Hitzetote: Erderwärmung verringert Klimatote in Deutschland

Hitzetote durch Hitzewellen: Wie gerechtfertigt ist die Angst vor der Erderwärmung in Deutschland?

Früher war die schlimmste Gefahr im Sommer ein Sonnenbrand, heute ist es wohl der Hitzetod.

Was einmal als schönes Freibadwetter galt, gilt heute als „gefährliche Hitzewelle„.

Von Kältetoten im Winter hören wir hingegen nichts in den Medien, obwohl es in Deutschland mehr als zehn mal so viele davon gibt.

In Ländern mit sehr niedrigen Temperaturen sinken durch den Klimawandel die Kältetote deutlich schneller als die Hitzetote steigen.

Im kalten Deutschland mit seinen kurzen Sommern werden in Zukunft also viel weniger Menschen an Klimafolgen sterben als bisher.

Aber wie beeinflusst der Klimawandel die Klimatoten (Hitzetote + Kältetote) auf der ganzen Welt?

Liste von Klimawandel-Folgen

Es gibt eine große Zahl möglicher Schäden durch den Klimawandel. Hier sind die wohl riskantesten 3 für Menschen:

  • Tropische Krankheiten
  • Ernteausfälle
  • Extremwetter (hauptsächlich Hitzewellen)

Dies sind alles direkte Folgen der Erderwärmung. Höhere Temperaturen sind also die Ursache dieser Klimawandelfolgen. Aber sind hohe Temperaturen auch selbst ein Problem?

Es soll zwar in Zukunft mehr Todesfälle durch Hitze geben, aber die Todesopfer durch tropische Krankheiten oder Hunger steigen deutlich schneller.1

Die Statistik der WHO ist außerdem unvollständig, denn es fehlt die Betrachtung der positiven Folgen der Erderwärmung. Eine davon sind weniger Todesfolgen durch Kälte.

Saisonale Mortalität: Deutsche sterben im Winter

Gestorben wird in Deutschland im Winter. Das sagt uns schon der gesunde Menschenverstand, wenn es um ein Land mit sehr niedrigen Lufttemperaturen geht.

Um die saisonale Mortalität in Deutschland zu erkennen, muss man auch keine statistische Analyse machen. Es reicht die Totesrate monatlich aufzutragen, siehe Chart.

Bei der Totesrate pro Einwohner gibt es jedes Jahr einen klar erkennbaren Höchstwert. Dieses Maximum liegt immer im Dezember, Januar, Februar oder März.

Die Trendlinie dieser Peaks und auch der Baseline zeigt leicht nach oben. Das liegt höchstwahrscheinlich in erster Linie an der sich wandelnden Demografie.

Eine ältere Bevölkerung stirbt mehr und ist anfälliger gegen Kälte/Hitze. Nach Alter bereinigt sinkt die Sterblichkeit in Europa hingegen langsam.

Im Sommer, wenn sich die Medien mit Hitzetoten überbieten, gibt es in manchen Jahren ein kleines lokales Maximum. Wer denkt das sei das Problem, soll bitte auf den Winter schauen.

Hitzetote vs Kältetote: Welche Temperaturen sind global tödlicher?

Auch global sind Hitzetote und Kältetote nicht gleichverteilt. Im Jahr 2019 wurden weltweit 0,9% der gesamten Todesfälle durch Hitze verursacht, aber 8,5% durch Kälte.2

Es sterben also jedes Jahr rund 5,0 Millionen Menschen an Kältefolgen und rund 0,5 Millionen Menschen an Hitzefolgen. 3

In verschiedenen Weltregionen unterscheiden sich diese Zahlen, aber es überwiegen auch in wärmeren Gegenden die Todesfolgen durch Kälte:

  • 5% Kältetote – 1% Hitzetote: Lateinamerika
  • 6% Kältetote – 1% Hitzetote: Nordamerika
  • 8% Kältetote – 2% Hitzetote: Nordeuropa
  • 8% Kältetote – 2% Hitzetote: Westeuropa
  • 8% Kältetote – 2% Hitzetote: Osteuropa
  • 9% Kältetote – 2% Hitzetote: Südeuropa
  • 4% Kältetote – 1% Hitzetote: Südostasien
  • 7% Kältetote – 1% Hitzetote: Südasien
  • 10% Kältetote – 1% Hitzetote: Zentralasien
  • 10% Kältetote – 1% Hitzetote: Westasien
  • 10% Kältetote – 1% Hitzetote: Ostasien
  • 9% Kältetote – 1% Hitzetote: Nordafrika
  • 12% Kältetote – 0% Hitzetote: Subsahara-Afrika
  • 10% Kältetote – 2% Hitzetote: Australien & Neuseeland

Das bedeutet, dass die Reduzierung von Kälte einen deutlich größeren Hebel bietet bei der Vermeidung von Klimatoten als die Reduzierung von Hitze.

Die Durchschnittstemperatur in den meisten Städten ist nämlich kälter als das Optimum für die Minimierung temperaturbedingter Todesopfer. 4

Abnahme der Todesopfer durch Hitze & Kälte in Europa

Es wundert also nicht, dass die Todesopfer durch nicht-optimale Temperaturen aufgrund der Erderwärmung bei uns in Europa abnehmen werden.

Die Klimatoten im kalten Mitteleuropa sollen bis 2090 deutlich sinken:5

  • -94 Klimatote/100.000 EW in Deutschland
  • -105 Klimatote/100.000 EW in der Schweiz
  • -131 Klimatote/100.000 EW in Österreich

Noch deutlich weniger Menschen werden in Nordeuropa aufgrund von suboptimalen Temperaturen sterben mit einer Reduktion von rund -200 Klimatoten pro 100.000 Einwohner.

Anders sieht es in Südeuropa aus:

  • +1 Klimatote/100.000 EW Italien
  • +21 Klimatote/100.000 EW Spanien
  • +27 Klimatote/100.000 EW Griechenland

In wärmeren Regionen kann es also durchaus mehr Todesopfer infolge des Klimawandels geben.

Zunahme der Todesopfer durch Hitze & Kälte in der Sahara

Weltweit gesehen sind die Zahlen deshalb differenzierter. In Sibirien und Kanada ist die Reduktion von Kälte- und Hitzetoten noch so groß wie in Europa.

Aber in Afrika steigen Klimatote, rund um die Saharavmit bis zu +100 Todesfällen pro 100.000 Einwohner. Auch Australien ist betroffen mit +50 Todesfällen pro 100.000 Einwohner

Die Hitzetoten nehmen in diesen Ländern bis zum Jahr 2090 durch den Klimawandel schneller zu als die Kältetoten dadurch abnehmen.

Es gibt also einige sehr heiße Länder, die das Temperatur-Optimum bereits überschritten haben. Jeder weitere Temperaturanstieg erhöht die Klimatoten.

Trotzdem sind die allermeisten Länder nicht betroffen. Außerhalb der bisher genannten Länder hält sich die Veränderung von Kältetoten und Hitzetoten ungefähr die Waage.

Effizienzvorteil: Anpassung oder Klimaschutz?

Wichtig für die Vermeidung von Hitzetoten sind außerdem nicht nur die reinen Lufttemperaturen. Entscheidender ist die Wirtschaft der betroffenen Region.

Subsahara-Afrika hat doppelt so viele Klimatote pro 100.000 Einwohner wie Südasien und vier mal so viel wie Südostasien, obwohl es in Süd-/Südostasien heißer ist.

Gegen diese krasse Differenz trotz ähnlicher Temperatur sind die Zu- und Abnahmen bei Hitze- und Kältetoten durch den Klimawandel um Größenordnungen kleiner.

Eine Erklärung dafür liefert das Bruttoinlandsprodukt der 3 Regionen nach purchasing power parity :6

  • ~$4500 GDP/capita: Subsahara-Afrika
  • ~$8500 GDP/capita: Südasien
  • ~$17500 GDP/capita GDP: Südostasien

Die überproportional vielen Klimatoten in Subsahara-Afrika korrelieren mit der Armut. Kein Wunder: Gesunde und junge Menschen sterben nicht an Hitze oder Kälte.

Wenn aber die Gesundheitsversorgung sowieso zu wünschen übrig lässt und dazu noch Unterernährung kommt, dann steigen die Todesfälle durch nicht-optimale Temperaturen.

Eine Verdopplung der Wirtschaft würde in solch armen Ländern bei den Klimatoten um Größenordnungen mehr helfen als selbst ein sofortiger Stopp des Klimawandels.

Anpassung (Adaption) ist in dem Fall deutlich wichtiger als Klimaschutz (Mitigation). Und da haben wir über den Einbau von Klimaanlagen noch gar nicht geredet.

Fazit: Deutschland ist nicht hitzegefährdet

Höhere Temperaturen sind eine Ursache für Klimaschäden wie den Meerwasseranstieg, aber in den meisten Ländern sind sie nicht selbst eine Gefahr.

In Westeuropa, Osteuropa und Nordeuropa ist es sogar so kalt, dass die Klimaerwärmung in Zukunft viele Leben retten soll.

Deutschland ist auf Platz 199 der wärmsten Länder. Die deutsche Angst vor Hitze ist extrem weltfremd.

Das soll natürlich nicht heißen, dass die Erderwärmung für alle Länder so harmlos werden soll wie für Deutschland.

Aber wir schützen das Klima schließlich nicht aus Eigennutz. Klimaschutz ist eins der 17 Ziele nachhaltiger Entwicklungshilfe.

Das ist eine edle und berechtigte Sache. Die Hitzewellen-Panikmache setzt hingegen auf puren Egoismus und Falschaussagen.

Klimaschutz ist wichtig. Aber bleib cool und lass dir keine Klima-Angst machen oder gar schöne Sommertage schlecht reden.

Exkurs 1: Was ist ein Hitzetod, was ein Kältetod?

Es gibt keine Totenscheine auf denen „Kältetod“ oder „Hitzetod“ steht. Klima als Todesursache ist noch schwerer festzustellen als Covid und kann immer nur eine Schätzung sein.

Es ist auch gar nicht die extreme Hitze oder extreme Kälte besonders tödlich. Die mit großem Abstand gefährlichste temperaturbedingte Todesursache ist moderate Kälte, hauptsächlich bei alten Menschen. 7

Auch was Hitze angeht, sind fast ausschließlich Menschen älter als 65 gefährdet. Hauptsächlich betroffen sind sogar nur Ü85-Jährige.8

Nicht-optimale Temperaturen können bereits bestehende Krankheiten verschlimmern, insbesondere chronische Atemwegserkrankungen und Kreislaufstörungen.9

Temperaturbedingte Todesfälle können auch nur eine Sterblichkeitsverschiebung sein. Menschen, die sowieso gestorben wären sterben wegen kalter oder heißer Temperaturen Wochen oder Monate früher.

Exkurs 2: Modellierung – Garbage in Garbage out

Alle Zahlen hier im Artikel stammen aus statistischen Modellierungen. Das geht leider wie gesagt nicht anders und die Zahlen lassen sich daher auch nicht validieren.

Das heißt aber nicht, dass man diese Modellierungen überhaupt nicht überprüfen kann. Im Sommer 2025 machte eine Modellierung des Imperial College London Schlagzeilen mit 2.300 europäischen Hitzetoten in nur 10 heißen Tagen. 10

2.300 zusätzliche Todesfälle in gut einer Woche wären auch statistisch signifikant, vor allem da lediglich 12 europäische Städte in der Modellierung berücksichtigt wurden. Die tatsächlich gemessenen Zahlen zur Sterblichkeit in der gesamten EU müssten also deutlich höher sein.

Ein weiteres Indiz welches die Überprüfung einfach macht ist das Alter. Laut der Modellierung sollen 2.011 der zusätzlichen Todesfälle auf die Altersgruppe 65+ entfallen und 1.082 auf die Altersgruppe 85+.

Die tatsächlich berichteten Todesfälle in der gesamten Europäischen Union in der Kalenderwoche 27 zeigen tatsächlich 2.302 Todesfälle über Baseline in der Altersgruppe 65+ und 1.708 (!) Todesfälle über Baseline in der Altersgruppe 85+.11

Weil nur 12 Städte modelliert wurden, aber die Zahlen zur Übersterblichkeit aus der gesamten EU stammen, liegt die Modellierung immer noch deutlich über den beobachteten Zahlen. Aber zumindest wird die Größenordnung ungefähr erfasst.

Ob die oben verwendeten Modelle zutreffende Ergebnisse liefern lässt sich leider nicht sagen. Dass in den Studien Daten von nur 41 Ländern auf die ganze Welt extrapoliert werden, ist zumindest nicht ermutigend.

Exkurs 3: Junk-Science mit dem Emissions-Szenario RCP8.5

Bei allen Klimawandelfolgen ist entscheidend, welche Erderwärmung wir annehmen. Das gilt insbesondere bei der Prognose von Hitz- und Kältetoten.

Leider wird immer noch mit dem völlig unrealistischen Erwärmungsszenario RCP8.5 gerechnet, so zum Beispiel in einer aktuellen Studie von Chen et al.12

RCP8.5 ist ein Szenario in dem wir alles Erdöl, alles Erdgas und einen Großteil der Kohlereserven verbrennen mit einer Verachtfachung des Kohleverbrauchs bis 2100.13

So ein Szenario ist unmöglich und sollte eigentlich nur dazu dienen Modelle zu kalibrieren. Niemand erwartet eine Erderwärmung von bis zu 6°C.

Es hilft auch nicht, dass Chen et al. einen 2. Modelldurchlauf mit dem kaum weniger unrealistischen Szenario RCP7.0 rechnen. Das ist Junk-Science und die Ergebnisse solcher Paper sind leider wertlos.

Mit aktueller Klimapolitik ist selbst das hier im Artikel verwendete Szenario RCP4.5 ein Worst Case bei maximal 3°C Erwärmung. Wahrscheinlich laufen wir auf RCP3.4 zu mit maximal 2,5 °C Erwärmung.

Meine Quelle von Human Climate Horizons hat leider für dieses realistische Szenario keine Daten. Sie haben zusätzlich zum Worst Case RCP4.5 lieber einen Modelldurchlauf mit RCP8.5 gemacht. *seufz*

Übrigens wird auch bei den Klima-Kipppunkten viel Schabernack mit RCP8.5 getrieben. Immer wenn mit RCP8.5 gerechnet wird, kannst du das entsprechende Paper ruhig ignorieren.

Quellen

  1. Quantitative risk assessment of the effects of climate change on selected causes of death, 2030s and 2050s WHO (2014)
  2. Global, regional, and national burden of mortality associated with non-optimal ambient temperatures from 2000 to 2019: a three-stage modelling study Zhao et al (2021)
  3. 7,5 crude deaths/1000 population * 7.778.303.912 population = 58.337.279.340 crude deaths – World Bank (2025)
  4. Geographical Variations of the Minimum Mortality Temperature at a Global Scale Tobías et al (2021)
  5. Climate Impact Lab – Human Climate Horizons (2024)
  6. World Economic Outlook
    International Monetary Fund (2024)
  7. Mortality risk attributable to high and low ambient temperature: a multicountry observational study Gasparrini et al (2015)
  8. Wochenbericht zur hitze­bedingten Morta­lität Robert-Koch-Institut (2025)
  9. Estimating the cause-specific relative risks of non-optimal temperature on daily mortality Burkart et al (2021)
  10. Climate change tripled heat-related deaths in early summer European heatwave Grantham Institute (2025)
  11. Pooled number of deaths by age group EuroMOMO (2025)
  12. Impact of population aging on future temperature-related mortality at different global warming levels Chen et al (2024)
  13. Why do climate change scenarios return to coal? Ritchie & Dowlatabadi (2017)

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