6 lesenswerte Bücher zu Klimawandel & Umweltschutz

Es gibt immer mehr Bücher zum Klimawandel. Welche davon sind lesenswert und welche sind es nicht?

„Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben“ wurde von keinem Klimaforscher geschrieben, sondern vom Kabarettisten Eckart von Hirschhausen.

Selbst Massenmarkt-Thriller-Autor Frank Schätzing veröffentlichte ein top verkauftes Klimabuch: „Was, wenn wir einfach die Welt retten?“.

Seit Jahren sind immer wieder Klimabücher unter den Bestsellern, darunter Greta Thunbergs treffend betiteltes „Klima-Buch“.

So eine Popularität des Klimawandels wäre vor 10 Jahren noch unvorstellbar gewesen. Das ehemalige Nischenthema ist im Mainstream angekommen.

Aber nur weil sich ein Buch gut verkauft, ist es nicht gleich lesenswert. Ich kann als Klimablogger keinen der oben genannten Bestseller empfehlen.

Hier sind meine Lese-Empfehlungen zum Klimawandel und Umweltproblemen:

1. Hannah Ritchie zu den Umweltproblemen unserer Zeit (2024)

Not the End of the World: How We Can Be the First Generation to Build a Sustainable Planet *

Hannah Ritchie ist bekannt von Our World in Data. Diese Webseite sammelt und visualisiert die besten verfügbaren Zahlen. Entsprechend unaufgeregt und gut mit Daten hinterfüttert ist auch ihr erstes Buch.

In deutschen Medien wurde nur über das Klima-Kapitel in dem Buch berichtet. Der Autorin geht es aber um eine ganzheitliche Sicht auf alle Umweltprobleme von Luftverschmutzung bis Plastikmüll. Bei manchen Themen kann Ritchie sogar Entwarnung geben, Alarmismus ist ihr fremd.

Immer im Blick bleibt ihr dabei das größte Problem unserer Zeit: die globale Armut. Umwelt- und Klimaschutz kann nicht bedeuten, dass den meisten unserer Mitmenschen ein lebenswertes Dasein verwehrt bleibt. Dieser globale Ansatz fehlt leider in vielen Klimabüchern.

Fazit: Faktenbasierte Sicht auf viele Umweltprobleme und Lösungen

auch als englisches Audiobuch
auch als deutsche Übersetzung mit dem Titel Hoffnung für Verzweifelte: Wie wir als erste Generation die Erde zu einem besseren Ort machen*

Buchausgabe: Ich habe das englische Audiobuch gehört.

2. Bill Gates zu wirkungsvollem Klimaschutz (2021)

Wie wir die Klimakatastrophe verhindern: Welche Lösungen es gibt und welche Fortschritte nötig sind*

Wie der Titel schon sagt, schreibt Bill Gates sehr lösungsorientiert. Allein das gibt „Wie wir die Klimakatastrophe verhindern“ einen Vorsprung vor den meisten anderen Büchern zum Klimawandel.

Das Buch ist leicht verständlich, auf dem Stand der Technologie und ohne Denk-Tabus. Bill Gates betrachtet neben der Wirksamkeit von Maßnahmen außerdem die wichtige Bezahlbarkeit.

Wie wir die Klimakatastrophe verhindern ist krass neutral geschrieben. Alarmismus oder Verharmlosung suchst du hier vergebens. Ein pragmatischeres Klimabuch ist kaum vorstellbar.

Hier ist meine ausführliche Rezension von Bill Gates Wie wir die Klimakatastrophe verhindern

Fazit: Wenn du nur ein Buch speziell zum Klimaschutz liest, lass es dieses sein

auch als deutsches Audiobuch
auch als englisches Audiobuch – gelesen von Chefnerd Wil Wheaton

Buchausgabe: Ich habe das englische Audiobuch gehört.

3. André Thess untersucht die Zahlen zur Energiewende (2021)

Sieben Energiewendemärchen?: Eine Vorlesungsreihe für Unzufriedene*

Belastbare Zahlen sind ein großer Mangel in der Energiewende-Diskussion. Genau diesen Umstand und die Frage der wissenschaftlichen Qualität von einschlägigen Studien diskutiert Professor Thess in seinem Buch zu 7 Energiewende-Mythen.

Das Buch zeigt wie einfach sich die Kosteneffizienz von Klimaschutzmaßanahmen anhand der CO2-Vermeidungskosten bestimmen lässt. Von den nackten Zahlen losgelöst bekommt der Leser aber auch Kriterien an die Hand, wie sich persönliche Werturteile mit Klimaschutzmaßnahmen vereinbaren lassen.

Thess hat hier Gott sei Dank keine „Vorlesungsreihe“ geschrieben, sondern leicht verständliches populärwissenschaftliches Buch. Obwohl der Professor sich vermutlich stark mit Formeln zurückgehalten hat, sind es leider recht viele repetitive Rechenbeispiele. Das ist aber aus meiner Sicht der einzige Wermutstropfen.

Fazit: eine sehr sach- und zahlenbezogene Analyse der Energiewende

Buchausgabe: Ich habe das deutsche eBook gelesen.

4. Vince Eberts kommentiert humorvoll die Energiewende (2022)

Lichtblick statt Blackout: Warum wir beim Weltverbessern neu denken müssen*

Ein Kabarettist analysiert die deutsche Energiewende. Das liest sich wie ein schlechter Scherz, funktioniert aber erstaunlich gut. Trotz oder vielleicht wegen einer Prise Humor liefert dieses Buch eine dringend nötige Versachlichung in der emotionalen Energiewende-Debatte.

Ebert ist nicht irgendein Kabarettist, sondern Diplom-Physiker. Er versteht die Zusammenhänge unseres Energiesystems besser als die meisten Autoren von Klimabüchern. Um so dringlicher sind seine Warnungen, dass wir mit der aktuellen Version der Energiewende auf dem falschen Weg sind.

Die Gradwanderung zwischen Klimawandel-Verharmlosung und Klima-Alarmismus gelingt Ebert von allen hier besprochenen Büchern am besten. Besonders gefällt mir als Ökomodernist, wie penetrant er auf die großen Fortschritte der Vergangenheit hinweist. Auch die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele und die globale Armut kann man nicht oft genug erwähnen.

Fazit: Humorvolle und trotzdem rationale Bewertung der Energiewende

auch als deutsches Audiobuch

Buchausgabe: Ich habe das deutsche Audiobuch gehört.

5. Anna Veronika Wendland erklärt den Energiewendestaat (2022)

Atomkraft? Ja bitte! Wie Kernkraft uns jetzt retten kann*

Warum ist ausgerechnet in Deutschland die Politik so gegen die klimafreundliche Kernkraft, trotz Klimakrise und Energiekrise? „Atomkraft? Ja bitte!“ geht der Geschichte der deutschen Atomangst auf die Spur und befürwortet eine Zukunft ohne Atomausstieg.

Anna Veronika Wendland ist sicher Deutschlands bekannteste Atomkraft-Befürworterin. Früher hat sie selbst gegen AKW protestiert. Heute sieht sie die Kernkraftwerke als wichtiges Werkzeug gegen die Klimakrise, zusammen mit Wind, Solar und Wasserkraft.

Das Buch behandelt auch Argumente für und gegen Kernkraft. Auf eine sehr sachliche und objektive Weise geht es teilweise tief in technische Details. Die wenigsten der Argumente sind allerdings neu und sollten auch für Einsteiger leicht verständlich sein.

Auch Skeptiker dürften von dem Buch gut abgeholt werden, ideal auch als Geschenk.

Fazit: Versachlichung der hoch emotionalen deutschen AKW-Debatte

Buchausgabe: Ich habe das deutsche Hardcover gelesen.

6. Dieter Helm wirft einen ökonomischen Blick auf globalen Klimaschutz (2020)

Net Zero: How We Stop Causing Climate Change*

Die Erderwärmung ist eine globale Krise. Alle Länder der Erde müssen aufhören Treibhausgase auszustoßen. Trotzdem reden wir kaum über globale Strategien gegen die Klimakrise.

Dieter Helm tut das. Er geht auf die letzten 30 verlorenen Jahre beim Klimaschutz ein. Es ist kein Geheimnis, dass das Kyoto-Protokoll und das Pariser Abkommen kaum helfen und hier wird erklärt warum.

Net Zero analysiert aber nicht nur wirkungslose Maßnahmen, sondern schlägt alternative Lösungen vor. Wie von einem Ökonomen kaum anders zu erwarten, geht es dabei vor allem um Preise.

Fazit: Wie man die Klimakrise global bekämpfen kann, aus Sicht eines Ökonomen

Achtung, leider gibt es noch keine deutsche Übersetzung.

Buchausgabe: Ich habe das englische Audiobuch gehört.

Bücher zum hören! Probemonat bei Audible

Wie du siehst, bin ich ein großer Fan von Hörbüchern. Du kannst sie hören und nebenbei was Anderes machen. Du kannst sie sogar im Auto hören, in der Straßenbahn oder im Zug.

Ich höre sogar Audiobooks zusammen mit meiner Frau, so wie andere Leute den Abend vorm Fernseher verbringen. Macht für uns mehr Sinn als Tatort.

Lust bekommen? Teste den kostenlosen Probemonat bei Audible

Freebie: David MacKays berechnet klimafreundliche Energie (2009)

Sustainable Energy – Without the Hot Air*

Die Energiewirtschaft ist für knapp 90% der CO2-Emissionen verantwortlich. Und David MacKay hat mit Sustainable Energy die Bibel zur Energiegewinnung und ihren Folgen geschrieben.

Es handelt sich nicht um ein Klimabuch per se. Wenn du dich aber für klimafreundliche Energie interessierst, bekommst du hier einen sehr guten Einstieg.

Sustainable Energy ist möglichst einfach geschrieben. Aufgrund der detaillierten Betrachtung und vielen Fakten, hat es das Buch aber trotzdem in sich. Das fortgeschrittene Alter bemerkt man nur selten, weil es eher um Grundlagen geht.

Fazit: Wenn du ein kostenloses Buch zur Energiewende suchst, bist du hier richtig

auch als kostenloses e-Book mit deutscher Übersetzung inklusive Daten aus Deutschland oder Österreich: Nachhaltige Energiegewinnung – ohne die heiße Luft

Achtung: Nicht die deutsche Übersetzung von Christian Holler und Joachim Gaukel kaufen! Die wurde auf deutsche Energiewende ideologisiert und das Kapitel über Kernkraft gelöscht. „Unwissenheit ist Stärke“, oder wie? Unglaublich, was es alles gibt…

Buchausgabe: Ich habe die deutsche Übersetzung größtenteils gelesen.

1. Exkurs: Bent Flyvbjerg fragt warum alles mehr Zeit und Geld kostet (2024)

How Big Things Get Done: Wie Projekte gelingen*

Viele Klimaschutzmaßnahmen sind Baumaßnahmen. Und immer spielen Kosten und Bauzeit eine Rolle. Wie also können wir es besser schaffen Budgets einzuhalten, egal ob bei Zeit oder Kosten?

Bent Flyvbjerg ist ein Experte für Megaprojekte. Er hat eine Datenbank angelegt, in dem Baufiasken vorkommen, wie die Hamburger Elbphilharmonie oder der Berliner Flughafen BER. Das Buch vergleicht solche aus dem Ruder gelaufenen Projekte mit erfolgreichen Bauprojekten wie dem Guggenheim-Museum Bilbao oder dem Empire State Building.

Ein großer Trend erfolgreicher Projekte, ist laut Flyvbjerg die Planungszeit. Je mehr Jahre in die Vorbereitung und Ausarbeitung des Projekts gesteckt wurde, desto wahrscheinlicher ist die Einhaltung von Deadlines und Kostenplänen. Das weitreichende Ausprobieren von Alternativen im Planungsprozess nennt Flyvbjerg „Pixar Planning“ nach dem bekannten Filmstudio.

Ein weiteres Merkmal erfolgreicher Projekte ist eine modulare Bauweise. Wenn es möglich ist eine große Aufgabe in viele ähnliche kleine Aufgaben aufzuteilen, dann verschwindet der sogenannte „Fat Tail“ der massiven Kosten und Zeitüberschreitungen. Ein Beispiel dafür ist ein Solarpark, aber auch die einzelnen Stockwerke des Empire State Building.

Fazit: Gute Planung und Modularität verhindert Bauzeit- und Kostenüberschreitungen

auch als englisches Audiobuch*

Buchausgabe: Ich habe das englische Audiobuch gehört.

2. Exkurs: Daniel Gräber untersucht wie ideologisch in Deutschland Energiepolitik gemacht wird (2025)

Akte Atomausstieg: Das Ende der Kernkraft und das Scheitern der Energiewende*

Deutschland ist in einem internationalen Alleingang aus der klimafreundlichen Atomkraft ausgestiegen, trotz Klimakrise. Die letzten 6 AKW wurden mitten in der Energiekrise abgeschaltet. Wie konnte es dazu kommen?

Daniel Gräber bereitet in dem Buch die Ergebnisse des Untersuchungsausschuss zum Atomausstieg aus dem Jahr 2025 auf. Der Ausschuss untersuchte, warum Anfang 2022, auf dem Höhepuinkt der energiekrise, die letzten 6 deutschen AKW nicht um Jahre oder gar Jahrzehnte nicht laufzeitverlängert wurden.

Gräber arbeitet minutiös die Ereignisse nach der Großinvasion der Ukraine in 2022 auf in den grün geführten Ministerien für Wirtschaft und Umwelt. Die von Wirtschaftsminister Habeck versprochene „ergebnisoffene Prüfung“ fand demnach nie statt. Dass die AKW abgeschaltet bleiben würden, war immer als Ziel vorgegeben.

Auch auf die damals vorgeschobenen Sachargumente geht Gräber ein. Die meisten davon lösten sich mit dem Kanzlermachtwort in Wohlgefallen auf. Aber selbst die Ausübung der Richtlinienkompetenz könnte reines Taktieren gewesen sein.

Fazit: In der deutschen Energiepolitik geht Ideologie über Rationalität

auch als deutsches Audiobuch*

Buchausgabe: Ich habe das deutsche Audiobuch gehört.

3. Exkurs: David Graeber erzählt die Geschichte des Geldes (2012)

Schulden: Die ersten 5000 Jahre*

Was hat ein Buch über Geld in einer Liste von Büchern zum Klimawandel verloren? Ganz einfach: die Lösung der Klimakrise ist sauteuer. Es werden nicht ohne Grund Vergleiche zum 2. Weltkrieg gezogen.

Am Geld muss es aber nicht scheitern. Ein Staat ist schließlich keine schwäbische Hausfrau mit ausgeglichenem Haushalt. Wenn der Zins niedrig ist, wäre es dumm keine Staatsschulden zu machen. Eine schwarze Null hilft nichts, wenn das Klima ruiniert ist.

In David Graebers Buch über die Geschichte des Geldes, geht es aber nicht nur um Modern Monetary Theory. Nach dem Buch zweifelst du sogar daran, ob selbst die sprichwörtliche schwäbische Hausfrau unbedingt einen ausgeglichenen Haushalt haben muss.

Fazit: Geld ist nicht knapp – David Graeber erklärt wieso.

auch als deutsches Audiobuch*

Buchausgabe: Ich habe das englische Audiobuch gehört.

4. Exkurs: Jared Diamond rätselt über die Entstehung von globaler Armut (2006)

Arm und Reich: Die Schicksale menschlicher Gesellschaften*

Globale Gerechtigkeit ist das größte Problem bei der Lösung der Klimakrise. Die allermeisten Menschen träumen von unserem enormen Wohlstand in Mitteleuropa. Wenn sie wohlhabender werden, steigt ihr Energieverbrauch.

Aber warum sind einige wenige Länder wie Deutschland so reich, während der größte Teil der Welt an Armut leidet? Genau diese Frage stellt sich Jared Diamond am Anfang von Arm und Reich.

Seine Antwort ist nicht Intellekt, Moral oder Genetik. Vielmehr braucht man für „Guns, Germs and Steel“ (der englische Titel) viel Glück bei Geographie und Fauna nach dem Anna-Karenina-Prinzip.

Fazit: Jared Diamond hilft unsere postkoloniale Welt zu verstehen

auch als englisches Audiobuch*

Buchausgabe: Ich habe das englische e-Book gelesen.

5. Exkurs: Hans Mathias Kepplinger warnt vor Alarmismus in den Medien (2017)

Die Mechanismen der Skandalisierung: Warum man den Medien gerade dann nicht vertrauen kann, wenn es darauf ankommt*

Kritischer Medienkonsum ist wichtig in der Klimakrise. Polarisation ist kontraproduktiv, egal ob Alarmismus oder Verharmlosung. Laut Hans Mathias Kepplinger neigen insbesondere deutsche Medien zur Panikmache.

Er hat in mehreren Studien die Meinungsmache deutscher Medien untersucht und auch international verglichen. Der Fokus liegt dabei auf medial gepushter Skandalisierung, z.B. die Plagiatsaffäre Guttenberg oder der panikhafte Atomausstieg nach Fukushima.

In eine ähnliche Richtung geht auch Die Avantgarde der Angst* von Norbert Bolz mit einem Fokus auf Technophobie, Risikobewertung und „German Angst“.

Fazit: Unbedarfter Medienkonsum kann mehr Schaden bringen als Nutzen

Buchausgabe: Ich habe mehrere Studien von Mathias Kepplinger zum Thema sowie die Leseprobe gelesen.

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37 nicht empfehlenswerte Bücher zum Klimawandel

Es gibt leider sehr viele Klimabücher, die mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. Sie fallen grob in 4 Kategorien:

  1. 📢 Alarmismus: Klimawandel ist das Ende der Welt
  2. 🥱 Lukewarmer: Klimawandel ist kein Problem
  3. 💪 Optimismus: Klimaschutz ist ganz einfach
  4. 🚫 Degrowth: Der Kapitalismus muss weg

Alle 4 Aussagen sind kontraproduktiv!

Schlimmer noch, alle 4 Aussagen verleiten zum Nichtstun:

  • 1. führt zu einem Gefühl von Machtlosigkeit und daraus folgt nicht selten Resignation a la „ist eh schon zu spät“. Nö, ist es nicht und jedes Zehntelgrad zählt.
  • 2. und 3. reden die monumentale Aufgabe klein, obwohl wir geballt hinter den teuren und langwierigen Klimaschutzmaßnahmen stehen müssen.
  • 4. scheint das Klimathema nur zu kapern um Fantasien von einer weltfremden wirtschaftlichen Revolution auszuleben.

Das Klima-Buch von Greta Thunberg (2022)

„Der aktuellste Stand der Wissenschaft unter Mitarbeit der weltweit führenden Expert:innen“

Ich schätzte Greta Thunberg vor ihrer Hamas-Liebe sehr und hatte mich auf dieses Buch gefreut. Leider scheint für sie die Frage, wen man für den Klimawandel verantwortlich machen kann, wichtiger zu sein als pragmatische Klimaschutzmaßnahmen. Weil die Berichte des Weltklimarats wohl nicht katastrophal genug klingen, kommen bei Thunberg Experten zu Wort, die möglichst viele Alarmglocken läuten. Aus Allem aussteigen ist für mich keine Utopie, sondern eine Dystopie…

Fazit: 🤯 Alarmismus in Reinform

Deutschland 2050 von Toralf Staud & Nick Reimer (2021)

„Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird“

Theoretisch klingt das Buchkonzept super. Unzählige Experten zu verschiedenen Themen zu Wort. Du erfährst, wie sich Landwirtschaft, Tourismus oder Energieversorgung in Deutschland durch die Erderwärmung bis 2050 verändern können. Durch die Auswahl der beiden Autoren wird aber heftiges Framing betrieben. Wenn der Weltklimarat zitiert wird, dann das völlig unwahrscheinliche Worst Case Szenario RCP 8.5. Angeblich soll sogar in Deutschland in Zukunft das Kühlwasser für Wärmekraftwerke fehlen. Es werden also Mythen ohne jeden Fact Check übernommen.

Fazit: 📢 nicht objektiv, teilweise falsch

6 Grad mehr von Mark Lynas (2020)

„Die verheerenden Folgen der Erderwärmung“

Das Buch schildert die Folgen für jedes weitere Grad Erderwärmung von plus 1 Grad Celsius bis plus 6 Grad Celsius. Die Betrachtung basiert auf den Sachstandsberichten des Weltklimarates. Leider neigt das Buch zum Alarmismus, das verspricht ja schon der Titel. Warum muss man unrealistische Szenarien jenseits der 3°C Erderwärmung überhaupt besprechen? In Vorträgen kommt Mark Lynas deutlich neutraler und ehrlicher rüber als in diesem Buch.

Fazit: 📢 Unwahrscheinliche Szenarien

Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen? von Jonathan Franzen (2020)

„Gestehen wir uns ein, dass wir die Klimakatastrophe nicht verhindern können“

Jonathan Franzen tut so, als wäre der Kampf gegen den Klimawandel schon verloren und zwar auf ganzer Linie. Statt Klimaschutz zu betreiben, sollten wir uns besser auf den unausweichlichen Klimawandel vorbereiten. Die Erderwärmung ist aber nicht schwarz-weiß, ja oder nein. Eine Begrenzung auf 1,5°C Erderwärmung mag schon unerreichbar sein. Aber 2,0°C sind besser als 2,5°C sind besser als 3,0°C sind besser als …

Fazit: 📢 übelste Resignation

Die große Energiekrise: von Fritz Vahrenholt (2023)

“ … und wie wir sie bewältigen können“

Es tut mir weh, von diesem Buch abzuraten. Viele der Kapitel sind sehr gelungen wie die zu Fracking, Wasserstoff und Atomkraft. Der mit Energiethemen sehr vertraute Vahrenholt kritisiert ohne Blatt vor dem Mund die Schwachstellen der deutschen Energiewende und nennt die Lösungen konkret beim Namen. Leider schlägt er bei der Kritik an Wind und Solar total über die Stränge und nimmt auch die Herausforderungen des Klimawandels überhaupt nicht Ernst.

Fazit: 🥱 Erneuerbaren-Bashing

Apocalypse Never von Michael Shellenberger (2020)

„Why Environmental Alarmism Hurts Us All“

Michael Shellenberger hat schon immer gerne polarisiert. Mit diesem Buch hat er allerdings den Vogel abgeschossen. Es mag ja sein, dass Naturkatastrophen immer weniger Schäden verursachen, weil wir immer besser darauf vorbereitet sind. Das hat aber überhaupt nichts damit zu tun, ob es durch den Klimawandel mehr Naturkatastrophen geben wird. Schade, einige Kapitel in dem Buch klingen interessant. Wenn man aber als Leser immer wieder für dumm verkauft wird, vergeht der Lesespass.

Fazit: 🥱 Lukewarmer

False Alarm von Bjørn Lomborg (2020)

„How Climate Change Panic Costs Us Trillions, Hurts the Poor, and Fails to Fix the Planet“

Bjørn Lomborg stellt genau die richtigen Fragen: Wie muss man Entwicklungshilfe und Klimaschutz ausbalancieren? Welche Maßnahmen helfen Entwicklungsländern am meisten, heute und in Zukunft? Das Problem sind die Antworten auf diese Fragen. Statt ergebnisoffen die besten Daten zu interpretieren, selektiert und manipuliert False Alarm Daten um zu einem bestimmten Ergebnis zu kommen. Das ist äußerst schade, weil es völlig unnötig ist. Wenn dieses Buch auf Cherrypicking verzichten würde, wäre es eine absolute Empfehlung.

Fazit: 🥱 Lukewarmer

Klimadämmerung von Frank Hennig (2021)

„Vom Ausstieg zum Abstieg – ein Plädoyer für mehr Vernunft in der Energiepolitik“

Ganz ehrlich: es macht Spaß, dieses Buch zu lesen. Frank Hennig kommentiert in „Klimadämmerung“ bissig die vielen realen Probleme der deutschen Energiewende. So unterhaltsam das auch sein mag, seine Kritik ist leider alles andere als nüchtern vorgetragen. Oft genug wird übertrieben und der Worst Case als unausweichlich dargestellt. „Mehr Vernunft“ geht anders.

Fazit: 🥱 total übertrieben

Fossil Future von Alex Epstein (2020)

„Why Global Human Flourishing Requires More Oil, Coal, and Natural Gas–Not Less“

Kurzzusammenfassung: Klimawandelfolgen sind kaum der Rede wert und wir können uns daran anpassen. Es stimmt ja, dass wir zwischen Klimaschutz und den anderen 26 Nachhaltigkeitszielen abwägen müssen, insbesondere der Bekämpfung der globalen Armut. Das heißt aber nicht, dass Klimaschutz per se zu vernachlässigen ist.

Fazit: 🥱 Verharmlosung des Klimawandels

Unsettled von Steven E. Koonin (2021)

„What Climate Science Tells Us, What It Doesn’t, and Why It Matters “

Unsettled ist eine Kritik am Klima-Alarmismus in den Medien. Die Vereinnahmung von Klimaleugnern hat das Buch aber absolut nicht verdient. Ja, auch einige Stellen des fünften Weltklimaberichts von 2014 (AR5) werden kritisiert, aber nur zu einzelnen Klimafolgen. Das Buch verliert durch das baldige Erscheinen des sechsten Weltklimaberichts an Aussagekraft. Und zur Medienkritik gibt es bessere Bücher.

Fazit: 🥱 Strohmänner

Was wäre, wenn wir mutig sind? von Luisa Neubauer (2025)

Es wird alles gut, wenn wir die „Fossilität“ überwinden, also den kulturellen Fetischismus mit fossiler Energie. Dass fossile Energie billiger und einfacher verfügbar ist, hat laut Neubauer wohl überhaupt nichts mit der fossilen Vorherrschaft zu tun? Erdöl als kulturelles Problem? Also sorry, aber bei so einer maximal weltfremden Diagnose komme ich mir als Leser echt veräppelt vor…

Fazit: 💪 Fehldiagnose

Strom Tim Meyer (2025)

„Über Nostalgie, Zukunft und warum der Markt längst entschieden hat“

Die Erneuerbaren sind unaufhaltbar und es wird bei den sowieso günstigsten Erzeugern Wind und Solar ein exponentielles Wachstum geben. Ach und der wichtigste klimafreundliche Energieträger Europas taugt nix, denn Kernenergie ist böse. In dem Buch von Tim Meyer findet man gesammelt die Twitter-Propaganda von Energiewende-Fans. Warum wir jedes Jahr zweistellige Milliarden-Subventionen für die angeblich billigsten Erzeuger zahlen und Frankreich mit seinen AKW in jeder einzelnen Stunde jedes Jahres um Größenordnungen bessere CO2-Emissionswerte hat, kann das Buch dann nicht erklären.

Fazit: 💪 Aufwärmung von Twitter-Energiewende-Propaganda

Männer, die die Welt verbrennen von Christian Stöcker (2024)

„Der entscheidende Kampf um die Zukunft der Menschheit“

Fossile sind am Ende, Erneuerbare sind die günstigsten Energien und selbst der Ladenhüter Wasserstoff hat eine große Zukunft. Christian Stöcker ist kein Superlativ zu schade, um die schöne neue Energiewelt zu beschreiben. Dass wir trotzdem immer noch „die Welt verbrennen“ liege nur an Öl-, Kohle- und Erdgas-Lobbies und an korrupten oder unfähigen Politikern. Dass das große Geld längst von Erneuerbaren-Lobbies und über Erneuerbare-Subventionen ausgegeben wird? Egal, das sind ja die „guten Lobbies“ und die „guten Subventionen“ 😉

Fazit: 💪 Sammlung von Verschwörungstheorien

Countdown von Mojib Latif (2022)

„Unsere Zeit läuft ab – was wir der Klimakatastrophe noch entgegensetzen können“

UND

Heisszeit von Mojib Latif (2023)

„Mit Vollgas in die Klimakatastrophe – und wie wir auf die Bremse treten“

UND

Klimahandel von Mojib Latif (2024)

„Wie unsere Zukunft verkauft wird“

Der Meteorologe Latif wirkt eigentlich maximal geerdet. Er hält die 1,5-Grad-Grenze für illusorisch, macht sich keine Illusionen, dass Klimaschutz teuer ist und hält die Vorstellung eines Weltuntergangs durch die Klimakrise für abwegig. Vor allem im 1. und 3. Buch wird groß und breit erklärt, welche Gruppen mehr Klimaschutz bekämpfen und warum. Um so weltfremder wird Latif dann, wenn es in seinem 10-Punkte-Plan um Lösungen gehen soll. Weg mit umweltschädlichen Subventionen, die es gar nicht gibt. Und Ökoromantik soll helfen, von Bioprodukten (die mehr CO2 emittieren) bis zu Plastikverzicht (der mehr CO2 verursacht). Ach und natürlich haben wir schon alle Technologien, die wir brauchen und bauen nur zu wenig Wind und Solar aus 😉

Fazit: 💪 bei den Lösungen weltfremd

Klima-Bullshit-Bingo von Jan Hegenberg (2024)

“ „Klimaschutz zerstört die Wirtschaft!“, und andere Stammtischparolen widerlegt “

UND

Weltuntergang fällt aus! von Jan Hegenberg (2022)

„Warum die Wende der Klimakrise viel einfacher ist, als die meisten denken, und was jetzt zu tun ist“

Exemplarische Bücher für den Mythos „Klimaschutz ist einfach“. Leider berufen sich die Bücher dabei auf jede Menge Falschaussagen, zum Beispiel dass Deutschland sich mit Wind und Solar einfach selbst versorgen könnte. Die Big-5-Energiewende-Studien sehen das völlig anders und setzen auf massive Energie-Importe. Wissenschaftliche Quellen kommen generell zu kurz.

Fazit: 💪 Fact Checks hätten gut getan

So retten wir das Klima von Michael Sterner (2022)

„Energiewende einfach erklärt“

Michael Sterner ist Berater der Bundesregierung in Energiefragen und macht vielleicht deswegen einen großen Bogen um die Schwachstellen der deutschen Klimapolitik. Wenn es nach ihm geht gibt es gar keine Probleme mit der deutschen Energiewende, selbst das Speicherproblem ist schon längst gelöst. Wir müssen nur wollen und auch die hohen Kosten gibt es gar nicht. An vielen Stellen klingt der Text leider wie eine Sonntagspredigt.

Fazit: 💪 Energiewende durch die rosarote Brille

Was, wenn wir einfach die Welt retten? von Frank Schätzing (2021)

„Handeln in der Klimakrise“

Frank Schätzing tut schon im Titel so, als ob die Dekarbonisierung technisch gelöst und noch dazu sehr günstig wäre. Klimaschutz als Selbstläufer? Sorry, aber das ist Wunschdenken. Fossile Energie ist saugünstig, das ist ja gerade das Problem. Und das liegt nicht an angeblichen Subventionen, wie in dem Buch behauptet. Die Bösewichte seines „Klimathrillers“ sucht der Romanautor in der deutschen Politik. Dass überall auf der Welt Klimaziele verfehlt werden, tut nichts zur Sache.

Fazit: 💪 unglaublich weltfremd und naiv

Mensch, Erde! von Eckart von Hirschhausen (2021)

„Wir könnten es so schön haben“

„Mensch, Erde!“ will unterhalten und erzählen. Leider wirkt es wie eine zusammenhanglose Auflistung von Bühnenprogrammen des Komikers. Ein großer Teil des Buchs handelt gar nicht vom Klimawandel. Wenn du dich unterhaltsam berieseln lassen willst, dann kaufe das Hardcover mit schöner Aufmachung. Das Audiobuch ist abgekürzt und es gibt unverständlicherweise kein pdf mit den ansonsten toll aufbereiteten Grafiken.

Fazit: 💪 offtopic

Zieht euch warm an, es wird noch heißer! von Sven Plöger (2023)

„Können wir den Klimawandel noch beherrschen?“

Auf 500 Seiten verliert sich Sven Plöger in unglaublich vielen Details und homöopathischen Klimaschutzmaßnahmen. Wie wir unsere Welt dekarbonisieren können, wird leider überhaupt nicht besprochen. Wenn du dich auch nur am Rande mit Klimaschutz beschäftigt hast, wirst du in dem Buch wenig Neues lernen.

Fazit: 💪 wenig Informationsgehalt

The Case for Climate Capitalism von Tom Rand (2020)

„Economic Solutions for a Planet in Crisis“

Einfach Marktanreize setzen und der Rest ergibt sich von selbst. Das ist die Kernbotschaft von Tom Rand. Dass der Klimawandel neben der ökonomischen Herausforderung eine große technische Herausforderung darstellt? Geschenkt! Interessant war zumindest die Übersicht über die Klimabewegung am Anfang des Buches.

Fazit: 💪 stark vereinfachend

The Future We Choose von Christiana Figueres, Tom Rivett-Carnac (2021)

„Surviving the Climate Crisis“

Die Autoren behaupten, es wäre eigentlich ganz einfach, in nur 2 Jahrzehnten die ganze Welt zu dekarbonisieren. Wir haben angeblich schon alle Technologien für Nullemissionen und nur die böse Politik sabotiert alles. Sorry, aber das ist reines Wunschdenken. Es ist weder einfach, noch haben wir alle Technologien, noch schaffen wir das in 2 Jahrzehnten.

Fazit: 💪 schlecht recherchiert

Aufklärung jetzt von Steven Pinker (2018)

„Für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt. Eine Verteidigung“

Alles wird immer besser! Steven Pinker findet selbst im dunkelsten Slum Indiens Zuversicht. Klar, die Welt ist heute viel besser als jemals zuvor. Bei Pinker klingt das aber durch massives Cherrypicking nach einem Selbstläufer. Der technologische Fortschritt ist beeindruckend, den braucht man nicht auch noch so aufzubauschen, wie Pinker das tut.

Fazit: 💪 viel Übertreibung, aber das beste der „alles easy“-Bücher

Das Ende des Kapitalismus von Ulrike Herrmann (2022)

„Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind – und wie wir in Zukunft leben werden“

Eines muss man Ulrike Herrmann lassen, sie macht sich nichts vor. Wenn sie die deutsche Ideologie von 100% Erneuerbaren ehrlich zu Ende denkt führt das nicht ins Schlaraffenland, sondern zur Rationierung von Energie. Statt vom ursächlichen Problem der Fokussierung auf Wind und Solar abzurücken, schlägt sie allerdings vor den Bug zum Feature zu machen. Wenn wir die Verteilung von Mangel so gut organisieren, wie in der englischen Kriegswirtschaft, dann wird jeder glücklich. Hier eine ausführliche Rezension von Ulrike Herrmanns Degrowth.

Fazit: 🚫 Resignation statt Technologie

Befreiung vom Überfluss von Niko Paech (2012)

„Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie“

Lange bevor der Klimaschutz zum Gesellschafts-Thema wurde, schrieb Niko Paech bereits über Degrowth. Leider verliert sich Paech in Kapitalismus-Kritik und skizziert seine Postwachstumsgesellschaft und den Übergang zu ihr nur sehr lückenhaft. Sowieso basiert das Buch auf einer Falschannahme, denn Decoupling von CO2 und GDP funktioniert nachweislich. Paech behauptet hingegen das Gegenteil und belegt weder diese noch andere Behauptungen.

Fazit: 🚫 eher Fantasy- als Sachbuch

Die Donut-Ökonomie von Kate Raworth (2018)

„Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“

Kate Raworth ist sich nicht zu schade auch im 21. Jahrhundert noch das Strohmann-Argument des Homo Oeconomicus auszubuddeln. Auch sonst mangelt es dem Buch nicht an Stereotypen. Das Buch ist ungemein in die Länge gezogen. Nach mehreren Kapiteln befindet man sich in der dritten oder vierten Einleitung. Es ist offensichtlich, dass hier das Oxfam Discussion Paper mit 20 Seiten auf Buchgröße aufgepumpt wurde.

Fazit: 🚫 das Paper lesen reicht

Wir können auch anders von Maja Göpel (2022)

„Aufbruch in die Welt von morgen“

UND

Unsere Welt neu denken von Maja Göpel (2020)

„Eine Einladung“

Was will Maja Göpel eigentlich? Ich habe mehrmals versucht, das zu verstehen. Aber konkrete Lösungsvorschläge sucht man bei ihr leider vergebens. Und bei aller Wachstumskritik, was ist dann mit der globalen Armut? Um die loszuwerden brauchen wir jede Menge Wachstum. Klar, auch Symptome zu identifizieren ist wichtig. Mehr hat Karl Marx auch nicht getan. Aber es ist nur der allererste Schritt auf dem Weg die Welt „neu zu denken“.

Fazit: 🚫 Keine Lösungsansätze

Die Entscheidung von Naomi Klein (2015)

„Kapitalismus vs. Klima“

Wir wussten auch im Jahr 2015 schon, dass fossile Energien für den Klimawandel verantwortlich sind. Naomi Klein stellt das in „This Changes Everything“ trotzdem als große Erkenntnis dar. Das Buch handelt von Ölkonzernen, langatmig geschilderten Begegnungen mit Promis und unkonstruktiver Systemkritik. Lösungsorientiert geht anders.

Fazit: 🚫 kaum Informationsgehalt

Was Sie schon immer übers Klima wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten von Axel Bojanowski (2024)

„Der Klimawandel zwischen Lobbygruppen und Wissenschaft“

Das Buch des WELT-Autors und Geowissenschaftlers Bojanowski passt in keine der 4 Kategorien. Er verharmlost den Klimawandel nicht und übertreibt ihn auch nicht. Er tut auch nicht so, als ob Klimaschutz einfach wäre oder als ob wir Degrowth bräuchten. Es handelt sich bei dem Buch um eine sehr nüchterne und eigentlich langweilige Geschichte der Berichterstattung zum Klimaschutz. Ich will sicher nicht davon abraten, aber es ist schon ein sehr nischiges Buch.

Fazit: Sachbuch über Nischenthema

Plan B für das Klima von Gerd Ganteför (2024)

„Mit den Kräften der Natur den Klimawandel bewältigen“

Die Professoren Eberhardt und Ganteför argumentieren, dass das CO2-Budget-Modell des Weltklimarats zu stark vereinfachend sei. Zusammen absorbieren die Landsenke und Meersenke mehr als 50% der menschengemachten CO2-Emissionen. Ganteför schlägt stattdessen das „Badewannen-Modell“ vor, welches trotz Net Zero signifikante CO2-Emissionen erlaubt. Ich empfinde dieses Thema als zu wichtig, um es in einem populärwissenschaftlichen Sachbuch abzuhandeln. Laien-Leser wie ich können die Korrektheit überhaupt nicht beurteilen.

Fazit: Ein Sachbuch ist das falsche Medium, bitte als Studie herausbringen

Noch haben wir die Wahl von Luisa Neubauer, Bernd Ulrich (2021)

„Ein Gespräch über Freiheit, Ökologie und den Konflikt der Generationen“

Ein Boomer in der Medienbranche und eine junge Klimaaktivistin sprechen über Klimathemen in Deutschland. Leider sprechen sie nicht wirklich darüber, sondern lesen vorgeschriebene Texte vor. Das wirkt verdammt unnatürlich und macht zumindest das Hörbuch sehr schwer hörbar. Es fehlt dem Buch außerdem ein roter Faden, um das oft ziellos wirkende Brainstorming zu sortieren. Das Buch ritt 2021 auf dem bisherigen Höhepunkt der Klimabuch-Welle.

Fazit: schlechtes Buch-Konzept

3 Bücher von Kemfert und Quaschning

Auch die beiden Haupt-Apologeten der deutschen Energiewende haben Bücher veröffentlicht. Ich kann mich sicher nicht dazu bringen mir Volker Quaschnings „Energierevolution jetzt!“ anzutun oder Claudia Kemferts „Schockwellen“ / „Unlearn CO2“. Dazu habe ich schon zu viel von den beiden Autoren gehört.

Vermutlich fallen beide Bücher in die Kategorie „alles ist easy“ mit Speichern noch und nöcher. Aber hey, ich kenne die Texte nicht und deshalb keine Empfehlung für oder wider.

Kennst du noch weitere lesenswerte Bücher zum Klimawandel oder klimafreundlicher Energie?

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Updates:

  • 09.06.2021: Erstmals veröffentlicht.
  • 31.10.2022: Update mit 4 neuen, 2022 erschienen Büchern
  • 31.05.2024: Update mit 7 neuen Büchern
  • 19.11.2024: Update mit 6 neuen Büchern, „Upcoming Books“ eingefügt
  • 02.12.2024: Update mit Gerd Ganteförs „Plan B“ als neuer Empfehlung
  • 16.04.2025: Daniel Gräbers „Akte Atomausstieg“, Thess „Energiewendemärchen“ und Luisa Neubauers neues Buch hinzugefügt

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Dieser Beitrag hat 23 Kommentare

  1. Peter Heydasch

    So sehr ich Dir bei einigen Besprechungen zustimme, kann ich im Fall von Michael Shellenbergers Buch Deine doch recht heftige Kritik nicht nachvollziehen. Ganz im Gegenteil, ich finde, dass er seine Anliegen klar dargestellt und auch sehr gut belegt. Dass er seine eigene Entwicklung vom jugendlichen Ideologen zum rationalen Aktivisten beschreibt ist eine der vielen Bereicherungen dieses Buches. Für seine ausführliche Beispiele, den technologischen Fortschritt zu entdämonisieren, kann man ihm nur applaudieren. Seine Ausführungen wie der Westen den Entwicklungsländern grüne Technologien zur Energiegewinnung aufdrängt und damit Verzicht statt Fortschritt diktiert, sind sehr wertvoll. Wirtschaftswachstum, Wege aus der Überbevölkerung und damit aus der Armut ist mit Verzicht nicht möglich. Leapfrogging, das Überspringen von Entwicklungsstufen, hat schon bei der Entwicklungshilfe für Abfallmanagement über Jahrzehnte nicht funktioniert, trotzdem wird genau dies nun für die Energieerzeugung im globalen Süden wiederholt. Shellenberger setzt damit einen gewaltigen Hebel an einem der wichtigsten Dreh- und Knackpunkte an, ganz speziell für die wirtschaftliche Entwicklung der Länder südlich der Sahara, deren Bevölkerung ohne wirtschaftliche Entwicklung ansonsten um einige Milliarden (!) anwachsen könnte. Die Entwicklungsländer brauchen keine quasi-religiöse Umwelt-Apokalypse sondern pragmatische Lösungen. Und das stellt Shellenberger in seinem Buch sehr gelungen dar.

    1. Ich stimme in vielen Punkten mit Shellenberger überein und schätze mich glücklich ihn vor ein paar Jahren in Berlin getroffen zu haben. Aber so Punkte wie die Verknüpfung von Nuklearwaffen und Kernkraftwerken und die generelle Verharmlosung des Klimawandels sind meiner Meinung nach abträglich für die Diskussion.
      Trotzdem war sein Ausscheiden aus der Klimabewegung ein tragischer Rückschlag.

  2. Wolfgang Richter

    Die negative Kritik an Lomborgs Buch False Alarm teile ich nicht.
    Lomborg beschreibt in diesem Buch, das es auch unter dem sehr schlecht gewählten Titel „Klimapanik“ in deutscher Sprache gibt, meiner Meinung nach sehr ausführlich und nachvollziehbar den Spagat zwischen Maßnahmen zur CO2-Reduzierung und einer funktionierenden Wirtschaft, die das finanzieren kann. Er stützt sich dabei mit seinen Analysen auf den als Nobelpreisträger und auch als „Erfinder des 1,5-Grad-Ziels“ bekannten Ökonomen Nordhaus.
    Am gerade hier in Deutschland laufenden Negativbeispiel der abwandernden Industrie und dem immer mehr fehlenden Geld zur Finanzierung der Maßnahmen der Energiewende kann man sehen, dass Lomborgs Analysen und Vorschläge zu befolgen wohl besser sein könnte als das planlose Vorgehen Deutschlands mit der Energiewende: es gibt da nur Ausbauziele, doch es fehlt jeder stufenweise nach Realisierbarkeit technischer Art und Finanzierbarkeit sowie den Folgewirkungen (wie Netzaubau) Plan in Form eines Großprojekts. Der gezielte Umbau eines kompletten Energiesystems erforder einen „generalstabsmäßigen“ Plan. Aber zurück zu Lomborg, denn das mit dem fehlenden Plan steht nicht im Buch, das ist meine Aussage und beruht auf Aussagen des Bundesrechnungshofs.
    Im Buch werden mit Grafiken und guter Erläuterung verschiedene Wege aufgezeigt wie man vorgehen könnte und was wohl optimal ist. Außerdem wird auf die Probleme der Armut usw. in den Schwellenländern eingegangen, die bisher abgehängt statt mitgenommen werden.

    1. Danke für’s Feedback. Wie im Artikel steht, ich finde das Konzept von False Alarm sehr gut. Wenn Lomborg noch auf eine ausgewogene Darstellung und eine nicht so extrem selektive Auswahl von Quellen achten würde, gäbe es dafür auch von mir eine Empfehlung.

  3. Wolfgang Richter

    Folgende Bücher zur Klimahistorie sind meine Empfehlung:

    • Philipp Blom, Die Welt aus den Angeln, Eine Geschichte der Kleinen Eiszeit von 1570 bis 1700
    • Wolfgang Behringer, Tambora und das Jahr ohne Sommer
    • Ronald D. Gerste, Wie das Wetter Geschichte macht Katastrophen und Klimawandel von der Antike bis heute
    • Wolfgang Behringer, Kulturgeschichte des Klumas, Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung
    • Josef H. Reichholf, Eine kurze Naturgeschicht des letzten Jahrtausends
    • Heinz Wanner, Klima und Geschichte, Eine 12.000-jährige Geschichte
    • Susanne Kiermar-Bühn, Leben mit dem Wetter, Klima, Alltag und Katastrophe in Süddeutschland seit 1600
    • Rüdiger Glaser, Klimageschichte Mitteleuropas, 1200 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen
    1. Interessant! Ich habe beim Artikel zu Dunkelflauten grob recherchiert, was es in der jüngeren Geschichte für Wetterkapriolen und Klimaanomalien gab. Auch die muss unser Energiesystem in Zukunft alle beherrschen können.

  4. Corinna

    Hi, vielen Dank für die Auflistung, sehr spannend. Ein paar der Bücher kenne ich noch nicht und werde sie jetzt lesen.

    Allerdings teile ich Deine Einschätzung sowohl von „Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen? von Jonathan Franzen (2020)“ als auch von „Mensch, Erde! von Eckart von Hirschhausen (2021)“ nicht.
    Franzens Essay statuiert, dass wir den Klimawandel nicht aufhalten können. Dabei ist er aber nicht absolutistisch, sondern betrachtet aus meiner Sicht recht vernünftig, dass wir ja bereits an einigen Stellen mit den Folgen einer belegten Erderwärmung leben müssen. Und ganz realistisch betrachtet werden die aufsteigenden Industrienationen noch für weitere CO2- und Methan-Belastung sorgen. Also ruft er dazu auf, sich AUCH mit der Anpassung an den Klimawandel zu beschäftigen. Für mich hat der Essay einige zukunftsgerichtete und hoffnungsvolle Aussagen.

    Bei Hirschhausen geht es nicht ausschließlich um Klimawandel, sondern um ein breites Spektrum von Nachhaltigkeitsaspekten und die Wechselwirkung auf uns Menschen. Ja, er unterhält und geht nicht in die Tiefe. Aber das ist auch nicht der Anspruch, sondern er geht einen aus meiner Sicht sehr wichtigen Schritt: er bringt auf einfache Weise diese Themen einem breiten Publikum näher.

    1. Florian Blümm

      Danke für die Einschätzung. Sicher hat Franzen recht, wenn er sagt dass ein gewisser Grad an Erderwärmung unvermeidbar ist. Und manchmal macht Adaption sogar mehr Sinn als Mitigation. Mein Eindruck war, dass Franzen es übertreibt und zu sehr auf Adaption setzt. Aber vielleicht habe ich mich da auch getäuscht, ist jetzt auch schon ne Weile her.

      Bei Hirschhausens Vereinfachungen bleibt aber wirklich viel zu viel auf der Strecke und zwar nicht nur in seinem Buch. Dann lieber keine Wissenschaftsvermittlung als so.

  5. Andrej

    Was haltest du von Sieben Energiewende-Märchen von Vahrenholt?

    1. Florian Blümm

      Hab ich nicht gelesen. Ich bin zugegeben sehr skeptisch was Vahrenholt angeht. Er scheint gerne zu übertreiben.
      Ich habe aber sein neuestes Buch hier liegen und werde versuchen es möglichst vorurteilsfrei zu lesen.

      Deine Meinung dazu?

  6. DATAndre

    Seltsam, dass alle Pro-Atom Bücher lesenswert sind, trotz weithin bekannter inhaltlicher Schwächen. Auch seltsam, dass ausnahmslos alle Bücher schlecht sind, die auf Erneuerbare Energien setzen. Insbesondere, wenn du fact checks nahelegst, solltest du das Buch von Vince Ebert nicht auf der Empfehlungsliste haben. Aber was sind die Kriterien für die Empfehlung? Pro-Atom? Faktentreue kann es nicht sein.

    1. Florian Blümm

      Dann mal Butter bei die Fische. Wo irrt Ebert?
      Ich hab das Buch komplett durch und mir ist beim ersten Lesen nix aufgefallen.

  7. Thomas Leske

    Ich empfehle wämstens das Buch „Fossil Future“ von Alex Epstein, Philosoph und Lukewarmer. Langfristig ist er optimistisch, dass die Kernkraft sich durchsetzt und die Menschheit kein CO2 mehr ausstoßen braucht. Kurz- und mittelfristig hält er fossile Brennstoffe aber für unverzichtbar, wenn die Menschheit weiter gedeihen soll.

    Die Rezension des Volkswirt Bryan Caplan liefert einen guten Einblick:
    https://betonit.substack.com/p/read-fossil-future

    1. Ich befürchte das Buch wäre mir zu lauwarm. Aber kann ich natürlich nicht sagen ohne es zu lesen.

      Grundsätzlich stimme ich natürlich zu, dass wir bis mindestens Ende des Jahrhunderts fossile Brennstoffe brauchen werden.

  8. Thomas Leske

    Die Abwertung der „Lukewarmer“ kann ich nicht nachvollziehen. Viele Prognosen sagen Klimaschäden von bis zu 5% des Bruttosozialprodukts am Ende dieses Jahrhunderts vorher. Doch dieses Bruttosozialprodukt wird sich bis dahin wohl mindestens verdreifachen (wenn man 1,5% Wachstum pro Jahr annimmt, wie in Burke et. al. 2018).

    Bjørn Lomborgs Buch habe ich nicht gelesen, aber den „Advice for Policymakers“ seines Copenhagen-Consensus-Center:
    https://www.copenhagenconsensus.com/sites/default/files/cop15_policy_advice.pdf
    Sollten die schlimmsten Befürchtungen wahr werden, plädiert das Paper für Solar-Radiation-Management, das vorsichtshalber erforscht und entwickelt werden sollte. (Von wegen Nichtstun! Bloß nicht als sinnloser Aktionismus.)

  9. Moin Florian,

    Aus aktuellem Anlass musst Dir mal das Buch von Joeres und Goetze „Klima außer Kontrolle“ vornehmen, das von „Correctiv“ so hochgelobt wird. Ich weiß, es ist schwer 🙂 Aber dann werden aus 15 schon 16.

    1. Hehe, ich glaube ich verzichte. Genauso wenig muss ich mir Quaschning antun oder Lesch…

  10. Anna

    Deine Beschreibung zu manchen Büchern liest sich, als hättest du sie nicht gelesen. Beispielsweise bei Jonathan Safran Foer, der in seinem Buch vollkommen andere Schwerpunkte setzt, als von dir genannt. Ist das ein Bashing der Bestseller oder fundierte Recherche?

    1. Von Jonathan Safran Foer habe ich noch kein Buch gelesen. Hier ist aber auch keins von ihm rezensiert. Welches von ihm ist denn empfehlenswert?

      Ich will hier keine Bestseller bashen, aber ich empfinde viele Bücher, die sich mit dem Klimawandel befassen leider als sehr mangelhaft. Das gilt besonders für die beiden Extrema „es ist eh alles verloren“ oder „wenn wir nur wollen, ist Klimaschutz einfach“.

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