Vollkosten pro kWh: Welche ist die günstigste Energiequelle 2024?

Werden Wind und Solar immer billiger? Ist Kernkraft teuer oder günstig? Hier sind die Vollkosten für Energiequellen pro kWh Elektrizität.

Die Kostenfrage ist die Gretchenfrage. Das gilt besonders beim effizienten Klimaschutz.

Es gibt Klimaschutzmaßnahmen, die bei gleichem Budget doppelt so effektiv sind.

Wer trotzdem auf die weniger wirkungsvolle Maßnahme setzt, verschwendet Ressourcen und verzögert Klimaschutz.

Die Kostenunterschiede zwischen verschiedenen Stromerzeugern sind sogar noch deutlich größer als eine Verdopplung.

Dabei ist es wichtig nicht nur die Stromgestehungskosten zu berücksichtigen, sondern auch Systemkosten und den CO2-Preis.

Hier sind die Vollkosten für verschiedene Energiequellen am Standort Deutschland.

Die günstigsten Energiequellen pro kWh Elektrizität

Dies sind die Vollkosten von Energiequellen für Deutschland in Eurocent pro Kilowattstunde Strom bei 5% Abzinsfaktor:1

  • 3,0 €Cent/kWh AKW Verlängerung
  • 3,9 €Cent/kWh Wasserkraft
  • 5,3 €Cent/kWh AKW neu
  • 6,1 €Cent/kWh Wind an Land
  • 7,0 €Cent/kWh Solarpark
  • 8,4 €Cent/kWh Wind offshore
  • 11,7 €Cent/kWh Dachsolar
  • 13,9 €Cent/kWh Erdgas & Dampf
  • 17,2 €Cent/kWh Biomasse
  • 17,6 €Cent/kWh Kohle

nur Kraftwerke in Deutschland und Nachbarländern, Brennstoffpreise Kohle & Erdgas gegenüber 2020 verdoppelt und CO2-Preis von 90€/tCO2

Seit 2022 sind erstmals alle klimafreundlichen Erzeuger in Deutschland günstiger als klimaschädliche fossile Energien und Biomasse. Es gibt aber immer noch einen Faktor 3 Preisunterschied zwischen der günstigen Wasserkraft und dem teuren Dachsolar.

Kraftwerke mit fossilen Energieträgern sind seit der Energiekrise 2021 deutlich teurer geworden als saubere Erzeuger. Neben den hohen Brennstoffpreisen kam es in den letzten Jahren auch zu einem Anstieg der CO2-Preise von rund 25€ pro Tonne auf knapp 90€.2

Die Laufzeitverlängerung abbezahlter Kernkraftwerke ist die günstigste Art Strom zu erzeugen. Ursprünglich ist man von nur 40 Jahren Lebenszeit bei AKW ausgegangen. In der Praxis halten Reaktordruckbehälter trotz Dauerbestrahlung deutlich länger.

Man geht heute von mindestens 60 Jahren Laufzeit bei neuen AKW aus und sogar 80 Jahren Laufzeit bei Wasserkraftwerken. Das Problem bei den beiden langlebigsten Erzeugern ist der hohe Kapitalaufwand zu Beginn.

Windräder und Solarparks sind von den Gestehungskosten konkurrenzfähig zu Kernkraft und Wasserkraft. Die Systemkosten der wetterabhängigen Erzeuger steigen allerdings mit dem Ausbau.

Zukünftige Entwicklung der Systemkosten von Wind & Solar

Der größte Streitpunkt bei den Vollkosten von Strom sind die Systemkosten von Wind und Solar. Wetterabhängige Erzeuger können schließlich nicht bedarfsgerecht erzeugen. Trotzdem werden Systemkosten bei Kostenvergleichen leider oft ignoriert.

Für die meisten Energiequellen sind die Systemkosten konstant niedrig mit 0,1 bis 0,2 Cent pro kWh. Schnell regelbare offene Gasturbinen liegen sogar bei 0,05 Cent pro kWh. Bei Wind und Solar sind sie hingegen bei 2 oder mehr Cents pro kWh. 3

Der Systemanteil von Wind und Solar ist für die Kosten entscheidend. Je mehr Wind und Solar ich zubaue, desto öfter muss ich nicht benötigte Überproduktion abregeln. Das ist der sogenannte Kannibalisierungseffekt.

Zu anderen Zeiten wiederum erzeugen Wind und Solar so wenig Strom, dass Backup-Kraftwerke benötigt werden. Auch diese doppelte Infrastruktur kostet extra, genauso wie der zusätzliche Netzausbau für nicht zentrale Erzeuger.

Anfangs steigen diese Systemkosten für Wind und Solar etwa linear. Von rund 2 Cents pro kWh in Deutschland in 2022 steigen die Systemkosten auf rund 4 Cents pro kWh in 2030 (bei geplanten 80% EE-Anteil).

Danach steigen sie aber stark überproportional auf rund 8 Cents pro kWh bei 95% wetterabhängigen Erzeugern im Jahr 2045 (bei geplanten 100% EE-Anteil). Hier fehlen sogar noch die Kosten für Regelenergie. 4

Je mehr Wind und Solar wir ausbauen, desto teurer werden sie also. Selbst die Photovoltaik wird also mit weiterem Ausbau immer unwirtschaftlicher, trotz weiterer Reduktion der Kosten. Mehr zu den Systemkosten und ihrer Zusammensetzung am Ende des Artikels.

Stromgestehungskosten sind abhängig von Standortfaktoren

Weltkarte der PV Volllaststunden – Deutschland liegt bei im Schnitt ~960 – Global Solar Atlas

Die Stromgestehungskosten unterscheiden sich global, je nach Rohstoffpreisen, Expertise und Klima:

  1. In den USA sind Gaskraftwerke durch Fracking-Erdgas deutlich günstiger.
  2. Koreanische Kernkraftwerke sind wegen der hohen Expertise deutlich günstiger.
  3. In Australien ist Photovoltaik wegen der vielen Sonnenstunden nur halb so teuer.

Hier im Artikel werden deshalb nur Daten aus Deutschland und direkten Nachbarländern berücksichtigt. 567 Trotz diesem regionalen Filter sind die Kosten nicht unbedingt repräsentativ.

Bei Windrädern an Land wird z.B. eine Auslastung von 30% angesetzt, während deutsche Windräder im Mittel auf 20% kommen. Auch bei PV sind die deutschen Volllaststunden schlechter. Die Nordseeküste ist eben nicht die Côte d’Azur und Hessen ist nicht Bornholm.

Die Annahmen der IEA zu Lebensdauer und Auslastung (CF) sind:

  • 80 Jahre – 58% CF: Wasserkraft
  • 60 Jahre – 85% CF: Kernkraft
  • 40 Jahre – 89% CF: Biomasse
  • 40 Jahre – 85% CF: Kohle
  • 30 Jahre – 85% CF: Gas und Dampf
  • 25 Jahre – 14% CF: Photovoltaik
  • 25 Jahre – 30% CF: Wind an Land
  • 25 Jahre – 45% CF: Wind offshore

bei erneuerbaren Erzeugern Median-Wert der Anlagen, bei konventionellen Kraftwerken 85% angesetzt.

Mit einem Korrekturfaktor könnte man die tatsächlichen Kosten berechnen. Aber die Daten verlieren an Glaubwürdigkeit wenn ich daran rumdoktere. Für die Größenordnung ist es auch egal, ob die Gestehungskosten von Wind und Solar in Deutschland um 50% höher sein müssten.

Historische Gestehungskosten seit dem Jahr 2000

Die 2015er Ausgabe der „Projected Costs of Generating Electricity“ beinhaltet historische Preise bis zurück in das Jahr 1981. Bis 1998 wurden allerdings nur Kohle, Erdgas und Kernkraft berücksichtigt.8 Ich habe die Zahlen für 2020 ergänzt und alles inflationsbereinigt.

Achtung, das sind die reinen Stromgestehungskosten, ohne externe Kosten wie CO2-Preis oder Systemkosten. Wenn man die dazu nimmt ergibt sich v.a. beim CO2-Preis von 90€ ein anderes Bild.

Man sieht, dass man nichts sieht. Die reinen Stromgestehungskosten aller Erzeuger sind zwar immer im Flux, aber auf lange Sicht pendeln sie um die gleiche Größenordnung. Die einzige große Ausnahme ist gut sichtbar die Photovoltaik.

Vor 2010 sind Solarmodule zu teuer um überhaupt auf den Chart zu passen. Dann sinken die Gestehungskosten von Solarparks unter 30 Ct/kWh und einige Jahre später auch bei Dachsolar. Zwischen 2005 und 2020 sanken die Modulpreise um 90%!

Die Talfahrt der PV-Preise nahm aber durch die Energiekrise ein vorübergehendes Ende. 2022 waren die Kosten von Photovoltaik-Anlagen zurück auf dem Niveau von 2017.

Veränderungen der Gestehungskosten von 2020 bis 2024

Die Gestehungskosten der IEA werden leider nur alle 5 Jahre aktualisiert, also 2025 das nächste Mal. Welche Trends gab es seit 2020?

Durch Energiekrise, Ukrainekrieg und die Lieferketten-Nachwehen der Corona-Lockdowns waren 2021 und 2022 Jahre mit hoher Inflation. Die Preiserhöhungen bei Brennstoffen und Rohstoffen gingen an keinem Kraftwerkstyp vorbei.

Kohle und Erdgas sind in Mitteleuropa durch den Wegfall von Russland als Lieferanten nachhaltig teurer geworden. Bei Kohle sind die Preise knapp 2x so hoch, bei Erdgas gut 2,5x. Auch bei den Futures deutet sich keine Erholung an.

Steigende Polysiliziumpreise haben für einen Preisanstieg bei Solarmodulen in 2021 & 2022 geführt. Mittlerweile sinken die Preise wieder, aber Ende 2023 sind Solarmodule immer noch so teuer wie Ende 2020.9

Die Kosten von Windrädern liefen auch vor 2000 schon sehr lange auf einem Plateau. Seit 2000 haben sie die Höchstwerte der letzten zehn Jahre erreicht.10 Die EEG-Subventionen für Wind und Solar mussten 2023 um 25% erhöht werden.11

Auch die Kosten von Uran haben sich seit 2020 gut verdoppelt, Hand in Hand mit Ankündigungen von AKW-Neubauten in Europa.12 Der Brennstoff macht aber bei Kernkraftwerken nur etwa 15% der Kosten aus und davon entfällt der größte Teil auf die Urananreicherung, nicht auf die Uranförderung.

Zusammenfassend, sind die Kostensteigerungen bei Kohle und Erdgas am deutlichsten und vermutlich anhaltend. Deshalb habe ich hier im Artikel versucht die neuen Kosten durch einen Korrekturfaktor auf die Brennstoffpreise abzubilden. Vorübergehende Schwankungen sind hingegen eher unerheblich.

Umstrittene Kosten der Kernkraft und der wissenschaftliche Dienst

Im deutschen Sprachraum wird heftig über die Gestehungskosten der Kernkraft gestritten. Das ist überraschend, denn beim Atomausstieg geht es gar nicht um die Wirtschaftlichkeit. Wenn die Kernkraft wirklich zu teuer wäre, müsste man sie ja gar nicht verbieten.

Teilweise werden Gestehungskosten von 14 bis 19 Ct/kWh behauptet, aber dafür gibt es keine Quelle. Kein Wunder: 14 Ct/kWh hieße der 1,6-GW-EPR in Olkiluoto müsste statt 11 Mrd. Euro irrsinnige 80 Mrd. Euro kosten (3 Ct/kWh Betriebskosten). Der wissenschaftliche Dienst hat diese Zahlen ohne Quelle dennoch übernommen.

AKW kann man auch mit hohen angeblichen Subventionen teuer rechnen. Greenpeace hat die Kosten von Tschernobyl, dem sowjetischen Atomwaffenprogramm in der DDR, der Fusionsforschung am ITER uvm. aufsummieren lassen zu insgesamt mehr als 1.000 Milliarden Euro!

Die Greenpeace-Paper durchgeführt von FÖS werden im Peer-Review fast komplett zerlegt.13 Das überrascht absolut niemanden: Greenpeace kämpft seit Jahrzehnten wider besseren Wissens gegen Gentechnik, Pflanzenschutzmittel und Kernkraft. Trotzdem hat der Wissenschaftliche Dienst solche Junk-Science unhinterfragt rezipiert.

Auch über die Versicherung kann man AKW teuer rechnen. Die Versicherungsforen Leipzig gehen alle 2 Jahre von einem Terroranschlag auf AKW aus und errechnen so eine aberwitzige Versicherungssumme von 20 Milliarden Euro pro AKW pro Jahr. Tatsächlich zahlen deutsche AKW-Betreiber für die volle Versicherungpflicht eine zweistellige Millionenzahl pro Jahr.14

Um die Kernkraft teuer aussehen zu lassen muss man gar nichts rechnen. Weil die externen Kosten der Kernkraft wohl als zu niedrig empfunden werden, setzt das Umweltbundesamt (UBA) einfach die der Braunkohle an. Das ist komplett unwissenschaftlich? Geschenkt, denken sich UBA und der wissenschaftliche Dienst…15

Was sind externe Kosten?

Nicht alle externen Kosten sind erfunden. Jeden Tag sterben an der Luftverschmutzung durch fossile Brennstoffe und Biomasse rund 10.000 Menschen. Dagegen verblassen selbst große Energie-Unfälle wie das Wasserkraftwerk Banqiao (200.000 Todesfälle), das Wasserkraftwerk Machchhu (10.000 Todesfälle) und das Kernkraftwerk Tschernobyl (<1.000 Todesfälle).Ebenfalls Teil der externen Kosten ist der Klimawandel. Ein Teil der Klima-Kosten wird in der EU über den Emissionshandel internalisiert, indem Stromerzeuger für ihre CO2-Emissionen bezahlen. Der Preis ergibt sich durch die Nachfrage am Markt und das begrenzte Angebot von Emissionszertifikaten pro Jahr (Cap and Trade).Der aktuelle CO2-Preis liegt bei rund 90€ pro ausgestoßener Tonne. [efn_note]Carbon pricing Ember (2022)[/efn_note] Damit wird hier im Artikel gerechnet. Die Zertifikate werden jedes Jahr verknappt, wodurch der Preis langfristig steigt.

Stark umstritten ist die faire Höhe des CO2-Preises um die tatsächlichen Kosten abzubilden. Die Berechnungen zu den sogenannten Social Costs of Carbon reichen von wenigen Euro bis Hunderten Euro pro Tonne CO2. Die Schadenshöhe hängt stark von Klimamodell, Klimafolgenerwartung, Kipppunkten und mehr ab. 16

Weitere externe Kosten neben den Klimaschäden sind die für Umweltschäden wie Luftverschmutzung und Ressourcennutzung. Eine große Rolle spielt auch die Sicherheit von Energiequellen, egal ob im laufenden Betrieb oder bei Unfällen.

Die vom Klima unabhängigen externen Kosten sind bei fossilen Erzeugern am höchsten. Solar und Windkraft liegen im Mittelfeld. Kernkraft und Wasserkraft verursachen die niedrigsten externen Kosten. Nur bei einer vollständigen Internalisierung der externen Kosten ist ein fairer Wettbewerb möglich.

Vollkosten bei kompletter Berücksichtigung externer Kosten

Vollkosten inklusive externer Kosten für Umweltschäden und Gesundheitsschäden unterscheiden sich stark nach Erzeuger:

  • 37,8 €Cent/kWh Steinkohle
  • 9,2 €Cent/kWh Dachsolar
  • 9,1 €Cent/kWh Erdgas
  • 7,6 €Cent/kWh Solarpark
  • 3,8 €Cent/kWh Wind an Land
  • 3,7 €Cent/kWh Wind Offshore
  • 2,8 €Cent/kWh Kernkraft
  • 0,6 €Cent/kWh Wasserkraft

Die Relationen stammen aus einer Studie zu Umweltauswirkungen von Energiequellen der Vereinten Nationen über den Lebenszyklus17

Um auf Kosten in Euro zu kommen wurde von mir ein CO2-Preis von 195€ pro Tonne CO2 angenommen. Das sind laut Umweltbundesamt die gesellschaftlichen Kosten der Klimaerwärmung.18

Bitte genieße diese externen Kosten mit Vorsicht. Sie hängen vom gewählten CO2-Preis und anderen Unsicherheiten ab. Es geht um Größenordnungen, nicht um Stellen hinter dem Komma.

Wenn man diese externen Kosten auf den Strompreis aufschlagen würde, wäre die Kohleverbrennung weit jenseits der Wirtschaftlichkeit. Auch die Vollkosten von Erdgas, Windkraft und Photovoltaik sind sehr hoch. Biomasse und Braunkohle wurden leider nicht in der Studie betrachtet, sind aber vermutlich unbezahlbar.

Zugegeben, es ist leider äußerst unwahrscheinlich, dass in Zukunft alle Kosten nach dem Verursacherprinzip bezahlt werden. Deshalb wird dieses Szenario rein hypothetisch bleiben. Ein CO2-Preis von 200 Euro in den 2030ern würde mich hingegen nicht überraschen.

Was sind Systemkosten?

Ebenfalls externe Kosten sind die Systemkosten, die auch nicht vom Verursacher getragen werden. Es handelt sich um Integrationskosten in das Stromnetz, die leider nicht in den Stromgestehungskosten berücksichtigt werden.

Besonders teurer sind die Integrationskosten von Offshore Wind, wegen der enormen Anbindungskosten an das Festlandnetz. Für den 2,4 GW Windpark Doggerbank müssen zum Beispiel 2 Milliarden Euro für die Landanbindung investiert werden.19 In Deutschland kommen dazu noch die Hochspannungsleitungen vom Norden nach Süden. Die HGÜs Südlink, Südostlink, Ultranet und A-Nord kosten jeweils rund 2 Milliarden Euro.

Die Netzanbindung ist nur ein Teil der Systemkosten: 20

  1. Netz
    Der durch die Integration nötige Netzausbau und die Netzerweiterung.
  2. Regelenergie
    Kosten durch Netzeingriffe, insbesondere durch unerwartete Ausfälle.
  3. Backup
    Erwartete Ausfälle zum Beispiel für Wartung oder bei Flaute und Nachts für Wind und Solar.
  4. Überproduktion
    An sonnen- oder windreichen Tagen kann der zu viel produzierte Strom nicht verbraucht werden.
  5. Volllaststunden-Reduktion
    Solar und Wind können bestehende Kraftwerke nicht ersetzen. Sie senken aber deren Produktion und verursachen so zusätzliche Kosten.
  6. Kapazitätsanpassung
    Durch Wind und Solar wird ein Umbau des Kraftwerksparks nötig, z.B. Gaspeaker statt Grundlastkraftwerken.
  7. Flexibilität
    Steile Leistungsrampen von Wind und Solar erhöhen Verbrauch und Verschleiß bei fossilen Kraftwerken in Lastfolge.

Die letzten 4 Posten tauchen aufgrund der Abhängigkeit vom Wetter nur bei Wind und Solar auf. Die ersten 3 Posten spielen bei allen Energiequellen eine Rolle. Sie sind allerdings bei Solar und Wind kostspieliger, wegen der verbrauchsfernen dezentralen Erzeugung, der ungenauen Produktionsvorhersage und dem häufigen Backup-Bedarf.

Viele dieser Systemkosten äußern sich an der Strombörse am niedrigen Marktwert von Wind- und Solarstrom. Alternativ zu Systemkosten wird deshalb in der Literatur auch der Systemwert verwendet, etwa VALCOE 21 oder LACE 22. Ob man Systemwert oder Systemkosten betrachtet ist aus ökonomischer Sicht egal, aber Kosten sind einfacher aufsummierbar.

Was sind Stromgestehungskosten?

Stromgestehungskosten umfassen unter anderem:

  1. Rohstoffe
  2. Konstruktion
  3. Instandhaltung
  4. Lohnkosten
  5. Versicherung
  6. Pacht
  7. Brennstoffe
  8. Rückbau
  9. Entsorgung

Noch granularere Kostenbestandteile mit Zahlen für z.B. Zinsen oder Entsorgung weist die IEA nicht aus. Für AKW gibt es allerdings eine solche detaillierte Aufschlüsselung anhand der IEA-Zahlen.23

Im Graph oben werden Bau & Rückbau zusammengefasst, sowie alle Betriebskosten (Instandhaltung, Lohnkosten, Versicherung, Pacht, Entsorgung). Es wird bei allen Erzeugern der komplette Lebenszyklus betrachtet, von der grünen Wiese zum Kraftwerk und zurück zur grünen Wiese – inklusive Rückbau und Entsorgung.

Zusätzlich zu den eigentlichen Gestehungskosten, werden von der IEA außerdem CO2-Preise betrachtet, also eine Strafzahlung für die direkten CO2-Emissionen von fossilen Erzeugern. Die direkten CO2-Emissionen der Biomasse sind ausgenommen, obwohl genauso klimaschädlich.

Nicht von der IEA betrachtet, aber ebenfalls wichtig sind die Integrationskosten in ein Energiesystem, die sogenannten Systemkosten für z.B. Netzausbau oder Überproduktion. Bei konventionellen Kraftwerken sind die Systemkosten niedrig, bei wetterabhängigen Erzeugern sind sie hoch.

Was ist der Abzinsungsfaktor?

Der Abzinsfaktor steht quasi für Profite. Für ihr eingesetztes Geld und unternehmerisches Risiko wollen die Betreiber Rendite sehen. In der Studie der IEA werden ausschließlich Kapitalkosten abgezinst, nicht die laufenden Betriebskosten, Brennstoffkosten oder der CO2-Preis.

Im LCOE-Calculator der IEA sieht man hohe Kostensteigerungen bei Erzeugern mit hohem Kapitalaufwand und niedrigen laufenden Kosten wie Wasserkraft, Windkraft, Kernkraft und Photovoltaik: 24

  • Wasserkraft
    3%->6%: 155%
    3%->9%: 220%
  • Kernkraft
    3%->6%: 141%
    3%->9%: 194%
  • Photovoltaik
    3%->6%: 126%
    3%->9%: 155%
  • Windkraft
    3%->6%: 123%
    3%->9%: 149%
  • Kohle
    3%->6%: 112%
    3%->9%: 127%
  • Erdgas
    3%->6%: 105%
    3%->9%: 110%

Der Abzinsfaktor betrifft also vor allem klimafreundliche Erzeuger. Die Gewinne der Betreiber machen bei Wind, Solar, Wasser und Kernkraft sogar den Löwenanteil der Kosten aus. Hier können Klimaschutzprogramme ansetzen um Profitgier zu drosseln und den volkswirtschaftlichen Nutzen zu erhöhen.

Ein niedriger Abzinsfaktor von 3% ist eigentlich nur durch staatliche Unterstützung möglich. Mit einer garantierten Einspeisevergütung wie nach dem deutschen EEG sind 3% zum Beispiel machbar. Ebenfalls möglich sind derart niedrige Discount Rates über das Finanzierungsmodell der Regulated Asset Base.

Im Diagramm oben wird trotzdem ein konservativerer Abzinsfaktor von 5% verwendet. Die Fehlerbalken im Diagramm zeigen den Unterschied zu den Abzinsfaktoren 3% und 7%. An der Reihenfolge der Erzeuger ändert sich in diesem Bereich nichts.

Je niedriger die Gewinnspanne, desto höher allerdings die Lücke zwischen langlebiger Kernkraft und Wasserkraft und kurzlebiger Windkraft und Photovoltaik. Ein hoher Abzinsfaktor straft hingegen ausgerechnet Erzeuger mit langer Lebensdauer überproportional ab und läuft damit gegen nachhaltigen Klimaschutz.

Es gibt andere Studien zu Gestehungskosten, die höhere Abzinsfaktoren verwenden, über ein normales Profitmaß hinaus. Als Linker widerstrebt es mir enorm, erhöhte Rendite in Grundannahmen einzubauen. Ich betrachte deshalb nur normale Profitmargen mit und ohne staatliche Unterstpützung.

Bei einem hohen Abzinsfaktor von 10% wäre ein Kernkraftwerk nach 10 Jahren quasi nur noch die Hälfte wert. Nach rund 30 Jahren wäre es praktisch nichts mehr wert. Und das obwohl es auch nach 40, 50 und 60 Jahren immer noch so viel Strom erzeugt, wie am ersten Tag. Profitgier und nachhaltiger Klimaschutz schließen sich gegenseitig aus.

Was sind fixe & variable Kosten?

Fixe Kosten entstehen unabhängig davon, wie viel Elektrizität produziert wird. Es handelt sich um Kapitalkosten beim Bau, Rückbau und der Modernisierung eines Kraftwerks, inklusive der Finanzierung. Ebenso fix sind die Pacht, Gehälter von Mitarbeitern und Instandhaltungskosten.

Variable Kosten steigen, je mehr Strom erzeugt wird, z.B. durch Brennstoffe oder nutzungsbedingte Wartung. Die Kosten fossiler Kraftwerke und Biomasse sind größtenteils Brennstoffkosten. Mit hohen variablen Kosten lohnt es sich nicht bei niedrigen Börsenpreisen Strom zu erzeugen.

Die Kosten klimafreundlicher Energiequellen Wind, Solar, Kernkraft, Geothermie und Wasserkraft sind größtenteils Kapitalkosten, also fixe Kosten. Diese Erzeuger können auch bei niedrigen Börsenpreisen einen Ertrag erwirtschaften, aber nicht unbedingt genug um sich voll zu finanzieren.

Elektrizität ist ein extrem kurzlebiges Gut, man kann sie nur sehr bedingt speichern. Strom muss quasi immer in dem Moment veräußert werden, in dem er produziert wird. Wenn der aktuelle Marktwert unter den variablen Kosten eines Kraftwerks liegt, dann bedeutet der Betrieb einen Verlust.

Selbst wenn der Marktwert über den variablen Kosten, aber unter den Gesamtkosten inklusive Fixkosten liegt, macht das Kraftwerk Verlust. Ein Betrieb kann sich in diesem Bereich aber trotzdem lohnen. Auf lange Sicht müssen natürlich alle Kosten gedeckt werden, zum Beispiel durch höhere Preise an einem anderen Tag.

Je älter ein Kraftwerk, desto geringer ist der finanzielle Druck durch Fixkosten. Komplett abgeschriebene Kraftwerke müssen keine Zinsen mehr bedienen. Den Unterschied sieht man sehr deutlich beim Kostenvergleich zwischen der Laufzeitverlängerung und dem deutlich teureren Neubau von Kernkraftwerken.

Was sind Wärmegestehungskosten?

Die Wärmegestehungskosten für die Erzeugung von Prozesswärme oder Fernwärme in Kraftwerken sind niedriger als die Stromgestehungskosten. Das liegt daran, dass thermische Kraftwerke keine Elektrizität erzeugen, sondern Wärme.

Die Umwandlung von Wärme in Strom geschieht dann unter Verlusten. Die Wirkungsgrade bei modernen Kraftwerken sind ungefähr so:

  • ~40% Kernkraft, Kohle, Gas, Biomasse
  • ~60% Gas-und-Dampf-Kraftwerk

Das heißt umgekehrt, dass thermische Kraftwerke bei der Wärmeerzeugung deutlich effizienter und damit günstiger sind. Die Wärmegestehungskosten liegen bei gut einem Drittel der Stromgestehungskosten.

Die niedrigen Wärmegestehungskosten nutzt man bei der Kraft-Wärme-Kopplung. KWK-Kraftwerke mit angekoppelter Fernwärme oder Prozesswärme können ihre Gestehungskosten deshalb deutlich senken. Das Problem mit KWK und Fernwärme ist der extrem saisonale Bedarf. Zumindest Prozesswärme wird das ganze Jahr gebraucht.

Welche ist die günstigste Energiequelle?

Die günstigste Art Strom zu erzeugen ist die Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken im Alter von 40 Jahren.

Umso tragischer ist es, dass wir unsere klimafreundlichen Kernkraftwerke nach weniger als 40 Jahren Laufzeit abschalten.

Updates:

  • 02.01.2021: Erstmals veröffentlicht.
  • 20.09.2021: Verdopplung von CO2-Preis, Gaspreis und Kohlepreis eingepflegt.
  • 25.10.2021: Absätze & Diagramme zu historischen Kosten und Kostenprognose hinzugefügt.
  • 06.12.2021: Externe Umweltkosten aus der UNECE-Studie eingepflegt.
  • 30.05.2022: Brennstoffkosten infolge des Ukrainekriegs aktualisiert. Systemkosten anhand neuerer Zahlen aktualisiert.
  • 09.10.2023: Umfassend aktualisiert, Brennstoffkosten Gas/Kohle an das aktuelle Niveau und die Futures für 2024 angepasst.
  • 26.10.2023: Zukünftige Systemkostenentwicklung ergänzt

Quellen

  1. Projected Costs of Generating Electricity IEA (2020)
  2. EEX EUA Future Ember (2023)
  3. The Full Costs of Electricity Provision OECD (2018)
  4. The marginal system LCOE of variable renewables Reichenberg et al (2018)
  5. Mittelwert der Kosten von IEA (2020) aus den mitteleuropäischen Ländern Deutschland, Österreich, Schweiz, Dänemark, Belgien, Frankreich und Niederlande. Wegen Datenmangel wird bei Steinkohle der globale Mittelwert verwendet und bei Biomasse der Mittelwert aus Italien. Als Umrechnungswert $/€ wird 0,9 angesetzt. Die Brennstoffkosten von Steinkohle und Erdgas wurden gegenüber den Studienwerten verdoppelt, entsprechend aktueller Marktpreisen im Vergleich zu vor 2020.
  6. Dutch TTF Natural Gas Futures Trading View (2023)
  7. Rotterdam Coal FuturesTradingview(2023)
  8. Projected Costs of Generating Electricity – 2015 Edition IEA (2015)
  9. Preisindex Photovoltaik-Module pvXchange (2023)
  10. Chart: Wind turbine prices surged to decade high in 2022 Canary Media (2023)
  11. Anhebung der Gebotshöchstwerte bilden die aktuellen Kostensteigerungen ab BDEW (2022)
  12. Uranium Trading Economics (2023)
  13. Ein Peer-Review der Studie „Gesellschaftliche Kosten der Atomenergie in Deutschland“ des FÖS atw (2021)
  14. Widerlegt: Deutschlands bekannteste Studie zur Versicherbarkeit von Kernkraftwerken Nuklearia (2022)
  15. Methodenkonvention 3.0 zur
    Ermittlung von Umweltkosten S.18 UBA (2019)
  16. Why the social cost of carbon will always be disputed Pezzey (2018)
  17. Life Cycle Assessment of Electricity Generation Options UNECE (2021)
  18. Methodenkonvention 3.1 zur Ermittlung von Umweltkosten Umweltbundesamt (2020)
  19. Optioneering analysis for connecting Dogger Bank offshore wind farms to the GB electricity network Nieradzinska et al (2016)
  20. System LCOE: What are the costs of variable renewables? Ueckerdt et al (2013)
  21. Levelised Cost of Value-Adjusted LCOE IEA (2019)
  22. Levelized Avoided Cost of Electricity (LACE) EIA (2018)
  23. Synthesis on the Economics of Nuclear Energy D’haeseleer (2013)
  24. Levelised Cost of Electricity Calculator IEA (2020)

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Dieser Beitrag hat 284 Kommentare

  1. Andreas B.

    Eine sehr schöne Aufarbeitung des Thema, welche wie häufig einen Entscheidenden Punkt nicht anspricht: Die volkswirtschaftliche „konsumtiv reproduktive“ Marktfähigkeit! Diese Existiert bei Windkraft- und Solarerstromerzeugung einfach nicht, weswegen diese Technologien sich mit „niedrigen Stromentstehungskosten“ zwar bei der Privatanwendung gut eignen um Stromkosten einzusparen, jedoch im gesamtwirtschaftlich industriellen Maßstab der volkswirtschaftlichen Nachhaltigkeit vollkommen unfähig sind! Wieviele Mitarbeiter trifft man den in Windkraft- und Solarparks an, welche erst durch ihre Arbeitsleistung der Energie- (in richtigen Kraftwerken) und Stromerzeugung einen wirtschaftlichen Wert verleihen und ihre Entlohnung dafür, als normalerweise größter Produktionsfaktor, wiederum zur Konsumnachfrage in der Volkswirtschaft nutzen/ausgeben?

    Also die häufig erwähnten „niedrigsten Stromentstehungskosten“ von „Erneuerbaren“ wäre nur dann ein wirkliches „Pro-Argument“ für diese Stromerzeugung, wenn der Endpreis je Kilowattstunde Strom für den Konsumenten sich nahe seines eigentlichen Produktionswert befinden würde…. was aber „politisch organisiert“ deswegen nicht der Fall ist, weil Niemand in der Privatwirtschaft so bescheuert wäre in „thermodynamisch ungünstiger“ Mechanischer u. Chemischer Stromerzeugung zu „investieren“, dessen Energie-Erntefaktor so dermaßen schlecht ausfällt dass bei einem „Produktionswert geknüpften Stromverkaufspreis“ jegliche Renditeerwartungen, einer vorigen Kostenabschreibung zum Opfer fallen würden. Ohne die künstlich dressierten Stromverkaufspreise würden sich Wind u. Solar marktwirtschaftlich einfach nicht profitabel Rechnen!

  2. Jörg Käsewieter

    Tschernobyl hat weniger als 1000 Todesopfer? auf welcher Quelle beruht diese Schönrechnung? über 100.000 der Liquidatoren sind gestorben.

    1. Florian Blümm

      Es sind mehr Liquidatoren gestorben als überhaupt eingesetzt wurden? Sagt Greenpeace, oder?

  3. Mutant77

    Sind in der Darstellung der gestehungskosten auch die Puffersysteme enthalten?
    Bei Sonne und Wind sind aktuell vor allem Gaskraftwerke für die Flauten zuständig. Was aber bedeutet man betreibt Gaskraftwerke unrentabel, um Lücken der subventionierten solar und windanlagen betreiben zu können.
    Oder sind hier schon akkuanlagen enthalten?

    1. Es sind Systemkosten inklusive Backup enthalten, aber die Zahlen sind aufgrund schlechter Quellenlage bewusst konservativ gewählt.

  4. H. Mast

    Ich finde das Thema in der aktuellen politischen Debatte ganz interessant, vor allem wenn sich sogenannte Promis in den Wahlkampf einschalten und mit irgendwelchen falschen Daten deren Community´s raten, wählt jetzt „richtig“
    Die Windräder alle abzureißen wie es eine Kanzlerkandidatin gesagt hat, ist natürlich totaler Blödsinn. Es ist für das Klima selbstverständlich wichtig und richtig, auf Wind, Wasser und Sonne zu setzen. Mit neuen Technologien werden diese auch in Zukunft kostengünstiger produziert werden können, dafür werden allerdings die richtigen Speichersysteme benötigt.
    ABER: In der aktuellen Lage, auch natürlich kriegsbedingt, kann man doch nicht aus ideologischen Gründen gut laufende AKW´s abschalten. Eine Nutzung für weitere 5-10 Jahre hätte und würde uns aus der aktuellen schlechten Wirtschaftslage helfen. Diese Übergangszeit muss dann dringend für Innovationen in die bereits erwähnten Speicher oder andere neue Technologien genutzt werden. Um den Bedarf einer Industrienation wie Deutschland zu decken, brauchen wir nunmal auch günstige Energie.
    Wir kaufen derzeit von unseren Nachbarländern den Atomstrom, den wir in Deutschland nicht haben wollen. Die Reaktoren stehen quasi direkt an unserer Grenze, also wenn dort etwas passiert sitzen wir sowieso mit im Boot. Selbst die Grünen anderer Länder sagen uns, schaltet die Dinger wieder ein, ihr schraubt dadurch unnötig den Preis bei uns hoch.
    Und was natürlich klar ist, läuft die Wirtschaft nicht, ist auch kein Geld für eine gute und wichtige Sozialpolitik vorhanden. Viele Industriebetriebe warten die Wahl ab, wenn ein deutlicher Links/Grün-Ruck kommen wird, dann werden in den nächsten Jahren einige Unternehmen die Produktion nicht mehr in Deutschland halten. Gerade der Onkel von der anderen Seite des großes Teichs winkt jeden Tag zu uns herüber und lockt mit günstiger Energie, geringen Steuern, wenig Arbeitgeberpflichten und vielem mehr.
    Nichts gegen Links/Grün, gute Gedanken und Ansätze, aber in der aktuellen Situation leider nicht machbar, vor allem würde das die Irren von ganz außen weiter stärken.
    Ich bin übrigens ein Wechselwähler, habe bei den letzten 3 Wahlen (Europa, Land, Bund) immer unterschiedlich gewählt.

  5. Dristan L

    Ich sage nur Ventil Nummer TH22 S006
    https://www.spiegel.de/politik/wir-haben-sagenhaftes-glueck-gehabt-fast-ein-jahr-lang-hielten-a-d09f326d-0002-0001-0000-000013531238

    Noch nicht mal ansatzweise ein Endlager.

    Die Kosten für das Einlagern über einen Zeitraum von optimistischen 24.000 Jahren dürften sich (ohne Inflation und wirtschaftliche Entwicklung) auf ganz grob kalkulierte 4,8 Billionen Euro belaufen.

    Mal ganz davon ab, dass wir dann wieder extrem anfällige zentrale Energieversorgungen hätten und uns von endlichem Uran abhängig machen würden.

    Hinzu kommt, dass es auch bei Atomkraft, wie beim Gas und irgendwann beim Öl, zu einem großen Knall kommt. Das sind endliche Rohstoffe, um die sich die Big Player irgendwann streiten werden. Wann also, ist die Frage, wollen wir denn mit der Energiewende anfangen? Wenn sich alle um die Reste raufen und sich gegenseitig die Augen aushacken?

    Die aktuellen Subventionen fließen zudem in die Privathaushalte und die Privatwirtschaft, durch die Energiewende haben die Bürger am Ende mehr Geld in der Tasche und haben vorallem Freiheit und Sicherheit gewonnen. Das der Weg bis dahin auch Opfer braucht, ist kein Geheimnis, vorallem wenn man 30 Jahre nichts getan hat. Das selbe gilt für unser Glasfasernetz und den 55 Mrd Investitionsstau in unseren Bildungseinrichtungen. Gerne können wir aber auch 15 Jahre auf das nächste Atomkraftwerk warten und 40 Jahre (vierzig !) alte Meiler wieder in Betrieb nehmen.
    Ganz einfache Lösung:
    Steuerschlupflöcher schließen (100 Mrd/Jahr) und Erben ran nehmen (effektiver derzeitiger Satz – ca. 3%). Investieren, investieren, investieren und nicht in einem Milliardengrab wie ein Atomkraftwerk das Geld versenken.

  6. GPT

    Die Grafik stammt von „Tech for Future“ und zeigt die Vollkosten von Stromerzeugern in Deutschland. Der sehr niedrige Wert von 3,0 Cent/kWh für die Verlängerung bestehender Kernkraftwerke und 5,3 Cent/kWh für neue AKW fällt dabei auf. Andere Analysen, wie etwa von der Fraunhofer-Gesellschaft oder DIW, kommen oft auf deutlich höhere Werte für Atomstrom (zwischen 10 und 20 Cent/kWh).
    Warum ist der AKW-Strom hier so günstig dargestellt?

    Die niedrigen Werte könnten aus mehreren Faktoren resultieren:

    Günstige Abschreibung alter Anlagen (AKW-Verlängerung)
    Bestehende Kernkraftwerke haben ihre Baukosten bereits abgeschrieben. Die Kosten für die Laufzeitverlängerung bestehen vor allem aus Wartung und Betrieb.
    Dies führt zu geringeren Kosten pro kWh, wenn die Restlaufzeit optimiert wird.

    Niedrig angesetzte Baukosten für neue AKWs
    Die IEA (2020) und OECD (2018) werden als Quellen genannt, die tendenziell optimistische Werte für Atomenergie angeben.
    Viele neuere Analysen zeigen, dass Baukosten für neue AKWs deutlich teurer und oft überschritten werden (Beispiel: Hinkley Point C in UK mit 15 Cent/kWh).

    Geringe Einbeziehung von Risiken und Endlagerkosten
    Viele unabhängige Studien (z. B. DIW) zeigen, dass Rückbau- und Endlagerkosten oft unterschätzt werden.
    Die Grafik zeigt keine separaten Entsorgungskosten für nuklearen Abfall, die in anderen Berechnungen eine große Rolle spielen.

    Unterschätzung von Kapitalkosten (Zinskosten)
    Kernkraftwerke haben hohe Anfangsinvestitionen, die über Jahrzehnte abgeschrieben werden müssen.
    Ein niedriger Abzinsfaktor von 3-7 % könnte die Kosten künstlich reduzieren.

    Fazit

    Die niedrigen Preise für Atomstrom in dieser Grafik sind nicht repräsentativ für viele realistische Berechnungen. Besonders für neue Kernkraftwerke sind Baukosten in anderen Ländern deutlich höher als hier angegeben.
    Es ist ratsam, diese Zahlen mit kritischer Distanz zu betrachten und alternative Studien (z. B. von Fraunhofer ISE, DIW, oder Agora Energiewende) zu vergleichen.

  7. Armin Dressel

    Es wäre praktisch, wenn man nicht immer Tote pro Tag als Mortalitätsrate angibt, sondern den durchschnittlichen Verlust an Lebensjahren, wenn es Folgen geht, die sich chronisch auswirken. Anders ist es wieder bei aktut tötlichen Unfällen. ─ Es wäre auch nett, wenn die Folgen bei der Brennstofförderung im Ausland irgendwie mit berücksichtigt werden, im Sinne von gesamtgesellschaflicher Verantwortung.

  8. Thomas Schmitt

    Wer, wann und zu welchem Preis versichert ein AKW, nur so, falls sich Geschichte doch wiederholt? D ist nicht ganz so groß, da hätte ein einziger Störfall in der Tschernobyl Größe verheerende Folgen. Und wir alle kennen Murphys Law.

    1. Florian Blümm

      Eine Haftpflichtversicherung hat jedes AKW. Und bitte keine Tschernobyl-Vergleiche: Niemand will sowjetische RBMK bauen…

      1. Stefan

        AKW Betreiber sind in ihrer Haftung beschränkt und auch nicht in darüber hinaus versichert. Bei einem Unfall zahlt der Staat und die Bürger. Privaten Policen (z. B. Gebäudeversicherung) schließen den Fall so wie Kriegsschäden auch aus.

          1. O. Daske

            „Bei einem Unfall haftet der Betreiber unbegrenzt.“ –
            Da habe ich tatsächlich schon mal ganz andere Infos gelesen – Von wenigen D-Mark pro Geschädigten war da die Rede und auch unbegrenzt ist in Kfz.-Versicherungen inzwischen begrenzt.

          2. Florian Blümm

            Jede Versicherung hat Limits, die Betreiberhaftung hat aber keine.

  9. Christoph

    Nach den Darstellunge müsste es dem Energieversorger EDF in Frankreich blendent gehen, denn der hat vor allem alte AKWs, die sich nach der Tabelle mit 3 Cent/kWh betreiben lassen sollten.

    Warum hat EDF dann so massive Schulden angehäuft? So sehr, dass der französische Staat eingreifen musste? Darüber gibt es zahlreiche Artikel und in allen wird gesagt, dass es alles viel teurer ist, als in der gewünschten Welt der Atomlobby. Siehe z.B. hier:
    https://www.fr.de/wirtschaft/verteuert-atomstrom-ende-billigstrom-frankreich-paris-92726554.html

    1. Florian Blümm

      EdF hatte 2022 extreme Wartungsprobleme durch das Korrosionsproblem in den C4- und N4-Reaktoren und den Corona-Wartungsstau. In allen anderen Jahren, und auch in 2023, hat EdF aber ordentlich Gewinn gemacht und auch keine „massive Schulden“ angehäuft.

      Und das trotz der ruinösen ARENH-Regelung in Frankreich, bei der Atomstrom am Markt vorbei zu 4,2 Ct/kWh verkauft werden muss. Dabei noch Gewinn zu machen wäre ja nach deinen Vorstellungen gar nicht möglich.

      Die Erhöhung bei ARENH von 4,2 Ct auf 7 Ct ab 2026 begrüße ich übrigens sehr, noch besser wäre abschaffen. 7 Ct/kWh ist übrigens ein Drittel (!) der deutschen Solarstromvergütung…

      1. Christoph

        Nach meinen Vorstellung wäre es nicht möglich mit 4,3 Cent/kwh Gewinn zu machen – aber nach Deinen! Deine Tabelle sagt, dass 3 Cent/kWh bei Verlängerung AKW wirtschaftlich wäre. Du bestätigst damit, dass die Realität ganz und gar nicht so aussieht. Oder wurde bei dem Preis nicht eingerechnet, dass Teile korrodieren und Teile gestauscht werden müssen? Dann ist es schön gerechnet worden.

        Aktuell wird Solarstrom mit 8,4 Cent/kWh gefördert. Siehe: https://www.eigensonne.de/ratgeber/photovoltaik/einspeiseverguetung/

        1. Florian Blümm

          Und wieso macht EdF dann Gewinn, trotz lediglich 4,2 Ct/kWh Erlös? Wie lässt sich das mit den angeblich „hohen Kosten der Atomkraft“ vereinbaren?

          Neue Solaranlagen werden mit 8,4 Ct/kWh gefördert. Alle Solaranlagen Deutschlands werden aber mit 21 Ct/kWh gefördert.

          1. Christoph

            EDF hat momentan 41 Mrd Euro Schulden. In den nächsten 10 Jahren kommen 100 Mrd. für die Sanierung alter AKWs dazu. Quelle siehe https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%89lectricit%C3%A9_de_France

            Diese 100 Mrd. müssten in den 3 Cent/kwh drin sein, denn sonst ist seltsam gerechnet. Windkraft muss schließlich auch mit 6,2 Cent/Kwh hinkommen und darin ist inklusive Sanierungs- und Rückbaukosten. Die kann man dann fairerweise bei Atom nicht einfach aus dem Preis rausrechnen.

            Wenn die 3 Cent nicht hinkommen, dann bitte oben die Tabelle anpassen.

            Bei Solar kannst Du doch nicht einfach die Anlagen aus der Anfangszeit dazu rechnen. Das war Anschubfinanzierung, die viel gebracht hat. Anosnten müsstest Du fairerweise die 200 Mrd. die zur Entwicklung von AKWs in D aufgebracht wurden fairerweise auch noch auf den KWH Preis aufschlagen. Das wollen wir ja beide nicht.

          2. Florian Blümm

            Also ne Debt/EBITDA-Rate von 1,35 ist nicht hoch, eher niedrig. Übrigens sind ~55 Mrd. Euro weniger als 2 Jahre EEG-Förderung und weniger als ein Jahr aller Energiewende-Förderungen.

            Ich rechne überhaupt nix dazu. Die 21 Ct/kWh sind das, was wir letztes Jahr an Solarstrom-Förderung gezahlt haben.

            Wir können gerne die Forschungssummen EE/AKW dazurechnen. Das waren in beiden Fällen etwas unter 9 Mrd. Euro. Da AKW aber ein Vielfaches der Energie erzeugt haben, dürfte das schlecht für EE ausgehen.

          3. Stefan

            Alle AKW wurden in der Anfangszeit in allen Ländern massiv zusätzlich subventioniert. Privat wäre das gar nicht gegangen. Die waren politisch gewollt (damals sicher eine sinnvolle Entscheidung).
            EEG ist ein Witz dagegen.

          4. Florian Blümm

            Klar war das so, bei den Testreaktoren in den Sechzigern und frühen Siebzigern. Die kommerziellen AKW mussten in Deutschland aber nicht subventioniert werden.
            Zum Vergleich: Bei Wind und Solar subventionieren wir nun bereits seit 23+ Jahren und mit einer 0 mehr hinten an der Milliardensumme.

      1. Christoph

        Ich zitiere aus der von Dir angegeben Quelle: Seit 2002 schreibt das Atomgesetz in Deutschland eine Deckungssumme von € 2,5 Mrd. vor. Für nicht gedeckte oder nicht erfüllbare Schadenssummen bis zu diesem Betrag haftet nach § 34 Atomgesetz der Bund.

        2,5 Mrd. decken damit 1% der wirklich Kosten bei einem GAU ab. 99% davon trägt also der Bürger…. <ohne Worte>

        1. Florian Blümm

          Bei einem GAU, also ohne Freisetzung, trägt natürlich allein der Betreiber das finanzielle Risiko – selbst bei Totalschaden.

          Ein Super-GAU ist bis 2,5 Mrd. Euro versichert, darüber hinaus haftet der Betreiber unbegrenzt. Ein in Deutschland möglicher Super-GAU, wie Three Mile Island kostet bei großzügiger Auszahlung unter 1 Mrd. Euro.

          1. Florian Blümm

            Du musst natürlich nur versichern, was auch passieren kann. Eine Wasserstoffexplosion und ungefilterte Freisetzung von Nukliden ist in einem deutschen AKW dank Wasserstoffrekombinator und gefilterter Durckentlastung ja selbst bei einer Kernschmelze nicht denkbar. Deshalb ist selbst der Vergleich mit Three Mile Island sehr pessimistisch.

          2. Christoph

            Ok, Dann belege bitte gerne die wahren Kosten eines Super-Gaus mit Quellen. Man könnte auch fragen, warum die Betreiber ihre Schadensumme so stark begrenzt haben, wenn so hohe Summen sowieso nicht auftreten können.

  10. Christoph

    Wenn Kernkraft so billig ist, warum müssen die Engländer dann 14,7 Cent/kWh Einspeisevergütung bei ihrem neues AKW bezahlen? Sogar garantiert über 35 Jahre und inklusive Anpassungen an die Inflation in dem Zeitraum. Haben die sich reinlegen lassen?

    1. Florian Blümm

      Der Differenzvertrag von Hinkley C war ein Schnäppchen. Windparks waren selbst Jahre später noch 50% teurer. Auch wenn du mit deutscher Einspeisevergütung vergleichst, ist das nicht mehr. Wir zahlen im Schnitt 14,8 Ct/kWh Erneuerbare. Und sowohl die UK Windparks als auch die deutschen Erneuerbaren haben deutlich höhere Systemkosten.

      Mehr dazu hier: 18 Kernenergie Mythen

      1. Christoph

        Wir haben wohl unterschiedliche Quellen. Bei uns gibt es Vergütungen von 8,4 Cent/kWh für Windkraft. Da ist das AKW fast doppelt so teuer. Siehe hier: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/173266/umfrage/durchschnittliche-eeg-verguetung-von-wind-onshore-bis-2015/

        Offshore ist teuer: Die im EEG festgelegte Vergütung für Offshore-Windstrom beträgt 15,4ct/kWh für die ersten 12 Jahre (seit August 2014). Danach fällt diese gesetzlich garantierte Anfangsvergütung auf ein Viertel (3,9 ct/kWh). Das ist in den Gesamtkosten auch immer noch viel günstiger als das AKW.

          1. Florian Blümm

            Sorry, aber das stimmt einfach nicht. 140-150 GBP/MWh für die Windparks in den Jahren nach HPC: United Kingdom Support for five Offshore Wind Farms: Walney, Dudgeon, Hornsea, Burbo Bank and Beatrice European Comission (2014)

          2. Christoph

            Warum nimmst Du 10 Jahre alte Quellen? INzwischen hat sich da deutlich etwas geädnert. Das solltest Du mit berücksichtigen.

          3. Florian Blümm

            Was hat sich denn an den CfDs der Windparks zur Zeit von Hinkley C nachträglich noch geändert!? Glaubst du ernsthaft die wurden nachträglich noch gesenkt?

          4. Christoph

            Wie begründest Du denn den Unterschied mit den von mir angegeben Quellen? Windkraft wird immer günstiger. Ganz im Gegensatz zu AKWs. Da sinkt die Einspeisevergütung natürlich auch. Am Anfang gab es bei Solar auch 50 Cent/kWh. Dennoch kannst Du da jetzt auch nicht eine Quelle von der Anfangszeit als die aktuelle Vergütung angeben. .

          5. Florian Blümm

            AKW werden natürlich auch günstiger, dank Lernkurve. Der zweite Reaktor in Hinkley Point C ist bereits günstiger und schneller gebaut, als der erste. Deutlich günstiger und schneller sollte es in Sizewell C werden.

          6. Christoph

            Oha. Interessante Aussage. Bisher liest man nur von Problemen und stetig steigenden und horrenden Kosten. Hast Du eine Quelle für Deine Aussage?
            Das Thema war aber gerade Windkraft. Bitte aktuelle Quellen verwenden, die auch die wahre Vergütung darstellen. Hast Du andere als die von mir gefundenen?

      2. Marcel Schwalbach

        Ich kann dieser Argumentation nicht folgen. Wir haben dieses Jahr einen Bürgersolarpark mit einer Vergütung von ca. 6 ct/kWh ans Netz gebracht, Hinkley C wird weit über 10 ct/kWh erhalten und dann sogar noch einen Inflationsausgleich. Unsere Vergütung ist auf 20 Jahre fest. Diese Zahlen lügen doch nicht?

        1. Florian Blümm

          Hinkley C wurde nicht 2023 beschlossen, sondern 10 Jahre vorher. 2013 und noch viele Jahre später waren die Vergütungen von Erneuerbaren-Projekten bei 16-17 Ct/kWh. Hinkley C war mit 11 Ct/kWh also ein Schnäppchen.
          United Kingdom Support for five Offshore Wind Farms: Walney, Dudgeon, Hornsea, Burbo Bank and Beatrice European Comission (2014)

          Und dann hast du noch keine Systemkosten berücksichtigt, die auch deinen Solarpark verteuern.

  11. mase

    Wieso schreibst du in der Überschicht Kosten für das Jahr 2024 verwendest jedoch recht alte Quellen. hast du die Lernkurve z.B. für PV berücksichtigt?

      1. Marcel Schwalbach

        Dann sind sie jetzt aber mittlerweile nochmal deutlich gesunken und liegen bei 0,14 €/Wp

        1. Florian Blümm

          Solarmodule sind im Februar 2024 30% günstiger als Mitte 2020. Das heißt die Gestehungskosten sind um rund 7% gesunken. Wie du weißt, machen die Modulkosten nur rund 25% der Gestehungskosten aus.

          Und die Vollkosten wären um rund 4% gesunken, bei gleichen Systemkosten. Wegen dem höheren Systemanteil von Solar sind die Systemkosten aber vermutlich im gleichen Zeitraum um mehr als 4% gestiegen.

    1. Florian Blümm

      Die Erzeugungskosten von HPC sollten im gleichen Bereich liegen, wie die hier verwendeten Kosten von Flamanville. Das ist sogar der gleiche Reaktortyp. Auf der Wikipedia-Seite steht ja nix zu den Gestehungskosten.

  12. Peter Hermann

    Gute Zusammenstellung. Die 3 Cent für AKWs sind aber unter den russischen Bedingungen berechnet, oder?

    • es gibt keine zu anderen Brennstoffen vergleichbare privatwirtschaftliche Versicherung (Kohlekraftwerke kaufen auf dem freien Markt eine Unfallversicherung, Atom tut dies NICHT)
    • Kosten für die Ertüchtigung auf aktuell geforderten Stand der Technik werden ignoriert (die Wartung in Deutschland ist ja schon viele Jahre überfällig)
    • die Sicherheit wird à la Tschernobyl ignoriert – ab und an geht halt mal was hoch
    • die Reste werden ins Meer geworfen, d.h. die Folgekosten werden ignoriert.

    Ich bin jetzt KEIN Experte, aber wenn ich für mehrere tausend Jahre die Lagerkosten, die Kosten für spontane Katastrophen alle 100 Jahre (Ist ja bestimmt „viel“ sicherer wie bei Atomkraftwerken wo auch nie was passiert) und die Kosten inkl. Lohnerhöhungen für die mehreren tausend Jahre rechne,

    1. Florian Blümm

      1. Die Zahlen zur Laufzeitverlängerung AKW stammen aus Schweden, Schweiz und Frankreich, siehe Quelle IEA.

      2. Alle in Europa laufenden Kernkraftwerke sind natürlich versichert und diese Kosten sind in den Gestehungskosten eingepreist. Bei Kohlekraftwerken sind nur Unfälle versichert, nicht die Todesfälle durch Luftverschmutzung oder Klimaerwärmung.

      3. Wartungen sind natürlich eingepreist. In Deutschland findet jedes Jahr eine vollumfängliche Revision statt. Bei einer mehrjährigen Überfälligkeit würde ein deutsches AKW keine Anfahrtserlaubnis bekommen.

      4. Tschernobyl ist nicht vergleichbar mit Leichtwasserreaktoren.

      5. Es wird nichts Gefährliches ins Meer geworfen, auch keine Reste.

      6. Es gibt keine Lagerkosten für Jahrtausende. Ein tiefengeologisches Endlager wird nach wenigen Jahrzehnten passiv verschlosse.

      1. Christoph

        Ja, das hat mit Asse ja schon mal ganz gut geklappt… Wer musste die Kosten nochmal tragen? Bezüglich Versicherung…. ein GAU ist nicht mitversichert. Das würde die Kosten sprengen – dann muss der Staat einspringen…

        1. Florian Blümm

          Asse war halt kein dediziertes Endlager, sondern ein zweckentfremdetes Bergwerk. Dass man das nicht so macht, wusste man sogar schon damals. Und der Müll dort stammt zum allergrößten Teil nicht einmal aus Kernkraftwerken…

          1. Christoph

            Das ist eben gerade so erschreckend! Atommüll wird dilentantisch entsorgt. Wenn das so bei uns passiert, wie sieht das erst im Ausland aus? Die holen das Zeug dann ggf. nicht mehr raus.

          2. Florian Blümm

            Ja, die Entsorgung in der Asse in den Siebzigern war diletantisch. Das wäre heute nicht mehr so möglich.

            Kein EINZIGES anderes Land der Welt entsorgt niedrig- oder mittelradioaktiven Atommüll in einem tiefengeologischen Endlager. Das machen nur wir in Deutschland mit unserem Atomwahn. Brauchst dir also keine Sorgen machen, dass woanders ein Endlager für unproblematischen Müll absäuft 😉

  13. Gerd

    wo sind die Kosten für zukünftige AKW Endlager?

      1. Stefan

        Sind nur deshalb enthalten, weil sie zu einem fixen Betrag auf den Bund übertragen wurden. Wenn die 3xMrd Euro für die nächsten 1000 Jahre nicht reichen, was dann.
        Wüsste kein Großprojekt, wo die geplanten Kosten gereicht hätten.

        1. Florian Blümm

          Stell dir vor, du hast 2014 deine Rechnung für die Abfallentsorgung bezahlt zum verlangten und im internationalen Vergleich sehr teuren Preis.
          Wärst du nicht ziemlich irritiert, wenn das Entsorgungsunternehmen im Jahr 2024 auf dich zurückkommt und für die Abfallentsorgung 2014 nun das Doppelte verlangt?

          Du kannst nicht die Betreiber für Versäumnisse von BGE und BASE haften lassen. Die bezahlten 24 Mrd. Euro waren bereits eine Größenordnung mehr als andere Länder für ihre Endlager zahlen.

  14. sakajoma

    Das verlinkte Umfrageergebnis „Mehrheit für Kernenergie“ finde ich lustig, man sollte die Frage nochmal konkretisieren: „Sind Sie dafür, dass in Ihrem Landkreis ein Atomkraftwerk errichtet wird?“ (Wahlweise Endlager). Wenig überraschend wird das Ergebnis sehr weit von einer Mehrheit entfernt sein. Weitere Punkte die gerne unter den Tisch fallen gelassen werden bzgl. Kernkraft:

    • In Frankreich standen zuletzt zahlreiche AKW still mangels Kühlwasser, im Klimawandel ist das zukünftig häufiger zu erwarten
    • Wo sollen die Brennstäbe herkommen, Russland?
    1. Florian Blümm

      Wie Umfragen gezeigt haben, gibt es ja sogar Landkreise mit Mehrheiten für ein Atommüll-Endlager. Wir sollten es vielleicht so machen wie Schweden und Bewerbungen für das Endlager zulassen statt es einer Region aufzuoktroyieren. Das hat aber mit Laufzeitverlängerung oder Neubau nix zu tun. Ein Endlager brauchen wir sowieso.

      In Frankreich stand meines Wissens noch nie ein AKW wegen Kühlwasser-Mangel still. Das wäre auch sehr verwunderlich, alle französischen AKW sind an großen Flüssen oder am Meer gebaut. Es stimmt, dass manche französische AKW keine oder keine ausreichend großen Kühltürme haben und deshalb um Überhitzungen von Flüssen zu vermeiden im Hochsommer manchmal ihre Leistung drosseln müssen. 2023 ist das meines Wissens nicht passiert, 2022 betraf das in Frankreich nur 2 AKW, die für wenige Stunden nicht auf Volllast fahren durften. Die noch verlängerbaren deutschen AKW sind davon nicht betroffen, weil die ordentlich dimensionierte Kühltürme haben.

      Brennstäbe für deutsche oder französische AKW kamen natürlich noch nie aus Russland. Dort weiß man gar nicht, wie man die entsprechenden Brennstäbe fertigt. Es wird dich freuen zu hören, dass auch für die in Osteueropa verbreiteten WWER nach sowjetischer Bauart mittlerweile Westinghouse Brennstäbe fertigt.

    2. Gerd

      Frankreich’s AKWs sind auch eher am Ende der Betriebszeit. DEr Betreiber hat 80.000 Mio Schulden.

      1. Florian Blümm

        Frankreichs AKW kommen gerade erst in ihre Midlife Crisis. Und ich möchte jede Wette eingehen, dass nach dem Desaster infolge der Stilllegung von Fessenheim kein weiteres franz. AKW vorzeitig stillgelegt wird.

        1. fdiepartei

          Die Wette halte ich! Die müssen erst einmal bis 2025 ihre Meiler revisionieren (wenn das reicht) und sich überlegen, woher die Schweißer kommen, die die Fundstellen flicken. Auf dem Papier können die Franzosen auch 100 Jahre als Laufzeitziel hineinschreiben, der Altersschnitt der bereits 200+ stillgelegten Reaktoren legt nahe, dass 60 Jahre Laufzeit ein Fantasiewert sind.

  15. Ert

    1) Keine Firma würde die AKWs wieder anschalten, gerade nicht für 3Cent die kWh – und selbst wenn man einen Betreiber findet und diesen mit sehr viel Geld ausstattet – wieviel AKWs könnten in2Jahren wieder laufen? 3? 6? also so 6% vom Stromverbrauch?

    2) Selbst wenn ein Neubau von AKWs dann 5Cent die kWh kosten würde (was alles utopisch ist, siehe bspw die Kosten in England) dann würde diese AKWs in De frühestens in 40Jahren ans Netz gehen… Es wird noch nichteinmal geschafft ein Endlager für den Müll zu finden.

    Also, ich fasse zusammen: Willkommen im Einhornland

    1. Florian Blümm

      1) Stand Ende 2023 können in Deutschland mindestens 5 AKW wieder angefahren werden. Die würden dann mindestens 10% des deutschen Stroms erzeugen und gut 50 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr vermeiden. 3 davon würden die Strompreise um bis zu 13% senken. Die Laufzeitverlängerung würde sich selbst finanzieren, insbesondere bei aktuellen Börsenpreisen.

      2) In England sind die Kosten für AKW höchstwahrscheinlich nicht höher als in Mitteleuropa. Die mittlere Bauzeit für Reaktoren liegt bei 7,5 Jahren.

      Von der Ampel eine politische Wende zu erwarten ist leider Einhornland, aber die nächste Wahl kommt 2025.

      1. fdiepartei

        Wer soll die 5 Meiler betreiben wollen, mit welchem Personal und nach welcher technischen Abnahme, während diese bereits, wie gesetzlich vorgeschrieben, sich voll im Rückbau befinden? Nelson in Personalunion mit Radiant Energy Group fantasiert sogar von 8 Meilern. Leute im Land der Atomeinhörner, etwas Realitätssinn wäre schon schick! Nach 1 GW PV-Zubau in 2023 würden diese auch keine 10% mehr liefern und die mittlere Bauzeit von 7,5 Jahren hat HPC deutlich gerissen, wenn es denn jemals (und die Wette halte ich!) in den Regelbetrieb geht. Die Stromkosten dürfte keiner der Briten zahlen wollen und darüber geht die EDF und/oder der französische Staat in die Knie.

    2. Naber

      Ert

      Der böse Atomstrom verstopft unsere Leitungen und deshalb müssen wir ganz viel Strom importieren. Ich helfe mal auf die Sprünge:
      https://www.stromdaten.info/ANALYSE/importexport/index.php
      Mit heutigem Datum haben wir sage und schreibe 2,276 Milliarden € für Strom ausgegeben!
      Im Jahr davor 2,873 Milliarden € Gewinn gemacht. Wenn mir jemand nochmal so einen Mist vom Himmel erzählt, dass Atomstrom ganz wenig ausmacht sollte mal ganz schnell die Fakten checken.
      2,276 Milliarden € Verschuldung Jährlich wegen abschalten von Atomkraftwerke? Die Grünen reden die ganze Zeit was von Erneuerbare sind ja so günstig. Ja und? Interessiert mich nicht was erzählt wird, sondern was aufm Papier steht oder in irgendwelchen Märchenbücher. Die Praxis zählt und da haben die Grünen auf jeder Linie verloren.
      Bei 2,276 Milliarden € jährlich kann ich mehrere Atomkraftwerke die nächsten 10 Jahre finanzieren UND Strom Gewinnbringend verkaufen.
      Aber Parteiprogramm ist Parteiprogramm und Aufklärung und Fakten sind völlig egal. Ideologie ist wichtig.
      Wie mit dem Tempolimit. Anstatt alles zu sanieren, bei den KFZ Steuern die ich für meinen 3.0 l Diesel zahle sollten die Autobahnen 5-Spurig ausgebaut sein. Verlange ich aber nicht. 3 reichen und die LKWs von der Straße.
      Autofahrer sollen je nach alter bis zu jährlich zur Gesundheitsprüfung, alle 2 Jahre ne kleine Prüfung für neue Regeln absolvieren, Abnahmefahrt dazu. Für Wenigfahrer sollte jedes Jahr ne Prüfung statt finden den diese stellen die größte Gefahr aufgrund der nicht vorhandenen Fahrpraxis dar. Eintönige Fahrweise ist einschläfernd, die Landstraße am tödlichsten und unsere Nachbarländer zeigen, dass nicht die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn Sicherheit bringt, sondern die Sicherheit der Autos und besser ausgebaute Autobahnen.
      Aber das will keiner, eingriff in meiner Freiheit. Lieber symbolische 130 damit ja keine Gesundheitsprüfungen kommen, die aufdecken wie viele Alte Leute unter anderem unter Medikamenteneinfluss, der sich sehr wohl auf das fahren auswirkt, Auto fahren obwohl das höchst gefährlich ist.

      Also bleiben wir mal bei den Fakten, dir Florian Blümm auch liefert. Und nicht nur er, auch Leute wie Hans-Werner Sinn. Es ist aber einfacher weg zu schauen und sich eine Fantasiewelt aufzubauen und irgendwelche ideologischen Sprüche nach zu plappern.

  16. Stark

    Frage: ich verstehe nicht den hohen Brennstoffpreis für Biomasse. Wenn ich heute Pellets kaufe, dann beziehe ich diese für ca 7 Cents/kWh – deutlich niedriger als oben dargestellt.

    1. RBoesch

      Die 7 Cents/kWh sind ein Preis von etwa 12 EUR je Ster. Normalerweise kostet Kaminholz 80 bis 100 EUR je Ster. Das kann ja nur Windschlag oder vom Borkenkäfer sein. Dazu ist dies nur Heizwert. Beim Erzeugen von Strom verliert man etwa 2/3 durch die Umwandlung.
      Bei einem Ölpreis von 100 USD kostet die kWh etwa 6 Cent ohne Zusatzkosten, wie Steuern und CO2-Abgabe.
      Bei den AKWs werden mehrere Sachen ausser Acht gelassen.
      Schon meine Mutter und meine Tante hatten in den 70ern mehrere Kropfoperationen, obwohl kein AKW in der Nähe war – Jodmangelgebiet. Meine Schwestern wie der Bruder haben auch Ansatz zum Kropf.
      Bei den AKW wird nie der CANDU erwähnt, der bereits 1989 im Buch von Manfred von Ardenne auftaucht. Der läuft mit 2% Natururan ohne Anreicherung. Bei Anstieg der Preise ist auch der Abbau im Erzgebirge oder in Schweden rentabel.
      Aber es passieren so viele Fehler. Bei Fukuschima gab es kein „FAIL-SAFE“, wie bereits in den 70ern propagiert: Bei Stromausfall fallen die Steuerstäbe rein. Stattdessen baut man den Notstrom auch noch in Strandnähe auf. Bei Tschernobyl wurde der Reakor zuerst fast ganz heruntergefahren und am gleichen Tag wieder schnell hochgefahren. Im Reaktorhandbuch von SIEMENS steht, dass man die Brennstäbe in 15 Minuten ganz reinfahren kann. Aber man soll das nicht tun.
      Da sich beim Kernzerfall das hinterhältige Plutonium bildet, dass einen Leistungseinbruch hat, bevor es wie beim URAN stark ansteigt, soll man ein AKW nur langsam hochfahren, meist geschieht dies an mehreren Tagen.
      Dies macht wohl den Schnellen Brüter so unbeherrschbar. Wie Prof. Buchner in der Vorlesung erzählte, wollte man die Bifurkation mittels Ljapunov abschätzen. Doch dies gilt nur für stetig differenzierbare Differentialgleichungen.
      Kleinreaktoren wie der THTR100 (standortunabhängige Genehmigung Ende der 80er) sind auch keine Lösung. Denn wenn schon bei Kraftwerken mit mehr als 1.000 MW kein fähiges und gut bezahltes Personal vorhanden ist, wie soll es erst bei kleineren Kraftwerken werden?
      Denn man kann die nicht so wie Ordner vom FC Bayern bezahlen oder Arbeiter in der BMW-Welt.

      1. Florian Blümm

        Du wirfst da viele Reaktortypen ohne Differenzierung durcheinander. Die weltweit zu 90% verwendeten Leichtwasserreaktoren sind weder unbeherrschbar beim schnellen Hoch- oder Runterfahren, noch ist das gebildete Plutonium „hinterhältig“.

        Bei CANDUs ist höchstwahrscheinlich der Brennstoffpreis günstiger, aber der Brennstoffpreis spielt bei AKW ja sowieso fast keine Rolle. Und CANDUs selbst sind teurer, allein wegen den Unmengen von schwerem Wasser als Moderator.

    2. Florian Blümm

      Erstens wird Biomasse-Strom in Deutschland nicht aus Pellets erzeugt, sondern aus Energiepflanzen. Pellets wären viel zu teuer.
      Zweitens kannst du aus einer kWh thermisch nur rund 0,4 kWh elektrisch gewinnen (je nach Wirkungsgrad).

  17. Joachim von Manger

    ich frage mich, wie es zu den großen Unterschieden in der Ermittlung der kwh/Preise kommt. Bei den einen ist das AKW mit das billigste, bei den anderen das teuerste! Klar, traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast, aber was ist wirklich das neutrale Ergebnis?

    1. Florian Blümm

      Gibt es denn eine neutrale Quelle laut der AKW teuer sind? Mir sind solche Ergebnisse nur aus Greenpeace-Auftragsstudien bekannt.

  18. Hayati

    VIELEN DANK! – für den faktenreichen Artikel.
    Aber auch für all den kritischen Fragen sowie auch den Antworten dazu.

    Ich kenne mich in der Materie nicht aus .. bin in letzter Zeit wegen der Abschaltung der letzten 3 AKWs und der Diskussionen darum durchaus ins Grübeln gekommen, ob die Abschaltung wirklich so sinnvoll ist.

    (YouTube) Vorträge von Prof. Dr. Fritz Vahrenholt sind da jedenfalls sehr kritisch und er versucht aufzuzeigen, dass man mit Windkraft allein riesige Flächen bräuchte .. und man trotzdem für ein Industrieland wie Deutschland noch Backups mit Kernkraft oder Gas oder .. braucht. Alternativ auch riesig(e) und unbezifferbar teure Batterien.
    Er gibt auch an, dass man AKWs rauf- und runterregeln kann .. und diese somit eine super Komplement für regnerative Energie wären. Zur Regelbarkeit von AKWs habe ich relativ wenig Informationen gefunden. Kann die jemand beisteuern?

    Zuletzt bin ich auch über die Studie
    https://foes.de/publikationen/2020/2020-09_FOES_Kosten_Atomenergie.pdf
    gestossen. Das Forum für Ökosozialistische Marktwirtschaft FÖS kam im Auftrag von Greenpeace auf gesellschaftliche Kosten von 1 Billion EUR. Meines Erachtens müsste man das noch auf pro Jahr umrechnen .. und auch mit anderen vergleichen, oder?
    Die Review Arbeit
    https://www.kernd.de/kernd-wAssets/docs/fachzeitschrift-atw/2020/Artikel_atw_D_2021-1_Kernenergie_bewirkt_hoeheren_Nutzen_als_gesellschaftliche_Kosten_Peters_Musahl.pdf
    von Dr. Björn Peters und Hans-Peter Musahl erscheint mir bzgl. der Kosten – und des Nutzens – insgesamt sehr stimmig.

    Insgesamt und gefühlt erscheinen mir die Kosten für eine „Endlagerung“ ziemlich unterschätzt. Irgendwo hatte ich vor kurzem gelesen, dass Endlager für 1 Mio Jahre ausgelegt würden! Wenn ich das mit irgendwelchen Planungen/Prognosen aus der Corona-Zeit vergleiche .. ist das doch ziemlich vermessen! Sinnvoll wäre m.E. eine (elektronisch) überwachte oberirdische Lagerung, für die auch Miete und Überwachungspersonal anfällt. Jedenfalls würde ich – als Laie – eine unüberwachten unterirdischem Vergraben nicht trauen. Schon gar nicht für viele tausend Jahre.
    Nichtsdestotrotz fallen die zusätzlichen Lager-Kosten für den Weiterbetrieb von AKWs für einige Jahre kaum noch ins Gewicht.

    Hinzu kommt der moralische Überbau: wieso sollte es einen Deut besser sein, wenn wir Atomkraft-Strom aus dem Ausland einkaufen – so er denn zur Verfügung steht?
    Ich dachte, dass Klima und die globale Erwärmung mit dem CO2.Ausstoss das aktuelle akute Hauptproblem ist – wo dann Atomkraft deutlich besser dasteht, als Gas- oder Kohle, die derzeit als Komplement fungieren.

    Hinzu kommt, dass der Preis unsere deutsche Industrie nicht ins Ausland verjagen darf, wo dann deutlich schmutzigerer Strom – mit mehr CO2 Ausstoss genutzt wird.

    1. Die Paper von FÖS sind allesamt Auftragsarbeiten von Greenpeace. Du hast ja selbst ein Peer Review gefunden, in dem diese Paper sehr schlecht weg kommen. Die angeblichen Kosten sind gelinde gesagt an den Haaren herbeigezogen und halten keiner genauen Betrachtung stand.

      Ein Endlager wird auf einige Jahrzehnte ausgelegt, nicht auf Jahrmillionen. So lange dauert die Einlagerung bis zum passiven Verschluß. Nach Verschluß geht das Endlager langsam in der Geologie auf. Nach 300-400 Jahren sind die Gammastrahler bereits verschwunden und man müsste den Atommüll zermahlen und aufessen um Schäden davonzutragen.

      300-400 Jahre sind eine nicht all zu lange Zeit und deshalb gibt es durchaus viele Stimmen, die gegen ein Endlager sprechen – auch deshalb weil der sogenannte „Atommüll“ als Treibstoff in zukünftigen Reaktoren genutzt werden könnte. Man muss aber anmerken, dass in Deutschland (und in keinem anderen Land) selbst der ungefährliche schwach radioaktive Atommüll in ein tiefengeologisches Endlager muss, genauer gesagt in den Schacht Konrad. Das wird also bei uns imho nix.

      Dass die Klimakrise vielen angeblich Klimabesorgten völlig unwichtig erscheint, sobald es um das Durchboxen des Atomausstiegs geht, hat mich auch schockiert. Man bekommt den Eindruck, dass das mit dem Klima überhaupt nicht so wild ist. Zum Zeitpunkt des Pariser Klimaschutz-Abkommens 2015 hatten wir noch 9 Reaktoren mit ~12 GW klimafreundlicher und versorgungssicherer Leistung am Netz, davon 6 in Bayern und Baden-Württemberg mit vielen Industrieabnehmern.

      Bezeichnend ist ja, dass man nun, 2 Wochen dem Atomausstieg, eine Subvention von Industriestrom plant, statt dass man abbezahlte und saubillige AKW am Netz lässt…

  19. Klaus-Ulrich Mosel

    Irgendwie sehen die Aussagen hier ganz anders aus:

    https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwjZwt7F3qj-AhULLOwKHUrTD-wQFnoECDIQAQ&url=https%3A%2F%2Fwww.bundestag.de%2Fresource%2Fblob%2F887090%2F1867659c1d4edcc0e32cb093ab073767%2FWD-5-005-22-pdf-data.pdf&usg=AOvVaw3LKHHbqen8-qjShylDrsL7

    Gestehungskosten von Strom im Vergleich, Aktenzeichen: WD 5-3000-005/22
    Abschluss der Arbeit: 17.02.2022

    Wäre es nicht an der Zeit, den Beitrag zurück zu ziehen?

    1. Hayati

      Soweit ich gesehen habe, wird in der Ausarbeitung vom Wissenschaftlichen Dienst auch eine der bereits hier kritisierten Arbeiten vom FÖS relevant zitiert und Daten daraus verwendet. Zu der Arbeit gibt es jedenfalls ein sehr kritisches Review, was mir Recht sinnvolle

      Dass die Arbeit von Greenpeace in Auftrag gegeben wurde .. mag interessant sein. Aber ansonsten wird die Arbeit wohl oft von der Industrie in Auftrag gegeben. Der Auftraggeber allein kann also nicht das Maß der Dinge sein.

      Nun, prüft jemand beim wissenschaftlichen Dienst die übernommenen Inhalte und ggf auf Reviews von referenzierten Papers? Müsste man die Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes gar zurückziehen lassen?

      Wie laufen diese Prozesse beim WD? Denn faktisch wird man immer irgendwelche Studien oder Arbeiten finden, die eine gewünschte Aussage „abbilden“!

      1. Hayati

        „was mir Recht sinnvoll erscheint“ hätte es oben lauten sollen.

      2. Über die oberflächliche Arbeit des Wissenschaftlichen Dienstes war ich auch schon entsetzt. Am Tag der offenen Tür im Bundestag 2022 war der WD vor Ort und ich habe einmal nachgefragt. Dem Vertreter des WD war es peinlich, dass befangene Arbeiten von Lobbygruppen so dominant verwendet werden.

        Er begründete das so:
        1. Der wissenschaftliche Dienst macht keine wissenschaftliche Arbeit nach wissenschaftlichen Standards, sondern fasst Suchtreffer kurz zusammen
        2. Es wird kein Thema grundlegend beleuchtet, sondern eine Antwort auf eine konkrete Frage aus dem Bundestag gegeben – die aber nicht veröffentlicht wird.
        3. Fast alle Mitglieder des wissenschaftlichen Dienstes sind Juristen, also ohne vertiefte Fachkenntnis in den Sachgebieten.

        Wenn du mich fragst sollte man die pdfs des wissenschaftlichen Dienstes nicht anders bewerten als die Ergebnisse einer Google-Suche. Da findet keine besondere Auswahl statt.

        P.S.
        Ich finde es schon krass biased, wenn man so tut als wären irgendwelche ungeprüften Paper in deutscher Sprache gleichwertig mit in internationalen Fachzeitschriften veröffentlichten und von Peers reviewten Studien. Die deutsche Sprache ist in der Hinsicht schon die erste Filterblase.

        1. Hayati

          Das klingt leider sehr ernüchternd und enttäuschend.

          Filterblase: immerhin wurden auch englische Studien/Arbeiten als Quelle herangezogen.. (ich meine auch in besagter Arbeit gut – auf Englisch- zitiert)

          Weiß hier jemand zufällig, ob Parlamentarier oder Minister die zugrunde liegenden Quellen dieser Arbeiten des Wissenschaftlichen Dienstes beeinflussen können?

          Und, inwieweit werden die Posten im Wissenschaftlichen Dienst je (neu-gewählter) Regierung neu vergeben? Durch wen?

          1. Hayati

            Die offizielle Webseite ist relativ knapp bzgl Informationen:
            https://www.bundestag.de/analysen

            Wikipedia bietet etwas mehr:
            https://de.m.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftliche_Dienste_des_Deutschen_Bundestages

            Dieses Interview ist interessant:
            https://www.jetzt.de/interview/politikberatung-aus-der-zweiten-reihe-520261

            Darin heisst es, dass auftraggebende Parlamentarier den konkreten Bearbeiter kennen.
            Wie sich der WD konstituiert ist mir weiter unklar.
            Nach eigenen Angaben ist der WD „parteipolitisch unabhängig“. Leider wird nirgends angegeben, wie das sichergestellt wird.

      1. Max

        Ich beziehe mich nur auf die Berechnung: die genannten fehlenden Parameter des DIW sind zutreffend. Insbesondere die fixe Laufzeit in einer Simulation wirft Fragen auf. Leider ist das Peer Review bei der Simulation schwach. Das zeigt sich, dass man auf den besten Fall aufsetzt und den reverse engineering Werten einen „realistischen“ Wert gegenüber stellt. Das Ergebnis ist ein statischer Wert. Das ist methodisch falsch. Wenn dann müssten die zusätzlichen Parameter ebenfalls mit simuliert werden und im Ergebnis eine Bandbreite mit Lageparametern und Quantilen beschrieben werden. Weder die konkrete Berechnung an sich noch die statistischen Ergebnisse werden leider gezeigt.

  20. dot

    Was ist denn öffentlich angegeben? Ich finde aus 2020 3 Mrd. Pfund je 1,2 GW-Phase, plus jeweils 800 Millionen Pfund für die Netzanbindung. Die Zahlen beziehen sich direkt auf die Finanzierung und müssten damit erheblich belastbarer sein als die Prognosen in dem Paper aus 2016, das auch noch mit 5 MW-Turbinen gerechnet hat – gebaut werden tatsächlich 13 MW-WEAs.

    1. Florian Blümm

      Wollen wir uns jetzt wirklich über den Unterschied zwischen 1,8 Mrd. Euro in deiner Quelle und 2 Mrd. Euro in meiner Quelle streiten?

      1. dot

        Nein – aber die Aussage „Das hieße dann ja der Offshore-Windpark ist eigentlich 30% teurer als öffentlich angegeben.“ kann ich nicht nachvollziehen ohne eine Angabe, wer wann wo die Kosten des Windparks öffentlich angegeben hat.

  21. dot

    Die in einem Kommentar noch einmal wiederholte Behauptung

    > Für den 2,4 GW Windpark Doggerbank müssen zum Beispiel 6,8 Milliarden Euro für die Landanbindung investiert werden

    ist von der Quelle nicht gedeckt. Dort werden 6,5 Mrd. Pfund als Gesamtkosten für den gesamten Windpark inklusive der WEA für eine denkbare Variante der Anbindung genannt.

    1. Florian Blümm

      Stimmt, es sind „nur“ €2,03 Mrd. für die Landanbindung.

      Danke, Fehler ist korrigiert.

      Das hieße dann ja der Offshore-Windpark ist eigentlich 30% teurer als öffentlich angegeben.

  22. DATAndre

    Sehr enttäuschend.
    Was hier auf dem ersten Blick wie ein faktenbasierter Blog zum Thema Energie, Klimawandel usw. wirkt, entpuppt sich insbesondere dann in den Kommentaren dann als sehr tendenziös. Es wurde in so vielen Forenbeiträgen auf Ungereimtheiten und Mehrdeutigkeiten hingewiesen.
    Ein neutraler Blog würde nach einer Diskussion sich für das Feedback bedanken und einige Aussagen im Ausgangspost korrigieren – zumindest relativieren.
    Hier streitet sich der Autor im Forum mit Lesern, um Recht zu behalten.
    Es geht darum, den Leuten auf Facebook und Twitter eine fancy Grafik zur Verfügung zu stellen, um Meinung zu machen.
    Schade! Mit dem Wissen könnte man auch Aufklärungsarbeit machen

    1. Florian Blümm

      Es gibt kaum nen Kommentar in diesem Blog, den ich nicht beantwortet habe.
      Hättest du es lieber, wenn ich Kommentare unbeantwortet lasse?
      Und Fehler bessere ich natürlich grundsätzlich sofort aus.

      Wenn noch Fragen offen sind oder etwas zu beanstanden ist, nur zu.

      1. DATAndre

        Insbesondere würde ich einen Hinweis auf die Aktualität der Daten im Text selbst geben.
        Wieso wird der Blogpost selbst nicht dahingehend korrigiert?
        „Die Daten reichen bis 2014, die Kosten für Photovoltaik sind wesentlich geringer in 2022“
        Stattdessen, wird auf das Veröffentlichungsdatum der Primärquelle verwiesen und so Aktualität suggeriert.

        Wieso? Soll es unabhängig informieren oder von Atomkraft überzeugen?

        1. Florian Blümm

          Die Zahlen sind von 2020. Viel aktueller wird es nicht.
          Warum sollte ich absichtlich ne alte Quelle nehmen?

          Und ja, seit 2020 ist PV merklich teurer geworden, aber die Größenordnung sollte immer noch passen.

          1. Florian Blümm

            In „den sozialen Medien“ wird vor diesem Blog gewarnt? Wieso sollte das jemand tun? Meinst du damit, dass du vor meinem Blog warnst, warum auch immer? 😉
            Auf Twitter und Facebook werden meine Inhalte regelmäßig geteilt.

            Jede Organisation kommt auf andere Werte. Die Frage ist, ob es einen qualitativen Unterschied gibt oder nur einen quantitativen.

          2. Joe Schmidt

            Nein, die Zahlen in der gern von Ihnen angeführten Studie der IEA aus 2020 sind gerade was die Kernenergie angeht eben nicht aus 2020, sondern teils deutlich älter. Auch stammen sie nur selten aus Europa.
            Zugearbeitet wurden für diese Studie von der Nuclear Energy Agency (NEA), über deren Objektivität zum Thema Kernenergie man durchaus streiten kann.

          3. Florian Blümm

            Ich habe nur die europäischen Zahlen verwendet und die beziehen sich auf Neubauprojekte Stand Dezember 2020.

  23. Arno Nebauer

    Eine Frage zu den Systemkosten treibt mich um. Nach obiger Aufstellung sollen die Kosten des Backups in den Systemkosten enthalten sein. Nun sind für Wind und Sonne ca 100% Backup erforderlich, denn da schwanken die Primärenergien um eben diesen %-Satz. Als Backup besonders geeignet ist Gas.

    Ich hätte nun erheblich höhere Systemkosten erwartet, denn es verdoppeln sich die Investitionskosten, weil die des Backups in ähnlicher Höhe anfallen wie die für die Wind bzw. Solaranlage. Außerdem kann ich die Brennstoffkosten der Backups nicht erkennen.

    Wo ist mein Fehler?

    1. Florian Blümm

      Hi Arno,

      3 Erklärungsansätze:

      1. rechnet man nicht pro 1 kWh Windkraft eine zusätzliche kWh Gaskraft als Backup. Realistischerweise ist dieser „Backup-Faktor“ bei den noch relativ niedrigen Anteilen von Wind&Solar deutlich unter 1. Er steigt aber überproportional mit steigendem Zubau. Soll heißen, wenn wir wie aktuell sowieso sehr viel Gas&Kohle im Netz haben, ist etwas Backup nicht so teuer. Wenn Kohle&Gas nur noch als dediziertes Backup dienen sollen, wird es deutlich teurer.
      2. sind Systemkosten heute höchstwahrscheinlich deutlich höher als bei der hier verwendeten Zahl von 2018. Sowohl Gas- als auch Kohlepreise haben sich vervielfacht.
      3. sind Systemkosten extrem schwierig zu beziffern. Es gibt auch deutlich höhere Zahlen. Leider konnte ich trotz mehrtägiger Suche kein einziges befriedigendes aktuelles Paper zu Systemkosten finden. Ich habe hier deshalb konservativ niedrige Zahlen verwendet, die auch von EE-Befürwortern akzeptiert sind.

  24. Timo Bott

    Die „AKW Neu“ Zahlen die ja auf Flamanville beruhen sind leider falsch.

    Der französische Rechnungshof geht von 110 bis 120 €/MWh aus. Sprich 11 bis 12 ct/kWh.

    Das sind die Zahlen auf denen die Rechnung des Hofes beruht:
    – 12,4 Mrd € Baukosten
    – 6,7 Mrd. € Zusatzkosten
    – 30 €/MWh Betriebs- und Wartungskosten (extrapoliert aus den Arbeiten des Rechnungshofs von 2012 und 2014)
    – 7 €/MWh Brennstoff- und Abfallentsorgungskosten (von der französischen Kernenergiegesellschaft angenommen)
    – 60 Jahre Betriebsdauer
    – 8 % Diskontsatz in ersten 30 Jahren, danach 3 %

    110 €/MWh bei Verfügbarkeitsrate von 90% (Von EDF erwartet)
    120 €/MWh bei Verfügbarkeitsrate von 80% („was derzeitigen Reaktorpark mit 71% entspricht“)

    Zitat des Rechnungshofes: „Diese Schätzungen, mit denen man sich den Produktionskosten des EPR Flamanville annähern kann, ohne sie aus den oben genannten Gründen genau bestimmen zu können, stimmen mit dem von der britischen Regierung garantierten Verkaufspreis für den Strom aus dem EPR Hinkley Point über einen Zeitraum von 35 Jahren überein (117 €/MWh).“

    Seite 70-71, übersetzt mit Deepl: https://www.vie-publique.fr/sites/default/files/rapport/pdf/275117.pdf

    1. Florian Blümm

      Die IEA verwendet die Overnight Costs als Grundlage für ihre Berechnungen mit Standardannahmen zu Bauzeiten sowie einer Sensitivitätsanalyse vom Diskontfaktor. Das heißt, dass kostensteigernde Verzögerungen beim Bau wie bei Flamanville nicht berücksichtigt werden. Würde man die Verzögerungen beim EPR-Prototyp einbeziehen, wäre das auch keine repräsentative Zahl für die Kosten einer Serienproduktion. (selbst mit overnight costs ist das streitbar)

      Die Berechnungen des Rechnungshofs sind übrigens strange. Die €12,4 Mrd. plus €6,7 Mrd. = €19,1 Mrd. entsprechen den öffentlich bekannten Finanzierungskosten. Der Rechnungshof addiert auf diese Finanzierungskosten jetzt noch einmal einen Diskontsatz von 8%. Das muss sich um einen Fehler handeln. Wer zahlt denn doppelt Zinsen für die gleiche Finanzierung?

      Noch dazu sind die Betriebskosten mit 3,7 Ct/kWh fast doppelt so hoch, wie in der Literatur angegeben. Ist das in Frankreich so viel teurer?

      1. Timo Bott

        Aber das sind nun Mal die realen, aktuellen Zahlen für „AKW neu“. Sobald die Kosten tatsächlich günstiger werden, kann man es ja immer noch anpassen. Sonst könnte man ja auch für Wind und Solar die Zahlen für 2035 nehmen, wenn die Preise weiter gefallen sind.

        „Wer zahlt denn doppelt Zinsen für die gleiche Finanzierung?“ Zinssatz und Diskontsatz sind unterschiedliche Dinge.

        „An interest rate is the rate you can expect to pay for borrowing money, or the rate of return you expect from an investment. Discount rate refers to the rate used to determine the present value of cash.“
        https://pocketsense.com/interest-rate-vs-discount-rate-7174.html
        Der zukünftige Wert wird sozusagen gegenüber dem heutigen rabattiert. Andernfalls könnte man heute Geld anlegen, eine Rendite erzielen und morgen einen größeren Betrag investieren.

        „wie in der Literatur angegeben“ Auf welche Literatur beziehst du dich?

        1. Florian Blümm

          Nö, das sind die realen Kosten für einen Prototyp. Einen Prototyp baut man im besten Fall ein Mal. Und im Fall vom EPR eben vier Mal 😉

          Wir nehmen ja auch nicht die Kosten für das allererste Modell eines neuen Windrads oder einer neuen PV-Anlage, inklusive Verzögerungen durch Training Personal sowie Aufbau von Zuliefererketten und der Fabrikation.

          Warum sollte man ein Kernkraftwerk noch einmal mit 8% (!) diskontieren, wenn sowohl Owners Cost und Finanzierung als auch Wartung schon berücksichtigt sind? Sind die 12.000 GWh Jahresproduktion in 50 Jahren weniger wert als heute?

          Inflation gilt natürlich auch für Energiepreise. Durch die Internalisierung von externen Kosten wächst der Wert von Atomstrom sogar noch (CO2-Preis).

          Übrigens werden große Infrastrukturprojekte üblicherweise mit 3% diskontiert, was ja auch der Rechnungshof nach 30 Jahren ansetzt. Nach 30 Jahren mit 8% wäre das Kernkraftwerk auf dem Papier nur noch 10% wert, obwohl es weiter Millionen Euro pro Tag verdient.

          Hier sind die einzelnen Posten aufgeschlüsselt mit IEA und anderen Quellen.
          https://www.mech.kuleuven.be/en/tme/research/energy_environment/Pdf/wpen2013-14.pdf
          Übersicht Seite 5 und detaillierte Behandlung von O&M-Kosten in Kapitel 5.

          Es kann aber natürlich sein, dass das in Frankreich teurer ist. Man hört ja immer wieder von Problemen mit der Wartung von französischen AKW.

  25. Heiko Gerhauser

    Auf die Frage von Sven Söhren nach einer Studie zur Thematik würde ich folgende nennen:

    https://research.chalmers.se/publication/523462/file/523462_Fulltext.pdf

    Wechselrichter sind nicht meine Kernkompetenz. Ich würde gerne ein Balkonkraftwerk kaufen und bei einem Video dazu habe ich eine einfache Erklärung gehört, warum Wechselrichter automatisch abschalten, wenn das Netz weg ist, auch wenn sie Inselnetz fähig sind. Der genannte Grund war der Schutz von Menschen, die das Netz reparieren. Die müssen die Leitung sicher spannungsfrei schalten können.
    ———————-

    Bei Flamanville sieht man wie verwirrend die Kostenangaben teilweise sind.

    https://www.ccomptes.fr/system/files/2020-07/20200709-synthese-filiere-EPR.pdf

    Der französische Rechnungshof gibt 12,4 Milliarden Euro (des Jahres 2015, bezieht sich auf Inflationskorrekturen) als EDF Angabe an und geht von weiteren Kosten von 6,7 Milliarden Euro aus, davon 4,2 Milliarden Euro Finanzierungskosten. Was in den 12,4 Milliarden Euro drin ist, kann ich auf Anhieb nicht nachvollziehen, ebenso ist mir nicht klar, was bei den 6,7 Milliarden drin ist außer Finanzierungskosten. Wie der Rechnungshof auf 11 bis 12 Cent pro kWh für die Stromgestehungskosten genau kommt, ist mir auch nicht klar, steht vielleicht alles irgendwo genauer erklärt. In dem Bericht findet sich eine Bauzeit von 187 Monaten= 15 Jahre und 7 Monate. Flamanville 3 soll 1570 MW an Leistung haben. Bei 12,4 Milliarden Euro ist das etwas unter 8000 Euro / kW.

    https://www.montelnews.com/news/1313051/crucial-french-epr-report-4-months-late–regulator

    Gerade heute ist dieser Bericht bei Montel gekommen. Der erste EPR ist in China fertiggestellt worden vor ein paar Jahren und steht inzwischen seit Juli still. Die Gründe könnten auch Flamanville weiter verzögern.

    https://pris.iaea.org/PRIS/CountryStatistics/ReactorDetails.aspx?current=918

    Unabhängig von den genauen Baukosten ist die Frage der Zinsen sehr interessant und schwierig. Auf der einen Seite: auf Sparbüchern gibt es jetzt sogar Negativzinsen. Andererseits: Wenn man mit 0% rechnet, kommt man mit hypotetischen Technologien mit sehr langer Lebensdauer auf irrsinnige Werte. Eine Milliarde Euro pro kW würde bei einer Milliarde Jahren Lebensdauer der Technologie und 100% Verfügbarkeit etwas unter 10000 kWh Ertrag pro investiertem Euro ergeben = 0,01 Cent pro kWh.

    Bei 1% Zinsen haben wir eine Halbierungszeit von etwa 70 Jahren. Das gibt dann eine Serie 0,5; 0,25; 0,125 etc. Das kann man aufaddieren und feststellen, dass bei 1% Zinsen die ersten 70 Jahre an Produktion vom Wert her den letzten 999 Millionen 999 Tausend 930 Jahren entsprechen.

    Oder mal etwas anders formuliert, setzen wir 7% Zinsen und 15 Jahre Bauzeit an, ist der Unterschied zwischen 40 Jahren und 60 Jahren Laufzeit erstaunlich klein (wieder nur Baukosten in Jahr 0 und Zinsen betrachtet) erstaunlich klein. Mit 0% Zinsen produziert man 50% mehr fürs gleiche Geld und hat dementsprechen 50% höhere Kosten pro kWh bei 40 Jahren statt 60 Jahren. Bei 7% Zinsen schrumpft das massivst zusammen, die 40 Jahre Laufzeit sind nur etwas über 5% teurer pro kWh als 60 Jahre.

    Be 3000 Euro pro kW übernacht, 3% Zinsen, 5 Jahren Bauzeit und 40 Jahren Lebensdauer komme ich auf knapp über 2 Cent/kWh. Dazu laufende Kosten für Uran, Personal etc. und ab und zu mal eine größere Reinvestition und ich kann Deine 4 Cent / kWh gut nachvollziehen. Das müsste auch machbar sein, wenn man wie in Frankreich vor 40 Jahren baut oder heute in China (nicht EPR Design).

    China ist deswegen so interessant, weil man da nicht sagen kann, dass öffentlicher Widerstand und übereifrige Regulierer für Verzögerungen und Kostensteigerung sorgen. Da kann man dann vielleicht fragen, warum so wenig gebaut wird (im Verhältnis zu Kohle in China). Vielleicht fehlt auch da noch etwas das Vertrauen (unter anderem wegen ausländischen Reaktoren wie dem EPR) und der CO2 Preis ist noch nicht im gleichen Maß verarbeitet. Vielleicht setzt man da bei wirklich langen Zeithorizonten doch höhere Zinsen als 3% an. Außerdem hat ein massives Zubauprogramm in China dann vielleicht in 20 Jahren empfindlich höhere Uranpreise zur Folge.

    1. Florian Blümm

      Warum in China nicht noch mehr gebaut wird, ist ne gute Frage. Die haben halt auch erst vor 15 Jahren richtig angefangen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es dauert, bis man Zulieferer und fähige Bautrupps aufgebaut hat.

      In China spielt außerdem Korruption eine Rolle und Umwelt und Klima keine.

  26. Sven Söhren

    Worüber bisher hier auch noch nicht gesprochen wurde ist, welche Kosten es geben wird um das Netz stabil zu halten, wenn der Anteil der Erneuerbaren immer mehr zunimmt. Das Problem ist, daß Wind und Solaranlagen ihren Strom über Wechselrichter ins Stromnetz einspeisen. Die wechselrichter brauchen das Netz um ihren Gleichstrom in den gebrauchten 50hz Wechselstrom zu richten. Ohne Generatorbetriebene Kraftwerke geht das nicht. Zudem lögleichen die großen rotierenden Massen der Generatoren durch ihre Trägheit Lastspitzen aus. Und mit drehenden Generatoren wird auch die im Netz benötigte Blindleistung geregelt. Wie das funktionieren soll, wenn es immer weniger rotierende Generatoren gibt immer mehr über Wechselrichter eingespeist wird, weiß ich nicht. Eine Studie zu dieser Thematik wäre hilfreich, wenn jemand eine kennt

    1. Florian Blümm

      Das ist genau das, was mit Regelenergie im Artikel gemeint ist. Batterien können das übernehmen. Aber wie du sagst, ist das ne Kostenfrage. Und dann haben wir noch nicht über die anderen Systemkosten-Anteile geredet.

      Nach allem was ich gelesen habe, werden die Systemkosten insgesamt deutlich steigen, wenn wir wirklich 100% Erneuerbare wollen. Aktuell ist das nur so verhältnismäßig günstig, weil wir eine bestehende fossile Infrastruktur haben.

  27. Schade , das hier so viel Analyse betrieben wird um dann Kernenergie schönzureden ,
    Schade um das Talent des Verfassers um dann in eine Einbahnstrasse zu blicken

    Sehr schade ist allerdings , dass solche Quaksalber , wichtige Zeit verschwenden , sich mit Eigenlob beschmieren und sich schuldig machen an einen verzögerten Ausbau an Erneuerbaren Energien ,

    Die Angst sitzt der Atommlobby incl des Autors im Nacken , denn umso mehr Erneuerbare zugebaut werden umso weniger wird das Intresse bzw die Machbarkeit von Kernkraft sein , da diese in Vergleich zu Gaskraftwerken nicht mal schnell regeln können , der Zubau an Kernkraftwerken verlangt eine Sicherheit und das sehen wir mit dem Vertrag in England HPC über 35 Jahre Garantie bei ca 11 cent Einspeisevergütung (PV in De ist nun bei ca 6,5 cent pro kWh über 20 Jahre )

    Die Atomlobby incl des Beitrags Schreiber von Florian Blümm , scheinen sich da in die Hose zu machen , um das viel beschwohrene goldene Schaf Atomkraft ins trockene bringen zu wollen

    Von hier https://www.worldnuclearreport.org/Jedes-abgeschaltete-Atomkraftwerk-ist-eine-Investitionsgarantie.html

    Die 2 in Europa im Bau befindlichen Atomreaktoren sind schon jetzt ein Dessaster , fast schon kriminell würde ich es bezeichnen für solche Projekte Werbung zu machen

    „Wir beobachten einen langsam aussterbenden Sektor“

    „Alle in Europa geplanten Kraftwerke befinden sich massiv hinter dem Zeitplan“, sagte Matthes mit Blick auf die Akw der dritten Generation. Beispiele gibt es genug. Etwa Hinkley Point C, das einzige in Großbritannien in Bau befindliche Kernkraftwerk. Ursprünglich sollte es rund 21 Milliarden Euro kosten, mittlerweile werden es wohl 27 Milliarden und die Fertigstellung verzögert sich bis mindestens 2026. Matthes nennt auch Flamanville als Beispiel. Die Kosten des französischen Kraftwerks haben sich von 3,3 Milliarden Euro auf über 19 Milliarden fast versechsfacht. Zudem ist das Projekt zehn Jahre im Verzug. „Ein Desaster der Sonderklasse“, sagte Matthes.

    „Die Klimakrise müssen wir jetzt in den Griff bekommen, nicht in 15 Jahren. So macht man das Klima kaputt“, sagte Mycle Schneider über die langwierigen Projekte. Schneider ist Herausgeber des jährlichen World Nuclear Industry Status Reports und zeichnet ein recht negatives Bild. „Wir beobachten eigentlich einen langsam aussterbenden Sektor. Wird es in die EU-Taxonomie aufgenommen, lebt er vielleicht noch ein bisschen länger“, sagte der Analyst. „Welches Vertrauen hat man in ein Finanzmodell, das man komplett auf den Kopf stellt?“

    Lars-Eric Bueb

    1. Florian Blümm

      Lieber Lars-Eric,

      wenn du eine ernsthafte Diskussion suchst, warum beschimpfst du dann deinen Gegenüber als „Quaksalber“ (sic) und „Lobby“?
      Und Mycle Schneider als Quelle statt Internationale Energieagentur, echt jetzt?

      Bei der nächsten Beleidigung Löschung…

      1. Joe Schmidt

        Also die Daten zur Kernenergie in der gern von Ihnen angeführten Studie der IEA wurden von der Nuclear Energy Agency (NEA) zugearbeitet.

  28. Heiko Gerhauser

    Interessant ist, wie man die Systemkosten bei Erneuerbaren niedrig hält. Bei AKW ist klar, dass wir kürzere Bauzeiten brauchen und niedrige Bauzinsen, bzw. direkte Risikoübernahme durch den Staat. Bei 10000 Euro pro kW komme ich mit 0 Zinsen, 40 Jahren Laufzeit und 85% Kapazitätsfaktor auf 3,5 Cent pro kWh (nur die Investition berücksichtigt). Nehme ich 15 Jahre Bauzeit, 100% der Investition in Baujahr 0 (zu pessimistisch natürlich, aber einfach zu rechnen und wir vernachlässigen ja alle anderen Kosten bis auf die zugegeben auch eher pessimistisch angenommene Investition) und 7% Zinsen komme ich nur für Zinsen und die 10000 Euro pro kW auf etwa 27 Cent/kWh. Kann man auch grob mit der 70ger Regel nachvollziehen ohne in Excel springen zu müssen. Die 70ger Regel besagt, dass die Verdopplungszeit gleich 70 geteilt durch ZInssatz ist, also bei 7% eine Verdopplung alle 10 Jahre, drei Verdopplungen also in 30 Jahren, das wäre ein Faktor 8, wenn die 10000 Euro in Jahr 0 anfangen und in Jahr 30 wieder in einem Batzen zurückfließen, was grob zu 15 Jahren Bauzeit und 40 Jahren Betrieb passen würde.

    Ich mache mir beim Erneuerbaren Ausbau große Sorgen um die Kosteneffizienz.

    1. Netzausbau (Netz in Deiner Kostenauflistung für Systemkosten)

    Südlink ist schweineteuer. In China wurde zur gleichen Zeit angefangen mit einer dreimal so starken (12 GW statt 4 GW) und viermal so langen (3300 statt 800 km) Leitung. Die Leitung in China steht schon seit fast drei Jahren. Bei Südlink steht noch nicht mal fest, wer enteignet werden muss und die Fertigstellung soll irgendwann 2027 kommen. Dafür soll Südlink doppelt so teuer werden wie die Leitung in China, statt wie man erwarten würde 12 mal billiger.
    https://www.tdworld.com/overhead-transmission/article/20972092/worlds-biggest-ultrahigh-voltage-line-powers-up-across-china
    Das ist aber noch nicht mal das Schlimmste. Südlink ist zwar teuer, aber im Vergleich mit den gesamten Netzkosten nicht das Hauptpoblem. Wo genau Geld ausgegeben wird, ist in Deutschland extremst intransparent. Es lässt sich allerdings grob herleiten, dass ganz viel Geld für den Abtransport von PV und Windstrom für wenige Stunden im Jahr zu exorbitanten Kosten aufgewendet wird.
    Die Netzbetreiber bekommen garantierte Renditen und haben damit keinerlei kommerzielles Interesse da Kosten zu minimieren. Das wird einfach bei den Stromkunden abgeladen (ja in der Theorie müssen die schon gucken, dass es nicht unnötig teuer wird und im Prinzip sind sie unabhängig reguliert, das ist aber nicht das Gleiche wie ein tatsächlicher kommerzieller Anreiz nach Alternativen zu suchen).
    Hier sehe ich als Lösung insbesondere variable Preise und Netzentgelte
    https://www.nationalgrideso.com/document/247306/download
    (schöne Präsentation des britischen Netzbetreibers zum Thema)
    Das Netz ist günstig zum direkten Nachbarn bei Haushalten. Da müsste nichts ausgebaut werden, damit der Nachbar 10 Meter weiter den Solarstrom im Überschuss nutzt, um sein Elektroauto zu laden, eine Wärmepumpe zu betreiben mit Wärmespeicher oder in einen Batteriespeicher einzuspeichern. Er hat aber zur Zeit keinen Anreiz, weil auch wenn lokal ein nicht mit vernünftigem Aufwand abtransportierbarer Überschuss da ist, muss er 30 Cent + für seinen Strom zahlen.
    Das Netz ist auch günstig, wenn ein AKW über 50 km eine Aluminiumhütte beliefert. Nicht günstig ist es, wenn PV über zig Netzebenen und Transformatoren über Deutschland verteilt hochtransformiert und gesammelt wird und dann zur Aluminiumhütte gelangt. Das wird aber ebenfalls bisher bei den Netzentgelten nicht berücksichtigt. Würde es das, würde man auf den Ausbau der Verästelungen verzichten und es würde lokal gespeichert/verbraucht und dann sogar nachts aus den Batterien ausgespeichert, um die vorhandene Netzkapazität Richtung Aluminiumwerk gut auszulasten.

    2. Regelenergie

    Da mache ich mir noch die wenigsten Sorgen. Batterien sind dafür sehr gut geeignet und man braucht viel mehr für die Einspeicherung von PV Strom und sollte die dann nebenbei für Regelenergie mitnutzen.

    3. Kapazitätsanpassung, Backup, Volllaststundenreduktion

    Wenn man aufgrund begrenzter Verfügbarkeit von (Speicher)wasser, Steinkohle, Erdgas und längerfristig betrachtet auch Braunkohle sowieso nicht dauernd durchlaufen kann, sind niedrige Volllaststunden Teil einer optimalen Lösung. Trotzdem ist Kapazitätsmanagement wichtig, was teuer ist, sollte hoch ausgelastet werden, also z.B. Leitungen nach Norwegen oder Südlink oder AKW, und was man selten braucht, sollte dafür billig sein. Die große Gefahr ist, dass man teure Kraftwerke (GuD z.B.) hinstellt, die dann 90% und später 99,9% der Zeit stillstehen und während der Stillstandszeiten auch keine andere sinnvolle Nutzung haben, obwohl es bei niedrigen Nutzungsstunden deutlich günstigere Alternativen gibt (also z.B. Gasmotoren). Auch bei Gasinfrastruktur muss man dann gucken, ob die sinnvoll betrieben werden kann, oder ob man dann für Verbraucher mit wenig Bedarf (Gashybridheizung im alten Einfamilienhaus auf dem Land, die 2 Wochen im Jahr im Schnitt mit Gas läuft und den Rest der Zeit reicht die Wärmepumpe) andere Lösungen wählt, also z.B. Propan/Butanflaschen. Es sind einige größere Investitionen in die Gasverteilnetze geplant, gerade da besteht Potential unnötig Geld zu versenken.

    4. Überproduktion

    Hier stellt sich ebenso die Frage nach einer sinnvollen Nutzung. Um so seltener die Überschüsse anfallen, um so billiger muss die Nutzung der Überschüsse sein. Bei heutigen Kosten machen Elektrolyseure keinen Sinn für 50 Stunden im Jahr. Da passt der Heizlüfter für 20 Euro, bzw. der Heizstab für Power to Heat mit Wärmespeicher im Fernwärmenetz. Und was auch extrem gut passt ist, wenn man schon existierende Geräte oder Batterien nimmt, die nicht extra für die Nutzung des Überschusses gekauft werden müssen. Das große Problem hier sind meiner Ansicht nach vor allem fehlende Anreize. Ist der da, dann kann der PV Überschuss vom Dach leicht in die Batterie oder die Wärmepumpe des Nachbarn fließen, der gezielt die niedrigen Preise nutzt. Wenn man stattdessen einfach Netzentgelte für zentrale Elektrolyseure streicht und die subventioniert, muss man sowohl viel für Netzausbau zahlen, um den Strom zu den Elektrolyseuren zu bekommen, also auch gigantisch viel für die Elektrolyseure. Leider geht zur Zeit viel genau in diese Richtung.

    1. Florian Blümm

      10.000 €/kWe Overnight Costs ist fast 3 mal so hoch wie beim Flamanville EPR-Prototyp, welches als eins der teuersten Kernkraftwerke gilt. Hier auf Seite 49 in meiner Quelle.

      Es stimmt natürlich, dass Finanzierungskosten mit großem Abstand die größte Kostenquelle sind bei Kernkraftwerken. Hier ein interessanter Twitter-Thread von David Hess.

      Um so wichtiger sind Finanzierungsmodelle, die diesen Umstand berücksichtigen, wie Regulated Asset Base.

  29. Andreas V.

    Leider nur wieder mal eine beschränkte „Technology-only“-Sicht.
    Wohl noch nicht voll ausgereift, die Birne.
    Traurig, traurig!

    1. Florian Blümm

      „Technology only“? Was erwartest du in einem Blog namens Tech for Future? 😉

      Aber ich verstehe auch nicht, wie man das Problem schlechter Technologie anders lösen will als mit besserer Technologie. Das ist doch die Geschichte unserer Zivilisation.

  30. Richard

    Könnte man das zusammenfassen ? Ich will mich jetzt nicht durch 85 Seiten Report durcharbeiten.

    1. Die IEA (2020) kommt auf ein anderes Ergebnis als die IEA (2020)? Das verstehe ich jetzt auch nicht. Dieses zweite IEA-Dokument sehe ich zum ersten Mal. Danke für den Hinweis.

      Mal als Rechenprobe ~$130/MWh hieße, dass ein einziger 1,6 GW-Reaktor auf $80 Mrd. USD Baukosten kommen müsste. (bei gut ~$20/MWh Betriebskosten) Der teuerste Reaktor Europas in Flamanville verursacht rund $22 Mrd. USD Baukosten.

      Wo in Europa steht also dieser Reaktor, der fast 4x so teuer ist, wie der teuerste Reaktor in Europa? Da springt mein Bullshit-Detektor auf Alarmstufe rot 😉

      Ich werde mich da mal reinlesen, aber das wird n bissl dauern.

      1. Richard

        Man sieht halt immer das was man sehen möchte 😉

        Hier zum Beispiel eine Studie, laut Quellenangaben vom Frauenhoferinstitut, bei der Atomkraft die teuerste Energieform ist.

        Ich glaube die Faktenlage ist nicht so klar, wie Sie sie darstellen. Alleine dass die IEA auf unterschiedliche Ergebnisse kommt zeigt schon, dass es immer darauf ankommt welche Faktoren allemit einbezogen werden.

        Mein Bullshit-Detektor springt bei Ihrem Blog auch massiv an – Wenn Sie die eine Studie der IEA zitieren, die Ihnen in Ihrer Argumentation unterstützt und die andere des selben!! Herausgebers als Bullshit bezeichnen dann ist hier was massiv Bullshit würde ich sagen 😉

        Genauso wie bei dieser Studie:
        https://www.dw.com/de/faktencheck-ist-atomenergie-klimafreundlich-was-kostet-strom-aus-kernkraft/a-59709250

        1. Florian Blümm

          Für die Zahlen von Deutsche Welle gibt es keine nachvollziehbare Quelle.
          Das Fraunhofer-Institut weist Kernkraft gar nicht in seinen Gestehungskosten aus. Warum wohl?
          Scheint dir aber egal zu sein. Man sieht immer das, was man sehen möchte?

          1. Max Rapp

            Hallo,

            bei dem DW-Faktencheck ist mein Bullshitdetektor ebenfalls angegangen, weil ich die Quellen einfach nicht anständig zitiert wurden. Ich habe nachgeforscht und leider auch Bullshit gefunden.

            Und zwar bin ich bin auf Folgendes gestoßen: Quarks.de hat ebenfalls Vergleich der Stromgestehungskosten verschiedener Quellen angestellt. Sie beziehen sich überwiegend auf die besagte Fraunhoferstudie, versuchen aber auch die externen Kosten herauszufinden. Dazu haben sie auch beim Umweltbundesamt angefragt. Ich zitiere:

            Eine Überraschung gibt es hinsichtlich der Gestehungskosten von Atomstrom: Auf Anfrage teilte das Energie- und Wirtschaftsministerium mit, dass hierfür keine aktuellen Daten vorlägen. Grund sei der geplante Atomausstieg bis 2022. Die Gestehungskosten für Atomenergie beliefen sich aber ungefähr auf 13 Cent pro Kilowattstunde.

            Ein Mitarbeiter der Studie vom Fraunhofer Institut bestätigte dies: Es gäbe schlicht kein Interesse mehr daran, was die Produktion von Atomstrom koste. Dass derzeit aber noch ganze sieben Kernkraftwerke in Deutschland aktiv sind, scheint eine untergeordnete Rolle zu spielen.

            Eine Studie von Greenpeace aus dem Jahr 2017 gibt als Stromgestehungskosten umgerechnet eine Spannbreite von 6,2 bis 15,2 Cent pro Kilowattstunde an. Allerdings wurden hier Externe Kosten und Kosten der Treibhausgasemission explizit mit eingerechnet. Das Umweltbundesamt erklärt zudem, dass es äußerst schwierig ist, verlässliche Werte für die Folgekosten der Kernenergie zu erhalten, da diese von Studie zu Studie stark schwanken. Es empfiehlt, sich an der Technologie mit den höchsten Umweltkosten, also der Braunkohle, zu orientieren.

            Soviel also dazu warum das Fraunhofer Institut für Solarenergie Kernkraft nicht berücksichtigt hat. Und auch die Frage nach der Herzkunft der DW-Zahlen klärt sich auf diese Weise. Die Deutsche Welle weist in ihrer Infografik „Was kostet Stromerzeugung in der EU?“ 76 Ct Folgekosten für Gesundheit, Umwelt und Klima“ für Braunkohle aus und „>76 Ct“ für Atomkraft. Als Quellen werden das Fraunhofer ISE, das DIW und das UBA angegeben. Genauer werden die Quellen nicht zitiert, aber es kommen eigtl. nur die Studie des Fraunhofer ISE von 2018 sowie ein Wochenbericht des DIW von 2019 infrage. In keinen der beiden Quellen finden sich besagte „>76 Ct“ externe Kosten von Atomkraft. Bleibt das UBA (Umweltbundesamt): auf der Website des UBA gibt es eine Aufstellung über die Umweltkosten verschiedener Stromerzeugungsarten , aber auch hier fehlt die Kernkraft.

            Woher kommen also die „76 Ct“? Nun, wie wir dem Quarks-Zitat entnehmen, gibt das Bundesumweltamt wohl auf Nachfrage die „Information“, man solle sich bei der Kernkraft „an der Technologie mit den höchsten Umweltkosten, also der Braunkohle, [..] orientieren.“ Nun kann sich jede*r selbst denken, wie aus den 76 Ct externen Kosten der Braunkohle bei DW über 76 Ct bei der Atomkraft wurden.

            So eine Herangehensweise wie von DW in diesem „Faktencheck“ würde man an der Uni übrigens keinem Bachelorstudenten durchgehen lassen und in der Wissenschaft wäre man im Bereich des wissenschaftlichen Fehlverhaltens.

          2. Florian Blümm

            Stimmt, die 76 Cents sind die Umweltkosten der Braunkohle und nicht der Kernkraft, genau so, wie du vermutet hast. Das UBA macht auch gar keinen Hehl daraus:

            „Bei der Abschätzung der Umweltkosten der Kernenergie besteht das Problem, dass die
            Ergebnisse der vorhandenen Studien große Bandbreiten aufweisen, was u. a. auf
            Schwierigkeiten bei der Bewertung nuklearer Störfälle und dem Umgang mit belasteten Abfällen
            zurückzuführen ist. Zur Bewertung der Emissionen aus der Kernenergie empfehlen wir daher
            analog zur Methodenkonvention 3.0 die Emissionsfaktoren der Technologie mit den höchsten
            Umweltkosten, in diesem Fall also Braunkohle, zu verwenden.“

            (Quelle: Methodenkonvention 3.1 zur Ermittlung von Umweltkosten)

            Sie fanden wohl, dass die Umweltkosten für Kernkraft nicht hoch genug sind und nahmen deshalb die der Braunkohle.

            Ich brauche sicher nicht zu betonen, wie unwissenschaftlich und willkürlich dieser Ansatz ist. Das ist auch nicht das erste Mal, dass das UBA solchen Mist baut.

            Vielleicht kannst du mir helfen, nachdem du die Paper gerade erst durchgeschaut hast. Ich finde auf Teufel komm raus keine Quelle für die 14-19 Cents Gestehungskosten Kernkraft, die die Deutsche Welle ausweist. Ich glaube so langsam, dass die ausgewürfelt sind.

            Mal als Factcheck, das hieße ein 1,6 GW-Reaktor müsste 91 Milliarden Euro bis 114 Milliarden Euro kosten (bei 2 Cents/kWh Betriebskosten.) Wo steht dieser teuerste Reaktor aller Zeiten? Zum Vergleich: Selbst das finanzielle Fiasko namens Flamanville kostet „nur“ 19 Milliarden Euro, also ein Viertel bis ein Sechstel.

          3. Max Rapp

            Nein, woher sie die 14 Ct haben weiß ich auch nicht. Die Zahl 14 Ct geistert aber irgendwie durch die Gegend:

            – diese aktuelle Analyse des wissenschaftlichen Dienstes nennt das Bundeswirtschaftsministerium als Quelle für Gestehungskosten von Atomkraft in Deutschland von 14-19 Ct, allerdings ohne irgendeine konkrete Veröffentlichung zu zitieren.
            – Das Forum Ökologisch-soziale Marktwirtschaft nimmt in diesem Fact Sheet von 2021 den Mittelwert von Lazard 2020 und kommt so auf 14 Ct. Vielleicht ist das der Ursprung?
            – Dieser DIW-Wochenbericht von 2016 nennt 12 Ct, basierend auf eigenen Berechnungen und Daten von 2013

          4. Florian Blümm

            Das BMWI soll also Quelle für die 14-19 Cents sein? Ich finde zu Gestehungskosten und BMWI gar nix.

            Woanders wird wiederholt Fraunhofer als Quelle genommen, obwohl die gar keine Gestehungskosten Kernkraft ausweisen. Ich habe auch mal die älteren Fraunhofer durchgeschaut von 2018, 2013, 2012 und 2010. Keine Spur von Kernkraft.

            Ich gehe mal davon aus, dass diese Zahl frei erfunden ist, bis jemand eine Quelle aufgetan hat.

          5. Max Rapp

            Ich denke, interessanter als diese Zahl von 14 Cent/kWh, woher auch immer sie stammt (whrschl. mündliche Auskunft eines BMWI-Mitarbeiters), sind die Zahlen des DIW. Mit denen und auch mit deren Simulationen sollte sich der Artikel denke ich stärker auseinandersetzen. Im wesentlichen dürfte es wohl an den Annahmen hängen (das DIW u.a. nimmt Laufzeiten von 40-45 Jahren, einen höheren Abzinsfaktor, sowie 80% Kapazitätsfaktor an), aber ich denke man sollte bei den Gestehungskosten (für alle Energieformen) eine Robustheitsanalyse bzgl. der Annahmen machen.

            Wenn auch aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten wünschenswert ist betriebswirtschaftlich gesehen die angenommene Laufzeit von 60 Jahren nicht gerade ideal. Welcher Investor wird schon darauf bauen wollen, ein Kernkraftwerk 60 Jahre lang laufen lassen zu können. Deshalb wird whrschl. für eine Investition ein deutlich höherer Abnahmepreis nötig sein so dass die Investitionen bereits über einen kürzeren Zeitraum wieder reingeholt werden können. So wie eben die 11 Ct bei Hinkley Point über 35 Jahre. Weniger wird betriebswirtschaftlich schwer darstellbar sein. Zum Ablauf des garantierten Zeitraums hin kann man dann neu verhandeln und dann wird der Strom ggf. richtig billig (wenn nicht bis dahin eines von vielen möglichen Szenarien (politisch, technisch, umweltbedingt, …) eingetreten ist, welche des Kraftwerk obsolet machen).

            Die Laufzeit existierender Anlagen zu verlängern, ggf. sogar mit technischen Nachrüstungen, sollte man das Sicherheitsniveau weiter erhöhen wollen – scheint mir hingegen ein absoluter „No-Brainer“ sowohl unter Kosten- als auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten.

      2. Max Rapp

        Zu den zwei sich (scheinbar?) widersprechenden IEA-Berichten: haben Sie da schon was rausgefunden? Würde mich sehr interessieren.

        Ohne das jetzt genauer gelesen zu haben, eine kleine Spur, die vielleicht zur Lösung beitragen könnte: die Abhängigkeiten zwischen den beiden Berichten sind … seltsam. „World Energy Model Documentation 2020 Version“ zitiert „Projected Costs of Generating Electricity 2010 Edition“ und „Projected Costs of Generating Electricity 2020 Edition“ zitiert „World Energy Model Documentation 2019 Version“. Also waren wohl beide zur gleichen Zeit im Veröffentlichungsprozess und konnten daher jeweils nicht die neueste Version des jeweils anderen Dokuments zitieren (wobei „World Energy Model Documentation 2021 Version“ auch noch die 2010er Version von „Projected Costs…“ zitiert).

        1. Florian Blümm

          Also das World Energy Model Paper der IEA ist keine Quelle für Gestehungskosten. Dort wird aufgrund von Gestehungskosten und anderen Annahmen eine Prognose für die Zukunft gegeben.

          Die Zahlen stammen laut dem Paper selbst von hier: Techno-economic inputs

          Dort wiederum wird als Quelle der World Energy Outlook angegeben.

          Dort wiederum wird als Quelle „IEA analysis; IRENA Renewable Costing Alliance; IRENA (2021)“ angegeben.

          IRENA hat wohl eine Datenbank über Erneuerbare Bauprojekte:
          “ The IRENA Renewable Cost Database contains around 18 000 utility-scale renewable power generation projects and 11 000 PPA and tender results that provide new insights into trends in the costs and performance of renewables. The IRENA Renewable Costing Alliance (an alliance of companies, industry associations, governments and researchers) is helping to expand the database by sharing confidentially, their data for real-world renewable energy projects.“

          IRENA ist eine selbsterklärte Lobbyorganisation für Erneuerbare. Zahlen für Kernkraft finde ich dort nicht. Woher die stammen? Keine Ahnung!

          Erstaunlicherweise nutzen die beiden Quellen ähnliche Kapitalkosten für europäische Kernkraftwerke:
          5705 $/kWe „France“ für 10% Discount Factor aus Projected Costs of Electricity
          6600 $/kWe „European Union“ für 8% Discount Factor aus World Energy Outlook

          Das ist 115% so teuer beim WEO.

          Auch Betriebskosten sind nicht zu unterschiedlich:
          25 $/MWh „France“ aus Projected Costs of Electricity
          35 $/MWh „European Union“ aus World Energy Outlook

          Aber die Gestehungskosten:
          97 $/MWh „France“ für 10% Discount Factor aus Projected Costs of Electricity
          150 $/MWh „European Union“ für 8% Discount Factor aus World Energy Outlook

          Das ist nun 144% so teuer beim WEO abzüglich der 10 $/MWh Differenz bei den Betriebskosten.

          Es wird ein 10% niedrigerer Kapazitätsfaktor angesetzt (75% vs. 85%), aber das reicht nicht für den Unterschied. Verstehe ich nicht. Woher die große Differenz?

          Man muss generell sagen, dass 8% Discount Factor krass hoch ist und allein ein Discount Factor von 3-5% die Kosten halbieren würde.

  31. Fabian Bazlen

    Danke für den interessanten Artikel!

    Ich hätte mal kurz eine Frage dazu … ich bin bisher auch davon ausgegangen, dass Atomstrom eigentlich eine günstige Quelle zur Erzeugung von Elektrizität wäre.
    Nun habe ich neulich Herrn Lesch im Fernsehen gesehen und der hat das ganz anders dargstellt.
    z.T. wurden solch ähnliche Grafiken eingeblendet:
    https://energiewinde.orsted.de/files/210106/stromkosten-nach-energietraeger-atom-erneuerbare-vergleich.svg
    https://energiewinde.orsted.de/files/210106/stromkosten-atom-wind-solar-kohle-vergleich.svg

    Jetzt meine Frage … warum kommen Sie nicht auf ähnliches Ergebnis sondern auf ein komplett Anderes?
    Würde mich tatsächlich brennend interessieren, da ich erst am Wochenende ein sehr angeregtes Gespräch über Atomstrom hatte und ich dezent verwirrt bin ob jetzt Atomstrom günstig oder nicht ist.
    Endlagerung etc. jetzt erst einmal beiseite … wenn natürlich auch wichtig!

    MFG
    Fabian

  32. Frank

    Ich bin schokiert wie man Vollkosten schreiben kann und dabei die Entsorgung der Kernkraftwerke und die Endlagerung außer acht lassen kann.
    Man schaue sich mal Greifswald oder Rheinsberg an. Der Rückbau ist seit den 90ern im Gange und es wird noch Jahrzente dauern. Im Regionalfernsehen gab man zu das noch 30 Jahre dauert, vielleicht aber auch 60 Jahre bis die Meiler abgebaut sind.
    Wer zahlt die Party? Der Steuerzahler! Also gehören diese Kosten mit in die Vollkosten.

    1. Florian Blümm

      Der Rückbau und die Endlagerung sind in den Gestehungskosten der IEA berücksichtigt. Dabei geht es um ca.:
      0,1 Cents pro kWh für Entsorgung
      0,2 Cents pro kWh für Rückbau

      Diese niedrigen Kosten verblassen gegenüber sonstigen Kosten für Bau & Betrieb.

      Greifswald und Rheinsberg sind wie alle Umweltsünden der DDR ein Kostenfaktor der Wiedervereinigung. Für alle Nicht-DDR-Kernkraftwerke zahlen natürlich die Betreiber.

      1. fdiepartei

        Der letzte Satz ist glatt gelogen. Der schleppend in die Welt gesetzte KENFO ist aufgrund der frühen Abschaltung unterfinanziert, wirtschaftet defizitär und hat ein sehr problematisches Portfolio. Schall und Rauch …

  33. Gerd

    Es gibt ja Leute, die meinen man müsste bei der Dimensionierung von Speichern selbst für die nächste kleine Eiszeit aufgrund von Vulkanausbrüchen vorbereitet sein. Das mag ein bissl arg pessimistisch sein. Aber eine Dunkelflaute meistern, die zuletzt vor gerade einmal 25 Jahren aufgetreten ist? Also das ist doch wohl das Mindeste!

    Sehe ich ähnlich. Wie diverse Quellen – u.a. auch die von Dir zitierten – nahelegen, sollte die insbesondere die derzeit bestehende Gasspeicherkapazität ausreichend sein, eine derartige Situation abzudecken. Und ob das bereitgestellte Gas fossilen oder regenerativen Ursprungs ist, sollte bei vier Ereignissen im Jahrhundert in Bezug auf die Klimawirksamkeit eher von untergeordneter Bedeutung sein…
    Nichtsdestoweniger tun wir sehr gut daran, die kommende Dekade zu nutzen, um diverse weitere Möglichkeiten zur Pufferung von Angebotsschwankungen und zur mittelfristigen Zwischenspeicherung auszubauen bzw. bereitzustellen (einige dieser Optionen habe ich ja bereits zuvor benannt).

    1. Florian Blümm

      Alle 25 Jahre willst du nur bei Strommangel eingreifen? Das heißt 99% aller Dunkelflauten führen in Zukunft zu Blackouts?

      Laut einer aktuellen Studie von Qvist & Ruhnau brauchen wir rund 65 TWh Saisonspeicher pro Jahr. Wenn wir das mit Erdgas decken wollten, wären das rund 32 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr.

  34. Gerd

    Das mit der ständigen Entropiezunahme mag ja stimmen, aber der Hitzetod des Universums ist kein besonders akutes Problem.

    Thema ist nicht Clausius‘ Postulat vom Wärmetod des Universums. Vielmehr geht es um die Erkenntnis, daß eine lokale Entropieabnahme – sei es nun die Aufrechterhaltung eines Zustands, den wir „Leben“ nennen, jegliche wirtschaftliche Aktivität, oder schlichtweg das Entstehen von Information – unweigerlich mit einer Entropiezunahme der Umgebung einhergeht. Und daß diese Entropiezunahme wiederum durch nichts anderes bewirkt wird als durch die Dissipation höherwertiger Energie in Wärme. Wenn die zum Aufrechterhalten eines hochproduktiven globalen Wirtschaftssystems erforderliche Energie nun aber dauerhaft selbst aus terrestrischen Ressourcen bezogen wird, dann wird die Entropie des Systems Erde unaufhaltsam zunehmen. Damit zehrt das Wirtschaftssystem unweigerlich das begrenzte Kapital auf, das seine eigene Grundlage bildet. Und das schlußendlich auch die Grundlage ist zur Aufrechterhaltung des Zustands, den wir „Leben“ nennen…

    Der Klimawandel ist ein akutes Problem…

    d’accord – und in Bezug auf dessen anthropogene Ursachen bräuchten wir uns akut wesentlich weniger Sorgen zu machen, wenn wir unser Wirtschaftssystem bereits weitgehend von terrestrischen Energiequellen entkoppelt hätten.

    1. Florian Blümm

      Was ist denn das Problem mit der Entropiezunahme oder „terrestrischen Energiequellen“?

      Es ist doch nicht so, dass uns die Brennstoffe bald ausgehen. Das Problem sind die Abfälle, die durch das Verbrennen entstehen. Wichtig sind insbesondere die CO2-Emissionen von Energiequellen.

  35. Gerd

    > „Du kannst durch Lastabwürfe die Lastspitzen etwas glätten und dadurch die benötigte Leistung von Speichern etwas senken. Das ändert aber nichts daran, dass du in Deutschland Zeiträume von bis zu 60 Tagen am Stück hast, in denen du überwiegend auf saisonale Speicher angewiesen bist, siehe Ruhnau & Qvist (2021).
    Das mit fast ausschließlich Wind und Solar zu meistern ist eine enorme Herausforderung und sehr viel teurer als mit grundlastfähigen Energiequellen im Mix, siehe z.B. Modellierung von Sepulveda et al (2018) oder jede andere technologieneutrale Modellierung eines Energiesystems mit Nullemissionen.“

    Demand-side-management auf die Option eines Lastabwurfs einzuschränken, ist viel zu kurz gedacht – und führt nicht zum Ziel. Vielmehr geht es darum – wie ich bereits schrieb – mit markwirtschaftlichen Instrumenten die (variable) Nachfrage an das (fixe) Angebot anzupassen, und zwar in Echtzeit. Die technischen Voraussetzungen dafür stehen längst bereit, nur der Umsetzung stehen mal wieder das typisch deutsche Bedenkenträgertum und diverse Partikularinteressen entgegen. Durch ein entsprechend implementiertes demand-side-management können die benötigten Kapazitäten für Kurzzeitspeicher vergleichsweise kurzfristig und auf breiter Basis effektiv gesenkt werden.

    Was Du thematisierst, ist die Dämpfung langfristiger Angebotsschwankungen – hier wird das o.g. Instrument des Echtzeit-demand-side-management allein nicht ausreichen. Ergo benötigen wir geeignete Möglichkeiten zur Langfrist-Speicherung. Nicht sofort, denn übergangsweise stehen umfangreiche Kavernenspeicher für Erdgas zur Verfügung (siehe dazu auch das von Dir zitierte Paper) – aber mit zunehmendem regenerativen Anteil werden wir aller Voraussicht nach diese Speicher sukzessive auf regenerativ erzeugte gasförmige Energieträger umstellen müssen. Ob dann bei 100%ig regenerativen Anteil von einer zweiwöchigen Speicherkapazität (entsprechend der maximal anzunehmenden Dauer einer „Dunkelflaute“) auzugehen ist, oder aufgrund der im zitierten Paper benannten Sekundäreffekte von bis zu 60 Tagen Speicherkapazität, wird sich zeigen – aber soweit werden wir erst in einigen Jahren sein. Was mir allerdings sowohl bei dieser als auch bei anderen mir bekannten Analysen fehlt, ist, daß auch andere mit hohem Energieaufwand hergestellte Grundstoffe indirekt als perfekter Langzeitspeicher fungieren – ein gutes Beispiel ist Aluminium, das in Zeiten regenerativer Überangebote auf Vorrat gewonnen werden kann, während sich in Flautezeiten die Elektrolyse auch für längere Perioden herunterfahren läßt.

    1. Florian Blümm

      Was du da so nonchalant erwägst, kann allein in Deutschland zehntausenden Menschen das Leben kosten und Schäden in mehrstelliger Milliardenhöhe verursachen. Ich hoffe zumindest nicht, dass ich dabei bin, wenn wir herausfinden dass die 2 Wochen Speicher nicht ausreichen und wir 60 Tage gebraucht hätten.

      Es gibt ja Leute, die meinen man müsste bei der Dimensionierung von Speichern selbst für die nächste kleine Eiszeit aufgrund von Vulkanausbrüchen vorbereitet sein. Das mag ein bissl arg pessimistisch sein. Aber eine Dunkelflaute meistern, die zuletzt vor gerade einmal 25 Jahren aufgetreten ist? Also das ist doch wohl das Mindeste!

      1. Harald

        Zunächst einmal gratuliere ich für das sehr sachliche und informative Blog, und wünsche ein Gutes Neues Jahr!

        Ich finde es nicht weit hergeholt, auf ein Ereignis wie 1815 (Tambora) vorbereitet zu sein. Viele Leute denken ja darüber nach, eine vollständig auf regenerative Energiequellen aufgebaute Versorgung aufzubauen. Nach einem solchen Extremereignis wäre das dann das Ende der Zivilisation, weil keine Alternative, Energie auf andere Art und Weise zu erzeugen, mehr rechtzeitig bereitgestellt werden könnte.
        Wir wissen überhaupt nicht, wann sich ein solches Ereignis entfalten könnte, aber es gibt genügend viele Kandidaten (phlegräische Felder, der Yellowstone Nationalpark, ….). Ist das wirklich unser Ziel, uns komplett abhängig von den Launen der Natur zu machen? Dann können wir auch gleich wieder die Götter anbeten, die wir für das „richtige“ Wetter verantwortlich machen.

        Es gibt auch noch weitere Punkte, die wir berücksichtigen müssen: Eine Versorgung nur mit Erneuerbaren führt mittelfristig in eine Subsistenzwirtschaft, die keinerlei wirtschaftliche Weiterentwicklung mehr ermöglicht, ganz einfach, weil ein Grossteil der Wirtschaftskraft mit der Erneuerung der Anlagen ausgelastet ist, aufgrund derer relativ kurzen Lebensdauer und der gigantischen Flächen, die benötigt werden. Wir wollten aber (noch-) mal zum Mond und zum Mars. Dafür wird Energie benötigt, viel Energie, wie auch für viele andere Vorhaben.
        Die Lebensdauern, die hier herumgeistern, stimmen für zahlreiche bisher installierte PV- und Windkraft-Anlagen überhaupt nicht. Die werden in der Praxis viel früher abgeschaltet oder ersetzt („Repowering“ – einige Anlagen aus meiner Heimat sind gerade mal 17 Jahre in Betrieb gewesen). Ein Wechselrichter hält auch nicht ewig, und manche Windkraftanlage erleidet bereits vor ihrer Einweihung einen Totalschaden (ok, bis jetzt ist mir nur eine bekannt, die in Haltern). Aber der Sachschaden ist gewaltig (5 M€), und wenn man bedenkt, dass man mehrere tausend für den Ersatz eines KKW benötigt (über die Lebensdauer des Letzteren und wegen der Vollaststunden; die besten Standorte sind ja schon weg), dann ist man da rasch mal bei über 10 bis 20 Milliarden Euro, und das noch ohne Speicher. Günstiger wird der Bau derselben nicht mehr werden, das ist klassischer Anlagenbau, da kann man nicht einfach weniger Material verwenden. Vielleicht setzen sich die Drachensysteme durch, dann benötigt man wenigstens keinen Mast, aber da wird es andere Probleme geben.
        Ich wundere mich auch, wie freimütig in den ganzen Studien und hier im Forum mit der gespeicherten Energie der Elektroautos umgegangen wird. Dafür müssen die Akkus wirklich zyklenfest sein, und zwar über einen sehr, sehr langen Zeitraum. Mein alter Benziner ist jetzt 27 Jahre alt und fährt einwandfrei, sogar mit einem sehr guten Verbrauch von 7l bei sparsamer Fahrt (nicht so sparsam, wie man ein Elektroauto bewegen müsste um die angegebene Reichweite zu schaffen). Jedesmal beim Einsteigen frage ich mich, wie gut wohl ein 27 Jahre alter Akku funktionieren würde. Das genügt aber nicht, die Besitzer müssen ebenfalls diese Menge freigeben, was sich sicher über Anreizsysteme erreichen lässt, aber dann wieder Kosten verursacht.
        Die Argumente werden auch immer gedreht, wie man es braucht. Einerseits sagt die 100% Erneuerbaren Fraktion, dass die E-Autos der falsche Weg wären, weil 2 Tonnen bewegen für 75kg Mensch energetisch unsinnig sei. Stimmt. Aber dann wird dennoch wieder vorgerechnet, dass ein Auto ja 100kWh Kapazität habe, und das gleich 40millionenfach, und daher genügend Zwischenspeicher zur Verfügung stünde.
        Und endlich gehen die Befürworter der 100% EF (ich bin keineswegs ein Gegner der Erneuerbaren, aber es muss mit Sinn und Verstand geschehen) davon aus, dass es hier noch wahnsinnig viel „technischen Fortschritt“ geben wird. Für die Problematik der Entsorgung der radioaktiven Abfälle darf das aber nicht gelten. Da wird so getan, als halse man dieses Problem Neandertalern auf, und nicht Menschen, die auch in der Zukunft mit immer neuen technischen Möglichkeiten dieses Problem angehen, wie beispielsweise das Genfer Unternehmen Transmutex.
        Die wirklich idiotischste Entscheidung ever war wohl das Abschalten sicherer deutscher Kernkraftwerke weit vor dem Ende ihrer Lebensdauer. Und wenn man dann trotzdem bereit ist, Kernkraft-Strom aus den Nachbarländern zu beziehen, ist das schon sehr schizophren, zumal man ja im Falle eines Unglücks gar nicht vor dessen Auswirkungen geschützt wäre.

        1. Es stimmt schon, dass viele Annahmen der Energiewende sehr optimistisch gewählt sind. Insbesondere das All-In-Pokern auf einen gewaltigen technischen Fortschritt in nur einem Jahrzehnt ist für mich völlig unverständlich. Es ist fast so, als ob man fossile Brennstoffe auch in der 2. Hälfte dieses Jahrhunderts längst akzeptiert hat.

  36. Gerd

    > „Endenergie ist nicht Nutzenergie. … Es gibt ja Menschen, die noch nie vom 2. Hauptsatz der Thermodynamik gehört haben und so tun als könne man in der Energiebilanz eine kWh elektrisch mit einer kWh thermisch gleichsetzen.“

    So korrekt Deine obige Aussage auch ist – laß‘ uns bzgl. Nutzenergie nicht im Detail verzetteln. Faktisch ist es die Endenergie, die dem Endverbraucher „frei Haus“ zur Verfügung steht, wofür also ein tatsächlicher „Bedarf“ angenommen werden kann. Der von weniger sachkundigen Autoren des öfteren verwendete Begriff „Primärenergiebedarf“ ist hingegen ein Oxymoron – das zu verdeutlichen war das initiale Ziel dieses Parts der Diskussion.

    Nebenher bemerkt – wenn Du schon den 2. Hauptsatz erwähnst: tatsächlich ist in Bezug auf den Unterhalt der Technosphäre nicht die Verfügbarkeit von Energie das zentrale Problem, sondern einerseits die Verfügbarkeit begrenzter Ressourcen (Rohstoffe, Fläche, biologische Vielfalt, …), und andererseits – womit wir wieder beim Thema sind – die durch den Unterhalt der Technosphäre verursachte Zunahme der globalen Entropie („was verbraucht ist, ist verbraucht…“) unserer irdischen Welt. Was in der Diskussion seltsamerweise fast nie thematisiert wird, ist, daß diese Entropiezunahme sowohl unvermeidbar als auch unumkehrbar ist – solange vorwiegend terrestrische Energiequellen zu Einsatz kommen. Nutzen wir hingegen für unsere technischen Zwecke gerade einmal ein zehntel Promille der Energie, die vom nächstgelegenen dauerhaft funktionierenden Fusionsreaktor auf die Erdoberfläche trifft, hat sich zumindest das Problem der Entropiezunahme erledigt. Womit sich nach diesem kleinen Exkurs in die Thermodynamik schlußendlich der Kreis wieder schließt, daß ausschließlich regenerative Energiequellen unseren Energiebedarf dauerhaft decken können, und diese zudem in mehr als ausreichendem Maße zur Verfügung stehen.

    1. Florian Blümm

      Das mit der ständigen Entropiezunahme mag ja stimmen, aber der Hitzetod des Universums ist kein besonders akutes Problem.

      Klar, Uran reicht reicht zig Millionen Jahre und bis die Sonne zum roten Riesen wird sind es noch mehrere Milliarden Jahre. Aber auch das sind keine akuten Probleme.

      Der Klimawandel ist ein akutes Problem…

  37. Gerd

    > „China will die Welt erobern, indem sie Uran aus den Weltmeeren filtern? Steile Verschwörungstheorie!“

    Aus Chinas zweifelsohne vorhandenem Anspruch, seine Stellung als Atommacht zu festigen, den Wunsch nach Welteroberung abzuleiten, ist – vorsichtig formuliert – reichlich gewagt. Ein Einwand gegen die Begründung, weswegen die a.a.O. gegebene ökonomische Bewertung der Uranextraktion – ebenfalls vorsichtig formuliert – ziemlich fragwürdig ist, ist darin jedenfalls nicht erkennbar.

    So bleibt nur zu konstatieren, daß im Falle industrienaher Studien erfahrungsgemäß eher eine umgekehrte Proportionalität besteht zwischen ihrer ökonomischen Belastbarkeit und der Abhängigkeit der publizierenden Teams von den auftraggebenden Institutionen.

  38. Klaus Hesse

    Hallo,
    bitte einmal hier reinsehen:

    [7 Links gelöscht]

    Vielen Dank

    1. Florian Blümm

      Hi Klaus,

      Wasserstoff ist in diesem Artikel absolut offtopic und generell ist Linkspam mit 7 Links ohne jede Erklärung oder Zusammenhang überhaupt nicht die feine Art. Ich habe deinen Spam deshalb entfernt.

      Wenn du was zum Thema zu sagen hast, gerne.

  39. Joe Schmidt

    Das ändert aber nichts daran, dass du in Deutschland Zeiträume von bis zu 60 Tagen am Stück hast, in denen du überwiegend auf saisonale Speicher angewiesen bist, siehe Ruhnau & Qvist (2021).

    Wieder eine selektive Behauptung.
    Denn es dürfte weder angestrebt, noch notwendig sein, Deutschland zu 100% über EE energieautarkt zu machen.
    Dazu schreibt Ihre angegebene Quelle:

    Weitere Zeitreihenanalysen ergaben, dass aufgrund der geografischen Glättung windschwache Ereignisse ausgeprägter sind, wenn sie sich auf einzelne Standorte konzentrieren (Leahy und McKeogh, 2013) und weniger extrem werden, wenn der geografische Bereich auf die kontinentale Skala ausgedehnt wird (Grams et al., 2017; Handschy et al., 2017; Kaspar et al., 2019). Schließlich erweiterten Raynaud et al. (2018) den Anwendungsbereich für Solar-, Wasser- und Windkraftwerke, um „Energiedürren“ zu untersuchen, d. h. Zeiten, in denen die erneuerbaren Energien weniger als 20 % der Nachfrage decken. Sie fanden heraus, dass ein Mix aus erneuerbaren Energien die Dauer von Energiedürren im Vergleich zu einzelnen Energiequellen um den Faktor zwei oder mehr verkürzt und dass die Dauer in Szenarien mit 100 % erneuerbaren Energien nicht länger als zwei Tage dauert.

    Mit der Zunahme anderer Flexibilitätsoptionen verlagert sich die Rolle der langfristigen Speicherung von der Überbrückung von Extremereignissen hin zur Glättung der zwischenjährlichen Variabilität der erneuerbaren Energien.

    Änderungen im Nachfrageprofil (bspw. durch Preisimpulse, wie sie heute schon mit flexiblen Stromtarifen wie aWATTar gesetzt werden), die die Flexibilität erhöhen werden in der Quelle ausdrücklich ebenso ignoriert wie Lastabwürfe, die einen Teil des Speicherbedarfs ersetzen können.
    Einen Ausbau der Nutzung der Kernenergie als Option habe ich übrigens aus der Quelle nicht herauslesen können. Eher den Ersatz von Erdgasspeichern durch Wasserstoffspeicher für die Langzeitspeicherung.

    Unsere Stromnetze sind heute schon international und der Ausbau der Stromnetze (sowohl Übertragungs- als auch Verteilnetze) und des internationalen Stromhandels dürfte gerade langfristig deutlich sinnvoller /ökonimischer sein als die Errichtung neuer Kernkraftwerke.
    Auch das Lebensdauerargument zieht hier kaum, denn die Stromnetze haben ja i.d.R. Nutzungsdauern von 60+ Jahren.

    1. Florian Blümm

      Mit Lastabwürfen kann man den Speicherbedarf etwas senken. Das ändert aber nichts an den Größenordnungen.

      Und auch Lastabwürfe sind mit Kosten verbunden.

  40. Joe Schmidt

    Und während der CfD für Hinkley C 92,5 Pfund/MWh kostete, wurden CfDs für Windparks zwischen 140 und 150 Pfund/MWh bewilligt.

    Da ist er wieder, unser Florian mit seinen Quellen.
    Die hierzu verlinkte Quelle stammt aus 2014.
    Ja, die Beihilfen für HinkleyPoint C wurden auch 2014 bewilligt.
    Der Unterschied liegt darin, dass sich die Kosten bei EE seit dem deutlich gesenkt haben, während die Kosten für HinkleyPoint C deutlich gestiegen sind …

    Wie es so schön heißt, können wir es uns nicht leisten ein Kernkraftwerk zu bauen. Wir können es uns aber sehr wohl leisten mehrere Dutzend Kernkraftwerke zu bauen.

    Nö, das kann sich kein Land der Erde mehr leisten. Erst recht nicht, wenn es marktwirtschaftlich orientiert ist.

    Da muss ganz klar die Politik Signale setzen. Wenn nachhaltige klimafreundliche Energieproduktion über Generationen nicht besser bewertet wird, als ein völliger Neubau des kompletten Energiesystems alle 20 Jahre, ist das ein Marktversagen.

    Oh – müssen denn die Netzanbindungen der WKA /PVA alle 20 Jahre erneuert werden?
    Oder sind die 20 Jahre wieder einmal eine von Dir getätigte Annahme, um Kernkraft besser dastehen zu lassen?
    Oder ist das jetzt ein Aufruf zur politischen Subventionierung der Kernenergie, weil marktwirtschaftlich nicht erfolgreich?
    Der Ausbau /die Aktualisierung der Stromnetze, der seit Jahren /Jahrzehnten von den Betreibern aus Profitgründen eher verschleppt wurde, ist ein aktuelles Thema – selbst ohne den EE-Ausbau. Dass bspw. die fehlenden Netzverknüpfungespunkte zwischen den ehemals getrennten Stromnetzen in West /Ost in Deutschland bzw. die Gesamtkosten des Stromnetzausbaus /Erneuerung nun oftmals den EE angelastet werden, darf man durchaus hinterfragen.

    Zugegeben, es gibt Gemeinsamkeiten zwischen Kernkraftwerken und der Nutzung von Kernenergie in Schiffsantrieben in den Marinen verschiedener Länder. Daraus eine Quersubventionierung abzuleiten ist aber als ob man sagt, dass zivile PKWs und LKWs das Militär subventionieren, weil militärische Fahrzeuge standardisierte Motoren nutzen, sowie Diesel und Benzin verbrennen. Die Behauptung stimmt zwar, aber die militärische Nutzung ist weder hinreichend noch notwendig für die zivile Nutzung.

    Interessantes Argument.
    Allerdings gibt es auch Meinungen, dass ohne zivile Kernkraft das Militär Probleme hätte, das notwendige Kernkraft-Know-How aufrecht zu erhalten. Auch bei HinkleyPoint C spielt dieses Argument durchaus eine Rolle. Es sind vor allem Kernwaffenstaaten, die auch die zivile Kernenergie am Leben erhalten. Zivile Reaktoren zur Stromerzeugung könnte man also auch als „Nebenprodukt“ der militärischen Ambitionen sehen. Selbst für Länder, die keine eigenen Kernwaffen besitzen.
    Während es erst die Atom-Bombe und dann die zivile Nutzung der Kernenergie gab, war es bei PKW /LKW bzw. den Verbrennungskraftmaschinen eher anders herum.

    Das mit fast ausschließlich Wind und Solar zu meistern ist eine enorme Herausforderung und sehr viel teurer als mit grundlastfähigen Energiequellen im Mix, …

    Deswegen macht das auch niemand ausschließlich mit Wind und PV und selbst Ihre Quelle „Ruhnau & Qvist (2021)“ schreibt bspsw. zur derzeit in D als Grundlast laufenden Biomasse:
    „Vor diesem Hintergrund lockern wir nun diese Annahme und lassen zu, dass die Bioenergie ihre Leistung um ±100 % (4,6 GW) regelt. … Dies bedeutet, dass 3 Monate der Produktion gespeichert werden können, was länger ist als der zuvor ermittelte Zeitraum, in dem die Speicherung vollständig genutzt wurde. Beachten Sie, dass wir die Bioenergie als Beispiel für Flexibilität verwenden. Ähnliche Effekte können auch bei Flexibilität auf der Nachfrageseite oder im internationalen Handel.

    Es hat nichts mit Rationierung oder „Gürtel enger schnallen“ zu tun, wenn man Erzeuger- und Nachfrageseite über Preisimpulse besser aufeinander abstimmt. Ob in diesem Zusammenhang der langfristige Stromhandel mit jahrelangen Verträgen sinnvoll ist, wäre durchaus zu hinterfragen.

    1. Florian Blümm

      „Der Unterschied liegt darin, dass sich die Kosten bei EE seit dem deutlich gesenkt haben, während die Kosten für HinkleyPoint C deutlich gestiegen sind …“

      Quatsch, die Kosten für NOAK EPRs sind natürlich niedriger als für FOAK. Das sieht man ja schon am 2. Reaktor in Hinkley C. Wann in der Geschichte der Menschheit war die Serienproduktion teurer als der Prototyp?

      „Vor diesem Hintergrund lockern wir nun diese Annahme und lassen zu, dass die Bioenergie ihre Leistung um ±100 % (4,6 GW) regelt.“

      Schon mal gefragt, warum die 100%-EE-Studien Biomasse überhaupt nicht zur Stromerzeugung einsetzen? Genau, weil es Verschwendung ist Biomasse nicht für Prozesswärme einzusetzen…

  41. Gerd

    > „Mit welchen Speichern denn? Die unbezahlbaren oder die, die noch erfunden werden müssen? Ach so, es geht auch mit Rationierung und Gürtel enger schnallen? Und was machen wir in den bis zu 60 Tagen am Stück ohne nennenswerte erneuerbare Erzeugung in Deutschland? Wer muss schon Heizen mitten im Winter, oder?“

    Polemik bringt uns nicht weiter, also zurück zur sachlichen Diskussion: Erfahrungen mit Speichertechnologien gibt es aus den Zeiten des *DinoTech* Kernenergiebooms ja bereits reichlich – um die nächtlichen Überkapazitäten der im Grundlastbetrieb laufenden KKW abzufangen, wurden zuhauf Nachtspeicherheizungen installiert. Merkwürdigerweise kann ich mich nicht an damalige Bedenken erinnern, ob das überhaupt möglich oder mindestens viel zu teuer sei… Dank digitaler Technologien haben wir heute wesentlich smartere Möglichkeiten, zum Nivellieren von Kapazitätsschwankungen ein *SmartTech* demand-side Management zu betreiben (wie es derzeit schon bei industriellen Elektrolyseanlagen geschieht), u.a. durch angebots- bzw. Echtzeitpreis-gesteuertes Laden von Elektrofahrzeugen, Betreiben von Wärmepumpenheizungen, ja sogar Waschmaschinen & Kühlaggregaten. Damit auch während der seltenen, aber durchaus schonmal ein paar Tage andauernden sonnen- und windarmen Phasen [1, 2] nicht das sprichwörtliche „Licht ausgeht“, stehen bereits heute verschiedene Backup-Versorgungen in Form von Wasserkraft, Biomasse, und auch (zugegebenermaßen nicht CO2-freien) Gasturbinen zur Verfügung. Mit zunehmendem Anteil der regenerativen Versorgung (was, wenn wir nicht noch länger zögern, ja auch nicht in Form einer Zäsur geschehen muß) wird der bislang verschleppte überregionale Netzausbau sowie in einigen Jahren vmtl. auch der Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft wesentlich zum langfristigen Erhalt der Versorgungssicherheit beitragen.

    Wie Du siehst, ist im *SmartTech* Szenario die Speicherung nur ein Baustein von vielen, und gewiß nicht der zuerst benötigte. Am preisgünstigsten dürfte der Auf- und Ausbau des demand-side Managements sein, und einige (wenn auch allein nicht ausreichende) Backup-Versorgungsmöglichkeiten stehen schon heute bereit. Am problematischsten – weil teuer und derzeit viel zu langsam – sehe ich den überregionalen Netzausbau, hier ist allem voran der politische Wille zum forcierten Ausbau entscheidend.

    Und schließlich ist es ja nicht so, daß in Deinem *DinoTech* Szenario die Speicherung keine Rolle spielen täte – vmtl. sogar in einem umfangreicheren Maß, als man es zunächst vermuten würde. Denn als Grundlastkraftwerke speisen bestehende KKW mit weitgehend konstanter Leistung ins Netz ein, eine Einregelung auf die typischerweise periodisch schwankende Netzlast ist nicht sinnvoll möglich. Insbesondere ist kein kurzfristiges Herunterfahren der Meiler möglich, wenn ein sehr hohes Angebot an Windenergie verfügbar ist – ohne Speicherung müßte der Energieüberschuß weit unter Gestehungskosten z.B. exportiert werden. Daher sind anstelle schwerfälliger KKW gerade in der Transformationsphase flexibel regelbare Gasturbinen wesentlich effektiver & effizienter mit Wind und Solar kombinierbar, und sollten eingesetzt werden solange noch nicht in ausreichendem Maße ausreichend z.B. Wasserstoffinfrastruktur vorhanden ist.

    Jaja, natürlich sind Gasturbinen nicht CO2-frei, wenn mit fossilem Gas betrieben. Aber diese als temporäre Ergänzung zum *SmartTech*-basierten Ausbau der regenerativen Versorgung einzusetzen, ist m.E. der einzige sozialverträgliche Pfad, auf dem beste Chancen bestehen, im Einklang mit den Reduktionszielen unsere Emissionen im Energiebereich binnen weniger Jahren auf die Hälfte zu senken. Und vor allem ein Pfad, der weltweit sofort und ohne jegliches Proliferations- und Entsorgungsrisiko beschritten werden kann.

    [1] https://www.agora-energiewende.de/service/agorameter/chart/power_generation/09.11.2020/09.11.2021/today/
    [2] https://www.smard.de/home

    1. Florian Blümm

      Du kannst durch Lastabwürfe die Lastspitzen etwas glätten und dadurch die benötigte Leistung von Speichern etwas senken. Das ändert aber nichts daran, dass du in Deutschland Zeiträume von bis zu 60 Tagen am Stück hast, in denen du überwiegend auf saisonale Speicher angewiesen bist, siehe Ruhnau & Qvist (2021).

      Das mit fast ausschließlich Wind und Solar zu meistern ist eine enorme Herausforderung und sehr viel teurer als mit grundlastfähigen Energiequellen im Mix, siehe z.B. Modellierung von Sepulveda et al (2018) oder jede andere technologieneutrale Modellierung eines Energiesystems mit Nullemissionen.

  42. Gerd

    > „Substitutionsprinzip: Der “Nutzungsgrad von Sonnenenergie” spielt da überhaupt keine Rolle.“

    Quark. Den Nutzenergiebetrag *regenerativer* Energieanlagen durch den Konversionswirkungsgrad *fossiler* Energieanlagen zu teilen, um daraus irgendeine „regenerative Primärenergie“ genannte Zahl zu erhalten, ist genauso sinnvoll, wie Birnen rot anzumalen, um sie hernach mit Äpfeln zu vergleichen… Immerhin sind wir uns einig, daß weder der technische Nutzungsgrad, noch der Konversionswirkungsgrad eine Rolle spielt, wenn der aktuelle Beitrag regenerativer Energieformen zur Energieversorgung beurteilt werden soll – zur Beurteilung des Beitrags ist einzig die verfügbare Nutzenergie entscheidend. Und das ist nunmal nichts anderes als der Endenergieanteil der jeweiligen Energieform – und zwar unabhängig davon, ob regenerativ, fossil oder suprafossil. Hingegen spielt für den Nutzbeitrag weder die eingesetzte noch die verlorengegangene noch die mit irgendeinem Faktor multiplizierte Primärenergiemenge eine Rolle.

    1. Florian Blümm

      Endenergie ist nicht Nutzenergie. Besonders groß ist der Unterschied zwischen den beiden bei fossilen Brennstoffen im Transport, aber auch bei Strom, Wärme usw.

      Die Primärenergiemenge spielt, wie du sagst, quantitativ keine Rolle. Bei der Primärenergie geht es vor allem darum Wärmeenergie mit hoher Entropie und mechanische/elektrische Energie mit niedriger Entropie summieren zu können. Es gibt ja Menschen, die noch nie vom 2. Hauptsatz der Thermodynamik gehört haben und so tun als könne man in der Energiebilanz eine kWh elektrisch mit einer kWh thermisch gleichsetzen.

      Das ist aber offtopic, hier entlang zum Artikel über Energieeffizienz.

  43. Gerd

    > „Paper: Ultrahigh and economical uranium extraction from seawater via interconnected open-pore architecture poly(amidoxime) fiber“

    Du kannst davon ausgehen, daß es in der Volksrepublik China nicht möglich ist, strategisch relevante Forschungsarbeiten dieses Umfangs durchzuführen, ohne daß diese explizit vom Politbüro gutgeheißen werden. Es wäre naiv anzunehmen, daß die veröffentlichten Ergebnisse und insbesondere die daraus abgeleiteten ökonomischen Prognosen frei von politischer Motivation sind: China wird gewiß nicht darauf verzichten, seine Position als Atommacht weiter auszubauen – zu diesem Zweck kommt natürlich jegliches „Argument“ gegen die zentralen Fakten, die die sog. „friedliche“ Nutzung der Kernenergie infrage stellen, gerade recht. Dabei läßt man auch mal gerne außer Acht, daß es auf Basis einer einzelnen angewandten Forschungsarbeit nicht möglich ist, eine finale Aussage über die Wirtschaftlichkeit eines Verfahrens zu treffen. Berücksichtigen wir nun noch, daß die Kosten nuklearer Technologien bisher regelmäßig erheblich unterschätzt wurden und werden, dürfte eine gewisse Erkenntnis darüber reifen, wie die a.a.O. bis auf den Cent genau (!) berechnete Preisspanne von $80.70–86.25 / kg Uran (die – so ein Zufall – genau mit dem Spotmarktpreis übereinstimmt…) zu werten ist. Mal ganz zu schweigen davon, daß im Paper weder Energieaufwände erfaßt noch mögliche Auswirkungen des Verfahrens auf die marine Ökosphäre näher beleuchtet werden.

    1. Florian Blümm

      China will die Welt erobern, indem sie Uran aus den Weltmeeren filtern? Steile Verschwörungstheorie!

      Bitte inhaltlich argumentieren…

  44. Gerd

    Der Gehalt an Pu-239 interessiert nicht, so lange es dermaßen mit Pu-240 verunreinigt ist, wie in einem Brennelement aus einem Leichtwasserreaktor.

    Das Isotopenverhältnis läßt sich u.a. über die Brenndauer steuern – sicherlich nict zuletzt daher wurden bestimmte Reaktortypen explizit für den Brennelementwechsel im laufenden Betrieb konstruiert. Auch wenn andere Typen zu diesem Zweck heruntergefahren werden müssen und der Betrieb dadurch unwirtschaftlicher wird, so erfüllt’s doch den fragwürdigen Zweck auch. Und unabhängig davon, ob das Material nun tatsächlich zur Kernwaffe taugt – nur wenige Gramm lösliches Plutonium beliebiger Isotopenzusammensetzung in der Hand irgendwelcher Hazardeure sind Szenarien, die abschreckend genug sind, daß niemand jemals daran auch nur denken müssen möchte.

    1. Florian Blümm

      Ja, Brennelemente lassen sich zum Beispiel bei CANDUs im Betrieb wechseln. Bei in Europa eingesetzten Leichtwasserreaktoren ist das aber nicht möglich. Das muss man schon wirklich wollen und beim Reaktordesign spezifisch berücksichtigen.

      Was an wenigen Gramm Pu-240 abschreckend sein soll, musst du erklären.

  45. Andreas Jeziorek, Dipl.-Ing. TH/TU Maschinenbau/Energietechnik

    Jetzt verlassen Sie den Boden der Sachlichkeit!
    Man kann auch behaupten, in Fukushima wurde kein Reaktotinventar freigesetzt, die Erde wäre eine flache Scheibe und Corona gibt es nicht. Das steht jedem frei.

    1. Florian Blümm

      In Fukushima wurde natürlich kein Reaktorinventar freigesetzt. Wer behauptet denn sowas? Du beziehst dich schon wieder auf Tschernobyl. Japanische Reaktoren haben natürlich Containments, so wie jeder westliche Reaktor.

      Bei den 3 Kernschmelzen in Fukushima wurden flüchtige Spaltprodukte freigesetzt, darunter zwischen 22 und 109 Gramm Jod-131. Wenn es in Fukushima Wasserstoffrekombinatoren und eine gefilterte Druckentlastung gegeben hätte, hätten auch diese geringen Freisetzungen an Spaltprodukten fast vollständig werden können.

      Wenn du Tschernobyl versichern willst, dann musst du erst einmal jemanden finden, der einen sowjetischen graphitmoderierten RBMK-Reaktor ohne Containment bauen will. Viel Erfolg dabei.

      Tschernobyl-Vergleiche verlassen den Boden der Sachlichkeit. Bitte realistische Annahmen treffen oder einen Schadenspfad mitliefern, wenn behauptet wird das Containment würde versagen.

      1. Schon mal was von dem Reaktorunfall in der Schweiz gehört? Und dass es in Schweden gerade noch glimpflich abgelaufen ist? Und dass Belgien Reaktoren abschalten wird, weil sie als zu unsicher beurteilt werden . Nicht von NGOS, sondern von den dortigen Betreibern

        1. Die Betreiber in Belgien wollen die Kernkraftwerke nicht abschalten.

          Der belgische Atomausstieg ist wie in Deutschland eine politische Entscheidung und dort noch deutlich mehr umstritten als hier. Es würde mich SEHR überraschen, wenn die Kernkraftwerke dort tatsächlich abgeschaltet werden, mitten in einer Klimakrise, mitten in einer Energiekrise. So dumm sind nur wir.

  46. Andreas Jeziorek, Dipl.-Ing. TH/TU Maschinenbau/Energietechnik

    Sehr geehrter Herr Blümm,
    Sie müssen schon die Zahlen nachvollziehen und die Mathematik bemühen.
    Wenn es in einem Reaktor zur Kernschmelze und in der Folge zu einer Freisetzung des Reaktorinventars kommt, dann wird sich dieses Material in Windrichtung in Mitteleuropa verteilen. Dann werden sehr dicht besiedelte Flächen unbewohnbar. Wenn nur die Fläche von NRW betroffen wäre, sprechen wir von mehr als 18. Mio. Menschen, die Ihre Heimat, Hab und Gut, ihre Gesundheit und Ihre Erwerbsgrundlage verlieren werden. Da sind die Ansätze der Versicherungswirtschaft je nach Szenarium von 250 bis 6.000 Mrd. Euro durchaus realistisch. Dagegen sehen die 2,5 Mrd. wie ein Tröpfchen auf den heißen Stein aus.
    Ich kann dem Postulat der Kernkraft-Industrie, dass ein Supergau bei uns ausgeschlossen sei, keinen Glauben schenken. Da sprechen die bekannten Havarien Bände. Bedenken Sie auch den Zustand der Anlagen, die weit vor Ihrer Geburt gebaut worden sind.
    Ich möchte, anhand der Kernaussage der Ausarbeitung von Herrn Blümm, die Glaubwürdigkeit dieser Internetplattform in Frage stellen.
    Laut Berechnung von Herrn Blümm würde der Strom aus Kernkraft bei einer Laufzeitverlängerung 2,7 Ct/kWh kosten. (Ohne Berücksichtigung der sozialisierten Kosten!)
    Die Berechnung dieser Zahl kann durchaus richtig sein! Doch sind das nur die Gestehungskosten im Kraftwerk unter Berücksichtigung der kalkulatorischen Rendite.

    Der Strom wird in Deutschland an der Börse gehandelt. Das Strommarktmodell wurde in den 2.000er Jahren von der Bundesregierung und den damaligen vier großen Stromkonzernen Vattenfall, Eon, EnbW und RWE (alle Betreiber von KKW) modelliert.
    Die Strompreisbildung erfolgt an der Börse nach dem Merit-Order-Prinzip. Für einen definierten Zeitraum z.B. 1 Stunde werden alle Stromangebote gesammelt. Die Angebote werden dann nach der Höhe des Preises und der angebotenen Menge sortiert. Die erneuerbaren Energien werden dabei mit Null bewertet. Nachfolgend werden die Angebote mit ansteigenden Preisen für Strom aus Kernkraft, Braunkohle, Steinkohle und Erdgas sortiert.
    Demgegenüber wir die Nachfrage nach Strom zusammengestellt. Ist die Gesamtmenge bekannt, wird in der Angebotskurve über die Nachfragekurve gelegt. Es wird der Preis der letzten benötigten kWh ermittelt.

    Dieser Preis gilt dann für die gesamte Strommenge des Zeitraumes unabhängig vom einzelnen Angebotspreis!!!

    Das heißt, wenn die letzte kWh aus einem teuren Erdgas-GuD-Kraftwerk stammt und 8,0 Ct/kWh kostet, erhalten alle Anbieter, die einen Zuschlag bekommen haben, die 8,0 Ct/kWh.

    Das bedeutet, uns kostet der vermeintlich billige Strom aus einem KKW tatsächlich 8,0 Ct/kWh. („Im August 2021 betrug der durchschnittlich gehandelte Preis für Strom im Marktgebiet Deutschland/Luxemburg rund 82,70 Euro pro Megawattstunde.“ = 8,27 Ct/kWh destatis.de)
    Damit erhält der Betreiber eines KKWs einen durch nichts gerechtfertigten Aufschlag von 5,3 Ct/kWh. Das ist ein Aufschlag auf die Umsatzrendite von fast 200%. Ich verkneife mir hier Branchen zu nennen, die vergleichbare Renditen aufweisen :-). Zum Vergleich: Die Umsatzrenditen des deutschen Mittelstandes betrug 2020 (laut Statista.com) 7,3 %.
    Bei einem Kernkraftwerk von 1,2 GW, 8.500 Volllaststunden und einem Aufschlag von 5,3 Ct/kWh sind das 540 Mio. €/Jahr an Extragewinn durch eine einzelne Anlage.
    Ich würde Ihre Aussage zu den Kosten für Atomstrom beipflichten, wenn das Marktprinzip pay-as-bit angewendet würde. Da bekommt man nur den Preis bezahlt, zu dem man angeboten hat. Ob wir dann noch Kernkraftwerke am Netz hätten? Dieses Prinzip wird interessanter Weise bei den Ausschreibungsverfahren für Erneuerbare Energie angewendet, um den Strompreis niedrig zu halten.
    Ich kann die Betreiber von Kernkraftwerken sehr gut verstehen, dass man auf diese Gelddruckmaschinen ungern verzichten will. Damit ist auch nachvollziehbar, warum die Branche alles dran setzt die öffentliche Meinung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Ich jedenfalls stufe Ihre Influencer-Tätigkeit in diese Richtung ein, auch wenn Sie den Begriff „Influencer“ weit von sich weisen.
    Herr Prof. Dr. Kurt Kugeler, bei dem ich meine Studien- und Diplomarbeit geschrieben habe, hat in seinen Vorlesungen immer wieder darauf hingewiesen, dass Druck- und Siedewasserreaktoren nicht inhärent sicher und somit als hoch gefährlich einzustufen sind. Er hat sich deswegen für Reaktortypen, wie z. B. dem THTR eingesetzt, der beim Ausfall von Hauptkomponenten deutlich weniger zur Kernschmelze neigt.

    Ich beende hiermit meinen Beitrag zur Diskussion. Ich glaube, ich könnte mit der gleichen Sinnhaftigkeit auch mit Herrn Trump über Kohlestrom diskutieren.

    1. Florian Blümm

      „Freisetzung des Reaktor-Inventars“? Soll das ein leiser Tschernobyl-Vergleich sein? Westliche Reaktoren hatten schon immer Containments. Da gibt es keine „Freisetzung des Reaktor-Inventars“.

      Nochmal, bitte den Schadenspfad erklären, der zu einer „Freisetzung des Reaktor-Inventars“ führt. Dann wird dir ziemlich schnell klar, dass das unmöglich ist.

      „Der Strom wird in Deutschland an der Börse gehandelt. “

      Ja, aber nicht am Spotmarkt. Nur Wind, Solar und Restmengen werden am Spotmarkt nach der Merit-Order gehandelt. Der Großteil der Elektrizität im europäischen Stromhandel wird Monate oder Jahre vorher über normale Marktpreisbildung per Angebot und Nachfrage am Terminmarkt verkauft. Bitte mal woanders als bei den Dilettanten von „Energiewende-Rocken“ informieren.

  47. Andreas Jeziorek, Dipl.-Ing. TH/TU Maschinenbau/Energietechnik

    Ich möchte nur exemplarisch auf diese Reihe von kernkraftgläubigen Aussagen reagieren.

    „Es ist ein Fakt, dass diese Behauptung falsch ist. Deutsche Kernkraftwerke würden gar keine Betriebserlaubnis bekommen ohne Haftpflichtversicherung mit hoher Deckungssumme. Die Versicherung ist Teil der Betriebskosten und in den Gestehungskosten eingepreist.“

    Folgt man den angegebenen Link nach Wilipedia:
    „Schäden über € 256 Mio. bis zu dem Betrag von € 2,5 Mrd. werden von der Solidargemeinschaft der Betreiber getragen. Über diesen Betrag hinaus haftet der Betreiber der verunfallten Anlagen unbegrenzt. “

    Da steht ausdrücklich, dass der Betreiber über 2,5 Mrd. € haftet, aber nichts davon, dass er das Geld haben oder versichert sein muss.
    Kein Betreiber kann nach einem Supergau noch irgendeinen nenneswerten Beitrag zur Behebung des Schadens leisten.
    Der Staat musste sogar gesetzgeberisch einschreiten, damit die KKW-Betreiber sich nicht durch Auslagerung der Anlagenbetriebsgesellschaft aus der Verantwortung stehlen.

    2,5 Mrd. € reichen bei einem Supergau vielleicht noch für Sofortmaßnahmen! Der Betrag ist im Verhältnis zu den möglichen Schäden minimal.

    Jeder Deutsche hat ein durchschnittliches Vermögen, nach Abzug der Verbindlichkeiten, von ca. 80.000 €.
    Bei Eintritt eines Supergaus werden angenommen 10.000.000 Menschen ihr Hab und Gut verlieren.
    Das sind nur die privaten Vermögenswerte von ca. 800 Mrd. €, die entschädigungsfrei vernichtet werden.
    Die Studien der Versicherungswirtschaft gehen sogar von bis zu 6.000 Mrd € an mögliche Schäden aus.

    Damit man einen Eindruck gekommt, wieviel Kernenergie bei einem Neubau kostet, möge man doch bitte nach Großbritannien schauen. Dort bekommt der Betreiber der Anlage eine garantierte Einspeisevergütung von 109,21 Euro/MWh (10,921 Ct/kWh ohne unbegrenzte Versicherung) den die Stromkunden/Steuerzahler bezahlen müssen. Erneuerbare Energie sind da wesentlich preiswerter und mit Abstand ungefährlicher.

    https://www.energate-messenger.de/news/137140/grossbritannien-garantiert-einspeiseverguetung-fuer-atomkraftwerk

    Die Geschichte lehrt, dass Atomkraftwerke solange als havariesicher gelten, bis die Haverie eingetreten ist.
    Ich finde das eine ungeheuerliche Anmaßung, zu behaupten, dass könnte hier nicht passieren.
    Ich wünsche mir einen etwas kritischeren Umgang mit den „Mythen“ der Atom-Industrie.

  48. Andreas Jeziorek, Dipl.-Ing. TH/TU Maschinenbau/Energietechnik

    Den Kommentar „Sehr schönen Arbeit“ kann ich überhaupt nicht teilen.
    Ich bin eher erschrocken, über die fehlenden Kenntnisse für eine gesamtheitliche Beurteilung von Energiesystemen. So blendet die Schönrechnerei der KKW-Kostenstruktur für „KKWs mit Laufzeitverlängerung“ die gesellschaftlichen Kosten vollständig aus.
    Es ist Fakt, dass die Havarie-Risiko von KKWs generell nicht versichert sind! Alle übrigen Anlagenbetreiber müssen eine Haftpflichtversicherung besitzen, anderenfalls wird die Anlage stillgelegt. Die Versicherungswirtschaft hat aufgrund der Schadenseintrittswahrscheinlichkeit und der möglichen Schadenshöhe Versicherungsprämien für ein KKW berechnet. Da ergeben sich Beträge nicht unter 10 Ct/kWh.
    https://foes.de/pdf/2012-09-Externe_Kosten_Atomenergie.pdf
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Unf%C3%A4llen_in_kerntechnischen_Anlagen
    Wenn man das auf die von Herrn Blümm berechneten 2,7 Ct/kWh aufschlägt, relativiert sich die Aussage zu dem billigen Atomstrom.
    Ein Kernunfall in Mitteleuropa wird im Unterschied zu Fukushima ganze Landstriche unbewohnbar machen, da hier kein Ozean ist, der den radioaktiven Fall-Out aufnimmt. Eine Umsiedelung von 10 bis 20 Mio. Menschen wird da recht wahrscheinlich. Diese Menschen werden ohne Entschädigung enteignet. Ein Staat der 10-20 Mio. Menschen umsiedeln muss, kann keine individuellen Entschädigungen zahlen.
    Die Ewigkeitskosten/Risiken der Lagerung von Atommüll möchte ich auch noch erwähnen.
    Kernenergie ist eine der teuersten Energien für eine Volkswirtschaft. Ich finde es höchst verwerflich den Bürgern vorzugaukeln, dass Kernenergie eine billige Energie ist, ihnen aber die gesellschaftlichen Kosten zu verschweigen.
    Ich kann nur dringend raten, die Herausforderungen der Zukunft nicht mit den fehlerhaften Lösungsansätzen aus der Vergangen zu begegnen. Auch sollten bei einer solchen Betrachtung die Kosten, die heute vergesellschaftet werden, berücksichtigt werden.
    Ich empfehle, keine überholten Kostenansätze für Erneuerbare Energien heranzuziehen, da sich diese Technik rasant in Richtung Wirtschaftlich bewegt. So ergeben die aktuellen Ausschreibungen für Windkraft-Offshore Zuschlagswerte von 0,0 Ct/kWh. Dass bedeutet, dass der Anlagenbetreiber den Windstrom zu Börsenpreisen vermarktet bekommt.
    https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2021/20210909_Offshore.html
    Ich empfehle die Studie der SRU zu lesen, um ein tiefgehendes Verständnis für ein gesamteuropäisches Energieversorgungsystem, allein auf Basis von Erneuerbaren Energien, zu erlangen.
    https://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/02_Sondergutachten/2008_2012/2011_07_SG_Wege_zur_100_Prozent_erneuerbaren_Stromversorgung.pdf?__blob=publicationFile

    1. Florian Blümm

      Hi Andreas,

      da bist du einer ganzen Serie von Mythen aufgesessen, die von Anti-Kernkraft-Vereinen wie Ausgestrahlt, BUND und Greenpeace verbreitet werden:

      1. „Es ist Fakt, dass die Havarie-Risiko von KKWs generell nicht versichert sind!“

      Es ist ein Fakt, dass diese Behauptung falsch ist. Deutsche Kernkraftwerke würden gar keine Betriebserlaubnis bekommen ohne Haftpflichtversicherung mit hoher Deckungssumme. Die Versicherung ist Teil der Betriebskosten und in den Gestehungskosten eingepreist.

      2. „Die Versicherungswirtschaft hat aufgrund der Schadenseintrittswahrscheinlichkeit und der möglichen Schadenshöhe Versicherungsprämien für ein KKW berechnet. Da ergeben sich Beträge nicht unter 10 Ct/kWh.“

      Nein, die Versicherungssummen sind um 2 Größenordnungen niedriger als 10 Cents pro kWh. In deinem verlinkten Paper von FÖS im Auftrag Greenpeace geht man von einem erfolgreichen Terroranschlag auf ein Kernkraftwerk alle 2 Jahre aus. Drei Mal darfst du raten wie viele Terroranschläge es bisher auf Kernkraftwerke gab – genau: keinen einzigen. Generell kannst du davon ausgehen, dass von Greenpeace beauftragte Studien Junk-Science sind. Hier ist ein Review des Papers in einer Fachzeitschrift.

      3. „Ein Kernunfall in Mitteleuropa wird im Unterschied zu Fukushima ganze Landstriche unbewohnbar machen“

      Im Unterschied zu Fukushima wird bei uns durch eine Kernschmelze gar nichts unbewohnbar gemacht, auch nicht vorübergehend. Europäische Kernkraftwerke sind anders als japanische mit Wasserstoffrekombinatoren und gefilterter Druckentlastung ausgestattet. Eine Freisetzung von Radionukliden mit Dosen wie in Fukushima ist ausgeschlossen. Mehr zum Vergleich Fukushima und deutschen Reaktoren.

      4. „Eine Umsiedelung von 10 bis 20 Mio. Menschen wird da recht wahrscheinlich.“

      Selbst bei der dreifachen Kernschmelze in Fukushima war die Evakuierung ungerechtfertigt. Es gibt kein realistisches Szenario für eine Evakuierung in Mitteleuropa wegen einer Kernschmelze. Oder kannst du mir einen Schadenspfad schildern bei dem eine Evakuierung nötig wird?

      5. „Die Ewigkeitskosten/Risiken der Lagerung von Atommüll möchte ich auch noch erwähnen.“

      Der komplette Brennstoffzyklus ist bereits in den Gestehungskosten eingepreist inklusive Entsorgung. Auch der Rückbau ist eingepreist. Ewigkeitskosten gibt es bei einem Kohlebergwerk, nicht bei einem passiv stillgelegten tiefengeologischen Endlager. Das wird gerne von Atomkraftgegnern „verwechselt“.

      6. „Ich kann nur dringend raten, die Herausforderungen der Zukunft nicht mit den fehlerhaften Lösungsansätzen aus der Vergangen zu begegnen. Auch sollten bei einer solchen Betrachtung die Kosten, die heute vergesellschaftet werden, berücksichtigt werden.“

      Das ist genau der Ansatz dieses Artikels. Insbesondere die enormen Systemkosten von variablen Erneurbaren sollten endlich nach dem Verursacherprinzip gezahlt werden. Die mit rund 5 Cents pro kWh schon hohen Kosten werden mit weiterem Zubau überproportional steigen.

      7. „So ergeben die aktuellen Ausschreibungen für Windkraft-Offshore Zuschlagswerte von 0,0 Ct/kWh. Dass bedeutet, dass der Anlagenbetreiber den Windstrom zu Börsenpreisen vermarktet bekommt.“

      Da fehlen immer noch die Systemkosten, die an Dritte abgeschoben werden. Ich finde es übrigens recht bedenklich, wenn nach 20 Jahren „Anschubfinanzierung“ und ~500 Milliarden Euro Subventionen gefeiert wird, dass die ersten Windräder nun ohne Subventionen auskommen – wenn auch nur für einen Teil der Kosten. Da ist die Subventionierung längst zur Selbstverständlichkeit geworden.

      8. „Ich empfehle die Studie der SRU zu lesen, um ein tiefgehendes Verständnis für ein gesamteuropäisches Energieversorgungsystem, allein auf Basis von Erneuerbaren Energien, zu erlangen.“

      Studien zu 100%-Erneuerbaren gibt es in Deutschland wie Sand am Meer. Ich habe es leider immer noch nicht geschafft einen Vergleich der Annahmen der prominentesten Studien zu machen. Eine 10 Jahre alte Studie würde ich aber auch gar nicht zum Vergleich heranziehen.

      Aktuelle Studien zu 100%-Erneuerbaren von Agora und co machen üblicherweise mehrere oder gar alle dieser Annahmen:
      A) Signifikanter Rückgang des Energieverbrauchs in Deutschland
      B) Klimafreundliche Importe im Jahr 2045 in Höhe von 1/3 des Energieverbrauchs oder mehr
      C) Erfolgreiche Marktreife von Elektrolyseuren in nur einem Jahrzehnt
      D) Erfolgreiche Marktreife von Synthese-Anlagen in nur einem Jahrzehnt
      E) Schnelle Entwicklung von Gaskraftwerken mit der Möglichkeit Wasserstoff zu verbrennen
      F) Unkomplizierte Umwidmung bestehender Gas-Infrastruktur auf Wasserstoff trotz bekannter Probleme
      G) Schnelles Ausrollen von CCS, obwohl in Deutschland faktisch verboten
      H) Enormer Preisverfall bei Batteriespeichern, Elektrolyseuren, Synthese-Anlagen, PV und Wind
      I) Keine Engpässe bei Rohstoffen, Fabrikationskapazität oder Fachkräften
      J) Keine Verzögerungen beim Netzausbau
      K) Keine Verzögerungen bei der hohen Sanierungsrate von Bestandsgebäuden
      L) Soziale Verträglichkeit trotz signifikanter Kosten für jeden einzelnen Bürger

      Wenn eine dieser Annahmen sich als falsch herausstellt, scheitert das Projekt 100% Erneuerbare. Es wird hier nicht weniger gefordert als eine noch nie zuvor gesehene Umstellung der gesamten Gesellschaft, die vollkommen reibungslos abläuft.

      Was fehlt ist eine echte Machbarkeitsstudie statt einer weiteren Studie mit utopischen Annahmen. In einer fachlich korrekten Arbeit würde man all diese Annahmen einer Sensitivitätsanalyse unterziehen.

      1. Eric Hoyer

        Hallo,
        ich frage mich immer, was die Menschen so alles schreiben über Energie Einsparungen und Grundlastbereitstellung etc,!
        Ich vermisse überwiegend kreative Vorschläge wie man natürliche Energie erzeugt und diese speichert, ich denke dies ist nun dran, nicht nur weil Putin die feinen Geschäfte mit der Energie aus den Fugen gebracht hat, sondern weil die Unfähigkeit wirklich was Nachhaltiges und nicht Gigantisches zu bauen z. B Growian 1983-1987, AKWs und Milliarden vorher und Milliarden nachher im Glanzpapier zeigen, und Michel fällt darauf rein.
        Ich bin der Erfinder der Kugelheizung – bis ca. 1.200 Grad möglich – die auch über Solarenergieraum, Wind und besonders Fließenergie der Flüsse und Bäche – ca. 8.000 km – evtl. und noch Geothermie und Feststoffspeicher nach Eric Hoyer und zu jeder Energieart habe ich die Anlagen erfunden die wesentlich günstiger und nachhaltiger sind und min. 100 bis 200 Jahre halten. Ich bin überzeugt nur gebündelte geeignete Standorte der gesamten natürlichen Energieerzeuger und die Feststoffspeicher sind eine ehrliche Lösung,. Erfindungen-Verfahren.de ca. 45 Erfindungen etc. für die Menschen und die Umwelt zu schonen.
        Dennoch habe ich wesentliche Zusammenstellungen im obigen guten Beitrag finden können, ob andere Daten mehr wahr sind mag ich bezweifeln bei der Lügnerei in der Welt bei Technik und Energie. Eric Umweltansicht.de

        1. „Ich vermisse überwiegend kreative Vorschläge wie man natürliche Energie erzeugt und diese speichert“

          Jede unserer Energiequellen beruht auf Naturkräften. Die sind alle natürlich.
          Es ist sogar nur eine Naturkraft, nämlich die starke Wechselwirkung auf einen von 2 Wegen:

          1. Kernspaltung:
          primär durch Kernkraftwerke
          sekundär durch Geothermie

          2. Kernfusion:
          primär durch Fusionskraftwerke – vielleicht irgendwann mal
          sekundär durch Solar, Kohle, Öl, Erdgas, Biomasse, Windkraft, Wasserkraft

          Einzige Ausnahme, die mir einfällt, ist das Gezeitenkraftwerk. Das beruht auf der Schwerkraft.

          Eine neue Heizung, welche elektrische Energie in Wärme umwandelt, ist nicht das, was wir benötigen. Wärmepumpen sind bereits äußerst effizient und arbeiten an den Grenzen, die durch den Carnot-Wirkungsgrad gesteckt sind.

  49. Werner Hildebrand, Dipl.-Ing. SC's

    Sehr schöne Arbeit!

  50. Gerd

    (zugunsten des thematischen Fadens habe ich die Antwortreihenfolge mal etwas umsortiert)

    > „Greifswald nicht repräsentativ“
    Nun ja, auch im eher westlichen (Siemens… ;-)) KKW Stade gestaltet sich der Rückbau offenbar deutlich aufwendiger als gedacht, Preussen Elektra geht derzeit von einem Abschluß in 2026 aus – mit geschätzten Kosten deutlich über 1 Milliarde Euro (bei damaligen Baukosten von ca. 150 Mio Euro). Eine weniger gigantische Summe zwar als die ca. 10 Mrd Euro Rückbaukosten der WWER Blöcke von Greifswald-Lubmin, doch alleine durch die Bau- und Rückbaukosten kommen wir auch hier bei insgesamt 146 TWh eingespeister Energie auf ca. 10 ct/kWh, zzgl. der noch nicht inkludierten Kosten für Betrieb, Wartung, Entsorgung, Kapital etc. Wie man es auch dreht und wendet, die in einschlägigen Quellen genannte Preisspanne zwischen 15…50 ct/kWh über eine praxisrelevante Laufzeit von KKW wird schwerlich unterschritten werden können.

    > „Kernkraft verursacht am wenigsten Todesopfer pro kWh“
    Weil der Installateur bei der PV-Installation letal vom Dach fiel, während der Fischer vor Sellafield „lediglich“ ein paar Jahre seines Lebens verlor? So ließe sich natürlich so einiges begründen…

    > „zuhauf reale Kosten aus der Endlager-Praxis“
    Stimmt, da war doch das Endlager Asse – da gibt es tatsächlich zuhauf reale Kosten aus 50 Jahren Endlager-Praxis. Nur mit dem über Jahrmillionen sicheren Abschluß des Inventars von der Ökosphäre hapert es da noch ein wenig… Faktum: die Entsorgung kann schwerlich eingepreist sein, da es weder eine realexistierende Endlagerung hochaktiver Abfälle gibt, noch die Ewigkeitskosten mangels entsprechender Ewigkeit bekannt sind.

    > „Es gibt so gut wie keine Überschneidungen zwischen Atomwaffen und ziviler Kernkraft“
    Das ist in mehrfacher Hinsicht ein Irrtum. Zum einen wird Material, das ausrangierten Nuklearsprengsätzen entstammt, routinemäßig in zivilen MOX-Brennelementen verwendet. Zum anderen beträgt der Gehalt an Pu-239 in abgebrannten Brennelementen nicht-brütender Reaktoren auch bereits 1% – das kernwaffenfähige Element läßt sich dann chemisch abtrennen. Für Akteure, die aus nicht-zivilen Motiven handeln, spielt es kaum eine Rolle, daß sich das nicht wirtschaftlich darstellen läßt. Somit erscheint die häßliche Fratze der Proliferation nicht „nur“ auf im Zusammenhang mit der – glücklicherweise von keiner ernstzunehmenden Seite mehr erwogenen – wahnwitzigen Idee einer weltweiten Plutoniumwirtschaft, sondern eben auch, wenn „Schurkenstaaten“ (oder solche, die es werden wollen…) beteuern, natürlich nur aus rein zivilen Interessen Kernreaktoren – egal welchen Typs – betreiben zu wollen.

    > „Am Uran wird der Ausbau der Kernkraft sicher nicht scheitern“
    Wie gesagt – aus makroökonomischen Motiven wird niemand auf die Idee kommen, die teuerste Möglichkeit, nicht-regenerative Energieträger in elektrische Energie zu konvertieren, gar auszubauen (in Frankreich dürften den jüngsten Ankündigungen neben politischen Motiven vmtl. mikroökonomische Interessen des Betreibers EDF zugrundeliegen). Die Gewinnung zusätzlicher Reserven aus Meerwasser ist technisch zwar denkbar, trotz einiger gegenteiliger Beteuerungen aber nicht wirtschaftlich umsetzbar bei einem Uranpreis von $80…130/kg. Zum Vergleich: eine ähnliche Idee, nämlich Gold aus Meerwasser zu extrahieren, hatte vor einhundert Jahren bereits Fritz Haber, mußte aber aufgeben, als sich herausstellte, daß die Konzentration mit 4 Mikrogramm/m³ (also sogar noch höher als die Urankonzentration von 3 Mikrogramm/m³) für eine wirtschafliche Umsetzung viel zu niedrig war. Und bis heute gibt es keine Extraktionsanlage, obwohl der Goldpreis um höchst attraktive 3 Zehnerpotenzen über dem des Urans liegt…

    > „Dass Kernkraft äußerst klimafreundlich ist“
    Abgesehen von den Nettoemissionen, die je nach Berechnungsmethode im Bereich von 12..65 g CO2/kWh angegeben werden und damit signifikant höher als bei regenerativer Energiebereitstellung sind, habe ich bereits dargelegt, daß die Kernenergie sowohl wegen mangelnder Wirtschaflichkeit als auch wegen unzureichender Ressourcenverfügbarkeit kein Potential hat, in nennenswertem Maße zur CO2-Reduktion beizutragen (nein, wir brauchen jetzt nicht über Meerwasserextraktion zu reden, die sowohl die wirtschaftliche als auch die CO2-Bilanz der Kernenergie noch weiter verschlechtern würde).

    > „Kernkraft-Anteil von 4,0% der weltweiten Primärenergie“
    Fehler 1: Primärenergieanteile sind ungeeignet, um ökonomische Nutzbeiträge von Energieträgern zu vergleichen, denn hier spielt uns der Nutzungsgrad einen Streich: derzeit liegt der Nutzungsgrad der Sonnenenergie bei roundabout einem hunderttausendstel des solaren Energieflusses, mit der Folge, daß sich der daraus berechnete Primärenergieanteil so stark erhöht, daß alle anderen Primärenergieträger bei einem Anteil von nahezu null landen. Was natürlich genausowenig Aussagekraft besitzt, wie genauso unehrliche Rechnungen, die für regenerative Energieträger den Nutzungsgrad ignorieren, für fossile und supra-fossile (sprich: Kernenergie) Energieträger hingegen den Carnotschen Wirkungsgrad einrechnen, um eine scheinbar höhere Relevanz zu suggerieren. Also rechnen wir doch bitte ehrlicherweise mit dem derzeit genutzten 2% nuklearen Anteil am ENDenergieverbrauch – Tendenz sinkend.

    > „Solar und Wind können den Brennstoffverbrauch … in der Übergangsphase enorm senken“
    Fehler 2: Regenerative Energieträger können nicht den „Brennstoffverbrauch … in Übergangsphase enorm senken“, sondern sind (nach derzeitigem Wissensstand) die einzig geeigneten Energieträger, um den Energiebedarf der Ökonomosphäre dauerhaft, sicher und mit mehr als ausreichender Reserve zu decken. Dazu brauchen wir lediglich 0,01% der Energie, die wir vom nächstgelegenen, voraussichtlich noch für ein paar Milliarden Jahre sicher funktionierenden Fusionsreaktor kontinuierlich frei Haus auf die Erdoberfläche geliefert bekommen, für unsere entsprechenden Bedarfe technisch zu nutzen.

    > „wenn es in Zukunft deutlich günstigere Speicher geben sollte?“
    Fehler 3: Wir müssen nicht auf „in Zukunft deutlich günstigere Steicher“ hoffen – denn Möglichkeiten zum Managen eines volatilen Angebots in dezentralen Netzen gibt es schon jetzt genügend. Klassische Kurzzeitspeicher werden dabei zwar nicht überflüssig, spielen aber nur noch eine untergeordnete Rolle. Vielmehr ist DER zentrale Baustein die Einführung eines digitalisierten Echtzeit-Strommarktes (sozusagen Marktwirtschaft in Reinkultur), wobei auch das flexible Lademanagement von Elektrofahrzeugen äußerst hilfreich sein wird. Du siehst, im Gegensatz zum wenig hilfreichen Versuch, verrottende Dinosaurier aus längst vergangenen Zeiten wiederzubeleben, ist DAS hier wirklich „Technology for our Future“!

    1. „KKW Stade gestaltet sich der Rückbau offenbar deutlich aufwendiger als gedacht, Preussen Elektra geht derzeit von einem Abschluß in 2026 aus – mit geschätzten Kosten deutlich über 1 Milliarde Euro“

      1-1,5 Milliarden Euro ist der Rahmen für den Rückbau von Reaktoren. Bei den 1,3-GW-Reaktoren sind das rund 0,15 Cents pro kWh bei 40 Jahren Laufzeit. Der Reaktor in Stade war nur halb so groß und wurde nach nur 30 Jahren stillgelegt. Trotzdem sind die 0,69 Cents pro kWh für den Rückbau von Stade nicht besonders viel. Von 10 Cents pro kWh sind wir da weit entfernt.

      „10 Mrd Euro Rückbaukosten der WWER Blöcke von Greifswald-Lubmin“

      Auch hier wieder innerhalb der Spanne von 1-1,5 Milliarden Euro pro Reaktor. Wenn die 7 Reaktoren in Greifswald und Rheinsberg natürlich nur maximal 17 Jahre gelaufen sind, verschlechtert das die Kosten pro kWh deutlich. Aber das ist ja kein ökonomischer Kostenfaktor, sondern ein politischer.

      „während der Fischer vor Sellafield “lediglich” ein paar Jahre seines Lebens verlor“

      Auf was spielst du denn jetzt an?

      „Stimmt, da war doch das Endlager Asse“

      Asse war kein Endlager, sondern ein Versuchsprojekt, welches gehörig schiefgelaufen ist. Heute lagert man nicht mehr in ehemalige Bergwerke ein – auch dank Asse.

      „Ewigkeitskosten mangels entsprechender Ewigkeit bekannt sind.“

      Ewigkeitskosten gibt es mangels Ewigkeit nicht. Das sind keine Kohleminen, die man aktiv am Leben halten muss. Ein Endlager wird passiv stillgelegt.

      „Zum einen wird Material, das ausrangierten Nuklearsprengsätzen entstammt, routinemäßig in zivilen MOX-Brennelementen verwendet. “

      Schwerter zu Pflugscharen, besser wird es nicht.

      „Zum anderen beträgt der Gehalt an Pu-239 in abgebrannten Brennelementen nicht-brütender Reaktoren auch bereits 1% – das kernwaffenfähige Element läßt sich dann chemisch abtrennen. Für Akteure, die aus nicht-zivilen Motiven handeln, spielt es kaum eine Rolle, daß sich das nicht wirtschaftlich darstellen läßt. “

      Der Gehalt an Pu-239 interessiert nicht, so lange es dermaßen mit Pu-240 verunreinigt ist, wie in einem Brennelement aus einem Leichtwasserreaktor.

      „Die Gewinnung zusätzlicher Reserven aus Meerwasser ist technisch zwar denkbar, trotz einiger gegenteiliger Beteuerungen aber nicht wirtschaftlich umsetzbar bei einem Uranpreis von $80…130/kg.“

      Doch, siehe hier: Ultrahigh and economical uranium extraction from seawater via interconnected open-pore architecture poly(amidoxime) fiber

      „Abgesehen von den Nettoemissionen, die je nach Berechnungsmethode im Bereich von 12..65 g CO2/kWh angegeben werden und damit signifikant höher als bei regenerativer Energiebereitstellung sind“

      So ein Blödsinn. Selbst bei den alten Zahlen vom Weltklimarat ist Kernkraft klimafreundlicher als Wind und deutlich klimafreundlicher als Photovoltaik mit deutschen Standortfaktoren. Neue Zahlen wie von UNECE (2021) mit Berücksichtigung von modernen Reaktoren und In-Situ-Leaching sind bei 6 gCO2/kWh. Und die Meerwasser-Extraktion wäre noch sauberer.

      „Fehler 1: Primärenergieanteile sind ungeeignet, um ökonomische Nutzbeiträge von Energieträgern zu vergleichen, denn hier spielt uns der Nutzungsgrad einen Streich“

      Ich glaube mit dem Thema Primärenergie solltest du dich erst einmal eingehend befassen. Der „Nutzungsgrad von Sonnenenergie“ spielt da überhaupt keine Rolle. Bei dem hier verwendeten Substitutionsprinzip werden Erneuerbare und Fossile gleichbewertet, hier ist ein Primer zum Einstieg.

      „Regenerative Energieträger können nicht den “Brennstoffverbrauch … in Übergangsphase enorm senken”, sondern sind (nach derzeitigem Wissensstand) die einzig geeigneten Energieträger, um den Energiebedarf der Ökonomosphäre dauerhaft, sicher und mit mehr als ausreichender Reserve zu decken.“

      Mit welchen Speichern denn? Die unbezahlbaren oder die, die noch erfunden werden müssen?

      „Wir müssen nicht auf “in Zukunft deutlich günstigere Steicher” hoffen – denn Möglichkeiten zum Managen eines volatilen Angebots in dezentralen Netzen gibt es schon jetzt genügend.“

      Ach so, es geht auch mit Rationierung und Gürtel enger schnallen? Und was machen wir in den bis zu 60 Tagen am Stück ohne nennenswerte erneuerbare Erzeugung in Deutschland? Wer muss schon Heizen mitten im Winter, oder?

  51. Julius

    Lieber Herr Blümm, ich würde gerne anmerken, dass es sehr nach Cherry picking riecht, wenn man für gewichtige Annahmen nur eine Quelle zur Hand nimmt. Zumindestens sollte man es dann nicht als unumstößlichen Fakt darstellen. In diesem Artikel fällt es bei den System LCOE von Ueckerdt et. al auf. In einem anderen Artikel hatten sie sich auf die Marktwerte von EE bezogen, die bis Anfang dieses Jahres unter den LCOE lagen. Ich möchte gerne diesen Thread dazu empfehlen: https://mobile.twitter.com/nworbmot/status/1229451061355778048

    Ich kann mich dem Tenor des Threads nur anschließen. Künstliche Linare Zusammenhänge wie LCOE oder die System LCOE die oft auf Grenzwertbetrachtungen beruhen nicht überwerten, sonder die Totalen Kosten eines System betrachten. Dafür sind aber dynamische Energiesystemmodellierungen vonnöten. Bitte mehr davon!

    1. Florian Blümm

      Die hier verwendeten Quellen Ueckerdt et al (2013) und NEA-OECD (2012) haben eine vergleichbare Größenordnung der Systemkosten von Erzeugern, wobei Ueckerdt etwas mehr mit einschließt.

      Cherrypicking hieße ja, dass es eine Vielzahl von Studien zu Systemkosten gibt, die zu völlig anderen Ergebnissen kommen. Gibt es die wirklich? Ich kenne keine einzige Modellierung mit niedrigeren Kosten. Bitte her mit den Quellen.

      „sonder die Totalen Kosten eines System betrachten. Dafür sind aber dynamische Energiesystemmodellierungen vonnöten. Bitte mehr davon!“

      Eben diese Modellierungen haben Ueckerdt et al (2013) und NEA-OECD (2012) gemacht. Die totalen Kosten eines Systems zu betrachten ist kurz gesagt der Sinn dieses Artikels.

  52. Gerd

    Hallo Florian, ersteinmal Gratulation zu der bemerkenswert gut gelungenen technischen Umsetzung dieses Blogs – daran könnte sich manch ein anderer gerne mal ein Vorbild nehmen!

    Dennoch, auch wenn Deine Auseinandersetzung mit dem Thema durchaus fachlich gut fundiert und mit diversen Verweisen untermauert ist – eine Reihe von Informationen sind nicht wirklich nachvollziehbar, und einige wesentliche Aspekte fehlen. Zugegebenermaßen ist der energetischen Nutzung der Nuklearenergie eine gewisse technische Faszination nicht abzusprechen – auch ich war in jungen Jahren in hohem Maße beeindruckt von den Technologien zur wirtschaftlichen Nutzbarmachung der Energien, die die Welt im Innersten zusammenhalten. Doch je mehr man beginnt, über den technischen Tellerrand hinauszublicken, desto klarer wird erkennbar, daß die energetische Nutzung der Kernenergie ein Irrweg war und ist.

    Wir könnten jetzt diskutieren über Kostenkalkulationen (für Greifswald-Lubmin kam ich mit einer einfachen Überschlagsrechnung unter Berücksichtigung der Kosten für den Rückbau auf Gestehungskosten, die ein mehrfaches über den Kosten für Windenergie liegen), über mögliche Schäden an Leib und Leben infolge unbeabsichtigter Freisetzung radioaktiven Inventars, über fiktive Kosten der Endlagerung über Jahrmillionen, über Investititionsmittel, die für zukunftsfähige Technologien verloren sind, etc. pp. Andererseits müßte ich auch eingestehen, daß die Gestehungskosten bei verlängertem Betrieb *bestehender* Kraftwerke – aus Betreibersicht rein betriebswirtschaftlich kalkuliert – durchaus konkurrenzfähig sein können.

    Doch all das ist nicht der zentrale Aspekt. Vielmehr steht die Spezies des homo sapiens erstmals in ihrer Geschichte vor dem Problem, extreme Einbußen ihrer Lebensqualität und ihrer zukünftigen Überlebenschancen infolge extrem schneller, irreversibler Veränderungen des irdischen Klimasystems soweit wie möglich noch aufzuhalten. Schlüsselfaktor dabei ist, wie schnell und wie nachhaltig es uns jetzt gelingt, weltweit die anthropogenen Treibhausgasemissionen auf ein unkritisches Maß zu reduzieren.

    Und jetzt kommt’s: die energetische Nutzung der Kernenergie kann hierzu keinen nennenswerten, vmtl. sogar gar keinen Beitrag leisten. Der Grund dafür ist simpel: derzeit trägt die Kernenergie gerade einmal 2% zur Deckung des weltweiten Endenergieverbrauchs bei. Bei unverändertem Deckungsbeitrag reichen die gesicherten Uranvorräte – je nach Quelle – noch ca. 60..120 Jahre. Wollte man die CO2-Emission durch Ausbau der Kernenergie substantiell reduzieren (wobei diese Option wegen der nicht gerade unerheblichen CO2-Emissionen, die durch die Nutzung der Kernenergie verursacht werden, ohnehin anzuzweifeln ist) und den Deckungseitrag auf z.B. 20% erhöhen, wären die gesicherten Vorräte nach spätestens einem Jahrzehnt aufgebraucht, und der bis dahin erreichte Nutzeffekt wäre dennoch bestenfalls gering. Tatsächlich steht sogar zu vermuten, daß ein Ausbau der Kernenergie eher sogar zu steigenden CO2-Emissionen führt, denn die dafür eingesetzten Investitionsmittel stehen dann weder für den Ausbau tatsächlich CO2-freier Energietechnologien (d.h. mit einem Erntefaktor > 1), noch für Investitionen in die Optimierung der Energieeffizienz zur Verfügung.

    Doch gibt es dennoch Gründe, weiter auf die energetische Nutzun der Kernenergie zu setzen: denn wer die Technologie in Friedenszeiten beherrscht und weiterentwickelt, wird unter anderen Umständen auch in der Lage sein, die militärstrategische Karte auszuspielen. Ich will diese Motivation hier nicht bewerten, sondern nur dafür plädieren, daß die politischen Entscheidungsträger dann auch offen dazu stehen und nicht beteuern, man täte es nur, um dem Klimawandel entgegenzuwirken…

    1. Florian Blümm

      „Kostenkalkulationen (für Greifswald-Lubmin kam ich mit einer einfachen Überschlagsrechnung unter Berücksichtigung der Kosten für den Rückbau auf Gestehungskosten, die ein mehrfaches über den Kosten für Windenergie liegen)“

      Greifswald ist ja leider überhaupt nicht repräsentativ für Kernkraftwerke. Wenn ich mich nicht völlig täusche musste das Kraftwerk nach nur 17 Jahren Laufzeit infolge der Wiedervereinigung stillgelegt werden. Auch scheint der Rückbau in Greifswald wohl deutlich problematischer zu sein als in westlichen Reaktoren.

      „mögliche Schäden an Leib und Leben infolge unbeabsichtigter Freisetzung radioaktiven Inventars“

      Es gibt hier im Blog einen eigenen Vergleich zur Sicherheit von Energiequellen. Kernkraft verursacht am wenigsten Todesopfer pro kWh.

      „fiktive Kosten der Endlagerung über Jahrmillionen“

      Wir müssen ja nicht fiktive Kosten nehmen, wenn es zuhauf reale Kosten aus der Endlager-Praxis gibt. Die Entsorgung ist in den Gestehungskosten voll eingepreist.

      „Der Grund dafür ist simpel: derzeit trägt die Kernenergie gerade einmal 2% zur Deckung des weltweiten Endenergieverbrauchs bei.“

      Volle Zustimmung. Der Kernkraft-Anteil von 4,0% der weltweiten Primärenergie in 2020 ist viel zu gering und muss deutlich ausgebaut werden. Auch die Anteile von Wasserkraft mit 6,4%, Windkraft mit nur 2,4% und Photovoltaik mit nur 1,5% sind viel zu gering. Am schnellsten und günstigsten von diesen 4 klimafreundlichen Erzeugern lassen sich Kernkraft und Wasserkraft zubauen.

      Nur Kosten und Geschwindigkeit der Dekarbonisierung zu vergleichen ist zugegeben zu kurz gedacht. Solar und Wind können den Brennstoffverbrauch von fossilen Kraftwerken in der Übergangsphase enorm senken. Und wenn es in Zukunft deutlich günstigere Speicher geben sollte, können Solar und Wind sehr gut die Spitzenlast decken, während Kernkraft und Wasserkraft die Grundlast bereitstellen. Genau dieses Ergebnis zeigen ja auch Modellierungen von Energiesystemen mit Kernkraft, Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik wie diese bekannte vom MIT. Wenn du eine Energiesystem-Modellierung kennst, in der Kernkraft in keinem Szenario eine Rolle spielen kann, schieß los. Ich sammle gerade solche Studien für einen entsprechenden Artikel.

      „Bei unverändertem Deckungsbeitrag reichen die gesicherten Uranvorräte – je nach Quelle – noch ca. 60..120 Jahre.“

      In diesem Blog gibt’s einen eigenen Beitrag zu den Uranreserven. Am Uran wird der Ausbau der Kernkraft sicher nicht scheitern.

      „(wobei diese Option wegen der nicht gerade unerheblichen CO2-Emissionen, die durch die Nutzung der Kernenergie verursacht werden, ohnehin anzuzweifeln ist) “

      Dass Kernkraft äußerst klimafreundlich ist, muss man aber wirklich wissen. In diesem Blog gibt’s einen eigenen Beitrag zu den CO2-Emissionen von Energiequellen. Die CO2-Emissionen der Kernkraft sind mit deutschen Standortfaktoren niedriger als Wind und deutlich niedriger als Solar. Und das sind die alten Zahlen vom Weltklimarat, die durch technischen Fortschritt bereits überholt sind.

      „wer die Technologie in Friedenszeiten beherrscht und weiterentwickelt, wird unter anderen Umständen auch in der Lage sein, die militärstrategische Karte auszuspielen. “

      Es gibt so gut wie keine Überschneidungen zwischen Atomwaffen und ziviler Kernkraft. Ein Leichtwasserreaktor eignet sich nicht zum Erbrüten von waffenfähigem Material.

      Zugegeben, es gibt Gemeinsamkeiten zwischen Kernkraftwerken und der Nutzung von Kernenergie in Schiffsantrieben in den Marinen verschiedener Länder. Daraus eine Quersubventionierung abzuleiten ist aber als ob man sagt, dass zivile PKWs und LKWs das Militär subventionieren, weil militärische Fahrzeuge standardisierte Motoren nutzen, sowie Diesel und Benzin verbrennen. Die Behauptung stimmt zwar, aber die militärische Nutzung ist weder hinreichend noch notwendig für die zivile Nutzung.

      Das enorme Know-How aus den militärischen Schiffsantrieben kann übrigens in Zukunft eine große Rolle für die Dekarbonisierung des kommerziellen Schiffsverkehrs spielen. Das ist nach dem Flugverkehr einer der Anwendungsfälle, die am schwersten zu dekarbonisieren sind.

  53. Arsc

    Ich glaube sie sind behindert im Geiste oder fremdgesteuert:
    nur dieses persönliche Beispiel um dies zu bestätigen:
    Sie haben eine Grafik in ihrem Sinnlos Blog in der von totalen LCOE von DachPV Strom von 12Cent fabuliert wird (Veröffentlicht von der Gates finanzierten IAEA…uiiii)
    Meine 10 Kw Peak Anlage kostet 13000 EUR netto und wird die nächsten 30 Jahre 290 Mwh Strom produzieren Degradation Wartungskosten Entsorgung am Ende etc. eingerechnet und aufgerundet komme ich auf gerade mal 5 Cent

    1. Bitte mal n bissl auf die Ausdrucksweise achten. Wir sind hier net im Wirtshaus.

      Das Problem an deiner Solaranlage ist, dass sie nur Strom erzeugt, wenn die Sonne scheint. Und es hilft auch nix, wenn der Strom bei dir bleibt. Wenn du die Systemkosten einrechnest, kannst du beim aktuellen Systemanteil rund 5 Cents aufaddieren.

      In allen Gestehungskosten, die ich kenne, wird außerdem mit 20 Lebensjahren für PV gerechnet.

      1. Andreas

        Ich versuche mich mal neutral zu halten und die Berechnungen nachzuvollziehen.
        Sowohl bei pv als auch akw fallen der Großteil der Kosten bei der Errichtung an.
        Du berechnet für akw Kosten:
        19 miiliarden /1.600.000kw ×8800hx 60 Jahre bei 90% betriebszeit und kommst so auf ca. 2,5 cent kWh preis.
        Bei pv wird immer nur von 20 Jahren ausgegangen weil das der eeg vergütungszeitratraum ist. Es gibt aber produktgarantien mit Zeiträumen von 25- 30 Jahren. Testanlagen laufen auch nach 36 Jahren noch mit 90% Leistung.
        Kostenrechnung einer 2021 errichteten 16kwp dachanlage. Pultdach auf bungalow ohne eigenleistung.
        900€ je kwp/ 930kwhx30 jahre = 3,2cent je kwh.

        Was die Betriebskosten angeht kann ich die Rechnung nicht nachvollziehen deswegen lasse ich das außen vor. Bei pv liegen die module auf dem Dach und da muss im best case nie wieder jemand ran.

        Was akw aus meiner persönlichen Sicht tot macht sind die langen Planungs und bauphasen. Bis der erste Euro cashflow aus der getätigten investion anfällt sind die in der Zeit errichteten ee Anlagen bereits bezahlt. Die Skalierbarkeit ist auch nicht gegeben. Pv module werden in hochautomatiesierten Fabriken am Fließband produziert, aufs Dach schmeißen kann die jeder laie, nur der Anschluss benötigt ein Elektriker. Eine Serienproduktion zur gleichzeitigen Errichtung von vielleicht 50akw in europa scheitert bereits an der Infrastruktur und Fachkräfte.

        1. Florian Blümm

          Wind und Solar werden mit 25 Jahren Lebenszeit angesetzt, siehe Seite 36 der Studie. Wasserkraft 80 Jahre und Kernkraft 60 Jahre. Das sind jeweils Mindestlaufzeiten. Bei allen Erzeugern kannst du davon ausgehen, dass sie eigentlich deutlich länger laufen.

          Mit EEG hat das gar nix zu tun, da internationale Studie. Es geht nur um die Kosten, nicht um die Finanzierung.

          Klar, die langen Phasen ohne Cashflow sind ein krasser Nachteil von Kernkraft und Wasserkraft. Der größte Nachteil von besonders nachhaltigen Investments ist aber nicht die Planungsphase, sondern die Lebenszeit nach den ersten 30 Jahren. Wenn man einen gängigen Abzinsfaktor verwendet, dann sind Kraftwerke nach 30 Jahren quasi wertlos.

          Kernkraft und Wasserkraft können aber auch nach 40, 60 und 80 Jahren genauso viel Strom erzeugen wie am ersten Tag. Wenn die Kraftwerke erst einmal stehen, laufen sie für mehrere Generationen. Für private Investoren ist das leider überhaupt nicht attraktiv.

          Ich empfehle den Artikel Decarbonisation at a Discount? Let’s Not Sell Future Generations Short

          Ich würde übrigens behaupten, dass man deutlich mehr Infrastruktur für den Bau von einer Million Solardächern mit jeweils 35 kW Peak braucht, die zusammen gerade mal so viel Strom produzieren wie ein Kernkraftwerk. Nur weil man beim Installieren nicht viel machen muss, heißt doch nicht dass bei der Herstellung kein Aufwand betrieben wurde. Allein der enorme Ressourcenaufwand.

          1. Hauke

            Florian,

            keine Ahnung wie Du auf Laufzeiten von 60 Jahren kommst – in Deutschland jedenfalls sind die nie auch nur annähernd erreicht worden, ganz einfach weil (akzeptier‘ es doch einfach mal!) eine große Mehrheit der Bevölkerung die Dinger nun mal nicht hinten im Garten stehen haben will, und auch NIEMAND bereit ist den Abfall bei sich zu verbuddeln (und zwar aus sehr guten Gründen).

            Hast Du eigentlich irgendwo in deinen Kostenrechnungen mal berücksichtigt dass das Schadensrisiko für Atomkraftwerke so groß ist, dass der Gesetzgeber so grosszügig war die Betreiber von einer Versicherungspflicht freizustellen, einfach weil so was einfach nicht versicherbar ist. https://www.manager-magazin.de/finanzen/versicherungen/a-761954.html
            In dem Artikel behaupten Sie das, wenn man die Versicherungskosten mit einberechnen würde, der Strompreis um den Faktor 40 steigen würde.
            Ich bin kein Versicherungsmathematiker, aber ich glaube die rechnen sowas schon sehr, sehr lange aus. Wenn die das Risiko nicht bereit sind zu tragen, warum sollte dann der Rest der Welt es tun?

          2. Florian Blümm

            Wenn Deutschland seine Reaktoren Jahrzehnte vor ihrem Lebensende mutwillig zerstört, ist das mit hohen zusätzlichen Kosten verbunden. Dreimal darfst du raten, wie man diese zusätzlichen Kosten vermeiden kann…

            Eine große Mehrheit der deutschen Bevölkerung ist für Kernkraftwerke.

            Die Versicherungskosten sind Teil der Betriebskosten in den Gestehungskosten der IEA. In Deutschland sind natürlich alle Kernkraftwerke gegen mögliche Risiken versichert. Sie sind ebenso natürlich nicht gegen einen erfolgreichen Terrorangriff jedes 2. Jahr versichert, wie ihn die Versicherungsforen Leipzig in deiner Quelle annehmen.

            Dreimal darfst du raten, wie viele Terrorangriffe es in 70 Jahren ziviler Kernenergie auf Kernkraftwerke gab. Genau, keinen einzigen. Man muss kein Versicherungsmathematiker sein um zu erkennen, dass diese Berechnung das Papier nicht wert ist auf das sie gedruckt ist.

  54. NaPe

    Wir haben doch einen Lernefekt bei Atomkraft gehabt… Die Teile sind einfach nicht 100% sicher und Atombomben wollen wir (wie die Briten und Franzosen) eh nicht haben –> Also wir schalten die AKWs ab, das ist der gesellschaftlicher Konsens, leb damit! Die Atomkraftdebatte in DE ist Geschichte.

    Gas und Öl gehen auch nicht mehr, also muss es mit PV und Windkraft geschafft werden. Die Technik gibt es und ist bezahlbar! Jetzt ist die Frage wieviel, wo und wie speichern wir die Energie. Und wo sparen wir Energie. Da brauchen wir weitere Ansätze,

    Mit Kernfusion können wir dann in 50 Jahren die alten Module ersetzen. -.-

  55. Joe Schmidt

    Interessant finde ich, dass SIe bei den „Vollkosten“ für Strom aus neuen AKW tatsächlich mit den 4Ct/kWh aus einer Studie werben, obwohl das AKW Flamanville noch nicht fertig ist und noch keine einzige kWh produziert wird.
    Für den neueren Reaktor HinkleyPoint C waren eine 35jährige Garantie für 11Ct/kWh zzgl. Inflationsausgleich nötig, um Investoren zu finden.
    Auch sehe ich nicht, wo Sie da bei den Stromkosten aus AKW die Systemkosten ausreichend berücksichtigt hätten.
    Denn auch AKW brauchen zusätzliche Regelkraftwerke und BackUp-Kapazitäten.
    Der Argumentation von Lukas Hörner kann ich umfänglich folgen – Ihrer nicht.

    1. Wäre es dir lieber, wenn ich mit den unter 3 Cents pro kWh Kosten aus den Achtzigern werbe? Oder den chinesischen und koreanischen 2,5 Cents pro kWh?

      Die Systemkosten von Kernkraftwerken sind berücksichtigt. Sie betragen rund 0,2 Cents pro kWh und sind damit etwas höher als bei Gas oder Kohle, siehe Artikel.

  56. Heiner

    Hallo,
    interessante Seite und interessante Diskussion!
    Die Berechnungen werden derzeit ja massiv durcheinandergeworfen durch den aktuell auf über 60 €/t hochgeschossenen Preis für CO2-Emissionen. Dazu durch den extrem angestiegenen Preis für Steinkohle (in 3 Monaten von ca. 100 auf nun 170$).
    Dadurch sind Wind und PV aktuell z.T. deutlich preiswerter als Braunkohle, Steinkohle und Erdgas.
    Frage ist zudem, wo der CO2-Preis künftig liegen wird und was angemessen ist. Aktuell gab es Aussagen zu sozialen Kosten des CO2-Ausstoßes von 3000 $. (aktueller Artikel der FR, bitte selber googeln) Das ist der mit Abstand höchste Preis, den ich gehört habe. Im gleiche FR-Artikel sind auch Bepreisungen von 195 € (UBA) oder 110 bis 135 € (eine UN-Kommission) genannt. Wenn es „nur“ die 110 € werden, spricht alles klar für PV und Wind. Und für Kernenergie?
    Bei Kernenergie ist mir nicht klar, warum oben 3,86 cent genannt sind – aber in der Diskussion eher um die 9 cent/kWh. Ist das auf den Lerneffekt zurückzuführen, der erwähnt wird? Eine so große Differenz erscheint mir fragwürdig.
    Zudem wäre es fair, bei Wind und PV auch einen massiven Lerneffekt einzupreisen. (Bzw. wäre es fair, für AKW neu den aktuell hohen Preis in Flamanville bzw. Hinkley Point C in der Abbildung oben zu nennen.) Bei den Preisen PV/Wind dürfte noch Luft nach unten sein, wenn die derzeitigen hohen Rohstoffpreise wieder sinken. (Ok – bei Kohle auch! Vielleicht sinkt auch der CO2-Preis sichtbar, wenn die Wirtschaft abkühlt!) Zudem findet noch ein upscaling der Produktion von Wind und PV statt sowie Steigerungen der Wirkungsgrade. Ein weiterer Punkt: PV wird oft auf 20 Jahre kalkuliert (wie wurde bei obigen Zahlen kalkuiert?) – kann aber 30/ 40/ 50 Jahre betrieben werden. Die Module altern nur langsam. Fragwürdig erscheinen mir auch die hohen Kosten für die Systemintegration. Hier wäre fairer Weise auch (wie bei AKW neu) ein hoher Lerneffekt einzupreisen – z. B. durch preiswerte Speicher, Ausbau der Stromnetze (bei Windstille in D Strom aus Spanien importieren, Wasserkraft noch stärker als Speicher nutzen als heute (vgl. nordlink)). Zudem ist der Punkt „Überproduktion“ bei Wind und PV genannt, wenn diese verstärkt ausgebaut werden. Für diese „Überproduktion“ wird sich in Zukunft auch Verwendung finden. An der Strombörse wird dieser „Überschuss“ preiswerter angeboten werden. Für diesen preiswerten Strom werden sich Abnehmer finden, die z. B. Elektrolyseure betreiben oder in der Stromabnahme flexibel sind und solche preiswerten Phasen „abpassen“. In der Erforschung sind z. B. thermische Speicher, die an einstigen Kohlekraftwerken errichtet werden können und einen Teil der bestehenden Infrastruktur nutzen können (Dampfturbine, gute Netzanbindung…). Ein weiteres Beispiel ist die Beladung von Wärmepspeichern mit Wärmepumpe oder auch einfach wenig effizient per Heizstab. Es gibt etliche weitere Möglichkeiten, Stromabnehmer in die preiswerten Zeiten der „Überproduktion“ zu verschieben. Das muss sich aber entwickeln. Solche Lösungen scheinen mir nicht berücksichtigt zu sein bei Kostenpunkt „Überproduktion“ von Wind und PV!?
    Was auch interessant wäre: wenn das Potenzial von Batteriespeichern hier berücksichtigt werden würde. Deren Kosten sinken rapide. Und damit auch die Kosten für die Systemintegration von PV und Wind?
    Ach ja – die Wasserkraft muss noch kommentiert werden! 🙂 Das Potenzial ist zumindest in Deutschland weitgehend ausgereizt. Daher ist hier kaum zusätzliches Potenzial zu erwarten.
    Mein Schluss ist, dass ein systematischer Ausbau von PV und Wind in Europa stattfinden sollte – unter Berücksichtigung des gesamten Stromnetzes. PV sollte vor allem in Spanien und Griechenland stehen – aber auch dezentral in Europa insgesamt. Windkraft sollte kontinentweit gut verteilt stehen. Wichtig ist offshore-Wind, der viele Vollaststunden liefert – auch im Winter. Auf regionaler Ebene sollten Batteriespeicher stehen, die das Stromnetz entlasten (lokalen Überschuss vor Ort speichern, bei Prognose von wenig Wind und PV „Vorrat“ anlegen, damit das überregionale Netz nicht überlastet ist und damit Kapazitäten ausreichen). Am besten sollten auch noch weitere Stromnetze integriert werden in Nordafrika, Türkei, Osteuropa, …. Das würde regionale Wettereffekte weiter glätten/ausgleichen. Eine win-win-Situation.
    Und ein letzter Punkt: ist bei PV eine Ost-West-Ausrichtung bedacht? Das liefert etwas weniger Strom – aber dürfte die Systemkosten deutlich senken, weil nicht mittags ein massiver PV-Peak entsteht. Auch ist der Strom einige Stunden vor und nach Mittag deutlich teurer, weil der Mittagspeak die Preise in den Keller drückt. Eigentlich sollte in D und Europa generell nur noch PV in Ost-West-Ausrichtung gebaut werden. Das EEG in D liefert hier aber meines Wissens keine Anreize. Aber EEG-unabhängige Anlagen dürften dies berücksichtigen – schließlich müssen sie am freien Markt bestehen!
    Bin gespannt auf Rückmeldungen und Kommentare!

    1. Florian Blümm

      Stimmt, der CO2-Preis wirft einiges durcheinander. Den CO2-Preis könnte ich leicht updaten, den gestiegenen Steinkohlepreis aber nicht. Auch nicht vergessen sollte man den seit März mehr als verdoppelten Gaspreis von $6/MMBTU auf $15/MMBTU.

      Die 3,86 Cents beziehen sich einzig und allein auf den EPR-Prototyp in Flamanville, da sonst in den letzten Jahren keine Reaktoren in Mitteleuropa gebaut wurden. Da ist also kein Lerneffekt einbezogen, ganz im Gegenteil: Das ist das absolute Worst-Case-Szenario. Es kann mit weiterem Ausbau nur besser werden. Die in Frankreich geplanten 6 EPR2 werden deutlich günstiger sein.

      Wie man auf 9 Cents pro kWh bei Kernkraftwerken kommt, musst du mal erklären. Angenommen wir haben Betriebs-, Rückbau- und Entsorgungskosten in Höhe von 2 Cents pro kWh. Dann müsste ja ein einzelner Reaktor mit 1,6 GW um die 53 Milliarden Euro kosten (7 Cents pro kWh mal 756 Mrd. kWh Lebenserzeugung über 60 Jahre). Welcher Reaktor der jüngeren Vergangenheit soll so teuer gewesen sein? Nicht einmal die völlig überzogenen AP1000 im Vogtle-Kernkraftwerk Block 3&4 sind so teuer.

      Gestehungskosten sind zwangsweise immer historisch. Jede Prognose von Lerneffekten unterliegt großen Unsicherheiten. Ob Wind und Solar wirklich noch deutlich billiger werden können bei gleichzeitigem massiven Ausbau ist übrigens keineswegs sicher, allein schon wegen der großen Menge benötigter Rohstoffe. Die Preise für Photovoltaik stiegen ja in 2021 um 15%. Noch dazu sind die besten Standorte schon weg.

      Systemkosten können noch fallen, insbesondere die für Regelenergie dank Batteriespeichern. Im Moment steigen die Systemkosten aber durch den hohen Erdgaspreis. Wenn man saisonales Backup komplett ohne fossiles Gas und nur mit z.B. Wasserstoff bereitstellen will, würden die Systemkosten noch einmal deutlich steigen.

      Klar kann man in Zukunft einen Teil der Überproduktion zum Beispiel in Elektrolyseuren nutzen. Aber es ist absolut unwirtschaftlich mehr als nur einen kleinen Teil zu nutzen. Dazu müsste man ja enorme Mengen Elektrolyseure bauen, die nur bei extrem viel Wind und Solar laufen und den Großteil des Jahres still stehen. Teure Infrastruktur muss ausgelastet werden, sonst lohnt sich das nicht.

      Der Ausbau der Stromnetze ist ein Kostentreiber für die Systemkosten, kein Kostensenker. Der Transport von Strom ist nicht weniger teuer als die Speicherung. Es ist auch absolut illusorisch Deutschland von Spanien oder Griechenland aus zu versorgen. Wir könnten es vielleicht mit enormen Einsatz in 20-30 Jahren Bauzeit schaffen 2, 4 oder gar 6 GW Leistung über so enorme Strecken durchzustellen, aber nicht die benötigten Kapazitäten im hohen zweistelligen GW-Bereich um Deutschland zu versorgen.

    2. Hallo Heiner, völlig richtig, zusätzlich: bei einer doppelten Akku-Kapazität durch Feststoff-Akkus auf zB 200 kWh pro Fahrzeug, könnte der insgesamt erforderliche Strombedarf bereits bei einer Dunkelflaute für 1woche gedeckt werden. Mit Verbund von PV- und Windkraft von Griechenland über Italien bis Spanien und vielleicht auch von Ukraine bis Norwegen ist eine noch längere kalte Dunkelflaute ausgeschlossen. Da braucht es nicht mal mehr die Akkuspeicher der Kfz

      1. Mitteleuropa mit dreistelligen GW Leistung von Griechenland, Italien oder Spanien versorgen? Wie viele Billionen Euro sollen die neu zu bauenden HGÜs kosten und wie viele Jahrzehnte soll das dauern?

        Zum Vergleich, die HGÜ Südostlink mit nur 2 GW und nur 500 km Länge kostet 5 Milliarden Euro und wird mindestens 10 Jahre im Bau sein.

        Wenn du Mitteleuropa mit 200 GW vom 2500km entfernten Portugal aus versorgen willst, kostet das laut Dreisatz 5 Billionen Euro. Und das geht über mehrere Gebirge und Ländergrenzen hinweg. Wir haben nicht bis zum Jahr 2100 Zeit und an die Ressourcenverschwendung möchte ich lieber erst gar nicht denken…

  57. Jan Freytag

    Basieren die AKW Kosten auf der aktuellen Praxis? Müsste man hier nicht die Kosten der Allgemeinheit mit einpreisen? Z.B. die Kosten der Atommülllagerung, etc.? AFAIK zahlt das ja kein Eon, sondern der Steuerzahler.

    1. Florian Blümm

      Ja, man muss fairerweise die Entsorgung einpreisen. Leider wird das bei Kohle, Erdgas, Öl und Biomasse nicht vollständig gemacht.

      Bei der Kernkraft sind die Entsorgungskosten vollständig Teil der Gestehungskosten. Die Zwischen- und Endlagerung wird in Deutschland vom Betreiber bezahlt und auf den Preis umgelegt. Es zahlt der Stromverbraucher nach dem Verursacherprinzip, nicht der Steuerzahler.

      Übrigens, die Atommüll-Entsorgung macht laut BUND rund 0,15 Cents pro kWh aus. Das ist nicht annähernd so viel, wie gerne behauptet wird. Mehr Infos zur Entsorgung im Artikel zur Endlagerung.

  58. Lukas Hörner

    Hi Florian,

    Doch, es gibt klare Trends, die Lovering et al ausgemacht hat:
    First of a Kind Prototypen sind immer teurer als nachfolgende Reaktoren
    mehrere Reaktoren an einem Standort senken die Kosten im zweistelligen Bereich
    der Serienbau eines Reaktortyps senkt die Kosten im zweistelligen Bereich
    Reaktoren, die bei Baubeginn noch nicht fertig geplant waren (wie z.B. AP1000 oder EPR) verzögern sich und werden dadurch sehr teuer
    Reaktoren deren Anforderungen während dem Bau mehrmals geändert wurden (USA nach TMI) verzögern sich und werden dadurch sehr teuer
    Zum letzten Punkt ist diese Grafik sehr eindrücklich: https://twitter.com/GrantChalmers/status/1410006032198225922
    Das war jetzt sicher nicht vollständig. Wird mal einen Blick auf Abbildung 12.

    Dann hast du aber andere Trends erkannt, als die Authoren der Studie. (vgl. bei den Conclusions): „These results show that there is no single or intrinsic learning rate that we should expect for nuclear power technology, nor an expected cost trend. How costs evolve over time appears to be dependent on different regional, historical, and institutional factors at play.“
    Die Grafik von Twitter zeigt auch, dass in Europa seit dem Jahr 2000 kein AKW fertiggestellt wurde. Annahmen für die Anwendbarkeit asiatischer Länder finde ich daher recht mutig.
    Das Fazit der Studie zeigt auch, dass die Authoren nicht denken, dass etwas wie der Messmer-Plan als Kostentrend für die Zukunft heranziehbar ist.

    Du hast doch selbst einen Fraunhofer-Report vom Juni 2021 verlinkt. Dort ist der günstigste erneuerbare Erzeuger PV Utility Scale mit 3-6 Cents pro kWh. Demgegenüber steht ein Marktwert für Solarstrom von ~3 Cents pro kWh im Jahr 2020.

    Das heißt selbst bei Auslagerung von einem Großteil der Systemkosten auf Dritte ist der günstigste erneuerbare Erzeuger nicht kostendeckend. Der Marktwert von Solar und Wind wird mit weiterem Zubau noch sinken, siehe dazu auch diesen Artikel: https://www.technologyreview.com/2021/07/14/1028461/solar-value-deflation-california-climate-change/

    Auch wenn der Preis 2020 unter 3ct/kwH war, bewegt er sich historisch zwischen 2,879-4,515 ct/kWh (2021 stand jetzt sogar noch höher). Bei aktuellen Kosten von 3-6ct/kwH ist das doch schon recht ansehlich, wenn man sich überlegt, dass die britische Regierung den Betreibern über 10ct/kwH für 35 Jahre zugesagt hat – natürlich gibt es auch kosten für die Speicherung, aber genau wie bei der PV-Technologie wird diese in den nächsten Jahren auch günstiger werden.

    Auch der Gesamtausbau ist mit Kernkraft schneller. Das liegt ja schon allein daran, dass die Kosten deutlich niedriger sind. Auch bist du bei den Ressourcen und der Produktion nicht so limitiert.

    Ich denke günstigere Kosten bedingen nicht einen schnelleren Ausbau. Besonders da z.B. bei Wind+Solarprojekten weniger Kapital und somit Risiko je Projekt bei den Unternehmen in der Wagschale liegt. Wenn der Ausbau von Atomkraft so schnell und einfach wäre, wieso hat sich dann für das Projekt Hinkley Point C kein Unternehmen gefunden, welches den Bau günstiger durchführt? Es gibt ja einen Unterschied zwischen den theoretisch berechneten Kosten und der Situation im Markt.
    Vgl. dazu ein Bericht der BBC während der Verhandlungen 2013
    :
    Keith Parker (CEO Nuclear Industry Association): „The stakes are very high indeed,“ he said. „We need that assurance (of price) to attract the investment that’s needed. Otherwise the lights will go out.“
    Today, electricity sells on the wholesale market for about £45 per megawatt-hour (MwH). But anything under £90 a MwH would see Hinkley lose money. On the other hand, go over £100 and by 2020, when Hinkley would still not be operating, wind energy would be cheaper.
    Die zusätzlichen Kosten wurden bereits 2016 auf bis zu 100Mrd.€ geschätzt (Tendenz durch Verzögerungen steigend). Das entspricht gut. 1/4 des gesamten Budgets für die Energiewende ( nach deinen Berechnungen ), durch die PV und Windkraft von einer auf Subventionen beruhenden Technologie zur Marktreife (wenn auch nicht für alle Projekte) geschafft haben (siehe an den bereits genannten Beispielen von Off-Shore und PV ohne Subventionen).

    5 Jahre für Kernkraftwerke schaffen aktuell nur die Chinesen und Koreaner. Aber warum sollten die 7,5 Jahre Mittelwert für den Bau von Kernkraftwerken weltweit zu langsam sein? In den nächsten 10 Jahren dekarbonisieren wird nicht einmal den Stromsektor geschweige denn Wärme und Transport.
    Noch mal zur Erinnerung. Um ein einziges Kernkraftwerk mit 1,6 GW zu ersetzen, musst du rund 4500 Windräder der 3-MW-Klasse bauen und dazu 3 Gaskraftwerke der 500 MW-Klasse als Backup sowie tausende Kilometer Netzanbindung.
    Es ist völlig irreführend den Bau eines einzigen Windrads mit dem Bau eines einzigen AKWs zu vergleichen. Es geht um den Gesamtzubau pro Zeiteinheit.

    Die USA hat beispielsweise eine Dekarbonisierung des Stromsektors bis 2035 als Ziel – das wären 13,5 Jahre und auch aus deutscher Sicht auch machbar. Mit einer historisch geschätzten Fertigstellungsdauer von 7,5 Jahren wäre selbst das zu langsam, um einen relevanten Anteil zeitnah einzusparen (CO2 Emissionen sollte ja stetig abnehmen). Besonders da die historischen Zahlen z.B. auf anderen Gesetzen beruhen und die europäischen Projekte ja gezeigt haben, dass es auch starke Abweichungen hiervon geben kann, wäre ein Ausbau der Kernkraft äußerst riskant für einen energieneutralen Stromsektor.
    Wenn der Gesamtzubau in den nächsten 7,5Jahren bei einem neuen Projekt null ist, ist das auch kein gutes Zeichen für die Energiewende.

    1. Florian Blümm

      Hi Lukas,

      schön, dass du die Grafik zu Reaktorbauzeiten in 4 verschiedenen Ländern von Grant Chalmers gefunden hast. Die ist in der Tat sehr eindrucksvoll. Man sieht zum Beispiel, dass Reaktoren, die während TMI und insbesondere Tschernobyl im Bau waren deutlich längere Konstruktionszeiten hatten. Das liegt an dem von mir angesprochenen 4. Punkt, dass Reaktoren nur günstig sein können, wenn sie zu Baubeginn fertig geplant sind. Wenn man zwischendurch fertig plant, oder die Pläne komplett über den Haufen wirft, wie nach den o.g. Unfällen, sind Verzögerungen abzusehen.

      „Die Grafik von Twitter zeigt auch, dass in Europa seit dem Jahr 2000 kein AKW fertiggestellt wurde. Annahmen für die Anwendbarkeit asiatischer Länder finde ich daher recht mutig.“
      Wir müssen leider irgendwelche Annahmen machen. Wie du sagst, haben wir in Europa eine ganze Generation den Ausbau der Kernkraft pausiert. Das war verheerend für unser Potential Kernkraftwerke zu bauen. Du stimmst mir sicher zu, dass es wenig Aussagekraft über die Kosten einer Serienproduktion hat, was Prototypen eines neuen, noch nie gebauten Designs nach einem völligen Neuaufbau der Lieferkette kosten. Dann doch lieber die Serienproduktion aus anderen Ländern betrachten um zu sehen, wo wir mit dem Preis letztendlich hin wollen.

      Aber die Kosten hier im Artikel machen solche Annahmen ja überhaupt gar nicht. Hier wird mit dem teuersten der drei EPR-Prototypen in Flamanville gerechnet. Und trotzdem ist das deutlich billiger als Wind und Solar.

      Du hast mich zusätzlich gefragt, welche Referenz ich persönlich heranziehen wollen würde. Erst dann habe ich mit dem zugegeben optimistischen Messmer-Plan geantwortet. Ich finde persönlich ja auch überlebenswichtige Infrastruktur, sollte grundsätzlich Staatssache sein und nicht privaten Investoren überlassen werden. Aber mein Herz schlägt halt auch links.

      „Auch wenn der Preis 2020 unter 3ct/kwH war, bewegt er sich historisch zwischen 2,879-4,515 ct/kWh (2021 stand jetzt sogar noch höher). Bei aktuellen Kosten von 3-6ct/kwH ist das doch schon recht ansehlich“

      Es stimmt, dass der Marktwert in 2021 ordentlich gestiegen ist. Aber das liegt auch daran, dass vor allem die Windkraft in diesem Jahr bisher sehr wenig geliefert hat. Je größer das Angebot durch Wind und Solar wird, desto niedriger der Marktwert, weil sich das Angebot bei Wind und Solar auf so wenige Zeiträume konzentriert. Und selbst mit 4-5 Cents Marktwert, ließen sich nur eine handvoll Anlagen wirtschaftlich betreiben, dazu noch die allseits ungeliebten Freiflächen-Solarparks.

      „wenn man sich überlegt, dass die britische Regierung den Betreibern über 10ct/kwH für 35 Jahre zugesagt hat “
      Ich wiederhole es gerne nochmal. Für Windprojekte wurden in Großbritannien 16-17 Cents pro kWh zugesagt. Und da sind die zusätzlichen Subventionen durch Stellen der zig Milliarden teuren Landanbindungen noch gar nicht eingerechnet. Allein um die 2,4 GW Doggerbank anzubinden kostet 6,8 Milliarden Euro! Das zahlt natürlich nicht der Betreiber.

      Und das ist ein Differenzvertrag. Das heißt die tatsächlichen Subventionszahlungen dürften bei den Windprojekten um ein Vielfaches höher sein als bei Hinkley. Stell dir mal vor der Marktwert ist bei durchschnittlich 7 Cents/kWh für Hinkley und bei durchschnittlich 5 Cents/kWh für den Offshore Wind. Das heißt Hinkley kostet durchschnittlich 3 Cents/kWh an Subventionszuzahlungen und der Offshore Wind kostet bis zu 12 Cents pro kWh an Subventionszuzahlungen. Das ist das Vierfache.

      Ich verstehe immer noch nicht, warum du immer wieder irgendwelche Subventionen in Großbritannien kritisierst, obwohl die für Kernkraft die niedrigsten sind. Wir subventionieren ja sogar in Deutschland unsere Erneuerbaren über das EEG mit rund 14-15 Cents pro kWh. Hier geht es sowieso um Kosten von verschiedenen Erzeugern und nicht um die Finanzierung. Hier im Artikel wird bei allen Erzeugern vom gleichen Zinssatz ausgegangen, keine Doppelstandards wie in Großbritannien.

      „Ich denke günstigere Kosten bedingen nicht einen schnelleren Ausbau.“
      Wir können das Geld ja nicht zwei Mal ausgeben. Wenn du bei der Kernkraft die doppelte Stromproduktion für den gleichen Preis bekommst, dann ist der Ausbau auch doppelt so schnell. Du denkst, glaube ich, zu sehr auf Ebene der Einzelanlage. Wichtig ist die Systemebene.

      „Besonders da z.B. bei Wind+Solarprojekten weniger Kapital und somit Risiko je Projekt bei den Unternehmen in der Wagschale liegt. Wenn der Ausbau von Atomkraft so schnell und einfach wäre, wieso hat sich dann für das Projekt Hinkley Point C kein Unternehmen gefunden, welches den Bau günstiger durchführt? “
      Richtig, die Konzentration der Kapitalkosten zu Projektbeginn ist zusammen mit den politischen Unwägbarkeiten das große Problem an der Kernkraft. Du gibst heute viel Geld aus, um nachhaltig über die nächsten 60, 80 oder 100 Jahre günstigen und klimafreundlichen Strom zu produzieren.

      Da muss ganz klar die Politik Signale setzen. Wenn nachhaltige klimafreundliche Energieproduktion über Generationen nicht besser bewertet wird, als ein völliger Neubau des kompletten Energiesystems alle 20 Jahre, ist das ein Marktversagen. Auch was willkürliche Verbote von Atomkraft angeht, muss es Garantien mit sehr hohen Strafzahlungen geben. Gerade Deutschland ist sonst verbrannte Erde.

      „Die USA hat beispielsweise eine Dekarbonisierung des Stromsektors bis 2035 als Ziel – das wären 13,5 Jahre und auch aus deutscher Sicht auch machbar. Mit einer historisch geschätzten Fertigstellungsdauer von 7,5 Jahren wäre selbst das zu langsam, um einen relevanten Anteil zeitnah einzusparen (CO2 Emissionen sollte ja stetig abnehmen). “

      Du tust so, als könnte man eine vollständige Dekarbonisierung bis 2035 mit Wind, Solar, Elektrolyseuren und Gaskraftwerken schaffen. Das scheitert schon allein daran, dass wir Elektrolyseure noch nie in Serie gebaut haben. Wir reden da aktuell von Erzeugungsleistungen von wenigen MW, nicht von dreistelligen GW.

      Und was das alles zusätzlich kosten würde. Die Systemkosten hier im Artikel sind für normale Gaskraftwerke, die fossiles Methan verbrennen. Damit bekommst du aber keine vollständige Dekarbonisierung hin. Wenn du in Zukunft Gaskraftwerke hast, die klimaneutralen Wasserstoff oder klimaneutral erzeugtes Methan verbrennen, steigen die Systemkosten locker um eine Größenordnung. Dann kannst du froh sein, wenn die Erzeugungskosten für Wind- und Solarstrom unter 30 Cents pro kWh liegen.

      Wie gesagt, ich glaube unser hauptsächliches Missverständnis ist, dass du die Einzelanlagen vergleichst und ich gerne die Systemebene anschaue. Schau dir doch in punkto Zubaugeschwindigkeit mal die globale Produktion von Solarmodulen und Windrädern an. Die heutige Produktion würde ja nicht einmal annähernd ausreichen um in einer 100%-EE-Welt auch nur die wegfallenden Anlagen zu ersetzen, um überhaupt über Wasser zu bleiben.

      Und wir müssen bis zu so einem Stand erstmal ordentlich zubauen. Das heißt es müssten quasi bis 2025 deutlich mehr als 10x so viele Fabriken für Wind- und Solaranlagen inklusive Upstream und Downstream zugebaut werden. Oder wie stellst du dir das vor?

      Wenn ich an die damit einhergehende Materialschlacht denke, wird mir übrigens schlecht, aber das ist ein anderes Thema…

      1. 1. PV-Anlagen müssen genauso wie Windkraft versichert werden (Haftpflicht etc.) Diese Kosten sind für Dachsolaranlagen erheblich. Wie teuer wäre Atomstrom, wenn die Betreiber diese Anlagen versichern müssten? Die Versicherungskosten pro kWh wären höher als alle anderen Kosten. 2. Die Atomreaktoren benötigen Kühlwasser. Schon 2018 mussten Atomkraftwerke vom Netz wegen fehlendem Kühlwasser. Also nix mit Vetsorgungssicherheit.

        1. 1. Kernkraftwerke sind natürlich alle haftpflichtversichert. Das ist sogar im Atomgesetz festgeschrieben.
          2. Fehlendes Kühlwasser in Mitteleuropa? Das gab es noch nie und wird es auch bei 2° Erwärmung nicht geben. Thermische Kraftwerke mit Durchlaufkühlung müssen bei hohen Temperaturen ihre Leistung drosseln um die Flora und Fauna im Fluss nicht zu gefährden. Einfache Lösung: Ein Kühlturm.

          1. Michael Liebelt

            Spät, aber hier muss ich doch mal einhaken nachdem soweit ich sehe sonst keiner was dazu geschrieben hat.

            Zu 1.:
            Ein GAU ist de facto nicht versichert, da die Haftpflicht auf 256 Mio je Reaktor begrenzt ist, ein GAU im eng besiedelten Deutschland aber mehrere Billionen an Schaden verursachen würde:
            http://vdmf.de/versicherungen-und-finanzen/spezialversicherung/atompool/
            Es gibt auch die ganz klare Aussage dass ein GAU einfach nicht zu tragbaren Kosten versicherbar ist, macht ja auch Sinn nachdem da mal eben mehr als Faktor 1000 zwischen aktueller Grenze und GAU-Kosten liegen.

            Und auf die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke braucht man nicht allzu viel geben, das ist bei uns nicht so viel besser wie anderswo.
            In der Schweiz gab es sogar mal einen Super-GAU, der nur verhindert wurde weil sie das ganze Kraftwerk tief im Berg gebaut hatten, und ich denke dass die ähnlich gründlich wie die Deutschen sind:
            https://www.welt.de/geschichte/article187314342/Reaktor-Lucens-Als-die-Schweiz-knapp-einem-Super-GAU-entging.html
            Ok, Versuchsreaktor, aber trotzdem…

            Ich finde leider aktuell den Link nicht, vor wenigen Jahren war eine TV-Team für eine Reportage über ein AKW in Deutschland dort und hat live einen (Fehl-)Alarm mitgekriegt. Nachdem die Kraftwerke vor Urzeiten gebaut wurden, ist keiner mehr da, der sich richtig auskennt. Der Schichtleiter war Schiffsingenieur, also Quereinsteiger ohne echte Ahnung vom AKW. Die ganze Behandlung von dem Alarm war wildes Wälzen der Pläne bis der Alarm von selber ausging und damit alles wieder gut war… Von daher haben wir bisher einfach echt Glück gehabt.

            Es gibt auch (dazu passend) eine schöne Liste von Problemen in D:
            https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_meldepflichtiger_Ereignisse_in_deutschen_kerntechnischen_Anlagen
            Gerade Brunsbüttel 2001 zeigt, mit was für einer fast schon kriminellen Energie dort gearbeitet wird, wenn mal was schiefgeht. Und Krümmel 2007 ist auch gruselig.

            Und in Frankreich wurden ja bei Ersatzteilen Zertifikate gefälscht, da diese den Anforderungen nicht genügten:
            https://www.welt.de/wirtschaft/article154665404/Gefaelschte-Ersatzteile-in-Frankreichs-AKW.html

            Wo Leute arbeiten, passieren Fehler, ist nun mal so, auch ganz ohne kriminellen Vorsatz. Aber nur im Atomkraftwerk ist es ein Problem, wenn es abbrennt, bei Kohlekraftwerk oder Windkraftwerk ist das zwar doof, aber mehr als ein paar wenige Leute im unmittelbaren Umkreis sind nicht unmittelbar betroffen.

            Zusätzlich altern sowohl die Technik als auch die Materialien. Sobald beim AKW verlangt wird, die Technik auf den aktuellen Stand zu bringen, stellt der Betreiber freiwillig den Betrieb ein. Und der Druckbehälter der AKWs ist ja auch ein massives Sorgenkind, da mit steigendem Alter immer mehr Haarrisse drin sind. Da sind ja auch einige AKWs kurz vor der Zwangsabschaltung.
            Zudem: Kohlekraftwerke werden nach ca. 30 Jahren abgeschaltet weil zu alt. Warum sollte ein Atomkraftwerk die doppelte Laufzeit schaffen??

            Zu 2.:
            Es werden immer wieder Atomkraftwerke wegen zu warmem Wasser abgeschaltet, sogar in Deutschland:
            https://www.zdf.de/nachrichten/heute/weser-zu-warm-atomkraftwerk-grohnde-abgeschaltet-100.html
            Gut Grohnde ist seit Jahreswechsel stillgelegt, ändert aber nichts am Grundproblem.
            Und Grohnde hatte Kühltürme! Trotzdem geht ein Teil der Abwärme noch in den Fluss. Da man die Fische nicht umbringen will, darf man den nur beschränkt aufwärmen. Und egal ob Kühlturm oder nicht, es wird Wasser benötigt, was aber gerade im Sommer bei niedrigen Flusspegeln sehr problematisch werden kann.
            Gut, die taz ist jetzt sehr einseitig von der Berichterstattung her, aber die Fakten in dem Artikel sind echt:
            https://taz.de/Atomkraftwerke-in-Frankreich/!5119221/
            Ergo: gerade bei maximaler Kälte und maximaler Hitze fallen die Atomkraftwerke aus, gerade da wo am meisten Strom benötigt wird.

          2. Florian Blümm

            Ein GAU muss nicht haftpflichtversichert werden. GAU heißt Auslegerstörfall, das heißt innerhalb der Sicherheitsauslegung.

            Super-GAU heißt, die Sicherheitsvorrichtungen haben nicht ausgereicht und es kam zu einer signifikanten Freisetzung außerhalb der Kraftwerksgrenzen. Selbst wenn man unter maximal pessimistischen Annahmen ein Event wie Fukushima versichern müsste, wären das rund 0,7 Cents pro kWh. Teuer, aber nicht unversicherbar.
            Ein Super-GAU ist in deutschen Kernkraftwerken aber extrem unwahrscheinlich, selbst bei einem Kernschaden. Selbst die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Kernschadens wird mit 1/1000000 pro Reaktorjahr gerechnet. Zum Vergleich, die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Tsunamis wie beim Tohoku-Erdbeben vor Fukushima lag bei 1 pro 400 Jahre, also um Größenordnungen höher.

            Die Sicherheit deutscher Kernkraftwerke ist höher als selbst in anderen europäischen Kraftwerken, siehe Bericht der Reaktorsicherheitskommission.

            “ Kohlekraftwerke werden nach ca. 30 Jahren abgeschaltet weil zu alt. Warum sollte ein Atomkraftwerk die doppelte Laufzeit schaffen??“

            Mehrere Gründe:
            1. Deutlich niedrigere Temperaturen
            2. gründlichere und viel häufigere Revisionen
            3. Austausch von Komponenten lange vor Versagen
            4. Eine Laufzeitverlängerung in einem Kohhlekraftwerk ist bei umfangreichen Nachrüstungen unwirtschaftlich

            Einzige Ausnahme hier ist der Reaktordruckbehälter. Der kann nicht ersetzt werden. Bisher musste aber noch kein einziger Leichtwasserreaktor aus Altersgründen abgeschaltet werden, während z.B. graphitmoderierte Reaktoren selten mehr als 40 Jahre schaffen.

            „Es werden immer wieder Atomkraftwerke wegen zu warmem Wasser abgeschaltet, sogar in Deutschland“

            Das mit Grohnde verstehe ich nicht, da muss ich nachfragen. Es wird bei Kühlturmkühlung kein Kühlwasser zurückgeführt.

            Wenn wir zukünftig mehr Extremwetter erwarten, dann sollten wir ganz sicher nicht auf wetterabhängige Erneuerbare setzen.

          3. Florian Blümm

            Was Grohnde angeht, musste in dem Fall 2019 gar nicht abgeschaltet werden, siehe Atomkraftwerk Grohnde muss nicht abgeschaltet werden – Kritik von Umweltschützern

            Dominik Wipplinger, der deutlich mehr von dem Thema versteht meinte:
            „Beim KWG ist als Besonderheit irgendein Wärmetauscher so knapp dimensioniert das bei einer zu hohen Flusswassertemperatur irgendein Kühlsystem in irgendeinem Störfallszenario nicht mehr zuverlässig die vorgeschriebene Temperatur sicherstellen kann.“

            Das ist nach meinem Verständnis kein grundsätzliches Problem. Im Kühlturmbetrieb sollte die Wassertemperatur egal sein.

          4. Michael Liebelt

            zu 1 / GAU-Kosten:
            Der Vergleich mit Fukushima hinkt extrem, da die Japaner das riesige Glück hatten dass der Großteil der Radioaktivität durch günstig stehenden Wind auf das Meer geweht wurde. Damit wurde zwar sehr viel Land verschont (was im extrem dicht besiedelten Japan sonst sehr… interessant geworden wäre), aber dafür haben es diverse Schiffe abgekriegt, z.B. die USS Reagan, wo es auch Strahlenfolgen gab die in keiner offiziellen Statistik für Fukushima auftauchen:
            https://columbusfreepress.com/article/navy-knew-fukushima-contaminated-uss-ronald-reagan
            Wäre das wie bei Tschernobyl über Land abgeregnet, sähen die Folgekosten völlig anders aus. Wobei selbst bei Tschernobyl die Kosten verhältnismäßig niedrig waren, da der nähere Bereich des Kraftwerks nur dünn besiedelt war und man entsprechend einfach evakuieren und absperren konnte, es mussten für einen Radius von 30km nur ca. 350’000 Menschen evakuiert werden. In Deutschland würde man vielleicht bei den AKWs in den Flächenländern noch mit einer ähnlichen Zahl davon kommen, aber ein sehr guter Teil steht im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet.

            Die Unwahrscheinlichkeit eines GAUs ist kaum sinnvoll zu berechnen, gerade nachdem das (auch bei Fukushima) sehr viel von Fehlbedienung bzw. zu spätem Eingreifen abhängt, der Faktor Mensch also in beide Richtungen starken Einfluss hat. Das ganze ändert aber nichts daran, dass es nur bei Atomkraftwerken (ok, und Staudämmen) ein Risiko für einen GAU gibt, der viele Leute trifft. Bei Staudamm ist das aber nur eine einmalige, kurze Angelegenheit, während Atomkraftwerke Schäden für Jahrzehnte anrichten.
            In Bayern wird auch heute noch der Großteil der geschossenen Wildschweine wegen zu radioaktiv entsorgt, 35 Jahre nachher:
            https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/auch-35-jahre-nach-tschernobyl-gau-wildschweine-in-bayern-verstrahlt,SVaGQ1V

            Zu 2:
            Der Artikel zu Grohnde ist sehr interessant, ändert aber nicht die Problematik in Frankreich.
            Abgesehen davon: mit nur 1° mehr hätte es abgeschaltet werden müssen, also ist das Argument „wird es auch bei 2° Erwärmung nicht geben“ damit auf jeden Fall widerlegt. Zusätzlich führen die Flüsse dann deutlich weniger Wasser, was (wie in Frankreich) ebenfalls zur Abschaltung führen kann, selbst wenn die Temperaturgrenze nicht erreicht wird.

          5. Florian Blümm

            Bitte keine Vergleiche von Tschernobyl mit Leichtwasserreaktoren. In Tschernobyl explodierte der Reaktor, ein Feuer verbreitete das Reaktorinventar für 2 Wochen und es gab nicht einmal ein Containment.

            Du hast vermutlich eine völlig falsche Vorstellung von Fukushima. In Fukushima gab es keine Explosion in den Reaktoren. Die Containments haben gehalten. Es gab kein Feuer und auch keinen Fallout, wie in Tschernobyl.

            Was es gab waren Freisetzungen von flüchtigen Spaltprodukten. Dabei wurde nicht einmal Jod-131 in gesundheitsschädlicher Konzentration freigesetzt, obwohl sich das in der Schilddrüse ansammelt.

            Und nein, auch in unmittelbarer Kraftwerksnähe sowie direkt in Windrichtung waren die Dosen nicht hoch genug um gesundheitsschädlich zu werden, egal ob an Land oder auf See. Die Ronald Reagan hat winzige Dosen abbekommen:
            „—whole-body doses of 8 millirem or less, and thyroid doses of 110 millirem or less—for the entire 60-day surveillance period of OT. “

            „Die Unwahrscheinlichkeit eines GAUs ist kaum sinnvoll zu berechnen, gerade nachdem das (auch bei Fukushima) sehr viel von Fehlbedienung bzw. zu spätem Eingreifen abhängt“

            Nochmal, Fukushima war nicht auf Tsunamis ausgelegt, die dort im Mittel alle 400 Jahre passieren. Das hat nichts mit Fehlbedienungen oder der Wahrscheinlichkeit eines Super-GAUs zu tun. Es gab für die Operatoren keine Möglichkeit einzugreifen, nachdem der Generatorenraum geflutet war. Das andere betroffene Kraftwerk Fukushima-Daini hatte Glück. Fukushima-Daichi nicht.

            Wenn in Bayern die Grenzwerte für radioaktives Cäsium absurd niedrig sind, dann ist das ein Argument diese Grenzwerte anzupassen. Und bitte keine Tschernobyl-Vergleiche mit Leichtwasserreaktoren.

            Grohnde hatte anscheinend besondere Anforderungen an die Wassertemperatur für ein bestimmtes Notfallsystem. Im Kühlturmbetrieb wird das Flusswasser aber nicht aufgeheizt. Das ist kein generelles Problem von Kernkraftwerken.

          6. Michael Liebelt

            Mir ist vollkommen klar, dass Tschernobyl mit dem Graphit eine andere Art von GAU war, und ich habe auch sehr genau verfolgt was in Fukushima passiert ist.
            Das Containment in Fukushima hat zwar weitgehend, aber nicht komplett gehalten (Block 2…). Trotzdem gab es auch bei intaktem Behälter durch die nötigen Druckentlastungen eine massive Freisetzung von Radioaktivität, vor allem von dem zwar schnell abbauenden aber extrem leicht aufzunehmenden Cäsium und Jod. Also im Prinzip ein krasseres Three Miles Island Szenario plus ordentlich Radioaktivität ins Meerwasser. Es ist übrigens auch bekannt, dass die Strahlenbelastung teilweise massiv geschönt wurde. Und die Druckentlastung hat durchaus Fallout verursacht, wenn auch nicht in dem Maße wie Tschernobyl.
            Und für „nicht gesundheitsschädlich“ sind die Dosen aber ganz schön hoch gewesen:
            https://de.wikipedia.org/wiki/Strahlungsbelastung_durch_die_Nuklearunf%C3%A4lle_von_Fukushima#Kontamination_der_Umgebung

            USS Reagan:
            dafür, dass die Dosen so klein waren, hat es aber ganz schön viele Krebsfälle gegeben:
            https://de.wikipedia.org/wiki/USS_Ronald_Reagan_(CVN-76)#Erkrankungen_durch_die_Nuklearkatastrophe_von_Fukushima
            fast 1% schwer an Krebs Erkrankte bei der Besatzung binnen 10 Jahren? (51 Fälle bei ca. 5600 Besatzungsmitgliedern)

            Bei Fukushima ging es mir eigentlich um die andere Richtung, dass man es hätte verhindern können, wenn man rechtzeitig genug Ersatzaggregate heranschaffen hätte können. Versucht hat man es ja, aber das hat zum einen durch Tsunami-Schäden aber zum anderen durch mangelnde Organisation / Planung nicht geklappt.
            Es wird bei uns ja immer wieder vergessen, aber bei dem Tsunami sind verdammt viele Leute in Japan gestorben, insofern ist das quasi „verzeihlich“. Aber trotzdem, es hätte klappen können.

            Bei den Fehlbedienungen ist m.E. das Hauptproblem, dass sich keiner mehr wirklich mit der für heutige Verhältnisse antiken Technik mehr auskennt. Das wird mit steigender Laufzeit auch problematischer.

            Das Problem mit radioaktiven Stoffen ist ja primär, dass sie sich im menschlichen Körper anreichern, entsprechend sind die Grenzwerte gesetzt. Und diese Grenzwerte gelten nicht nur in Bayern, sondern EU-weit.
            Aber natürlich erstmal wieder Bayern-bashing abliefern…

            Das mit den Kühltürmen ist interessant, die Aufheizung vom Wasser zieht sich aber irgendwie quer durch die Atomkraftwerke mit Kühlturm. Keine Ahnung wieso. Eventuell kommt ein Teil vom Wasser trotzdem erwärmt zum Fluss zurück, auch wenn theoretisch der Kühlturm nur verdunstet und sonst nichts benötigt wird? Bei Isar II dürfen übrigens nicht mal 25° erreicht werden. Und laut dem Artikel hier wird der Fluss trotz Kühlturm aufgeheizt, weswegen sich spezielle Fischarten angesiedelt haben:
            https://www.br.de/themen/bayern/inhalt/unterwegs-in-bayern/isar-atomstrom-ohu100~detail.html

          7. Florian Blümm

            Auch das Containment von Block 2 in Fukushima hat gehalten. Im Containment ist die Strahlung in Block 2 laut einer Untersuchung von 2017 allerdings am höchsten, was auf einen größeren Schaden im Reaktorkern hindeutet.

            Die Strahlenmessungen wurden geschönt? Alle? Von wem denn und wann und wie? Es ist nichts einfacher zu messen als Radioaktivität.

            Bei den ungefilterten Druckentlastungen in Fukushima Daiichi kam es zur Freisetzung von hauptsächlich Jod-131, Cäsium-134 und Cäsium-137. Insgesamt wurden zwischen 100 PBq und 500 PBq Jod-Äquivalent freigesetzt. Das entspricht 22 bis 109 Gramm Jod-131. Das ist alles andere als „ganz schön hoch“. Und das Zeug ist nicht etwa im Trinkwasser gelandet.

            Wenn bei einem Chemieunfall 100 Gramm Umweltgifte freigesetzt werden, dann sagen wir „Nochmal Glück gehabt“. Aber radioaktive Isotope haben einen Sonderstatus?

            Der einzige Krebs, der bei winzigen Dosen von Spaltprodukten überhaupt auftreten kann ist Schilddrüsenkrebs. Selbst bei den viel höheren Dosen in Tschernobyl war das die einzige Krebsart mit erhöhtem Auftreten in der Bevölkerung. Erst bei viel viel höheren Dosen kommt es zu Leukämie, z.B. in Hiroshima.

            Laut den Strahlenfolgenexperten der UN gibt es durch Fukushima kein erhöhtes Auftreten von irgendeinem Krebs, nicht einmal Schilddrüsenkrebs.

            Warum die Krebsrate auf der Ronald Reagan 5x so hoch ist wie normal, weiß ich nicht. Kausal kann das mit dem freigesetzten Cäsium oder Jod nichts zu tun haben. Erinnert an die angeblichen Leukämie-Cluster um deutsche Kernkraftwerke.

            Vielleicht hätte man ohne Tsunami Ersatz-Generatoren heranschaffen können. Aber ohne Tsunami hätte es auch keinen Unfall im Kernkraftwerk gegeben.

            Man sollte auch wirklich nicht von Heldentaten ausgehen um den sicheren Betrieb eines Kernkraftwerks zu gewährleisten. TEPCO hat bei der Sicherheitsauslegung geschlafen.

            Ich bin selbst Bayer, aber schieb mir ruhig Bayern-Bashing in die Schuhe 😉

            Dass die Grenzwerte absurd sind weiß bei uns aufm Dorf jeder Jäger. Und bei uns schmeißt man das Fleisch auch nicht weg, wär ja noch schöner. Es ist ja nur der Verkauf verboten, nicht der Selbstverzehr.

            Und natürlich ist dabei die Einlagerung im Körper berücksichtigt. Du müsstest Hunderte Kilo Wildbret jedes Jahr fressen, um in einigen Jahrzehnten eine Chance auf gesundheitliche Folgen durch das Cäsium zu haben. Bis dahin hast du nen Herzinfarkt durch das viele Fleisch.

            Wenn das mit den Kühltürmen tatsächlich irgendwann einmal zu einem ernsthaften Problem werden sollte, muss man halt etwas tiefer in die Tasche greifen für einen Trockenkühlturm. Kein Grund aus einer Mücke einen Elefanten zu machen.

          8. Michael Liebelt

            Der Überdruck im Block 2 sank auf 0… also nö, der hat definitiv nicht gehalten. Weitgehend, ok, aber nicht komplett.

            Es gibt von allen Beteiligten ein massives Interesse daran, die Werte möglichst zu schönen. Das geht, indem man z.B. die Bodenprobe von einem Material nimmt, wo die Radioaktivität schnell ausgewaschen ist.
            Auch in der Liste der Ereignisse in deutschen Atomanlagen finden sich etliche Fälle, wo so gut es geht verschleiert und geschönt wurde, nur dass die halt damit öfter nicht mehr durch kamen.
            Aber geschönt oder nicht, die Liste für Fukushima in Wikipedia ist auch so nicht ohne.

            Die Strahlenkrankheiten lassen sich leider nicht an strikten Werten fest machen, da es immer um Wahrscheinlichkeiten geht, die sich eben nur erhöhen aber lange Zeit keine 100% erreichen. Zusätzlich ist jeder Mensch anders und damit auch seine Empfänglichkeit für sowas. Und es spielt natürlich auch noch eine Rolle, ob ggf. eine Vorschädigung da ist.

            Interessant ist aber, wie sie den Prozess der Reagan-Seeleute gekippt haben:
            https://www.counterpunch.org/2020/03/06/cancer-in-us-navy-nuclear-powered-ships/
            Die Krebsrate auf sonstigen Atomschiffen und -U-Booten ist nochmal doppelt so hoch wie die eh schon erhöhten Raten auf der Reagan. Aber nein, als Seemann darf man die US Navy nicht verklagen… klasse.

            Bayer: na, da bin ich ja dann beruhigt 😀
            Dann sind wir ja unter uns.

          9. Florian Blümm

            Überdruck in nem Siedewasserreaktor-Containment? Ich glaub du meinst den Reaktordruckbehälter. Den hat es wohl ziemlich zerlegt.

            Diese Radioaktivitäts-Karten zeigen überhaupt keine Bodenproben, sondern Strahlungsmessungen in bestimmten Höhen.

            Es konnten noch nie Krebserkrankungen unter 100 mSv Dosis festgestellt werden. Man geht heute wegen der Strahlen-Hormesis von einem unteren Limit aus entgegen dem veralteten LNT-Modell.

            Zugegeben, ich bin Franke, aber die Verordnungen sind die gleichen 😉

          10. Michael Liebelt

            Das Containment ist üblicherweise so gebaut, dass ein Leck im Druckbehälter zuallererst mal ins Containment geht, welches zumindest einen gewissen Überdruck abkann, idealerweise den kompletten Druck vom Druckbehälter. Und wenn es eng wird, wird daraus per Sicherheitsventil abgelassen.
            Nachdem der Überdruck in Block 2 auf 0 gefallen ist, waren sowohl Druckbehälter als auch Containment defekt. Das Containment wurde einige Tage später per Wasserglas erfolgreich geflickt.

            Ich wollte eigentlich auf die Tabelle unter den Karten raus. Der Artikel ist da leider schlecht strukturiert, da die Tabelle unter der größeren Überschrift „Luftmessungen“ steht, aber eigentlich separat ist. Dort und im nächsten Abschnitt wurde definitiv am Boden geprobt, nicht in der Luft.
            Aber selbst dann sind diese Werte noch überraschend akzeptabel. Leben möchte ich dort aber nicht, vermutlich ist ein Haus auf bzw. aus Granit im Bayerischen Wald aber tatsächlich ungesünder.

            Franke? Ansichtssache ob das noch zu Bayern gehört 😀
            Ist ja nördlich der Donau…

  59. Lukas Hörner

    Hi Florian,

    Natürlich gibt es in der Kernenergie Lerneffekte, insbesondere ganz am Anfang, nachdem man den First of a Kind Prototypen gebaut hat. Das sagt doch schon der gesunde Menschenverstand. Hier ist das Standardwerk zur Lernkurve bei der Kernkraft: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301421516300106

    In deinem Standardwerk resümieren die Authoren, dass es keinen klaren Trend gibt:
    The most surprising feature is the large diversity in trends, with the US and South Korea at the two extremes. Countries building reactors more recently, particularly those with construction starts after 1980, have different trend shapes than the early nuclear pioneers. Rather than an “invariable exhibition of negative learning” and “inevitable” increases in complexity intrinsic to nuclear technology that lead to cost escalation (Grubler, 2010), it is clear that there is not a singular cost trend for nuclear technology, but a plurality of different country-specific experiences. A consistent “rhythm” of cost escalation suggested by Grubler (2010) does not match the historical record.
    Die Mehrzahl der hohen Kostenminderungen lagen mit dem Vergrößern des Reaktordesigns zusammen, um die hohen Fixkosten auf eine höhere Stromproduktion zu legen. Für ähnliche Kosteneffizienzgewinne (wie durch das Vergrößern der Reaktoren wie z.B. in Frankreich von 68 MW auf 540 MW – Faktor 8) gibt es bei der aktuellen Technologie keine Möglichkeiten.

    Ich habe ehrlich gesagt keine Lust zum dritten Mal auf die Subventionen in Großbritannien in den Jahren 2013 und 2014 einzugehen. Wie wäre es, wenn du den Isländern erklärst, dass sich Tiefengeothermie nicht lohnt, weil wir in Deutschland das mit rund 25 Cents pro kWh subventionieren? Subventionen mit den Kostenstrukturen wenig bis gar nix zu tun. Wir kennen doch mittlerweile die Kosten für diese Reaktoren, es gibt keinen Grund mehr rumzuraten.

    Während mir der Unterschied zu Island aufgrund der äußeren Umstände der Geothermie klar ist, verstehe ich das Argument für Kernkraft nicht. Ist nicht gerade der Vorteil von Kernkraft, dass die Kraftwerke auf der ganzen Welt gebaut werden können? Welches Projekt würdes du denn als Vergleich heranziehen? Das sieht bei Flamville-3 auch die Kosten im ähnlichen Bereich wie bei Hinkley Point C mit 8,430 USD2018/kW (total – nicht Abnahmepreis). Da Hinkley Point C aus einem recht aktuellen Abkommen entstanden ist, finde ich die zugesagten 92,5Pfund einen guten Indikator für die Stromabnahmekosten eines aktuellen Projekts – schließlich müssen die AKW’s privatwirtschaftliche gebaut und betrieben werden: dementsprechend auch eine Rendite für die Firmen erzielen.

    Auf die 91 Milliarden Euro kommst du, indem du 1,6 GW mit einem Kapazitätsfaktor von 90% über 60 Jahre Lebenszeit laufen lässt und den dabei produzierten Strom mit 12 Cents pro kWh multiplizierst (13 Cents abzüglich 1 Cent Betriebs-, Rückbau und Entsoergungskosten). Die Gestehungskosten werden ja über die Lebenszeit berechnet, wobei die Kapitalkosten fast ausschließlich in der Bauzeit anfallen.

    Wie gesagt wollen die Firmen Rendite erzielen. Wenn das Kapital 60 Jahre gebunden ist, wird das nichts. Dass du in deine Rechnung keine Verzinsung einbaust ist der Fehler – bei einer Kapitalrendite von 5% (die Betreiber von Hinkley Point C erhoffen sich immernoch ca. 7%), wäre das Kapital nach 60 Jahren das 18,7-fache Wert: in einer marktwirtschaftlichen Grundordnung funktioniert deine einfache Rechnung nicht.

    Deine Fraunhofer-Studie ist nicht von 2014, sondern von Juni 2021. Aktueller wird es nun wirklich nicht. Nach dieser Studie wären nur die allergünstigsten Solarparks an den besten Standorten überhaupt kostendeckend und nur wenn man Andere einen Großteil der Systemkosten zahlen lässt.
    Und das geht nur, solange du fossiles Erdgas als Backup nutzt, mit entsprechend hohen Emissionen von rund 100gCO2/kWh bei Wind und 150gCO2/kWh bei Solar. Wenn du auf ein Energiesystem mit geringen CO2-Emissionen umsteigen willst, musst du zusätzlich Elektrolyseure, Pipelines, Wasserstoffspeicher und Batteriespeicher bauen. Das dürfte den aktuellen Preis vervielfachen.

    Ich weiß jetzt nicht welche Zahlen von PV du daraus nimmst – die teuerste Variante mit einer kleinen Batterie bewegt sich im Kostenniveau von ca. 8-20ct/kWH – also einem ähnlichen Bereich wie der von dir genutze Preis von Kernkraft von 12ct. Alle anderen Varianten von PV sind weit günstiger laut der Studie.
    Da in den Lösungen bereits Batterien vorgesehen sind, zeigt das ein Teil der Systemkosten bereits abgedeckt wird. Deutschland möchte sowieso Wasserstoff produzieren (was eine teure Energieform is, aber z.B. für die Stahlindustrie nötig ist). Die großen Energiespeicher, die aktuell mit Erdgas gefüllt sind, können auch mit Wasserstoff gefüllt werden. Im Bericht der IEA sind bereits Batteriespeicher enthalten – die Kosten sind dabei nicht ein vielfaches, sondern mit Overnight-Costs von 500-2000USD/KWh bei einer Auslastung von 15%.

    Die Zubauzahlen in dem verlinkten Artikel sind von 2017 und nach wie vor repräsentativ. Hier sind aktuellere Zahlen vom letzten Jahr. Der Windkraftzubau in China pro Kopf ist nicht annähernd so hoch wie der in Schweden oder Dänemark. Es kommen demnächst sogar 2 Rekorde bei der Kernkraft hinzu. Sowohl die 4 Reaktoren von Barakah in den VAE als auch Olkiluoto in Finnland sind unter den schnellsten Zubauzeiten pro Kopf aller Zeiten.

    Die Zubaurekorde sind zumeist für kleine Länder mit wenig Einwohnern (Finnland, Schweden, Schweiz…) und zur Hochzeit der Atomkraft in den 1970-1990er Jahren. Die Schwelle der Erneuerbaren Energien zur Profitabilität ist erreicht und trotz der konservativen Regierung (die den Ausbau bremst) zeigt die Grafik dass die Summe von Wind+Solar im Zeitraum von 2009-2019 mit dem Ausbau von Atomkraft in den 1980ern mithält. Die Reduktion der Treibhausgase ist ein globales Thema – hier kommt es auf keine Zubaurekorde nach Bevölkerungsanteil an, sondern auf den Gesamtausbau. Wenn ein AKW 13% des Stromverbrauchs (wie in Finnland) deckt, sind diese Zahlen natürlich hoch. In Europa gibt es jedoch seit 1986 einen Grund, wieso der Bau von AKWs nichtmehr so günstig (Anforderungen) und einfach (Bevölkerung) ist, wie davor. Kann man denn Olkiluoto mit einer Bauzeit von 15 Jahren in die Liste der höchsten Zubauten in einem Jahrzehnt aufnehmen?

    Ich verstehe, dass es in Deutschland viel Verwirrung zu den tatsächlichen Kosten von Wind und Solar gibt. Insbesondere werden Systemkosten so gut wie nie berücksichtigt. Oft genug nimmt man die Zahlen von Lazard aus der Wüste von Arizona, mit 3x so viel Sonnenstunden wie in Deutschland und doppelt so viel Wind. Aber selbst deine eigene Quelle von Fraunhofer bestätigt doch, dass Solar und Wind in Deutschland noch nicht kostendeckend sind.

    Mir bestätigt das wenn ein Windpark oder Solarpark ohne Subventionen gebaut wird, was mittlerweile selbst bei Off-Shore Projekten und PV der Fall ist. Für die Atomkraft sehe ich hier keinen Grund.

    Wie soll denn Kernkraft denn noch zu der Reduktion der Treibhausgase beitragen, wenn die Bauzeiten solange und ungewiss sind? Hinkley Point C wurde 2008 im Parlament genehmigt und geht nicht vor 2026 ans Netz (18 Jahre). Der Bau vom Flamville wurde 2004 bekannt gegeben und geht nicht vor 2023 ans Netz (19 Jahre), genau so wie Olkiluoto mit dem Ausschreibungsbeginn 2003 und dem Ende der Testphase 2022.
    2040 soll bereits 90% der Treibhausgasreduktion erreicht sein, was bringt denn dann noch die Atomkraft für Deutschland? (Oder vertrauen wir auf das erfolgreiche Abschließen dieser Großprojekte in 5 Jahren)

    1. Florian Blümm

      Doch, es gibt klare Trends, die Lovering et al ausgemacht hat:

      1. First of a Kind Prototypen sind immer teurer als nachfolgende Reaktoren
      2. mehrere Reaktoren an einem Standort senken die Kosten im zweistelligen Bereich
      3. der Serienbau eines Reaktortyps senkt die Kosten im zweistelligen Bereich
      4. Reaktoren, die bei Baubeginn noch nicht fertig geplant waren (wie z.B. AP1000 oder EPR) verzögern sich und werden dadurch sehr teuer
      5. Reaktoren deren Anforderungen während dem Bau mehrmals geändert wurden (USA nach TMI) verzögern sich und werden dadurch sehr teuer

      Zum letzten Punkt ist diese Grafik sehr eindrücklich: https://twitter.com/GrantChalmers/status/1410006032198225922

      Das war jetzt sicher nicht vollständig. Wird mal einen Blick auf Abbildung 12.

      Ich würde den Messmer-Plan als Referenz heranziehen. Das war der Bau von gut 40 Kernkraftwerken der zweiten Generation innerhalb von 15 Jahren in Frankreich mit gesamten Kapitalkosten von insgesamt rund 100 Milliarden Euro für alle Reaktoren. Dadurch wurde der Stromsektor Frankreichs nachhaltig dekarbonisiert. Ein ähnliches Beispiel findet sich in Schweden, aber durch die kleine Bevölkerungszahl und Wasserkraft etwas „verwässert“.

      Wie es so schön heißt, können wir es uns nicht leisten ein Kernkraftwerk zu bauen. Wir können es uns aber sehr wohl leisten mehrere Dutzend Kernkraftwerke zu bauen.

      Natürlich ist in den Kapitalkosten und auch in den Gestehungskosten der Zins berücksichtigt. Alles andere wäre wohl kaum aussagekräftig.

      Der Zins ist ja gerade der Grund, warum die Verzögerungen in Hinkley, Flamanville und Olkiluoto so teuer geworden sind. Stahlbeton wird ja nicht teurer, nur weil man 1 Jahr länger braucht.

      It’s the cost of capital, not the capital cost…

      Du hast doch selbst einen Fraunhofer-Report vom Juni 2021 verlinkt. Dort ist der günstigste erneuerbare Erzeuger PV Utility Scale mit 3-6 Cents pro kWh. Demgegenüber steht ein Marktwert für Solarstrom von ~3 Cents pro kWh im Jahr 2020.

      Das heißt selbst bei Auslagerung von einem Großteil der Systemkosten auf Dritte ist der günstigste erneuerbare Erzeuger nicht kostendeckend. Der Marktwert von Solar und Wind wird mit weiterem Zubau noch sinken, siehe dazu auch diesen Artikel: https://www.technologyreview.com/2021/07/14/1028461/solar-value-deflation-california-climate-change/

      „Ich weiß jetzt nicht welche Zahlen von PV du daraus nimmst – die teuerste Variante mit einer kleinen Batterie bewegt sich im Kostenniveau von ca. 8-20ct/kWH – also einem ähnlichen Bereich wie der von dir genutze Preis von Kernkraft von 12ct. Alle anderen Varianten von PV sind weit günstiger laut der Studie.“

      12 Cents pro kWh ist der von dir postulierte Preis für Kernkraft, der von einem Reaktor mit wahnsinnigen Kapitalkosten von 91 Milliarden Euro ausgeht. Meine Zahl aus der IEA-Studie sind unter 4 Cents pro kWh. Bitte lege mir keine von deinen Zahlen in den Mund.

      „Die Reduktion der Treibhausgase ist ein globales Thema – hier kommt es auf keine Zubaurekorde nach Bevölkerungsanteil an, sondern auf den Gesamtausbau.“

      Auch der Gesamtausbau ist mit Kernkraft schneller. Das liegt ja schon allein daran, dass die Kosten deutlich niedriger sind. Auch bist du bei den Ressourcen und der Produktion nicht so limitiert.

      5 Jahre für Kernkraftwerke schaffen aktuell nur die Chinesen und Koreaner. Aber warum sollten die 7,5 Jahre Mittelwert für den Bau von Kernkraftwerken weltweit zu langsam sein? In den nächsten 10 Jahren dekarbonisieren wird nicht einmal den Stromsektor geschweige denn Wärme und Transport.

      Noch mal zur Erinnerung. Um ein einziges Kernkraftwerk mit 1,6 GW zu ersetzen, musst du rund 4500 Windräder der 3-MW-Klasse bauen und dazu 3 Gaskraftwerke der 500 MW-Klasse als Backup sowie tausende Kilometer Netzanbindung.

      Es ist völlig irreführend den Bau eines einzigen Windrads mit dem Bau eines einzigen AKWs zu vergleichen. Es geht um den Gesamtzubau pro Zeiteinheit.

      1. Fabian

        Hallo Florian,

        puuh, also erstmal einen riesen großen Applaus an die ganzen großartigen Kommentatoren die nicht Florian Blümm heißen und denen ich fast uneingeschränkt zustimme. Ich bin echt froh, dass es so viele engagierte Menschen gibt, die Blödsinn auch ankreiden wenn sie ihn sehen. Ich möchte mich hier nun nicht wiederholen, habe mich aber über jedes Wort der Nicht-Blümmer gefreut. Was dich Florian antreibt AKWs so zu vergöttern kann ich mir zwar nur grob denken, ich sehe aber in deinen Artikeln, dass du immer versuchts AKWs möglichst toll aussehen zu lassen. Dabei machst du manchmal im übertragenen Sinne gerne beide Augen zu. Schade. Deinen Optimismus bzgl. Endlager aus deinem anderen Artikel möchte ich gerne teilen, gelingt mir aber nicht. Das du kein Argument das gegen AKWs geht akzeptierst ist ebenfalls schade. Wo mir grade aber die Krawatte geplatzt ist dieses Zitat:

        Um ein einziges Kernkraftwerk mit 1,6 GW zu ersetzen, musst du rund 4500 Windräder der 3-MW-Klasse bauen und dazu 3 Gaskraftwerke der 500 MW-Klasse als Backup sowie tausende Kilometer Netzanbindung.

        WTF?! Ich glaube das machst du auch in deinen Artikeln: Einfach etwas die Wahrheit verbiegen und hoffen dass es keine sieht.. Mal zum mitschreiben: 1.6GW des AKWs sind (oh wunder „nur“) 1600MW. 4500 Windanlagen mal 3MW sind 13500MW und somit 13,5GW Nennleistung. Jetzt die große Frage ob Off- oder Onshore. Bei Offshore wäre die akkumulierte Volllastungzeit etwa 50% (Also die Zeit vom Jahr, wenn man die im Jahr produzierte Strommenge nur mit Volllast produzieren würde). Bei Onshore sind es im worst-case immerhin noch 20% (Binnenland Deutschland -> https://de.statista.com/statistik/daten/studie/224720/umfrage/wind-volllaststunden-nach-standorten-fuer-wea/). Daher ergibt 13500MW mal 0.5 oder 0.2 etwas zwischen 6.7GW und 2.7GW. Das sind aber so gar nicht 1.6GW wie du sagst. Ganz zu schweigen davon, dass das AKW wahrscheinlich auch nicht mit 100% betrieben wird… Dazu noch drei Gaskraftwerke, die fast dieselbe Leistung wie das AKW haben (1.5GW statt 1.6GW) ist doch auch Blödsinn. Du magst Sektorenkopplung und Netzflexibilisierungen zwar so wenig, dass du sie mit keinem Wort erwähnt hast, das löscht das Potential aber zum Glück nicht aus. Fazit zur Rechnung: Ja cool, das passt genau zu deinen Artikeln auf „tech-for-future“. Rechne dir die Welt halt so wie sie dir gefällt, aber besitzte nicht die Unverschämtheit das als voll Wahrheit zu verkaufen. Das ist einfach nur traurig. Der Energiewandel ist ohne so Fehlinformationen wie deinen eh schon kompliziert genug. Ich hoffe auf Besserung! Du schaffst das!

        Gruß,
        Fabian

        1. Florian Blümm

          Hi Fabian,

          keine Ahnung was dich geritten hat, hier so einen Mist zu schreiben. Lass besser über deine „lustigen“ Formulierungen hinwegsehen und schauen, was du inhaltlich zu sagen hast.

          „1.6GW des AKWs sind (oh wunder “nur”) 1600MW. 4500 Windanlagen mal 3MW sind 13500MW und somit 13,5GW

          Daher ergibt 13500MW mal 0.5 oder 0.2 etwas zwischen 6.7GW und 2.7GW. “

          Glückwunsch, das schaut so weit gut aus. Bitte noch die Lebensdauer (60 Jahre vs 30 Jahre) berücksichtigen. Dann kommst du auf 4.500 Windräder der 3 MW Klasse für einen 1,6 GW-Reaktor

          „Dazu noch drei Gaskraftwerke, die fast dieselbe Leistung wie das AKW haben“

          Gaskraftwerke haben üblicherweise Leistungen unter 500 MW. drei Gaskraftwerke sind also optimistisch.

          „Du magst Sektorenkopplung und Netzflexibilisierungen zwar so wenig, dass du sie mit keinem Wort erwähnt hast“

          Ich bin natürlich für eine möglichst schnelle Sektorkopplung. Die ginge viel schneller, wenn unser Strom nicht so teuer wäre.

          1. Fabian

            Hallo Florian,

            Bitte noch die Lebensdauer (60 Jahre vs 30 Jahre) berücksichtigen.

            Chapeau, die Laufzeitunterschiede hatte ich vergessen. Damit kommt im Wind Worst-Case (Binnenland-Anlagen), bei gleichzeitig AKW Best-Case (100% Auslastung über 60 Jahre), dein Vergleich sogar hin.

            Gaskraftwerke haben üblicherweise Leistungen unter 500 MW. drei Gaskraftwerke sind also optimistisch.

            Dagegen deine eigener Kommentar:

            … und dazu 3 Gaskraftwerke der 500 MW-Klasse als Backup.

            Obs nun 500MW Gaskraftwerke gibt oder nicht: Bauen kann man das. Der Punkt ist aber, dass das Backup nicht den vollen Leistungsersatz bringen muss.

            Sich die Best- und Worst-Case Szenarien so hin zu drehen wie es einem grade passt, ist einfach keine geile Herangehensweise. Das zieht sich bei dir aber überall durch. Und damit zu:

            keine Ahnung was dich geritten hat

            So eine Aneinanderreihung von Halbwahrheiten macht mich Fuchs-Teufels-Wild. Vor allem dann, wenn man so tut als ob man alles aus Studien hätte, um damit wissenschaftliche Korrektheit vorzugaukeln. Das nimmt tatsächlichen wissenschaftlichen Artikeln die Best- und Worst-Case fair und transparent abwägen das Vertrauen. Und das in einer Zeit wo ich leider das Gefühlt habe, dass das Vertrauen in die Wissenschaft sinkt. Daher meine Enttäuschung über deine(n) Artikel und deine Vorgehensweise auch hier in den Kommentaren.

            Hab dennoch n schönen Abend,
            Fabian

          2. Florian Blümm

            „Damit kommt im Wind Worst-Case (Binnenland-Anlagen), bei gleichzeitig AKW Best-Case (100% Auslastung über 60 Jahre), dein Vergleich sogar hin.“

            Nö! Wir nehmen den realen Kapazitätsfaktor 90% von deutschen Kernkraftwerken und den realen Kapazitätsfaktor 25% von neuen Windanlagen an Land in Deutschland. Noch dazu nehmen wir einen optimistischen Fall mit 30 Jahren Lebensdauer von Windrädern und einen pessimistischen Fall von 60 Jahren Lebensdauer von Kernkraftwerken.

            Und dann kommen wir auf knapp 4.500 Windräder pro neuem Kernreaktor. Hinkley C mit seinem Doppelreaktor ist das Äquivalent von 9.000 Windrädern…

            „Der Punkt ist aber, dass das Backup nicht den vollen Leistungsersatz bringen muss.“

            Doch, genau das ist der Sinn eines Backups. Wenn dein Backup-Kraftwerk nicht die volle Leistung bringt, dann kannst du im wahrsten Sinn des Wortes auch nicht mit der vollen Leistung rechnen. Wind an Land hat eine gesicherte Leistung von unter 1%, Solar 0%.

            „So eine Aneinanderreihung von Halbwahrheiten macht mich Fuchs-Teufels-Wild.“

            Wie wäre es, wenn du erstmal zu klären versuchst, was an den Informationen hier dran ist? Nur weil die Infos hier womöglich neu für dich sind, heißt doch nicht, dass sie falsch sind. Ich lese die Quellen hier und andere Studien tatsächlich zu 100% und gebe mir viel Mühe die Artikel hier möglichst informativ und faktengerecht zu schreiben.

            Und wie du siehst hab ich auch nix dagegen die Zahlen und Fakten zu erklären – auch im Detail. Auch konstruktives Feedback habe ich schon in Artikel eingearbeitet.

            Ich find’s nur ziemlich sinnlos bei reinen Sachfragen pampig zu werden, noch dazu vor dem ersten Wort. Mit so einem emotionalen Ausbruch outest du dich außerdem sofort als voreingenommen.

          3. Fabian

            Hallo Florian,

            ich antworte mal hier, da bei deiner Antwort der Antwort-Link fehlt. Ich fang mal von hinten nach vorne an:

            Ich find’s nur ziemlich sinnlos bei reinen Sachfragen pampig zu werden, noch dazu vor dem ersten Wort. Mit so einem emotionalen Ausbruch outest du dich außerdem sofort als voreingenommen.

            Ich hatte keine Sachfragen zu deiner löchrigen Meinungsmache. Da lese ich lieber seriöuse Quellen. Es war daher nur ein Kommentar. Und dieser wird nun auch mein Letzter. Zum Emotionalen: Es stimmt, Kritik sollte immer möglichst konstruktiv sein. Das ist den anderen Kommentatoren deutlich besser gelungen. Wenn ich Faktenverdrehungen zu einem Thema lese, was die Menschheit ggf. auseinanderreißen wird, werde ich aber leider emotional. Und damit zu:

            Wie wäre es, wenn du erstmal zu klären versuchst, was an den Informationen hier dran ist? Nur weil die Infos hier womöglich neu für dich sind, heißt doch nicht, dass sie falsch sind.

            Ja „neu“ sind manche Informationen von dir für mich schon, aber das bedeutet leider nicht schlussfolgerlich, dass sie faktisch korrekt sind. Eigentlich wollte ich hier nicht nochmal das aufrolen, was schon erwähnt wurde, versuche es aber in „Kürze“:

            1.) Dein Hauptargument in diesem Artikel ist (falls ich das richtig interpretiere), dass AKWs neben Wasserkraftwerken der günstigste Stromerzeuger sind. Wenn das stimmt, wären die Betreiber von Hinkley C mit ihren garantierten 92,5 Pfund/MWh wahre Wertschöpfungsmeister für ihre eigene Tasche. Du magst sagen, das liegt vor allem daran, dass es ein Prototyp ist und es ja eigentlich für 60+ Jahre läuft. Da hackt es an beiden Punkten. Zum einen werden nicht einfach ein paar (hundert) tausend gleiche AKWs gebaut (wie es bei Solar oder Windkraft der Fall ist). Jedes AKW scheint mir irgendwo doch eher einzigartig und kein Serienmodul zu sein. Zum anderen gilt das mit den 60+ Jahren auch für den Prototyp und ist daher raus. Bleibt also die Frage warum die garantierte hohe Vergütung so entscheident war um es zu bauen. Dein Preis pro kWh scheint sich dagegen aus einem überholten Kostenvoranschlag zu ergeben (zudem ja eigentlich auch von einem „Prototypen“). Da finde ich die 11ct/kWh aus UK schon eher solide. (Die meisten hier übrigens auch, was dir echt mal zu denken geben sollte.) Da kommt dann die Faktenverdrehung ins Spiel.

            2.) AKWs bauchen etliche Jahre um gebaut zu werden. Wenn man sich die Kostentrends der Solar und Windbranche anschaut, sieht man dass in der Zeit wo ein AKW gebaut wird, die Kosten der Erneuerbaren (und der Speicher) schon längst weiter gesunken sind. Hast du ebenfalls (lieber) weggelassen. Zudem verlängert sich die Auslegungslebzeit von Windturbinen auch immer weiter, ist schon bei 25 Jahren und wir vorraussichtlich bald auch die 30+ knacken. Betrieben werden sie häufig auch länger.

            3.) Ein Strommix mit nur AKWs wird auch nicht die Tageslinie nachfahren können. Dafür sind die Reaktionen zu träge.. Da brächte es also auch Systemmaßnahmen mit spontanen Gaskraftwerken die alles oberhalb der Gundlast regeln. Das wäre dann aber keine besonders nachhaltige Welt, da Gasverbrennen zu CO2 führt. Hast du auch (lieber) weggelassen. Und damit zu:

            4.) Flexibilisierung der Strommärkte + Sektorenkopplung. Das brächte es sogar bei einem 100% Atomstromszenario. Man muss in Zukunft, wenn man ohne die CO2-Schleudern auskommen will (was wir unbedingt müssen!), den Strommarkt so umgestalten, dass es für alle Verbraucher (finanziellen) Sinn ergibt besonders dann Strom zu verbrauchen, wenn er nun mal da ist. Strom muss echt mal wieder mehr gewertschätzt werden. Wenn man zudem alle Sektoren an Strom koppelt (Wärme, Verkehr, Industrie, Energie) dann wird der Pool an Verbrauchern deutlich größer und damit auch zum Teil flexibler. Zudem wären (Auto)batterien und Wärme gigantische Dämpfer im Stromnetz (Wärme kann man teils für ein halbes Jahre speichern, von Wochen ganz abzusehen). Ein 100%iges Gaskraftbackup (siehe dein Kommentar) wird damit auch unnötig. Ein solches Netz braucht es für erneuerbare natürlich mehr als für AKWs (da reicht eine halbe Tagesreserve). Dennoch ist es für beide wichtig, hebelt aber zum Teil deine Systemkosten aus, da flexibler Verbrauch nur in der Regelung etwas kostet. Bist du leider gar nicht drauf eingegangen. Warum? Ich tippe mal, weil es deinen Punkt „AKWs sind ganz toll“ weniger untermauert. Wenn man vom aktuellen System ausgeht, hast du sogar recht und ist argumentierbar. Da kommt dann die Faktenauslassung und damit -Verdrehung ins Spiel.

            5.) Ich bin mir nicht sicher wo deine persönliche Grenze ist, aber falls du für AKWs als die Lösung für eine CO2 freue Welt plädierst, solltest du dich mal mit dem verbleibenden Uranvorkommen auf der Welt auseinander setzten und hochrechnen, wie lange es reicht wenn alle auf AKWs setzen. Und wenn du von „warmen Brütern“ redest, sind auch diese, glaube ich, nicht unproblematisch.

            6.) Atommüll scheint dir irgendwie ziemlich egal zu sein. Immerhin wird es für ein paar hundert Jahre (im aller Besten Fall) oder sogar für etliche tausende von Jahren ein Problem unserer Nachwelt sein, und das nur weil für derzeit 60 Jahre weltweit etwas über ~13% des Stromes aus AKWs kam. Jej. Du magst zwar der Meinung sein, dass ein perfektes Endlager wartungsfrei ist. Menschen machen aber nunmal Fehler. Und für tausende von Jahren keine Fehler zu machen finde ich schon eine beeindruckende Vorraussetzung.

            Zu guter Letzt noch zum gemeinsamen Nenner: Ich hätte es tatsächlich auch lieber, wenn Deutschland statt morgen die AKWs abzuschalten im tausch die Kohlekraftwerke sofort abschalten würde und die AKWs dann bis 2038 o.ä. raus nimmt. Wir haben nun ohnehin schon einen riesen Haufen Müll und brauchen ohnehin ein Endlager. Da tausche ich lieber noch etwas mehr Müll gegen eine schnellere CO2 Reduktion. Das aber nur unter der absoluten Prämisse, dass sich Deutschland dann nicht auf seinen erreichten CO2-Zielen ausruht und — hier sind wir wohl wieder getrennter Meinung — das Momentum nutzt um auf Erneuerbare zu wechseln und die Punkte Sektorenkopplung und Flexibilisierung in Angriff nimmt. Atommüll möchte ich den nächsten (tausend) Generationen genauso wenig hinterlassen wie ein aus den Fugen geratenes Klima. AKWs und Kohlekraftwerte sind (für mich) wie Pest und Cholera. Beides hat starke Nachteile für die nächsten Generationen. Das finde ich persönlich höchst unfair und bevorzuge die finanziell gleichteuren Erneuerbaren. Auch wenn sie hässlicher aussehen. Die Zukunft sieht zwar etwas düster aus, aber ich habe die Hoffnung in die Ampel noch nicht aufgegeben.

            Meine Kritik an dir bleibt dennoch: Du Argmentierst wie es dir gefällt und tust gleichzeitig so als wäre alles faktenbasiert. Teils werden Details etwas verdreht (siehe oben) oder weg gelassen (siehe oben). Du hast eine klare Agenda, bist selbst extrem voreingenommen von Atomstrom und versuchst es in möglichst gutem Licht darstehen zu lassen. Nichts anderes macht die Atomlobby. Das finde ich absolut nicht gut und dabei bleibe ich.

            Hab dennoch ein schönes Wochenende,
            Fabian

          4. Florian Blümm

            Wenn du eine Auflistung von Fakten mit Quellenangabe als Meinungsmache siehst, dann sagt das aber mehr über deine Meinung aus als über den Inhalt.

            Auch wenn du von einem Artikel, in dem es um Kosten von Energiequellen geht, erwartest alle Talking Points von Ausgestrahlt zu behandeln und dann enttäuscht wirst, sagt das mehr über deine Erwartungshaltung als über den Inhalt.

            „wären die Betreiber von Hinkley C mit ihren garantierten 92,5 Pfund/MWh wahre Wertschöpfungsmeister für ihre eigene Tasche. “

            Der Ertrag hat erstmal nichts mit den Kosten zu tun. Du glaubst doch nicht, dass ein 1500€-iPad in der Herstellung 1500 Euro kostet, oder?

            Und während der CfD für Hinkley C 92,5 Pfund/MWh kostete, wurden CfDs für Windparks zwischen 140 und 150 Pfund/MWh bewilligt. Heißt das für dich Windkraft ist für immer unrentabel oder legst du da doppelte Standards an die Subventionen in einem anderen Land an, die mit Deutschland so wirklich gar nix zu tun haben?

            „Jedes AKW scheint mir irgendwo doch eher einzigartig und kein Serienmodul zu sein.“

            Da hast du den hauptsächlichen Kostentreiber ausgemacht. Der zweite Reaktor in Hinkley C konnte bereits deutlich schneller gebaut werden. Die beiden Reaktoren in Sizewell C werden vermutlich noch schneller gebaut werden.

            „AKWs bauchen etliche Jahre um gebaut zu werden.“

            Stimmt, es sind im Mittel 7 Jahre und du kannst mehrere parallel bauen. Wie lange braucht man in Deutschland um 4.500 Windräder zu bauen? 10 Jahre? 15 Jahre?

            „Kosten der Erneuerbaren (und der Speicher) schon längst weiter gesunken sind“

            Systemkosten von Erneuerbaren steigen mit dem Systemanteil, wie in diesem Artikel ausführlich beschrieben wird.

            „Zudem verlängert sich die Auslegungslebzeit von Windturbinen auch immer weiter, ist schon bei 25 Jahren und wir vorraussichtlich bald auch die 30+ knacken. Betrieben werden sie häufig auch länger.“

            Laufzeitverlängerungen sind sehr wichtig für die Nachhaltigkeit. Die ersten Kernkraftwerke haben eine Laufzeitverlängerung auf 80 Jahre bekommen und 100 Jahre sind bereits im Gespräch.

            „Ein Strommix mit nur AKWs wird auch nicht die Tageslinie nachfahren können.“

            Genau das passiert in Frankreich. Kernkraftwerke können sehr gut in Lastfolge betrieben werden. Effizienter ist es aber alle klimafreundlichen Erzeuger zu kombinieren mit Kernkraft/Wasserkraft für die Grundlast und Solar/Wind für die Spitzenlast Das sagen zumindest die diversen Modellierungen in den entsprechenden Studien.

            „Strom muss echt mal wieder mehr gewertschätzt werden. “

            Wenn du den Verbraucherpreis noch weiter erhöhst, scheitert die Energiewende an der sozialen Akzeptanz. Ich verstehe nicht, wie man einfach davon ausgeht, dass es bei uns keine Gelbwesten geben wird, obwohl alle Anzeichen das Gegenteil andeuten. Der Bogen der Energiepreise ist schon überspannt, wie du aktuell sehr gut in den Nachrichten sehen kannst.

            „Ein 100%iges Gaskraftbackup (siehe dein Kommentar) wird damit auch unnötig. “

            Du kannst einen kleinen Teil des Verbrauchs verschieben und so die Spitzenlast senken. Du brauchst aber trotzdem immer ein 100%iges Gas-Backup für die, nun etwas niedrigere, Spitzenlast.

            „hebelt aber zum Teil deine Systemkosten aus, da flexibler Verbrauch nur in der Regelung etwas kostet. “

            Wenn du mir eine Studie zeigen kannst, die Kosten und Nutzen einer Flexibilisierung beziffern kann, kann ich das berücksichtigen. Mit Mutmaßungen kann ich leider nix anfangen.

            “ solltest du dich mal mit dem verbleibenden Uranvorkommen auf der Welt auseinander setzten und hochrechnen, wie lange es reicht wenn alle auf AKWs setzen.“

            Habe ich hier im Detail gemacht. Man braucht auch keine Brüter. Selbst ohne Brüter haben wir mindestens 433 Jahre Uranvorkommen, wenn ALLE Energie der Welt mit Kernkraft erzeugt wird. Zum Vergleich, Kohle verbrennen wir seit 150 Jahren.

            „Atommüll scheint dir irgendwie ziemlich egal zu sein.“

            In einem Artikel, der die Kosten von Energiequellen vergleicht ist Atommüll natürlich kein Thema. Auch der große Flächenverbrauch von Wind und Solar oder die vielen Todesopfer durch Wasserkraft interessieren hier nicht. Schau dir mal den Endlager-Artikel an.

            „das Momentum nutzt um auf Erneuerbare zu wechseln und die Punkte Sektorenkopplung und Flexibilisierung in Angriff nimmt.“

            Trotz festgelegtem Atomausstieg habe ich leider von einem Momentum nix gesehen. Saubere Erneuerbare machen 14,2% unserer Energieversorgung aus. Die Energiewende ist trotz Subventionen von 400+ Milliarden Euro gescheitert und braucht dringend einen Neustart um die Klimaziele zu packen.

            „Meine Kritik an dir bleibt dennoch: Du Argmentierst wie es dir gefällt und tust gleichzeitig so als wäre alles faktenbasiert. “

            Wenn du Fakten kennst, die dem Artikel hier widersprechen, dann schieß los. Ich bin der erste, der den Artikel verbessern will. Aber dein Whataboutism zu Endlagern und Subventionen in England hat mit den Kosten wirklich gar nix zu tun. Es wäre gut, wenn du dich wirklich auf die Kosten von Energiequellen beschränken könntest.

            „Du hast eine klare Agenda, bist selbst extrem voreingenommen von Atomstrom und versuchst es in möglichst gutem Licht darstehen zu lassen.“

            Ich versuche in diesem Artikel die günstigste Energiequelle in einem möglichst guten Licht dastehen zu lassen. Da es in dem Artikel um die Kosten der Energieerzeugung geht, lehne ich mich damit sicher nicht zu weit aus dem Fenster…

  60. Lukas Hörner

    Hi Florian,
    meine Antworten auf deine Fragen – ich bitte dich diesmal nicht mit Zahlen bzgl. der Wirtschaftlichkeit von PV und Windenergie aus 2014 o.ä. zu agrgumentieren – wie ich mehrfach in meiner Ausführung zeige, sind diese nicht mehr anwendbar.

    Ich vergleiche aktuelle Kosten. Aktueller als Dezember 2020 wird es nicht. Prognosen für 2050, wie in den 100%-EE-Studien traue ich nicht weiter, als ich sie werfen kann. Gestehungskosten basieren schon auf so vielen Annahmen, dass sie einigermaßen nutzlos sind. Prognosen sind zig Mal nutzloser, das hat man immer wieder gesehen.

    Nach deiner Aussage vertraust du auf aktuelle Kosten und nennst die Daten der Studie. Schaut man in die Studie der IEA auf Seite 152 sieht man jedocht, dass hierbei Prognosen für die Zukunft zentral sind. Weder Olkiluoto 3 noch Famville 3 sind aktuell am Netz. Das Budget von 2020$ bzw. 1886$/kWe ist auf >5723$ bzw. 8620 $/kWe korrigiert worden – die Bauzeiten belaufen sich statt der geplanten 5 auf mittlerweile 15+ Jahre (keiner der Generation III Reaktoren – weder in China, Russland noch wurde in der geplanten Zeit fertiggestellt). Die Studie selbst (S. 154) geht dabei auch von sinkenden Kosten für Atomkraft aus – jedoch auf der Annahme von Lerneffekten und weiteren zubauten bis 2030 – schaut man auf die aktuellen Projekte, Planungen und Bauzeiten, sind diese Annahmen jedoch aus meiner Sicht um einiges fragwürdiger als die Fortschritte bei den erneuerbaren Energien, die in den letzen 10 Jahren kontinuierlich waren (wie ich später zeige).
    Famville 3 hat mittlerweile statt der geplanten 3Mrd.€ zu Baubeginn 19,1Mrd.€ verschlungen https://www.bloombergquint.com/business/edf-s-ability-to-make-nuclear-power-affordable-still-in-doubt. Olkiluoto 3 statt der geplanten 3Mrd. € zu Baubeginn 2005 mit

    Rechne doch einfach mal die Kapitalkosten von Flamanville oder Hinkley C pro kWh aus und vergleiche das mit aktuellen Kosten von Solar und Wind. Du wirst feststellen, dass selbst ein First of a Kind Prototyp-Reaktor günstiger ist als andere klimafreundliche Erzeuger mit Ausnahme der Wasserkraft. Und du vergisst die Lernkurveneffekte. Der zweite Reaktor in Hinkley C dürfte 20% bis 40% günstiger sein als der erste.

    Für den Verbraucher ist das komplett egal – der Preis von 92,5Pfund pro MWh ist für 35 Jahre festgelegt und wird den Energiepreis für die nächste Generation der Briten verteuern. Der Preis würde mit einem weiteren AKW in Sizwell auf lediglich auf 89,50Pfund fallen wie BBC berichtete – weit höher als aktuelle PV oder Windenergie. Der Telegraph schätzt daher dass die Kosten der ‚future top-up payments under the proposed HPC CfD‘ statt der geplanten £6.1 billion auf mittlerweile £50 billion – ist eine Technologie die so hoch subventioniert werden muss für die Energiewende nach aktuellen Technologiemaßstab sinnvoll? Im Gegensatz zu deinen Berechnungen zeigt die Wirtschaft, dass die Ausschreibungen im Energiesektor durch die langen Plan,- Bau,- und Laufzeiten der AKWs sehr viel teurer ist. Daneben gibt es eine hohe Unsicherheit bzgl. der Fertigstellungen, was zu der Erhöhung des Blackout-Risikos in Frankreich beiträgt (wie Heise berichtet.

    Besonders die Aussage, ob der zweite „Reaktor 20% bis 40% günstiger“ sein dürfte lässt mich Wundern: Wieso bist du bei Atomenergie, die in Europa innerhalb der letzten 20 Jahre kein Projekt innerhalb des Budgets oder der Zeit abgeschlossen hat, so positiv gestimmt?
    Ein einfacher Blick auf Wikipedia zeigt, wie schnell die Preise für Windkkraft und PV fallen (mit aktuelleren Zahlen und Quellen). Woher kommt also deine Zuversicht bei der Vergünstigung für Atomkraftwerken (seit der Jahrtausendwende gibt es hierfür keine Gründe) gegenüber den erneuerbaren Energien?

    AKWs werden die ganze Zeit geplant und in Betrieb genommen. Die Zubaurate ist dabei deutlich schneller als mit Solar und Wind, siehe https://thoughtscapism.com/2017/11/27/nuclear-energy-is-the-fastest-and-lowest-cost-clean-energy-solution/

    Wieder eine Quelle mit total veralteten Zahlen. Windenergie im Zeitraum bis 2004-2014 (als die Technologie noch unausgereift war) und die Nuklearkraft aus ihrer Blüte in den 90er Jahren. Vergleicht man das mit den Zahlen aus China, werden die Dimensionen klar: – China baute letztes Jahr 71.67 GW Windkraft aus . Alleine der Windenergieausbau in 2020 ist mehr als die Summe aller aktiven Kraftwerke und geplanten Kraftwerke zusammen (siehe hier).

    Außer das unterste Minimum von PV Utility Scale ist bei der Fraunhofer-Studie keine einzige Technologie kostendeckend. Marktwerte von Wind und Solar in Deutschland liegen aktuell um die 4 Cents pro kWh. Und da sind noch nicht einmal alle Systemkosten abgebildet, die bei Solar und Wind deutlich höher sind als bei konventionellen Kraftwerken, insbesondere Netzkosten und Backup.
    Marktwerte von konventionellen Kraftwerken liegen aufgrund der Planbarkeit bei rund 6-7 Cents pro kWh. Damit sind neue Kernkraftwerke kostendeckend. Wie kann eine Technologie günstiger sein, wenn sie nicht einmal ihre eigenen Kosten decken kann? Ich bin kein Freund von ewigen Subventionen, wie in der Landwirtschaft oder Energiewende.

    Das mag vielleicht 2014 der Fall gewesen sein – aktuell ist PV schon nichtmehr auf Subventionen angewiesen Handelsblatt und selbst die teuren Off-Shore Windparks sind an der Grenze zur Wirtschaftlichkeit wie die FAZ berichtet .

    Auf welchen Kraftwerksneubau beziehen sich denn die 13 Cents pro kWh? Das würde ich gerne mal nachrechnen.

    Das hieße ja als Gegenrechnung, der Bau eines 1,6 GW-Reaktors müsste 91 Milliarden Euro kosten! Den Reaktor musst du mir zeigen. (angenommen 12 Cents Kapitalkosten und 1 Cent Betriebs-, Rückbau- und Entsorgungskosten)

    Wie Quarks geschrieben hat, war das die Antwort des BMWI. Stattdessen würde ich deine Rechnungen gerne einmal sehen. Wie kommst du auf die 3,86ct/KWh? Wie auf die 91 Milliarden?
    Da wir in einer Marktwirtschaft leben, muss man bei den ausgeschriebenen Kosten ja immer auf den Markt schauen. Die Briten haben bereits gezeigt, dass es aktuell keine Firma bereit dazu ist für einen akzeptablen Preis (92,5Pfund pro MWh sind das nichtmehr) ein AKW zu bauen. Ich sehe auch bei Kraftwerken der vierten Generation keinen so großen Kostensprung, dass sich das ändern sollte, da die Preise für erneuerbare Energien mittlerweile Marktreife erreichen und selbst die Speichertechnologien auf dem besten Weg dorthin sind – auch wenn hier zum Auslgeich der Systemkosten mittelfristig wohl noch Subventionen nötig sind.

    Ich verstehe nicht, warum du immer wieder den CfD aus dem Jahr 2013 in Großbritannien anführst. Was sagen uns Subventionen über Kosten? Noch dazu, was haben Subventionen in einem völlig anderen Markt mit Kosten bei uns in Deutschland zu tun?

    Was, wenn ich behaupte, dass Windkraft in Deutschland unbezahlbar ist, weil 2014 in Großbritannien CfDs für 150 Pfund pro MWh abgeschlossen wurden? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

    Wie ich bereits gezeigt habe, haben sich die Preise für Windkraft seit 2014 stark reduziert. Das CfD aus dem Jahr 2013 führe ich an, da es der aktuellste Bau eines Atomkraftwerks in Deutschland ist: der Bau wurde 2018 gestartet und nach aktuellen Plan geht es auch nicht vor 2026 (also später als geplant) ans Netz: also eine verlängerte Bauzeit und 35 Jahre zugesicherte Vergütung ab 2026. Die Erneuerbaren Energien sind schneller gebaut, geplant und günstiger und somit besser für die Energierevolution geeignet (wie z.B. China zeigt).

    Ich hoffe diesmal wird der Kommentar richtig auf deiner Website angezeigt – kann es sein, dass du diese vom Spamfilter freigeben muss?

    Grüße Lukas

    1. Florian Blümm

      Natürlich gibt es in der Kernenergie Lerneffekte, insbesondere ganz am Anfang, nachdem man den First of a Kind Prototypen gebaut hat. Es sagt doch schon der gesunde Menschenverstand, dass der Prototyp teurer ist als die Serienproduktion. Hier ist das Standardwerk zur Lernkurve bei der Kernkraft zur Referenz: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301421516300106

      Wenn Flamanville bis Netzsynchronisation noch 10% teurer werden sollte, dann schlag doch einfach im Kopf 10% auf die Gestehungskosten. Was macht das für einen Unterschied bei den Größenordnungen? Der Preisvorteil von Kernkraftwerken ist ja nicht gerade knapp.

      Ich habe ehrlich gesagt keine Lust zum dritten Mal auf die Subventionen in Großbritannien in den Jahren 2013 und 2014 einzugehen. Wie wäre es, wenn du den Isländern erklärst, dass sich Tiefengeothermie nicht lohnt, weil wir in Deutschland das mit rund 25 Cents pro kWh subventionieren?

      Subventionen haben mit den Kostenstrukturen wenig bis gar nix zu tun. Wir kennen doch mittlerweile die Kosten für diese Reaktoren, es gibt keinen Grund mehr zu raten.

      Auf die 91 Milliarden Euro kommst du, indem du 1,6 GW mit einem Kapazitätsfaktor von 90% über 60 Jahre Lebenszeit laufen lässt und den dabei produzierten Strom mit Kosten von 12 Cents pro kWh belegst (13 Cents abzüglich 1 Cent Betriebs-, Rückbau und Entsorgungskosten). Die Gestehungskosten werden ja über die Lebenszeit berechnet, wobei die Kapitalkosten fast ausschließlich in der Bauzeit ganz am Anfang anfallen. Übrigens hat die gesamte Reaktorflotte von Frankreich rund 100 Milliarden Euro an Kapitalkosten gekostet.

      Deine Fraunhofer-Studie ist nicht von 2014, sondern von Juni 2021. Aktueller wird es nun wirklich nicht. Nach dieser Studie wären nur die allergünstigsten Solarparks an den besten Standorten überhaupt kostendeckend und nur wenn man Andere einen Großteil der Systemkosten zahlen lässt.

      Und das geht nur, solange du fossiles Erdgas als Backup nutzt, mit entsprechend hohen Emissionen von rund 100gCO2/kWh bei Wind und 150gCO2/kWh bei Solar. Wenn du auf ein Energiesystem mit geringen CO2-Emissionen umsteigen willst, musst du zusätzlich Elektrolyseure, Pipelines, Wasserstoffspeicher und Batteriespeicher bauen. Das dürfte den aktuellen Preis vervielfachen.

      Die Zubauzahlen in dem verlinkten Artikel sind von 2017 und nach wie vor repräsentativ. Hier sind aktuellere Zahlen von 2020. Der Windkraftzubau in China pro Kopf ist nicht annähernd so hoch wie der in Schweden oder Dänemark. Es kommen demnächst sogar 2 Rekorde bei der Kernkraft hinzu. Sowohl die 4 Reaktoren von Barakah in den VAE als auch Olkiluoto in Finnland sind unter den schnellsten Zubauzeiten pro Kopf aller Zeiten.

      Es gibt noch keine Reaktoren der 4. Generation. Ich glaube auch nicht, dass die beim Klimaschutz eine Rolle spielen werden.

      Ich verstehe, dass es in Deutschland viel Verwirrung zu den tatsächlichen Kosten von Wind und Solar gibt. Das ist kein Zufall. Insbesondere werden Systemkosten so gut wie nie berücksichtigt. Oft genug nimmt man die Zahlen von Lazard aus der Wüste von Arizona, mit 3x so viel Sonnenstunden wie in Deutschland und doppelt so viel Wind.

      Aber selbst deine eigene Quelle von Fraunhofer bestätigt doch, dass Solar und Wind in Deutschland noch nicht kostendeckend sind. Wie erklärst du das? Warum sollen die günstiger sein, obwohl man Geld damit verliert?

      P.S.
      Ich musste diesen Kommentar tatsächlich erst freigeben. Sorry dafür, das ist eigentlich nicht so eingestellt. Dein vorheriger Kommentar ist aber leider nicht einmal im Spamfolder zu finden.

  61. Lukas

    Hi Florian,
    ich habe mich selbst einmal ein wenig in den IEA Report eingelesen, auf dem nach meinem Verständnis ja deine Berechnungen fußen. Der Bericht beruht doch auf historischen Werten und ist somit für Überlegungen bzgl. der Zukunft nicht geeignet? Die Preise sind doch v.a. im Bereich der erneuerbaren Energien heute viel niedriger, da durch die Weiterentwicklungen der Technologien die Preise stets sinken, wie beispielsweise die Studie vom Frauenhoferinstitut aus dem Jahr 2018 (Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien S. 24) aufzeigt.

    Daneben hat beispielsweise der im Bau befindliche Nuklearreaktor Hinkley Point C gezeigt, wie teuer Atomstrom durch neue Atomkraftwerke ist (£92.50/MWh in 2012 prices) und wielange es dauert diese zu planen und zu bauen. Besonders die (inflationsbereinigte) Preisgarantie über die 35-jährige Laufzeit zeigt doch jetzt schon ganz klar, dass Atomenergie jetzt bereits viel teurer ist als die erneuerbaren EnergienA. Daneben durch die lange Laufzeit ein hohes Risiko und ohne Spielraum für weiterentwicklungen.
    Dementgegen haben Atomkraftwerke die mit ähnlichen Leistungen vor 30 Jahren gebaut wurden natürlich bessere Werte, da diese von der Inflation profitieren und sich mit dementsprechend alten Windanlagen in der Studie der IEA gemessen haben. Deinen Schlussfolgerungen zum Strompreis und der generellen Überzeugung bzgl. der Wirtschaftlichkeit (neuer) von Atomkraft kann ich deswegen nicht folgen, auch wenn ich den Vorschlag Atom,- statt Kohlekraftwerke länger laufen zu lassen ökologisch auch für sinnvoller erachte 😉

    Generell hat dein Blog viele interessante Punkte, jedoch solltest du besonders beim Thema PV und Windenergie mehr aktuelle Zahlen und Studien heranziehen, als die alten Schinken von 2013 o.ä.
    Grüße Lukas

    1. Florian Blümm

      Gestehungskosten sind notgedrungen immer historisch, sonst hast du eine Prognose. Die Zahlen des IEA-Reports sind von Ende 2020, also sehr aktuell. Ich kann mir nicht vorstellen, dass seitdem viel passiert ist.

      Es ist doch sogar festzustellen, dass die Kosten von Solar und vor allem Wind kaum noch fallen, und teilweise wegen Rohstoffkosten sogar steigen, siehe Solar Power’s Decade of Falling Costs Is Thrown Into Reverse.

      Die 92,50 Pfund pro MWh haben wenn überhaupt gezeigt, dass Kernkraft 50% günstiger als Windkraft ist. Windprojekte in Großbritannien zur gleichen Zeit wurden mit 140 bis 150 Pfund pro MWh bezuschusst, siehe United Kingdom Support for five Offshore Wind Farms: Walney, Dudgeon, Hornsea, Burbo Bank and Beatrice Das sind aber nur die CfDs, also Subventionen. Das ist die Einnahmenseite, nicht die Kostenseite. Die Kosten müssen notgedrungen niedriger liegen, sonst hast du keinen Profit. Wie niedrig? Sagt zum Beispiel der IEA-Report.

      Die von mir, für den Standort Deutschland, berücksichtigten Kosten der Kernkraft im IEA-Report basieren auf Flamanville. Das ist der französische EPR-Reaktor, der sogar noch teurer als Hinkley Point C ist. Trotzdem ist er um einiges günstiger als Solar und Wind.

      1. Joe Schmidt

        Gestehungskosten sind notgedrungen immer historisch, sonst hast du eine Prognose.

        Genau deshalb gibt es auch keine tatsächlichen Gestehungskosten für den EPR Flamanville.
        Auch nicht für Olkiluoto.
        Beide erzeugen noch keinen Strom – sind nicht am Netz.
        Wenn die Gesamtkosten für Flamanville nun schon >19Mrd.€ betragen (im Bericht mit 12,4Mrd.€ angesetzt) und für das Folgeprojekt Hinkley Point C kurz nach Baubeginn aktuell schon mit >30Mrd.€ veranschlagt werden, ist zumindest noch nichts von den Kostensenkungen zu sehen, die die NEA im iea-Report in Aussicht gestellt hat.
        Ich kann da jedenfalls nicht erkennen, dass Flamanville teurer wäre, wie von Ihnen behauptet und die prognostizierten Gestehungskosten dürften auch nicht mehr stimmen …

        1. Florian Blümm

          „Ich kann da jedenfalls nicht erkennen, dass Flamanville teurer wäre, wie von Ihnen behauptet und die prognostizierten Gestehungskosten dürften auch nicht mehr stimmen …“

          30 Milliarden Euro für 2 Reaktoren ist nach Adam Riese günstiger als 19 Milliarden Euro für einen.

  62. Christopher Lüning

    Die Zahlen zu AKW neu sind für Europa falsch. Wir können von 10 ct / kWh locker ausgehen.

    1. Wie können die Zahlen denn falsch sein?

      Die IEA bezieht sich auf die Kosten eines Kernkraftwerkes der Generation III in Frankreich, womit höchstwahrscheinlich Flamanville gemeint ist. Das ist ein EPR-Prototyp. Was ist daran falsch?

      1. Volker Sornig

        Da möchte ich C.Lüning Recht geben.
        Beim letzte Neubau in Frankreich haben sich die Baukosten mehr als verdreifacht und ist immer noch nicht am Netz.
        Und was ist mit den Ewigkeitskosten für eine Million Jahre Lagerung?

        1. Florian Blümm

          Der Neubau in Frankreich ist mit rund 4 Cents pro kWh immer noch deutlich billiger als die Alternativen. Und das ist ein Prototyp eines neuen Reaktor-Designs.

          Ewigkeitskosten gibt es bei der Steinkohle, nicht bei der Kernkraft. In den Gestehungskosten sind Entsorgungskosten enthalten. Hier ist der Endlager-Artikel.

          1. Joe Schmidt

            Wäre es dir lieber, wenn ich mit den unter 3 Cents pro kWh Kosten aus den Achtzigern werbe? Oder den chinesischen und koreanischen 2,5 Cents pro kWh?

            Nein, mir wäre es lieb, wenn Sie nicht mit völlig unrealistischen Zahlen argumentieren würden.
            In keiner Quelle kann es tatsächliche Gestehungskosten für das AKW Flamanville geben – denn es ist noch nicht fertig gebaut.
            Nicht einmal Ihre eigenen Quellen belegen Ihre Behauptung.
            Was ich gefunden habe sind als Prognose (!) bezeichnete 5$/kWh (4,2Ct/kWh) – mit einer Annahme der Baukosten, die längst überholt ist.
            Wenn Flamanville von anfangs prognostizierten 3,3-4Mrd.€ mit aktuell >12,4 Mrd.€ Baukosten und >19 Mrd.€ Gesamtkosten immer noch nicht am Netz ist und von Ihnen als „Prototyp eines neuen Reaktor-Designs“ und teuerste Lösung dargestellt wird, dann frage ich mich, warum nach der Lernphase mit Olkiluoto und den beiden chinesischen Blöcken für den neuesten, aktuellsten EPR-Reaktorneubau Hinkley Point C jetzt schon >30 Mrd.€ veranschlagt werden.
            Warum dieser aktuellste EPR-Reaktor gar nicht im Report auftaucht, weiß wohl nur die NEA, die Nuclear Energy Agence, die die Zahlen für den iea-Bericht Bericht zugearbeitet hat …

          2. Florian Blümm

            „Nicht einmal Ihre eigenen Quellen belegen Ihre Behauptung.
            Was ich gefunden habe sind als Prognose (!) bezeichnete 5$/kWh (4,2Ct/kWh) – mit einer Annahme der Baukosten, die längst überholt ist.“

            Hier nochmal die Quelle von Dezember 2020, aus der meine Gestehungskosten stammen.

            „dann frage ich mich, warum nach der Lernphase mit Olkiluoto und den beiden chinesischen Blöcken für den neuesten, aktuellsten EPR-Reaktorneubau Hinkley Point C jetzt schon >30 Mrd.€ veranschlagt werden.“

            Wenn du 4 Prototypen zeitlich parallel baust, dann hast du natürlich keine Lernkurve. Die Lernkurve kannst du erst am 5. EPR sehen, dem zweiten Reaktor in Hinkley C. Der wurde nach dem ersten Reaktor in Hinkley C gebaut und kommt deutlich schneller voran.

            Bei den geplanten EPR2 hat man schon in der Planungsphasen aus den Fehlern des EPR gelernt. EPR2 verzichten auf Späße wie Doppel-Containments und werden schneller zu bauen sein.

          3. C.Walz

            Im Juli 2020 wurde ein Bericht publik, wonach sich die bis dato bekannten Gesamtkosten des Projektes von den bisher kommunizierten 12,4 Mrd. Euro um weitere 6,7 Mrd. auf dann ca. 19,1 Mrd. Euro erhöhen sollen. Rund zwei Drittel davon sind auf Zinszahlungen während der Bauzeit zurückzuführen, hinzu kommen Ausgaben zur Vorbereitung der Inbetriebnahme wie die Beschaffung von Ersatzteilen und Kernbrennstoff.[28] Dieser Bericht des französischen Rechnungshofes zum EPR schätzt die Gestehungskosten für elektrische Energie bei Block 3 des KKW Flamanville auf 11 ct/kWh (110 €/MWh) bis 12 ct/kWH (120 €/MWh).

          4. Florian Blümm

            Die Gestehungskosten kann man sich anhand der 19,1 Mrd. Euro leicht selbst ausrechnen. Das sind rund 2,5 Cents pro kWh. Typische Betriebskosten sind 1,5-2,5 Cents pro kWh also maximal 5 Cents pro kWh für den EPR-Prototyp.

            11 Cents pro kWh sind anhand dieser Zahlen vollkommen ausgeschlossen, außer man rechnet Profite mit rein. Das sind dann aber keine Gestehungskosten.

          5. Michael Liebelt

            Ich vermute mal, dass da noch einiges an Kapitalkosten dazu kommt.
            Wenn binnen 13 Jahren 2/3 von 19,1 Mrd = 12,7 Mrd reine Zinszahlungen sind und das Ding jetzt konservativ geschätzt noch 30 Jahre laufen soll und entsprechend über die Zeit abbezahlt wird, kommt alleine damit noch einiges an Kosten drauf. Bin jetzt leider zu wenig Betriebswirt um das ausrechnen zu können.
            Dazu kommt dann natürlich noch, dass der Betreiber eine Rendite sehen will.
            Von daher halte ich die 11 Cent mit deinen Zahlen als Basis + die genannten Zusatzkosten für durchaus realistisch.
            Zinseszins ist echt krass, wenn man das mal richtig ausgerechnet hat.

          6. Florian Blümm

            In den 19,1 Milliarden Euro sind schon alle Zinsen bis zur Tilgung berücksichtigt, nicht nur die der Bauphase. Wenn es weitere Verzögerungen geben sollte, erhöht sich diese Summe. Sonst nicht.

            Klar will der Betreiber Profit machen, das sei ihm auch gegönnt. Aber das ist nicht Teil der Kosten. Sonst müsste man ja bei allen Erzeugern ne Profitspanne hinzurechnen. Dann kann man es auch lassen.

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