ist die Laufzeitverlängerung unserer verbleibenden 6 Kernkraftwerke. Aber das Thema ist in Deutschland tabu.

Wirksamste Klimaschutzmassnahmen - Klimaschutz & Politik: 15 wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel

15 effektive Klimaschutzmaßnahmen für Deutschland

Was die Bundesregierung nicht tut, muss wohl eben der Bundesverband der Deutschen Industrie machen. Eine vom BDI beauftragte Studie hat Vermeidungskosten und Vermeidungspotentiale von Klimaschutzmaßnahmen in Deutschland berechnet, siehe Grafik.

Dies sind die effizientesten Maßnahmen, sortiert nach Einsparpotential in Megatonnen CO2-Äquivalenten. 1

Zusätzlich sind die Laufzeitverlängerung der 6 deutschen Kernkraftwerke und der Neubau eines EPR berücksichtigt: 23

  • 70 Mt CO2e Laufzeitverlängerung der 6 Kernkraftwerke (-23 €/tCO2e)
  • 29 Mt CO2e Biomasse für Prozesswärme
  • 28 Mt CO2e Bau eines neuen Kernkraftwerks vom Typ EPR (52 €/tCO2e)
  • 22 Mt CO2e Ausbau von Wärmepumpen (72 €/tCO2e)
  • 12 Mt CO2e Energieeffizienz Industrie (-107 €/tCO2e)
  • 12 Mt CO2e Effizienz Geräte (16 €/tCO2e)
  • 11 Mt CO2e Aus- & Umbau Fernwärme (42 €/tCO2e)
  • 10 Mt CO2e Substitution von HFKWs/FKWs (31 €/tCO2e)
  • 10 Mt CO2e Ausbau Windkraft (-3 €/tCO2e)
  • 9 Mt CO2e Effizienz Straßengüterverkehr (4 €/tCO2e)
  • 8 Mt CO2e Antriebswechsel LKW (64 €/tCO2e)
  • 7 Mt CO2e Maßnahmen Landwirtschaft (79 €/tCO2e)
  • 6 Mt CO2e Effizienz Ressourcenproduktion (11 €/tCO2e)
  • 4 Mt CO2e Verkehrsmittelverlagerung (-135 €/tCO2e)
  • 3 Mt CO2e Ausbau Solarthermie (-42 €/tCO2e)

In Klammern hinter der Maßnahme steht jeweils der Preis pro Tonne CO2-Äquivalent als Kennzahl für die Effizienz. Natürlich sollten alle effizienten Maßnahmen ergriffen werden, auch wenn sie weniger effektiv sind.

Alle diese Klimaschutzmaßnahmen zusammen können 240 Megatonnen CO2-Äquivalent pro Jahr einsparen. Dies kostet im Schnitt 48 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent. Damit kann Deutschland das 80%-Reduktionsziel gegenüber 1990 erreichen.

effektive effiziente klimaschutzmassnahmen vermeidungskosten - Klimaschutz & Politik: 15 wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel

Effektiver vs effizienter Klimaschutz

Der Unterschied zwischen Effizienz und Effektivität ist groß:

  • Effektivität
    Wie wirkungsvoll ist eine Klimaschutzmaßnahme? 60 Megatonnen CO2 sparen ist effektiv, 0,6 Megatonnen nicht.
  • Effizienz
    Wie teuer ist eine Klimaschutzmaßnahme? 10 Euro pro Tonne CO2 ist günstig, 100 Euro pro Tonne CO2 nicht.

Kosten spielen beim Klimaschutz eine große Rolle. Wenn du mit einer Maßnahme für das gleiche Geld mehr CO2 vermeiden kannst, dann ist das besser für das Klima.

Es ist für den Klimawandel egal wo eine Tonne CO2 ausgestoßen wird, ob im Verkehr oder im Haushalt. Deshalb sollten wir effiziente Maßnahmen mit niedrigen Vermeidungskosten zuerst in Angriff nehmen.

CO2 Vermeidungskosten des EEG - Klimaschutz & Politik: 15 wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel

Wie wirksam ist die deutsche Klimapolitik?

Die fehlende Effizienz von Klimaschutzmaßnahmen der Bundesregierung ist keine reine Spekulation. Sie lässt sich auch in der Praxis beobachten.

Das beste Beispiel dafür ist das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Es handelt sich dabei um eine recht ineffiziente Klimaschutzmaßnahme.

Das Vermeiden einer Tonne CO2-Äquivalente kostet mit dem EEG: 4

  • 415 €/tCO2e Photovoltaik Förderung per EEG
  • 345 €/tCO2e Geothermie Förderung per EEG
  • 252 €/tCO2e Wind offshore Förderung per EEG
  • 252 €/tCO2e Biomasse Förderung per EEG
  • 108 €/tCO2e Wasserkraft Förderung per EEG
  • 106 €/tCO2e Wind an Land Förderung per EEG
  • 68 €/tCO2e Deponiegas Förderung per EEG

Die Förderung von Photovoltaik in Deutschland ist also 13 Mal so teuer pro vermiedener Tonne CO2, wie der EU-Emissionshandel für CO2 (ETS). Der aktuelle ETS-Preis liegt dabei sogar auf dem bisherigen Höchststand von 32 Euro pro Tonne. 5

Zugegeben, das sind die historischen EEG-Vermeidungskosten über 18 Jahre EEG. Aber selbst aktuelle Grenzvermeidungskosten liegen laut BDI bei Photovoltaik immer noch bei 96 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent.

Andere Klimaschutzmaßnahmen der Bundesregierung sind ebenfalls ineffizient. Die Grenzvermeidungskosten der aktuellen Subventionen für Elektro-Autos liegen sogar im dreistelligen Bereich.

Ist das Klimaschutzpaket 2019 effektiv?

Das EEG ist schon 20 Jahre alt. Wie effektiv ist die aktuelle Klimapolitik? In den Medien wurde das Klimaschutzpaket der Bundesregierung von 2019 ja ziemlich verrissen.

Zum Klimapaket 2019 sind leider keine Vermeidungspotentiale oder Vermeidungskosten bekannt. Die Maßnahmen des Klimapakets decken sich allerdings zu 89% mit der BDI-Studie. 6

Im Klimapaket der Bundesregierung fehlen nur drei Maßnahmen der BDI-Studie mit zusammen 21 Megatonnen Einsparpotential:

  • 10 Mt CO2e Substitution von HFKWs/FKWs (31 €/tCO2e)
  • 8 Mt CO2e Antriebswechsel LKW (64 €/tCO2e)
  • 3 Mt CO2e Ausbau Solarthermie (-42 €/tCO2e)

Es ist aber unklar, ob die übereinstimmenden Maßnahmen der BDI-Studie voll und effizient ausgeschöpft werden. Im Klimapaket klingt vieles unkonkret. Sind zum Beispiel mit Maßnahme 44 wirklich alle Effizienzsteigerungen in der Industrie und der Rohstoffherstellung gemeint?

Trotzdem scheint das Klimapaket besser zu sein als sein Ruf. Auch die Experten vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung kritisieren hauptsächlich den CO2-Preis. Der wurde seitdem auf mehr als die doppelte Höhe nachgebessert.

vermeidungskosten vorher nachher bdi studie - Klimaschutz & Politik: 15 wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel

Effektivste Klimaschutzmaßnahme: Laufzeitverlängerung der 6 AKWs

Aber die effektivste Maßnahme fehlt beim BDI und im Klimapaket. Es ist die Laufzeitverlängerung der noch vorhandenen 6 Kernkraftwerke. Diese einzelne Klimaschutzmaßnahme könnte 70 Megatonnen CO2-Emissionen einsparen bei Kosten von -23€ pro Tonne CO2. 7

Das ist ein größerer Effekt als bei jeder anderen Maßnahme. Auf einen Schlag könnten gut 9% der deutschen CO2-Emissionen eingespart werden, mehr als während dem Corona-Lockdown in 2020. Das ist mehr als bisher in 20 Jahren Energiewende eingespart wurden.8 Ohne die Laufzeitverlängerung würden wir im Stromsektor 20 Jahre verlieren.

Dabei kann man sogar noch Geld verdienen, wie die negativen Kosten von -23€ pro Tonne CO2 zeigen.9 10 11 Die Vermeidungskosten durch Gaskraftwerke liegen hingegen bei 72€ pro Tonne.

In der BDI-Studie sollen 41 Megatonnen CO2 eingespart werden durch das Ersetzen von Kohlekraftwerken durch Gaskraftwerke. Im Klimapaket der Bundesregierung ist dieser Kohleausstieg unter der Maßnahme 47 zu finden.

Unsere sechs Kernkraftwerke könnten sofort drei Viertel dieser Kohlekraftwerke ersetzen. Weil Kernkraftwerke deutlich klimafreundlicher als Gaskraftwerke sind, kommt es zu einer Überkompensation in Höhe von 29 Megatonnen CO2.

Dank der Überkompensation ließe sich außerdem eine sehr teure Klimaschutzmaßnahme in die Zukunft verschieben:

  • 22 Mt CO2e Elektromobilität PKW & Vans (117 €/tCO2e)

Eine Verzögerung der Elektromobilität um einige Jahre würde die Kosten von Batterien und damit die Vermeidungskosten senken. Auch wird der Strommix besser, wenn zuerst die Kohlekraftwerke wegfallen, was wiederum die Vermeidungskosten und das Vermeidungspotential senkt.

Effektive Klimaschutzmaßnahme: Neubau eines Kernkraftwerks

Die 6 bestehenden Kernkraftwerke reichen aus um drei Viertel der vom BDI vorgeschlagenen Kohlekraftwerke zu ersetzen. Das letzte Viertel kann ein in Deutschland neugebautes Kernkraftwerk der Generation III+ vom Typ European Pressure Reactor (EPR) ersetzen.

Großbritannien baut gerade in Hinkley Point ein solches Kernkraftwerk im Block C und hat einen identischen Neubau in Sizewell Block C beschlossen. Jedes dieser Kraftwerke liefert jeweils 3.200 MW Leistung. Das ist mehr als genug um das restliche Viertel der Kohlekraftwerke ersetzen.

Hinkley Point C (HPC) wird oft als Beispiel für die hohen Kosten von Kernkraftwerken angeführt. Die Einspeisevergütung von 90 Pfund pro MWh ist aber in Großbritannien nicht ungewöhnlich hoch. 12 Selbst Jahre nach dem Vertrag von HPC bekam die Offshore Windfarm Hornsea 140 Pfund pro MWh Einspeisegarantie, also 50% mehr. Auch die deutsche EEG-Umlage für Erneuerbare liegt auf diesem Preis-Niveau und bei Biogas sogar deutlich darüber.

Würde man HPC mit der gleichen Einspeisegarantie in Deutschland bauen, dann lägen die CO2-Vermeidungskosten mit rund 52€ pro Tonne13 unter denen der Gaskraftwerke mit 72€ pro Tonne und auch unter denen von zusätzlichen Solaranlagen mit 96€ pro Tonne.

Das deutsche Hinkley Point ersetzt dank 3200 MW Leistung diese beiden teuren Maßnahmen vollständig. Durch die Überkompensation von 21 Megatonnen werden außerdem drei weitere der teuersten Maßnahmen größtenteils überflüssig:

  • 11 Mt CO2e Verbrauchssenkung Straßenverkehr (135 €/tCO2e)
  • 12 Mt CO2e Gebäude Sanierung & Neubau (90 €/tCO2e)
  • 15 Mt CO2e Gebäude Sanierung & Neubau (79 €/tCO2e) – zu 49% ersetzbar

Zusammen können die Laufzeitverlängerung der vorhandenen AKW und der Neubau eines AKW viel Geld sparen und dabei das Klima schützen. Es lassen sich dadurch insgesamt 92 Megatonnen CO2-Äquivalente pro Jahr vermeiden mit Vermeidungskosten von im Schnitt 94 Euro pro Tonne.

Kernkraftwerke sind effektiver Klimaschutz

Kernkraft ist eine klimafreundliche Energiequelle und leistet einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz. Das ist in der Fachwelt unumstritten. Der Weltklimarat empfiehlt in seinen Szenarios einen Ausbau der Kernkraft um bis zu 501%. 14

Trotzdem spaltet die Kernkraft-Frage leider die Klima-Aktivisten. Egal was du über Kernkraft denkst: Das Risiko durch den Klimawandels ist um Größenordnungen höher als jedes Gefahrenszenario durch moderne Kernkraftwerke. Kernkraftwerke sind die sicherste Energiequelle.

Durch den panikhaften Atomausstieg nach Fukushima sind bereits 13 klimafreundliche Kernkraftwerke in Deutschland unumkehrbar zerstört worden. Unsere 6 modernsten und sichersten AKWs laufen nur noch bis 2021/2022.

Mit der geplanten Abschaltung verlieren wir auf einen Schlag ein Viertel unseres klimafreundlichen Stroms. Das ist von der Strommenge so, als ob wir alle Solaranlagen und alle Offshore-Windräder in Deutschland auf einen Schlag vernichten.

Wenn alles mit rechten Dingen zugehen würde, müssten alle Klimaschutzorganisationen Sturm laufen gegen diese unfassbare Klimasünde.

Es ist noch nicht zu spät unsere AKWs zu retten: #SaveGER6

Ist der CO2-Preis die effektivste Klimaschutzmaßnahme?

Der CO2-Preis ist die wohl beliebteste Klimaschutzmaßnahme und wird von fast jedem Experten empfohlen. Auch im Klimapaket und bei der Kritik daran nimmt er eine zentrale Rolle ein.

Warum taucht der CO2-Preis nicht in Vermeidungskosten-Kurven auf? Das liegt daran, dass der CO2-Preis selbst nicht direkt zum Klimaschutz beiträgt. Er bietet indirekt Anreize andere Klimaschutzmaßnahmen durchzuführen.

Ein CO2-Preis verschiebt die gesamte Vermeidungskosten-Kurve nach unten. Vermeidungskosten von 100 Euro sinken mit einem CO2-Preis von 25 Euro effektiv auf 75 Euro. Spätestens wenn die Vermeidungskosten negativ werden, sollte man davon ausgehen, dass Maßnahmen automatisch umgesetzt werden.

Das hängt aber auch von den Opportunitätskosten ab. Wenn ein Unternehmen mit einer anderen Investition deutlich mehr Gewinn machen kann, wird eben dort investiert. Oft sind auch hohe Anfangsinvestitionen nötig, die sich erst über Jahrzehnte amortisieren. Ansonsten würde es keine Maßnahmen mit negativen Vermeidungskosten mehr geben.

Der CO2-Preis funktioniert außerdem in manchen Bereichen kaum, allen voran im Gebäude- und Verkehrssektor. Zum Beispiel hilft es nichts, wenn Mieter mehr Geld für die Heizung zahlen müssen, obwohl sie das Gebäude gar nicht sanieren können. Auch hilft der CO2-Preis auf Diesel und Benzin wenig, wenn die Energiesteuer bereits einem CO2-Preis von mehreren Hundert Euro entspricht. 15 Um so merkwürdiger, dass gerade der CO2-Preis auf Gebäude und Verkehr im Klimapaket so in den Medien diskutiert wird.

Trotzdem kann der CO2-Preis effektiver sein als Einzelmaßnahmen. Ein CO2-Preis führt dazu, dass die effizientesten Maßnahmen zuerst durchgeführt werden. Das passiert durch den Markt besser als bei jedem planwirtschaftlichen Ansatz.

Dazu muss es aber sinnvolle Begrenzungen geben. In den Anfangsjahren des europäischen Emissionshandels waren zu viele Zertifikate auf dem Markt und die Preise zu niedrig. Außerdem gab es einen Wasserbetteffekt, wodurch zum Beispiel das EEG redundant war.

Updates:

  • 17.12.2020: Erstmals veröffentlicht.
  • 31.05.2021: Berechnungen zur Laufzeitverlängerung & Neubau EPR mit Daten zu Braunkohle statt Steinkohle aktualisiert. Achtung, Charts sind nicht aktualisiert.

Quellen

  1. Klimapfade für Deutschland, Einzelmaßnahmen übersichtlich zusammengefasst Prognos, BDI (2018)
  2. Memorandum Moorland, Wendland (2020)
  3. eigene Berechnungen zum EPR auf Basis Hinkley Point C
  4. Institut der deutschen Wirtschaft (2018)
  5. EU ETS Preis (Stand 15. Dezember 2020)
  6. Das Klimapaket in der Gesetzgebung DENA (2019)
  7. Die 6 noch verbleibenden deutschen Kernkraftwerke haben im Jahr 2020 zusammen 64.400.000.000 kWh klimafreundlichen Strom erzeugt laut AG Energiebilanzen (2021). Kernkraft emittiert 12 gCO2ä/kWh und ersetzt Braunkohlekraftwerke mit 1.100 gCO2ä/kWh. Die eingesparte Menge an CO2-Emissionen beträgt also 70,1 Mio tCO2ä.
  8. Zwischenbilanz der Energiewende Wagner (2019)
  9. Bei einem Ertrag von 3,3 €Cents pro kWh erwirtschaften die 6 Kernkraftwerke 2,125 Milliarden € Gewinn pro Jahr. Bei einer Diskontierung von 2% über 35 Jahre macht das 55,3 € Milliarden Euro Gewinn. Die Vermeidungskosten bei einem Einsparpotential von 63 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr mal 35 Jahre belaufen sich also auf -22,53 €/tCO2ä.
  10. Laufende Kosten eines Kernkraftwerks sind rund 3,7 Cent pro kWh laut Kernkraftwerk Gösgen (2016)
  11. Der Marktwert von Kraftwerken am Terminmarkt liegt bei 7 Cent pro kWh Baseload laut Marktdaten EEX (2021)
  12. Investing in renewable technologies DECC (2013)
  13. Einspeisegarantie 10 Cent pro kWh, Ertrag 7 Cent pro kWh Ertrag Mix Baseload, diskontiert mit 2% auf 35 Jahre bedeutet Kosten von 50.229.332.549 € gegenüber eingesparten Emissionen in Höhe von 967.635.808 Tonnen CO2
  14. SR1.5 IPCC (2018)
  15. Pricing Carbon Heinrich-Böll-Stiftung (2020)

Dieser Beitrag hat 23 Kommentare

  1. Christopher Lüning

    Wie kommst du auf die geringen Effekte des Windkraftausbaus? Die Windkraft hat den Stromsektor maßgeblich dekarbonisiert.
    Anteil 27% am Strommix.
    Senkung Stromsektor 330Mto zu 185Mto (2000-2020).

    Gruß

  2. Joe Blue

    Atomkraft löst gar nichts, schon gar nicht die Klimakrise. Sie verursacht nur Müll und Ewigkeitskosten und ist der teuerste Energieerzeuger. Eine Schande, dass Tech For Future so einen Unsinn veröffentlicht. Solar und Wind sind viel günstiger. Dazu Speicher und fertig ist die Energiewende. Wir müssen nur massiv ausbauen.

    1. Wir haben leider keine Zeit zu warten, bis diese Wunderspeicher erfunden und serienreif sind. Kernkraftwerke können wir heute bauen, statt auf einen Durchbruch bei der Forschung zu hoffen, der vielleicht gar nie kommen wird.

      Müll erzeugen alle Energiequellen. Die Kernkraft erzeugt mit großem Abstand am wenigsten Müll. Die Nuklearbranche kümmert sich außerdem als einzige auch um die Entsorgung des Mülls und preist diese voll ein.

      Solar und Wind können in Deutschland bis heute nicht einmal ihre Kosten decken. Sie sind in Deutschland mit die teuersten Energieerzeuger, wenn du alle Kosten berücksichtigst.

      Follow the Science…

      1. Lisalotta Zivanov

        Wie kümmert sich denn bitte die Nuklearbranche um die Entsorgung? In dem sie denn Müll einfach in die Meere leitet? Hervorragend, das Ökosystem Meer/ Ozeane brauchen wir ja eh nicht, ist ja nicht erwiesen, dass der Ozean viele Treibhausgase aufnimmt und sie in den Hydrathüllen speichert. Follow the Science….. Oder kümmern sie sich in dem sie eine große Diskussion verursacht wo wir am besten das nächste Endlager errichten, dass dann die nächsten Milliarden Jahr verseucht ist mit Nuklearer Strahlung? Wenn die Regierung mit dem Geld besser wirtschaften würde und nicht in dämliche und uneffiziente Projekte einspeisen würde, könnte wir auch mit erneuerbaren Energie in Deutschland viel erreichen.

        1. Die Nuklearbranche in Deutschland zahlt die Entsorgung von Atommüll in voller Höhe und bildet rechtzeitig Rücklagen dafür. Das ist deutlich mehr als man über andere Erzeuger sagen kann, insbesondere Solar und Wind.

          Es macht keinen Sinn, Energieversorger zu Müllentsorgungsunternehmen zu machen. Die Entsorgung von Atommüll durch private Unternehmen ist in Deutschland außerdem rechtlich gar nicht erlaubt.

          Kaum nachweisbare Mengen von Tritium in den Weltmeeren schaden den Ökosystemen ungefähr so viel, wie wenn ich mich mit einem Salzstreuer an die Nordsee stelle.

          Bitte nicht auf die Panikmache der Anti-Atom-Lobby reinfallen. Follow the Science!

      2. Markus

        Hallo. Ein neues Kernkraftwerk bauen ist sehr aufwendig (Stichwort Sicherheit) und dauert leider auch sehr lange (grösser 10 Jahre).
        Zu bestaunen im europäischen Ausland und in China. Also auch nicht seriös argumentiert.

        1. Es geht hier vor allem um die Laufzeitverlängerung der 6 existierenden Kraftwerke und nur als zusätzliche Maßnahme um einen Neubau.

          Aber auch der Neubau von AKWs ist keineswegs langsam, sondern ganz im Gegenteil die schnellste Möglichkeit klimafreundliche Erzeuger zuzubauen.

          Ein einziges Kernkraftwerk mit 1,6 GW mit Laufzeit 60-80 Jahre ersetzt dir 4.000 bis 5.000 Windräder an Land mit 3 MW und Laufzeit 30 Jahre. Wenn man den deutschen Zubau von Wind an Land in 2020 zugrunde legt mit 438 Anlagen, würde es rund zehn Jahre dauern bis man in Deutschland so viele Windräder aufgestellt hat. Und du kannst mehrere Kernkraftwerke parallel bauen.

  3. Greenbowlerhat

    Lieber Herr Blümm,
    erstmal vielen Dank für Ihre Arbeit, es ist erfrischend, endlich mal was zu lesen, was einen nüchternen fakten- und kostenbasierten Ansatz verfolgt.

    Aus meiner Sicht wird dadurch auch deutlich, dass die lautesten Schreier entweder nicht verstanden haben, was sie da eigentlich fordern und wofür. Vor allem aber wird deutlich, dass sich hinter “Klimaschutz” und insbesondere EEG & Co. ein Geschäftsmodell verbirgt, welches für das vorgebliche Ziel eben suboptimal ist, um es vorsichtig auszudrücken. “Follow the money” ist auch hier aufschlussreich, und, nein, damit ist nicht Herr Müller gemeint, der auf den Carport vor seinem Reihenmittelhäuschen ein Solarpanel draufpappt.

    Bei der Atomkraft tu ich mich freilich auch schwer. Kurzfristig sehe ich Ihren Punkt (to paraphrase chancellor Merkel, “nu sindse halt da”), was das Erzeugen von Energie angeht. Das Thema Müll ist aber von Anfang an und m.W. immer noch ungelöst, es gibt kein Endlager, der Fonds der die Kosten des Abbaus der Atomkraftwerke finanzieren soll, ist ein Witz (zumal in Niedrigzinszeiten), und generell sind die Kosten, strahlenden Müll ggfs. für hunderte, tausende Jahre bewachen und aufbewahren zu müssen, nicht kalkulierbar. Das Einzige, was das Problem wenigstens nur so groß hält wie es heute ist, wäre keinen neuen Müll zu produzieren, also Abschaltung/Abriss.
    Zudem ist auch der “Treibstoff” nicht unendlich vorhanden, im Gegenteil, er ist rar und sehr teuer zu produzieren. So wie “Peak Oil” gibt es auch einen “Peak Uran”, der gar nicht so weit weg ist – schließlich geht ein nennenswerter Teil auch noch in die Waffenproduktion bzw. Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit der Atomwaffen.
    Ich lasse mich gerne davon überzeugen, nicht recht zu haben, ich würde mich sogar freuen. Es soll wohl Forschung in die Richtung geben, aus der Strahlung Energie zu gewinnen, und “Batterien” mit eine Art “Atom-Solarzelle” die eben auf Strahlung reagiert zu bauen, und die man z.B. mit dem Müll “füttern” könnte. Und es soll wohl Kraftwerke geben, die ihren Brennstoff selbst erzeugen, was man hierzulande mit dem “schneller Brüter” Konzept begonnen aber nicht beendet hat. Vielleicht wissen Sie mehr, vielleicht waren es aber auch nur Aprilscherze.

    1. Die Beibehaltung des EEG lange nach der “Anschubfinanzierung” ist eine verpasste Gelegenheit in vielerlei Hinsicht. Auch die so wichtige Sektorkopplung wird durch unseren sauteuren Strom behindert.

      Am Endlager soll’s sicher nicht scheitern Es gibt in Deutschland schon mehr als 40 tiefengeologische Endlager, darunter das weltgrößte in Herfa-Neurode. Wir sind quasi Weltmeister im Endlager bauen.

      Der Entsorgungsfonds schlägt sich außerdem wohl sehr gut, siehe:

      • Strafzinsen: Wie der Atomfonds trotzdem starke Renditen erzielt Welt (2019)
      • Trotz Krise erreicht der KENFO Gewinnzone früher als geplant DPN (2020)

      Aber auch die Hälfte des Geldes sollte reichen. Selbst die Antikernkraft-Lobbygruppe BUND rechnet im absoluten Worst Case mit 20 Milliarden Euro Entsorgungskosten. Man muss ein Endlager nach passiver Stilllegung auch nicht bewachen oder sonstwas damit machen. Das ist kein Bergwerk mit Ewigkeitskosten.

      Die ganze Entsorgungsdiskussion kommt in Deutschland sowieso mehr als 60 Jahre zu spät. Wir müssen Stand 2021 eh Atommüll entsorgen, es ist bei den kleinen Mengen über die wir reden völlig egal ob es sich um doppelt oder gar 10x so viel handelt.

      Uran wird irgendwann zur Neige gehen. Aber darüber können wir uns dann in einigen Jahrmillionen Sorgen machen, siehe: Nuclear fuel resources:Enough to last? Etwa 10% des heutigen Reaktorbrennstoffs stammt übrigens aus der Abrüstung von Atomwaffen. Ich denke dass sich die Menge an Atomwaffen auch in Zukunft weiter verringern wird. Und wir können in unseren Leichtwasserreaktoren nur waffenfähiges Uran verwenden. Die Menge an waffenfähigem Plutonium ist deutlich größer.

      Schnelle Brüter und die Schließung des Brennstoffkreislaufes sind kein Aprilscherz. Existierende schnelle Reaktoren wie der BN-800 oder der BREST-300 sind aber aufwendiger als unsere Leichtwasserreaktoren und beim aktuellen Uranpreis nicht wirtschaftlich. Vielleicht hat Indien mit seinem PFBR oder China mit seinem CFR-600 mehr Erfolg bei der Kommerzialisierung. Könnte ich mir v.a. bei China gut vorstellen. Auch beim Rennen um die Kommerzialisierung von SMRs sehe ich China als Favorit.

      Wir können die Anzahl der Leichtwasserreaktoren aber noch deutlich erhöhen, bevor wir schnelle Reaktoren zwingend brauchen. Und die Transmutation des Atommülls fällt auch eher in die Rubrik nice to have. Es ist ja nicht so als ob die Entsorgung im tiefengeologischen Endlager teuer oder unsicher wäre. Einzig die Verschwendung der Brennstäbe tut weh und würde sich vermutlich irgendwann rächen.

  4. KERNENERGIE IST KLIMASCHUTZ
    Flüssigsalz Reaktoren sind billiger als LWR, Uran brauchen wir nicht mehr, weil der nur aufbereitet werden muss

    1. Noch gibt es keine Flüssigsalzreaktoren, also kann niemand sagen wie billig die sind. Wir können leider nicht darauf warten, bis es so weit ist. Klimaschutz muss heute passieren, nicht in Jahrzehnten.

      Für Schwerwasserreaktoren wie die CANDUs muss Uran nicht aufbereitet werden. Das ist nicht das Problem.

  5. Vermisse Hinweise auf die neue Kernenergie der Generation IV, insbesondere Flüssigsalz Reaktoren (MSR) und Kugelhaufen Reaktoren.
    Ansonsten unterstütze ich alle Argumenten.

    1. Ich bin ehrlich gesagt kein großer Freund der Generation IV. Für eine Dekarbonisierung der Energiewirtschaft werden diese Kraftwerke leider zu spät kommen.

      Noch dazu sind die Vorteile neuer Reaktordesigns sehr klein gegenüber bestehenden Leichtwasserreaktoren – Hochtemperaturreaktoren mal ausgenommen.

      Klar kann man davon träumen, aber pragmatischer Klimaschutz ist nur mit existierenden Technologien möglich.

  6. Heinz Pfeifer

    Hallo Herr Blümm,

    auf Ihre Seite bin ich leider erst jetzt gestoßen und ich bin echt begeistert.
    Vielen herzlichen Dank für Ihre Daten und Fakten, die sie zusammengetragen haben.

    Gestern wurden ja zu unserem Klima neue wissenschaftliche Daten in den Medien bekannt gegeben, und wie zu erwarten, der Schock scheint sehr groß.
    Nicht umsonst wurde heute zum ersten Mal in den öffentlichen Medien darüber nachgedacht, die jetzt noch vorhanden Kernkraftwerke weiterzubetreiben und Kohlekraftwerke abzuschalten um schnell Klimagase zu reduzieren.

    So eine Meldung hätte ich für unmöglich gehalten. Leider glaube ich noch nicht daran, dass hier so etwas möglich sein könnte, obwohl es alternativlos wäre, um zumindest ganz kurzfristig für die Übergangszeit und schnell CO2 in großen Mengen einzusparen.

    Ich bin zwar auch nicht wirklich ein Befürworter der Kernenergie, aber was haben wir denn als Alternative? Es gibt viele gute Ideen, aber leider keine Zeit sie umzusetzen, da leider die Welt schon brennt. Auch für neuere und bessere Kernkraftwerke haben wir keine Zeit mehr und unsere ehemaligen Expertise gibt es leider auch nicht mehr. Die Fachkompetenz muss eingekauft werden.
    Ich hoffe Sie sind gut vernetzt und Ihre Seite wird an den richtigen Stellen gelesen und geteilt.

    Weiter so

    1. Hallo Herr Pfeifer,

      der neue IPCC-Report von gestern klingt allerdings recht düster. 1,5°C können wir wohl vergessen und selbst 2°C werden ohne deutlich effektivere Maßnahmen schwer. Um so wichtiger, dass auch in den Medien ein Umdenken stattfindet. Die haben 2011 schließlich den Atomausstieg herbeigeschrieben.

      Eine deutsche Laufzeitverlängerung ist auch gar nicht so undenkbar, wie man gerne meint. Die Mehrheit der Deutschen spricht sich laut einer aktuellen Umfrage für eine Verlängerung der 6 Kernkraftwerke aus, wenn es dem Klimaschutz hilft.

      Gut vernetzt bin ich leider noch nicht. Ich bin erst seit etwa einem Jahr Klimaaktivist und mit Technologieoffenheit macht man sich in Deutschland leider nicht beliebt.

      Aber wie heißt es so schön, “nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit gekommen ist”.

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